
Margarine – also billiges, streichbares Fett – wurde 1869 auf Betreiben Napoleon III erfunden, der seine Soldaten mit „haltbarer Butter“ billiger verpflegen wollte. Hippolyte Mège-Mouriès mischte zerstoßenes Kuheuter, Milch, Wasser und Nierenfett zusammen und wollte das vermarkten.Das ging ein bisschen schief – die Franzosen waren mit der Pampe nicht so glücklich. Er verkaufte sein Patent 1871 und Zack – eröffnete ein Apotheker in Köln das erste Margarinewerk in Deutschland – Marken: Overstolz und Botteram. Auch die Niederländer fingen 1871 an und innerhalb kürzester Zeit gab es in Deutschland 45 Margarinefabriken. (Die erste pflanzliche Margarine ohne seltsame Zusätze wie Gips kam übrigens erst 1952 in Hamburg raus. Von Vitaquell und wurde nur in Reformhäusern verkauft.)
1920 gab es eine unüberschaubare Menge Margarine im deutschsprachigen Raum. Also nahm man sich ein Beispiel an der Tabakindustrie, die schon seit 1910 in Deutschland „Zigarettenbildchen“ in die Packungen legten. Da die Bildchen etwas schäbig waren, legte man auch Figuren aus Metall oder Holz bei. 1929, als die Leute froh waren, sich überhaupt Fett kaufen zu können und auf die Marke pfiffen, stellte man diese Sitte wieder ein.
Nach dem Krieg, als wieder Geld und Fett da war, ging es wieder los. 1950 gab es wieder Margarinefiguren. Jetzt eben nicht mehr aus Holz oder Metall, sondern Plasteteile. Der obige Löwe war in einer Nestlé-Margarinedose. Innerhalb von vier Jahren wurden tausende unterschiedliche Figuren produziert, Margarinefigurensammler finden immer wieder neue Exemplare, die im Katalog noch nicht verzeichnet sind.
Wer einsteigen will: Margarinefigurenkonvolute gibt’s bei Kleinanzeigen.de schon für 15 Euro für 30 Stück.
Die Margarinefigurenseuche endete 1954 abrupt – die Industrie einigte sich, zum 1.3.1954 die Zugaben einzustellen. Wo ist das Kartellamt, wenn man es mal braucht? Es wurde erst 1958 gegründet, eventuell in Reaktion auf den plötzlichen Verlust der Margarinefiguren. Auch Politiker haben Kinder.
Wie komme ich drauf? Ich baue gerade den Garten in Rocksdorf um und bin beim Ausgraben eines alten Weges aus dem 19. Jahrhundert. In dem Schutt der auf dem Weg lagert, fand sich neben jeder Menge Hühnerknochen und Kronkorken eben auch diese Margarinefigur eines Löwen. Und ich gestehe, ich habe solche Figuren schon gesehen, aber hatte keine Ahnung, dass die mal mit Streichfett vertickt worden sind.
Ganz nebenbei habe ich auch das hier gefunden:

Der Schusser ist klar – die Patronenhülse, von der ich eine ganze Handvoll gefunden habe, hat mir Kopfkratzen verursacht. Der Bodenstempel ist FA 61. Ich vermute, dass ist eine amerikanische Manöverpatrone, die zurückgeblieben ist, als die GIs in den 50er und 60ern im Landl Krieg gespielt haben. Damals haben die Panzer der Befreier die Äcker in der Gegend planiert und das eine oder andere Bauernhaus zu Klump gefahren, weil es im Weg stand. In Pyrbaum musste ein mittelalterliches Stadttor dran glauben und weil die Straße auf einmal so schön frei war, hat man auch noch gleich das andere auch abgerissen.
Wenn sich hier jemand mit Militaria auskennt – für Informationen bin ich dankbar. Und ja. Es sind nur Hülsen, da ist außer Dreck nichts drin.
Update: Es sind keine Manöverpatronen. Es ist eine 5,56 x 45 NATO oder auch .223 Remington. Hergestellt von Frankford Arsenal 1961. Das war also scharfe Munition. Ich habe allerdings keine Ahnung, warum da ein halbes Dutzend dieser Hülsen in Rocksdof hinterm Haus liegen.
Erstaunlich, was man bei PAT immer wieder erfährt:
Ich habe noch nie etwas von Margarinefiguren gehört.
Erstaunlich auch, dass es so etwas bereits in den
1920er Jahren gab. Noch erstaunlicher ist es, dass
nicht nur Kinder sich von irgendwelchen beigelegten
Figuren beeindrucken lassen können (so wie es in
modernen Zeiten mit Figuren-Cornflakes-Kombinationen
geschieht), sondern auch Erwachsene.
Zu der Aussage „Es sind keine Manöverpatronen. Es
ist eine 5,56 x 45 NATO oder auch .223 Remington.“:
Das Eine muss das Andere ja nicht ausschließen. Auch
bei diesem Patronentyp gab es ja Manöverpatronen.
Und die Patrone, die man auf dem Bild sieht, scheint
keine Variante gewesen zu sein, mit der man schießen
konnte (wegen der Verlängerung der Patronenhülse an
der Stelle, wo das Geschoss sich befinden sollte.),
d.h. für mich sieht sie wie eine Manöverpatrone aus.
Ich bin aber kein Militaria-Experte.
In den 60ern und 70ern gab es Figuren im Kaffee. Zumindest im Malz- und Feigenkaffe von Tietze und Linde.
Beim Umschütten in eine Dose kam so langsam die Figur zum Vorschein. Ein Erlebnis für die ganze Familie. Es gab Tierfiguren und Personen aus dem Western-Genre.
Also ich fand die Prilblümchen, mit denen sich die 60er Jahre Kacheln etwas aufpeppen ließen, eigentlich schöner als die Plastikdinger. Die Blümchen gab es auf den Spülmittelflaschen zum Abziehen, meiner Erinnerung nach in den 70ern.
Wir hatten/haben die Fliesenkacheln (15×15 cm) in drei Farben im Haus: Toiletten in Blassgelb, Bad Wohnung Erdgeschoss rosa und Bad oben blau. Es gab wohl auch noch grün- das haben meine Eltern uns erspart.
Im Zuge der Retrowelle sind diese Kacheln übrigens auch wiedergekommen, allerdings in mehr Farben.
Prilblumen sind böse.
Die Dinger bestanden aus Papier. Und wenn man die einmal aufgeklebt hatte, waren die nicht mehr ohne Chemie zu entfernen. Und ich bin mir sicher, dass Henkel das wusste. Die Prilblumen sind übrigens nur von 1972 bis 1984 auf den Flaschen gewesen. (Außer vor ein paar Jahren als Retro.) Die Küchen, die durch Prilblumen ruiniert wurden, gehen wahrscheinlich in die zigtausende. Der volkswirtschaftliche Schaden ist nicht schätzbar…..