Snicklink vs ChatGPT

Ich denke, „Snickers für Linkshänder“ aka Snicklink aka Willy Kramer dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein, einige seiner Deepfakes haben es auch schon in die Tagesschau geschafft. Er ist der wohl bekannteste Schwurbelkünstler Deutschlands und macht seit Jahren mit KI rum. Hier habe ich ihn schon mal erwähnt. Der hat auf seinem Telegram-Kanal vor ein paar Tagen einen langen Text zum Status der KI rausgehauen., den ich hier im Vollzitat bringe.

It’s happening – Es passiert.
Es passiert WIRKLICH.

Langsam werden die überheblichen Dulli-Kommentare á la „K.I. kann keine Finger“ oder „K.I. hat keine Seele und wird den Menschen niemals ersetzen“ dünner… bald werden sie ganz verschwinden.

Nein, K.I. hat keine Seele. Noch nicht. Aber es ist noch viel schlimmer. Du wirst von einer Entität ersetzt werden, die KEINE Seele hat. Sie braucht keine um dich zu ersetzen. DAS ist der Punkt.

Und das, wovor ich… und einige frühe „Verrückte“ gesprochen haben… tritt… jetzt gerade ein.

Als ich Ende 2014 mit meinen ersten Talks/Posts über K.I. und die Zukunft von Arbeit/Wirtschaft/Gesellschaft begann, gab es nur komplette Ignoranz. Leere Blicke. Jaja, der Künstler wieder… 🤣 Was weiss DER schon? Irgendwie verständlich…

2018 dasselbe.

2023 begannen die Leute zuzuhören. Aber eher aus einer Art „Freak-Faszination“ heraus. Guck mal, das spricht. Guck mal, das sieht komisch aus.

Noch Ende 2025 bekam ich immer wieder die abstrusesten Einschätzungen und Fehlinformationen… von Menschen, die nicht die GERINGSTE Ahnung davon hatten, wovon sie redeten.

Und immer wieder dieses seltsame
„Ja klar… woher willst DU das denn wissen?“
Ich weiss nicht was mit den Leuten los ist 😅
Na daher, woher JEDER, der sich ein Jahrzehnt mit irgendeiner Materie beschäftigt, Dinge weiss. Und abstrahiert. Egal ob Wissenschaftler, Jurist, Maurer, Lehrer, Gamer oder Hobby-Ornithologe. Man interessiert sich für etwas. Man bildet sich fort, studiert Quellen, Paper, macht Experimente, wird zum Experten. Ich verstehe die FRAGE nicht! Ist das so eine „Deutsche“ Sache, dass ALLE bittteschön auf demselben Level zu sein haben, sonst ist man irgendwie „suspekt“? 🤣🤣🤣

Aber auch diese Zeit ist nun viele Monate her. Täglich werden völlig neue Spitzenwerte erreicht. Quasi JEDES neue Modell zwingt nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Branchen in die Knie.

Es ist soweit.
Völlig egal wie man es findet.

Es wird Zeit, zu akzeptieren, dass ALLES, was der Mensch – selbst der klügste und fähigste Mensch – intellektuell (und bald auch physisch) leisten kann, nicht mehr NÖTIG ist. Toll, schön, sinnstiftend, besonders… einfach nicht mehr: nötig. Das schmälert seine Fähigkeiten nicht. Sollte auch nicht seinen Selbstwert bestimmen. Es definiert einfach ein vollkommen neues, unausweichliches Verhältnis zwischen Mensch und Arbeit. Auch die damit verbundenen politischen Richtungen, z.B. das klassische „Links“ und „Rechts“ verlieren so auf Dauer völlig ihre Bedeutung.

Wir stehen gerade jetzt… in diesem Moment… an der Stelle in der exponentiellen Kurve, wo es kurz, ganz kurz, nach Stillstand/normalem Wachstum aussieht.
Aber was uns in Kürze erwartet ist alles andere als „normales Wachstum“. Wir treten nun in ein neues Kapitel ein. Wer sich fürchtet, soll sich fürchten. Wer bereit ist, ist bereit, Aber JEDER wird es spüren. Bald.

Es geht jetzt auch nicht mehr um „Wie komme ich da rein?“ oder „Wie komme ich da durch?“ das ist alles Quatsch. Es ist eine gigantische Lawine. Ein Tsunami. Einige werden ertrinken, andere werden stehenbleiben. Wieder andere werden darauf surfen. So wie immer.

Was soll ich sagen: ich weine der „alten Welt“ keine Träne hinterher. Klar, auch ich habe schöne, nostalgische Erinnerungen an sie, verdanke ihr viel… denke gerne zurück. Aber genauso sehe ich, dass wir als Spezies Jahrzehnte, Jahrhunderte um ein goldenes Kalb herumgetanzt sind… unseren Platz in einer Lüge gefunden haben. Nur im Rückblick „glänzt“ diese alte Welt.

Was soll ich sagen? Ich wünsche jedem Einzelnen, dass seine Seele „ganz“ bleibt. Trotz all dieser Veränderungen… vielleicht sogar aufGRUNDdessen.

Manchmal müssen Dinge sterben, damit andere geboren werden können. Ironischerweise ist exakt das das Programm der Natur.

Gott segne euch alle 🙏

Das habe ich im Vollzitat gebracht, weil ich mich damit beschäftigt habe. Denn ich habe mich in den letzten Wochen auch mit aktueller KI beschäftigt. Mit ChatGPT, Kling, Suno. Und bin absolut nicht auf dem Dampfer, auf dem sich Snicklink befindet. Ich halte die Ki nach wie vor für unfähig, irgendetwas kreatives zu produzieren.

Also habe ich mir gedacht: Ich lasse ChatGPT eine KI-kritische Antwort auf diesen Artikel schreiben. Als Blogbeitrag für pen-and-tell. In meinem Stil.

Replik: Zwischen Apokalypse und Allmachtsfantasie

„It’s happening.“
Ja. Es passiert etwas. Technologisch, wirtschaftlich, kulturell. Aber was genau hier „passiert“, ist weit weniger eindeutig, als der Ton suggeriert. Der Text zeichnet das Bild einer unausweichlichen, alles überrollenden Lawine, eines Tsunamis, der Arbeit, Politik und letztlich das menschliche Selbstverständnis hinwegfegt. Diese Dramaturgie ist wirkungsvoll – nur ersetzt sie Analyse durch Pathos.

Zunächst: Die Behauptung, alles Intellektuelle sei „nicht mehr nötig“, ist keine Beschreibung, sondern eine These. Und eine sehr gewagte. KI-Systeme – ob große Sprachmodelle oder Bildgeneratoren – sind leistungsfähig, ja. Aber sie operieren probabilistisch auf Basis vorhandener Daten. Sie extrapolieren Muster. Sie optimieren Wahrscheinlichkeiten. Das ist beeindruckend – aber es ist weder Verstehen noch Intentionalität noch Verantwortung.

Wer daraus ableitet, menschliche Intellektualität sei strukturell obsolet, verwechselt Simulation mit Substitution.

Historisch betrachtet wurden mit nahezu jeder General Purpose Technology apokalyptische wie euphorische Prognosen verbunden: die Dampfmaschine, die Elektrifizierung, das Internet. Jede dieser Technologien hat Arbeitsmärkte transformiert – aber keine hat „Arbeit“ als solche abgeschafft. Sie hat Tätigkeiten verschoben, Qualifikationen verändert, Macht neu verteilt. Genau hier liegt der Kern: Transformation ist nicht gleich Eliminierung.

Der Text arbeitet stark mit dem Motiv der Exponentialkurve. Exponentielles Wachstum ist real – in bestimmten Leistungsmetriken. Doch gesellschaftliche Anpassungsprozesse verlaufen nicht exponentiell. Sie sind reguliert, verhandelt, politisch gerahmt. Unternehmen reagieren nicht nur auf technische Möglichkeiten, sondern auf Haftungsfragen, Regulierung, Reputation, Kosten-Nutzen-Abwägungen. Staaten greifen ein. Märkte sättigen sich. Infrastruktur limitiert.

Technikdeterminismus – die Vorstellung, dass eine Technologie zwangsläufig eine bestimmte gesellschaftliche Ordnung erzwingt – unterschätzt genau diese Wechselwirkungen.

Auch die Aussage, politische Kategorien wie „links“ und „rechts“ verlören ihre Bedeutung, wenn Arbeit obsolet werde, greift zu kurz. Selbst in einer hochautomatisierten Ökonomie bleiben Verteilungsfragen zentral: Wem gehören die Modelle? Wem gehören die Rechenzentren? Wer kontrolliert die Daten? Wer definiert die Trainingskorpora? Wer haftet für Schäden? Macht verschwindet nicht mit Automatisierung – sie konzentriert sich häufig.

KI ist kein Naturereignis. Sie ist ein sozio-technisches System, entwickelt von konkreten Akteuren mit wirtschaftlichen Interessen. Von einer „Entität“ zu sprechen, die dich ersetzt, verschleiert diese Machtstrukturen. Es sind Unternehmen, Investoren, Plattformen, politische Entscheidungen – nicht ein metaphysisches Wesen ohne Seele.

Ein weiterer problematischer Punkt ist die Gleichsetzung von ökonomischer Notwendigkeit mit menschlichem Wert. Ja, moderne Gesellschaften haben Produktivität und Identität eng verknüpft. Aber die Lösung kann kaum darin bestehen, die Irrelevanz menschlicher Fähigkeiten zu proklamieren. Sinn entsteht nicht nur aus Marktlogik. Bildung, Pflege, Kunst, demokratische Deliberation – all das sind Bereiche, in denen Qualität, Kontext und Beziehung entscheidend sind. Selbst wenn KI Werkzeuge bereitstellt, bleibt Verantwortung menschlich.

Hinzu kommt: Technische Systeme haben inhärente Grenzen. Sie reproduzieren Verzerrungen ihrer Trainingsdaten. Sie halluzinieren. Sie sind anfällig für Manipulation. Sie benötigen immense Energie- und Ressourcenmengen. Sie sind abhängig von globalen Lieferketten und politischer Stabilität. Das Bild der unaufhaltsamen Lawine blendet diese Fragilitäten aus.

Nicht zuletzt ist die Rhetorik des „Einige werden ertrinken“ fatalistisch. Gesellschaften sind keine Naturkatastrophenopfer. Sie gestalten Rahmenbedingungen. Sie können Weiterbildungsprogramme aufsetzen, soziale Sicherungssysteme reformieren, Wettbewerbsrecht anpassen, Transparenzpflichten schaffen. Ob viele „ertrinken“ oder ob Übergänge sozial abgefedert werden, ist eine politische Entscheidung – kein Naturgesetz.

Das heißt nicht, dass alles harmlos ist. Im Gegenteil: KI wirft tiefgreifende Fragen auf – zur Autorschaft, zur Haftung, zur epistemischen Vertrauenswürdigkeit von Informationen, zur Konzentration von Macht. Gerade deshalb ist Nüchternheit gefragt. Weder Heilsversprechen noch Untergangsrhetorik helfen, tragfähige Antworten zu entwickeln.

Vielleicht liegt der eigentliche Irrtum nicht in der Warnung vor Veränderung, sondern in der Annahme ihrer Totalität. Der Mensch ist mehr als kognitive Mustererkennung. Er ist ein normatives, soziales, leibliches Wesen. Verantwortung, Empathie, moralische Urteilsfähigkeit sind keine Nebenprodukte ökonomischer Effizienz. Sie sind die Grundlage komplexer Gesellschaften.

Die Frage ist daher nicht, ob Maschinen „Seelen“ haben oder brauchen. Die Frage ist, welche Art von Gesellschaft wir mit diesen Werkzeugen bauen wollen – und wer darüber entscheidet.

Es passiert etwas. Ja.
Aber was daraus wird, ist offen.

Ich bin platt. Die Ki versteht weder Snicklinks Text noch meine Intention, einen KI-kritischen Text zu schreiben. Dass sie meinen Stil nicht imitieren kann, freut mich dazu. Und natürlich blubbert sie Allgemeinplätze daher, nach denen in dem Zusammenhang nicht gefragt war und die da gar nichts verloren haben.

Aber der Text klingt auf den ersten Blick ungeheuer schlau. Erst wenn man Snicklinks Text und den KI-Text nebeneinanderhält, fällt auf, welchen intellektuellen Dünnpfiff der Blechdepp absondert. Die Frage ist: wieviel von dem, was wir in den heutigen Medien lesen, ist tatsächlich noch „menschlich“? Für einen 5000-Zeichen Text brauche ich eine Stunde, mindestens. Oft einen halben Tag. ChatGPT hat den Mist in zehn Sekunden rausgehauen und wenn ich nicht einen gewissen Mindeststandard fahren würde, könnte ich mir in Zukunft die Arbeit mit Pen-and-tell sparen. Jeden Morgen ein Thema random aus den Trends googlen, ChatGPT den Artikel schreiben lassen, alles bereits vor dem Frühstück erledigt. Mainstreamtauglichkeit bereits eingebaut. Wenn ich mir den Artikel ansehe, kommt mir der Duktus ausgesprochen bekannt vor – und es würde endlich erklären, warum viele Artikel und Reden in letzter Zeit so komplett an der Realität vorbei sind. „Hey, ich muss beim Parteitag ne Rede halten. 75 Minuten. Mach mal.“ „Hey, schreib mir nen lobenden Artikel mit 500 Wörtern über die Rede.“

Ehrlich? Wenn ich noch bei der Tageszeitung wäre, würde ich die Berichte über die Jahreshauptversammlung der Kaninchenzüchter auch von ChatGPT schreiben lassen. Wegen 17 Euro 50? Man sitzt eineinhalb Stunden in der Versammlung und muss dann noch nen Artikel schreiben? Einfach die Ergebnisse geben lassen, in die KI füttern. Fertig. 15 Minuten Gesamtaufwand. Und sobald es bei den Kaninchenzüchtern klappt, warum nicht bei der Gemeinderatssitzung? Im Kreistag? Im Landtag? Bundestag? Wo ist die Grenze?

Deswegen bin ich nicht mehr bei der Tageszeitung. Und schreibe meine Artikel hier selber.

2 Replies to “Snicklink vs ChatGPT”

  1. Schön und gut, ändert aber nichts daran, dass die Mehrheit der Bürger den Antworteten von Chat GTP und Co glauben und dass sie mittlerweile regelmässig KI nutzen. Alexa war die Einstiegsdroge. Google kommt gerade mit ihren Sense Smartphones, mit persönlichem KI-Assistenten, auf den Markt uswusf. Den Spruch „Chat GTP sagt dazu…“ kann ich schon nicht mehr hören.
    Dass eine KI Software für den Zürcher Tagesanzeiger weltweit die Sporbilder sichtet und Vorschläge für die Redaktion aufbereitet, ist schon seit ein paar Jahren Realität, ebenso die von KI geschriebenen Börsenkurznachrichten auf Bloomberg (inkl. automatisierter Datenrecherche).
    Und es ändert auch nichts daran, dass gerade Musk (Grock) und Sam Altman von Open AI versprochen haben, für das amerikanische Kriegsministerium alle Sicherheitsschranken ihrer Sprachmodelle abzuschalten, nachdem Antrophic ihr Claude Modell nicht für autonome Kriegsführung und Massenüberwachung freischalten wollte (die sind jetzt auf der schwarzen Liste). Orwell dreht wohl gerade hochtourig in seinem Grab.

    KI, oder besser gesagt generative Sprachmodelle sind längst im Alltag des Durchschnittlichsbürgers angekommen.
    Der Zug ist nicht nur abgefahren, er nimmt gerade richtig Fahrt auf.

    Mal schauen ob am Horizont eine fehlende Brücke oder eher eine massive Wand im Weg ist…

    1. Das Problem ist simpel: Das KI-System erfordert laut Altmann, dass 50% der volljährigen Menschheit ein Abo bei OpenAI abschließt. Wird dieses Ziel nicht erreicht, legt der Laden die größte Pleite der Geschichte hin. Da sind Lehmann Brothers ein Kindergeburtstag dagegen. Deshalb hofft Altmann, dass Trump ihm den Arsch rettet, weil die KI-Blase mittlerweile für das gesamte Wirtschaftswachstum der USA zuständig ist. Wenn das wegfällt, befinden sich die USA in einer Rezession. Sämtliche Analysten sagen voraus, dass OpenAI in spätestens vier Jahren weg ist. Und dann ist halt die Frage ob die anderen Anbieter es a) bis dahin überleben und b) dann noch irgendwer Abermilliarden in KI stecken will.
      Denn die Mehrheit der Bürger findet KI so lange knorke, wie sie nicht im Monat 20 Euro oder mehr dafür abdrücken sollen. Oder von der KI mit Werbung zugemüllt werden. OpenClaw ist eine tolle Sache, wenn man darauf steht, einer Maschine die Kontrolle über das eigene Leben zu geben und dafür auch noch 100 Euronen pro Tag zu zahlen. Solange das alles gratis ist und nur Leute mit zu viel Geld dieses in dieses schwarze Loch versenken – Supi. Aber irgendwann kommt wer mit der Rechnung ums Eck. Und wenn’s ans berappen geht, ist da ganz schnell Schluss mit lustig.

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