Das ist ein 2CV6 mit 29PS. Baujahr 1983. Entwickelte die Höllengeschwindigkeit von 115 km/h. Fetter Abzug an der Ampel. 1988 auf einem Campingplatz in Jugoslawien. Der 2CV ist grob 40 Jahre fast unverändert gebaut worden. OK. die Motoren sind stärker geworden, ein drittes Seitenfenster kam dazu, die Stoff-Kofferraumklappe wurde durch Blech ersetzt und man konnte irgendwann das Dach auch von innen öffnen. Die Laschen für das alte Rolldach waren aber immer noch da.

Citroen hat mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln versucht, die Ente loszuwerden. Mit dem Ami6, mit der Dyane, mit dem LNA. 1990 haben sie dann den Kunden gesagt „Fickt euch“ und die Produktion eingestellt. Und damit auch niemand mehr auf die Idee kommt, ne Ente zu wollen, haben sie bei den 2CV des letzten Baujahrs Rahmen verwendet, die mit fast absoluter Sicherheit innerhalb von wenigen Jahren durchrosteten.

Bei den Kameras ist das anders. Eine PEN-F ist 2016 rausgekommen und nach wenigen Jahren eingestellt worden und mittlerweile gibt’s auch keine Reparatur mehr. Einen Nachfolger der PEN-F gibt’s nicht. Wird zwar seit Jahren gerüchtet, aber – kummt net.

Es geht auch anders: Die E-M1II kam auch 2016 raus. Seitdem gab es folgende Nachfolger als „Flaggschiff“: E-M1III, E-M1X, OM-1, OM-1II. Und alles ruft nach der OM-1III.

Gleichzeitig gibt es Leute, die noch mit der E-M1 fotografieren – ja, sogar mit der E-5. Und letzthin ist mir sogar einer mit einer E-520 über den Weg gelaufen.

Von DJI ist im November letzten Jahres die Neo 2 rausgekommen. Und jetzt laufen bereits die Gerüchte und Specs der Neo 3 um, die vermutlich im Frühjahr auf den Markt kommt.

Vor einigen Jahren war es ein Runnign Gag: „Wie alt ist Dein Handy? Ein halbes Jahr? Und Du hast noch kein Neues?“ Das ist glücklicherweise mittlerweile etwas abgeflaut.

Wenn ich mich mit Fotografenkollegen unterhalte, war die beste Lösung die der E-M1. Man kauft eine Kamera und kriegt regelmäßig Firmwareupdates, die dafür sorgen, dass die Kamera am Fortschritt teilhat. Die Idee, wegen kleiner Verbesserungen oder sogar wegen Bugfixes eine neue Kamera zu kaufen, finden eigentlich nur bezahlte Influencer sexy.

Bei meiner Ente – habe ich mit der Zeit eine bessere Zündung reingebaut. Die Bilux-Lampen gegen Halogen-Einsätze ausgetauscht. Das Plastikverdeck durch ein Stoffverdeck. Ich habe das Reserverad unter die Motorhaube und den Rostrahmen durch einen verzinkten Rahmen ersetzt. Dinge.

Wäre nett, wenn ich das auch mit meinem restlichen Krempel machen könnte. Einfach irgendwas, was mich nervt, austauschen gegen was ,was richtig gut funktioniert.

Ich bin nicht wirklich schlüssig, ob ich lieber alle paar Jahre ein richtig toll verbessertes Produkt haben will, das ich kaufen muss, oder eben ein Produkt behalte und es nur nach meinen Bedürfnissen nach und nach ergänze und verbessere. Klar, es hat auch was, ein Gadget zu haben, das alles kann – außer Kaffeekochen (was mir wurscht wäre, weil ich keinen Kaffee trinke.) aber da muss man sich auch wieder einarbeiten. Was mir nicht gefällt, ist eben der moderne Weg, den Einbau von Selbstverständlichkeiten kostenpflichtig zu machen. Ja, wir könnten Dir das per Firmwareupdate geben. Aber es ist uns lieber, wenn Du eine neue Kamera für zweieinhalbtausend Ocken kaufst. Due würdest gerne die Schnapperatismen in Deinem Auto nutzen? Sitzheizung, Navi, und so? Kostet extra. Nein, den Strom für die Sitzheizung musst Du selber zahlen. Ach ja, und wenn wir den Server abschalten, der Dir die Sitzheizung einschaltet, dann haste halt nen kalten Hintern.

Also kurze Produktzyklen mit signifikanten Verbesserungen? Oder kurze Produktzyklen mit marginalen Verbesserungen? Oder alte Hardware mit Updates? Oder Abomodell?

Und wenn ja, warum?

11 Replies to “Produktzyklen”

  1. Moin
    Ich sehe es ja so, das ich keine Softwareupdates erwarte, mich würde das eher nerven.
    Klar aber sollte sein das fehler in der Software noch ausgebessert werden können.
    Ansonsten kaufe ich ne Kamera für das was sie kann und das soll sie einfach zuverlässig und lange tun und natürlich auch reparabel sein, ich denke 10 Jahre.
    Wie die Ente damals sehe ich es heute mit meinem fast neuen 940er Volvo, ich erwarte das er mich überall hinbringt und das tut er mit 29 Jahren noch.
    Ich würde nicht erwarten das Volvo mir da noch nen Spurhalteassistenten nachliefert.
    Gruß
    Hartmit

    1. Das Problem dürfte sein, dass der Spurhalteassistent Hardware erfordert, die nicht verbaut ist. Ähnlich ist es bei meinem Trafic. Der hat eine Diesel-Zusatzheizung drin, für den Fahrgastraum. Die kann man mit einem Zusatzgerät als Standheizung nutzen. Das Gerät ist nicht verbaut, gibt’s aber als Zubehör. Absolut OK. Wenn das verbaut wäre und ich das die ganze Zeit rumfahre, aber es erst nutzen darf, wenn ich zusätzlich Geld abdrücke, oder, noch blöder, ich einen neuen Trafic kaufen muss, nur wegen diesem kleinen Gerät zum Einschalten der Zusatzheizung, dann bekäme ich Hals. (Aber genau das ist die Methode, die sich mittlerweile im Kamerabusiness ausgebreitet hat.)

  2. Moin,

    ich kaufe Produkte nach den Anforderungen, die ich zu dem Zeitpunkt habe, an dem ich kaufe. Neue Features oder Funktionen sind mit meist völlig Wurst. Udates installiere ich nur als Bugfixes, für Bugs in die ich selber gelaufen bin, oder wenn mich der Hersteller dazu zwingt. Neue Produkte kaufe ich nur als Ersatz für unreparierbar defekte Produkte, oder weil sich meine Anforderungen geändert haben (der Hilux musste gehen, als ich plötzlich 1000 km Autobahn pro Woche fahren musste und meine Ohren das ansonsten mit Einstellung der Funktion quittiert hätten).
    Das einzige Update das ich sehr gern hätte wären Elektromotoren anstatt der Steinzeittechnik-Verbrenner in den Autos. Das wird es aber vermutlich nicht als Gimmick gratis geben.

  3. Hmmmm,
    mein Schatz und ich sind bekennende Möglichst-Lange-Nutzer!

    Neu kaufen wir nur, wenn das neue Produkt so richtig dolle und toll etwas kann, was wir tatsächlich zu brauchen glauben, was das alte eben nicht kann. Nein, ein paar mehr MPix zählen nicht dazu.
    Oder wenn das alte nicht mehr reparierbar ist. Reparieren möglichst lange seitens der Hersteller oder entsprechender Dienstleister finden wir richtig gut! Hab inzwischen zwei FT12-60 mit Blendenklemmern, die ich gerne repariert hätte… *grmpf*

    Das Abo-Modell bei bestimmten Softwaren nervt mich zwar, hat allerdings auch seine Vorteile. Aufgrund des Daten-Austausches mit Kollegen sollte ich immer einigermaßen auf dem neusten Stand sein. Da sind regeläßige Updates schon angebracht (wie gesagt: können auch nerven). Wo ich auch das nicht brauche verweigere ich mich gerne.

    Bestimmte Geräte nur zu mieten, wenn ich sie wirklich brauche, ist ein Hauptbestandteils meiner Arbeit in der Veranstaltungsbranche. Und auch Fotoequipment kann man ggf. mieten. Warum nicht auch Software? Das finde ich nur konsequent: für meine alltägliche Arbeit habe ich ein einfaches (dadurch eher preiswertes) Programm. Für bestimmte Zeit oder einen bestimmten Arbeitsumfang schalte ich ggf. Zusatzmodule kostenpflichtig frei. Das ist wie ein Super-Tele mieten für einen bestimmten Job (oder Urlaub).

    Hardwarekomponenten immer zu verbauen und nur nach Bezahlung freizuschalten (Stichwort: Sitzheizung) mag zwar für den Hersteller ökonomisch sinnvoll sein. Ökologisch halte ich es für eine Katastrophe. Und es hat für mich deutlich das Gschmäckle von Kundenverarsche: wofür extra bezahlen, wenn das Produkt doch offensichtlich in der Kalkulation schon drin ist!

    jm2c, Martin

  4. Hmm, bzgl. Software, auch FW in Kameras :

    Fehlerkorrekturen sollten generell kostenlos sein
    Updates mit kleinen Verbesserungen sollten umsonst sein

    Upgrades mit neuen / erweiterten Funktionen dürfen gerne etwas kosten.
    Aber ob sich das für OMDS für einen relativ kleinen Kundenkreis lohnt (Zahlungswesen, Verwaltung,..) ?

    Bei den E-M1xxx und Vorgängern ging es alles noch ohne Zusatzkosten, war ein Kaufargument für mich und ein Argument bei Olympus zu bleiben. Selbst die OM1.1 hat noch einige Updates bekommen, auch welche die nicht nur neue Objektivunterstützung beinhalten, z.B. Papierkorb als Löschtaste (hätte ich nicht gekauft)

    Ich habe mich schon geärgert das meine OM1.1 mit demselben Sensor einige Funktionen der OM 1.2 nicht bekommen hat und an ein Update auf die scheinbar neue Funktionalität der PEN (die ja ÄLTERE Hardware hat) bzgl. Motiverkennung Mensch glaube ich auch nicht.
    Nachhaltig sieht anders aus.

    Grüße
    Tom

    Abomodelle mag ich gar nicht, gekaufte Software sollte in der gekauften Version dauerhaft nutzbar bleiben, irgendwann halt ohne Updateunterstützung. Bei TOPAZ z.B. habe ich auf den Umstieg auf ein teures ABO verzichtet und nutze die alte Version weiter. Bei DXO lasse ich auch mal eine Version aus. Adobe nutze ich nicht mehr.

  5. Niemand beklagt sich, dass ein verzinkter Rahmen für das hässliche Entlein eine schöne Stange Geld kostet. Die Entwicklung und den Test neuer Funktionen gibt es auch nicht zum Nulltarif. Da aber die Neigung vieler Fotografen, für neue Funktionen zu bezahlen, eher gering ausgeprägt ist, beschränkt sich der Hersteller auf Fehlerkorrekturen und die Unterstützung neuer Objektive. Dass Olympus es seinerzeit anders gehandhabt hat, war natürlich angenehm. Aber wir erinnern uns, dass die Fotosparte von Olympus ein Zuschussgeschäft war.

  6. Ich hätte gerne den Mittelweg. 4-5 Jahre Produktzyklus aber mit fettem SW Update in der Mitte damit Features die inzwischen bei z.B den später erscheinenden auch den Weg ins Flagship finden.

    Die ganze Diskussion über mehr Schärfe im Curry und das dies technisch nicht möglich sei und dann hat der Koch doch nochmal heimlich nachgeschärft war für uns gut aber eigentlich absolut erbärmlich.

    Dann noch die Bescheuerte Politik das man riesen Preise zum Launch verlangt und dann sehr kurze Zeit später die Rabattschlacht beginnt.

    Dem Laden traue ich keinen Meter mehr übern weg.

    Interessierte Restaurant Kritiker sollte man auch nicht von seinem Street Food Stand ausschließen. Auch absolut erbärmlich

  7. Einen ähnlichen Gedanken habe ich zuletzt auch geäußert. Einige sind meiner Meinung und andere sagen, dass die Firma ja Geld verdienen muss.

    Da gehe ich ja auch grundsätzlich mit, aber ein längerer Produktzyklus für eine OM-1 würde ja auch Ressourcen für eine Überarbeitung von Objektiven freisetzen. Oder für eine Softwarepflege der bestehenden Kameras, welche dann halt auch länger am Markt verkauft werden können!

    Ich verstehe z.B. nicht, warum die Custom Modes der OM-1 MkI und II immer noch nicht mit Namen versehen werden können? Oder warum bringt man nicht den verbesserten AF der PEN auf die OM-5 MkII?

  8. Ich vermute hier ein eher unscheinbares Detail im Hintergrund: Wer hat heute noch wieviele Personen in einer eigenen Firmware-Entwicklungsabteilung? Diese Leute sind absolut Spezialisten und nicht billig. Da ist sicher schon mancher Manager auf die Idee gekommen, solche Personen aus Kostengründen outzusourcen und dann nur noch projektbezogen zu beschäftigen.
    Und genau hier kommt die Falle: Jede Änderung nach Abnahme oder Projektende kostet neues Geld für externe Dienstleistung, während eine eigene Abteilung die gerne so genannten eh-da Kosten verursachen. Kann man lange darüber diskutieren, aber Fakt ist: mit einer eigenen Abteilung kann man auch permanent alte Produkte verbessern und nicht nur für neue Kameras neue (oder alte kopierte) FW entwickeln…
    Hier vermute ich einen der großen Unterschiede zwischen Olympus in den 2010er Jahren und jetzt OMDS

  9. Vielleicht wäre das richtige Auto für dich von Porsche gekommen. Der FLA. Das Forschungsprojekt Langzeit Auto das 1973 auf der IAA ausgestellt wurde, und dann schnell in die Versenkung gedrückt wurde, weil es den Profit-Optimierern nicht in das Konzept passte.
    Es ist halt so, daß unser Wirtschaftssystem Konsum fördert, und Hersteller mit Langzeit-Produkten bestraft. Ist leider überall zu sehen.
    Wobei, zum FLA gibt es nicht mal eine Wikipedia-Seite, wenn Oldtimer Markt nicht mal berichtet hätte wüsste ich auch nichts von.
    https://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/porsche-fla-eine-auto-studie-fuer-die-ewigkeit-a-1266319.html

    1. Meine Ente hat demnächst die 20 Jahre des FLA verdoppelt. Ist leicht zu reparieren (man kann die gesamte Karosserie vom Rahmen abschrauben und mit zwei Mann abheben.) Dazu ist nur ein verzinkter Rahmen notwendig…

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