
Was ist ein „Darkframe“, wozu braucht man ihn und wie schaltet man ihn ein?
Fangen wir mit den Basics an: Bildaufnahmesensoren rauschen. Je wärmer sie werden, desto mehr rauschen sie. Und je länger sie in Betrieb sind, desto mehr rauschen sie. Und das Rauschen summiert sich auf, weil es ja darin besteht, dass irgendwelche Ladungen in einzelne Pixel geraten, wo sie nicht hingehören. Wenn das dann ausgelesen wird, dann sind in dem Pixel, das eigentlich keine Ladung haben sollte, auf einmal ein paar hundert, tausend oder auch zigatusend Elektronenvolt drin. Was als „Hell“ erkannt wird. Und weil ja über den einzelnen Pixeln Farbfilter sind, ist die Kamera der Meinung, das wäre eine rote, grüne oder blaue Lichtquelle.
Das sieht dann so aus, wie das Titelbild, bei dem mit einer OM-5II 30 Minuten lang die Innenseite eines Objektivdeckels fotografiert wurde. Das ist übrigens ein Ausschnitt in der Mitte, der Rest sieht genauso aus.
Das ist, wenn man bei Tag fotografiert nicht so das Drama, weil da ja Dinge sind, die fotografiert werden. Häuser, Bäume, Autos, Himmel. Und wenn da ein einzelnes Pixel in einer Wand etwas heller und das andere etwas dunkler ist, dann fällt das kaum auf. Am Himmel vielleicht, da kann man dann etwas „Rauschen“ erkennen, so eine „körnige“ Struktur.
Wenn man in der Nacht Sternenhimmel fotografiert, ist das etwas doof, genau da will man halt nur den echten Sternenhimmel fotografieren und nicht den, den die Kamera dahergerauscht hat.
Also ist jemand auf die Idee gekommen, dass ein Sensor so grob bei gleicher Temperatur auch immer an den gleichen Pixeln rauscht. Das stimmt zwar nur so ungefähr, aber immerhin ist das ein cooler Ansatz. Man macht also nach der „richtigen“ Aufnahme eine, bei der der Verschluss gar nicht aufmacht, aber mit gleicher Länge und hofft mal, dass bei der Aufnahme von der Rückseite des Verschlusses die gleichen Pixel wieder rauschen. Dann kann man einfach die Ladung der Pixel von der zweiten Aufnahme von der Ladung der Pixel von der ersten Aufnahme abziehen und Hurra, man hat ein sauberes erstes Bild.
Kleines Problem: Wenn der Sensor im Verlauf der beiden Belichtungen immer heißer wird. Dann passiert das hier:

Und wenn man nun einen Darkframe abzieht, dann sieht das so aus:

Ups? Nicht sehr erfolgreich? Es ist nur bei der E-M1 so krass, andere Kameras haben das besser im Griff. Aber wirklich 100% sauber wird das bei langen Belichtungen eigentlich nie, weil sich eben die Temperatur des Sensors in dem Fall innerhalb einer Stunde Gesamtbelichtung doch ändert.
Da bei LiveComposite die Gesamtbelichtungszeit noch viel länger werden kann, macht die Kamera bei diesen Aufnahmen vor UND nach der Belichtung einen Darkframe und zieht die Ergebnisse vom Ergebnis des LiveComposite ab. Und das kann man auch nicht abschalten, im Gegensatz zum „normalen“ Darkframe, der über den Parameter „Rauschminderung“ im Menü abgeschaltet werden kann. Der Parameter hat drei Werte: Aus, An und „Auto“. Aus ist Aus, An ist An und „Auto“, der Defaultwert, macht den Darkframe abhängig von der eingestellten ISO.
| ISO | Darkframe ab |
| L64-400 | 4 Sekunden |
| 500-1600 | 2 Sekunden |
| 2000 – 102400 | 1 Sekunde |
Wie man sieht, geht der Darkframe sehr früh los, nicht erst im Minutenbereich. Es kann also durchaus sein, dass man in einer dunklen Kirche fotografiert und auf einmal die Mitteilung „Rauschminderung läuft. Bitte warten“ am Display sieht.
Die Rauschminderung ist ab Werk abgeschaltet, wenn man mit dem elektronischen Verschluss knipst. Nicht weil das rauschärmer ist, sondern weil der Verschluss Geräusch macht. (Kameras ohne mechanischen Verschluss haben keinen DarkFrame.) Kann man unter „Lautlos Eigenschaften“ einstellen.
Funfact: die Orientierung des Bildes – Hochkant oder Quer – wird nicht beim Beginn der Belichtung ermittelt, sondern beim Ende.
Und ja, Kleinbildsensoren rauschen weniger. Sie tun es aber auch.
DANKE! Jetzt habe ich es wirklich verstanden.