
Eine „weiße“ Canon-Tüte an einer E-M1I. Das geht mit einem Viltrox-Adapter EF-M2II. Das Ding ist gleich noch ein „Speedbooster“, also macht aus dem Teil rein rechnerisch ein 71-284 f/2,8-4.0. Wer den Canon-Prügel kennt, das Teil ist vermutlich Gusseisen. Ein solider Meinungsverstärker. An einer Canon DSLR hat es einen sehr flotten Autofokus, da fehlt sich nichts.
Mit dem Viltrox-Adapter funktioniert S-AF und C-AF an der E-M1II. Jo. Es stellt scharf. Irgendwann, irgendwo. Als Blende meldet er f/4, egal wo das Objektiv gerade von der Brennweite her steht. Die Helligkeit sinkt von „100mm“ auf 400mm aber ziemlich genau auf die Hälfte. Obwohl die Blende auf der Anzeige stur auf f/4 bleibt.
An der OM-1 funktioniert der Viltrox übrigens nicht – außer man setzt den Fräser an und kappt entweder den Sucherbuckel oder den Adapter ein ganzes Stück. Ab Werk kriegt man das Ding nicht montiert.
Der AF hat in etwa die Geschwindigkeit eines 50-200 SWD an einer E-M5. Klar. Der Viltrox kann keine Phasen-AF-Befehle direkt übersetzen, sondern meldet sich an der E-M1II als Kontrast-AF-Objektiv und schickt an den SWD des 100-400 Einzelschrittbefehle. Es ist faszinierend, dass das die Logik in dem kleinen Adapter steckt – nur halt ist das nicht praxistauglich. Der Ausschuss ist erheblich, C-AF kann man gleich vergessen und beim S-AF ist die Fehlfokusquote nicht tolerabel.
Ganz nebenbei das Pana 100-300II getestet: Weit überlegene Bildqualität, klare Schärfe, weit besserer Kontrastumfang. Das Canon neigt mit dem Viltrox zum Ausbrennen.

So sieht das von der Nähe aus. Mechanisch ist der Adapter einwandfrei. Da wackelt nichts. Und auch optisch halte ich ihn für gelungen. Das alte Ofenrohr liefert zwar nicht die digitale Schärfe des Panasonic, aber dafür durchaus Bokeh und eine nette Anmutung.

Am Rand wird das Bokeh kartoffelig, aber bis dahin ist es fein, die CAs, die natürlich nicht korrigiert werden, halten sich in Grenzen, offenblendig kann man Purple Fringing bekommen.
Wenn man Pech hat, kann man auch solches Bokeh kriegen:

(Nur für die supernetten Zeitgenossen, die nicht müde werden, mir zu erklären, alle meine Fotos wären Grütze. Ja, dieses Foto ist Grütze, aber es zeigt einen Effekt, den ich absichtlich garantiert nicht produziere.)
Also wenn man sich bei der Motivauswahl auf Dinge konzentriert, die sich nicht bewegen, kann der Prügel liefern. Bringt halt eine ganz andere Anmutung als das ultrascharfe, native mFT-Zeug. Und mit den Spitzlichtern muss man aufpassen. Die sind ratzfatz weg.
Nochmal: Ich schreibe hier nicht über das Canon selber, sondern nur in Verbindung mit dem Viltrox Speedbooster.
Wer kein 70-300, 75-300, 100-300, 100-400 oder 90-250 hat, sondern eben dieses Rohr noch rumliegen hat, der kann mal die 150 Euro für den Viltrox opfern. Wie gesagt, die Anmutung ist eher analog, der AF ist eher suboptimal. Im Zweifel sollte man das Objektiv dort nutzen, wo es hingehört: an einer Canon.
Ich habe für die OM-1 meine beiden Metabones (mit/ohne Speedbooster) an der entscheidenden Stelle einfach abgefeilt und die abgetragene Stelle mit einem Edding Acrylstift übermalt und so kaschiert – siehe Anhang.
Vielleicht kann man den Viltrox ja auf ähnliche Weise an der OM-1 nutzbar machen.
„Mein“ Viltrox ist geliehen. Da werde ich nicht anfangen zu feilen….
Danke, dass du das mal ausprobiert und dokumentiert hast! in den einschlägigen Foren kommt das Thema immer wieder mal hoch. Es ist Jammerschade, dass Viltrox das so schlecht umgesetzt hat. Die E-M1 kann ja „phasisch“ und das Objektiv ist für Phasen-AF gebaut. Das ginge also viel besser.
Die 150€ für den Viltrox-Adapter (gibt es auch ohne Speedbooster) halte ich angesichts der Preise für gebrauchte Canon DSLRs allerdings für rausgeworfenes Geld.
Der Adapter ist ja auch eher dafür gedacht, Objektive zu adaptieren, für die es keine vergleichbaren in der mFT-Welt gibt, z.B. EF85/1.2 oder EF 400/2.8 … und dafür dürfte er mehr als ausreichend sein.
Das Problem ist eben der AF. Wenn man mit einem schnarchlangsamen AF klarkommt – alles prima.
Ja, die „Luftpumpe“…..
Hatten wir – zu unserer Vor-Oly-Zeit – in unserem Bestand. Machte an der 5D (12MP) einen sehr guten, an der 50D (15MP, APS-C) einen eher unguten Job. Schnell Staub zwischen den Linsen und (viel schlimmer) der Stabi ging immer wieder kaputt. Nach der letzten Wartung in Willich haben wir den ganzen Canon-Kram verkauft (bzw. verschenkt) und sind komplett auf die E-M1 (I) umgestiegen.
Und haben es nicht bereut.
Die 5D mach einen guten Eindruck in der Vitrine, von der Marke ist nur noch die G1X (unverwüstlich) und ein Scanner im Betrieb.
Vielen Dank ür die Vorstellung!
LG
P.S. Unsere Gegenlichtblende sah doch etwas anders aus – kann das sein 😉
Absolut. Ich habe die Canon-Ausrüstung geschenkt bekommen…..