Akkuladegerät Vapcell S4 plus

Ich habe in meinen Büchern eine ganze Zeit lang den IVT Akkutrainer AV4 promotet, den gibt es aber schon seit Jahren nicht mehr. IVT konzentriert sich auf Kfz-Technik, 12V-Ladetechnik und Wechselrichter. der “AccuView” AV4 war seinerzeit auch ein umgelabeltes China-Produkt. Nun bin ich vor einiger Zeit beim FolyFos gefragt worden, wie man denn in Ermangelung des AV4 seine Akkus laden sollte. Ich habe da leichtsinnigerweise gesagt, man könne im Prinzip jedes moderne Ladegerät nehmen, das Einzelschachtüberwachung habe.

So einfach ist das leider nicht. Ich habe da so verschiedene Akkuladegeräte vom Discounter des geringsten Misstrauens und auch den hier seinerzeit gezeigten Eneloop- Lader in Betrieb und stieß im letzten Jahr immer wieder auf Situationen, in denen mein Metz 64 sich trotz “frischer” Akkus nach wenigen Minuten abschaltete. Ich verdächtigte den Blitz als defekt, mit anderen Akkus lief er aber klaglos. Und jetzt habe ich mal eben den oben abgebildeten S4 plus beschafft. Und alle meine Akkus durchgeladen. Und siehe da, endlich konnte ich einzelne Akkus als Übeltäter identifizieren.

Hier wird rechts ein Eneloop geladen. Gemessener Innenwiderstand: 65milliOhm. Diese Werte sind natürlich nur im Universum dieses Akkuladers gültig. Der Innenwiderstand ändert sich mit der Temperatur und da kann es noch Übergangswiderstände geben – ein anderes Messgerät wird hier etwas anderes messen. Bei diesem Ladegerät liegen die besten Eneloops bei etwa 40mΩ. Im Datenblatt werden sie aber mit 25 mΩ angegeben.

Das hier ist links ein Aldi-Akku. Auch Ready-to-run. Für Blitzanwendungen unbrauchbar.

Beim Durchladen habe ich nicht nur drei Dutzend weiße Eneloops laden lassen, sondern auch acht LADDA 2450 von IKEA, die angeblich mit den schwarzen Eneloops baugleich sind. Einer davon lag auch bei über 200mΩ Innenwiderstand und der Akkusatz versagte entsprechend im Metz 64er.

Nun hat das Ladegerät aber auch einen “Repair-Modus”, den habe ich auf ein paar Eneloops mit Innenwiderständen von 100mΩ und eben den LADDA losgelassen. Die Eneloops waren nach einer Nacht wieder fit, der LADDA ist etwa 20 Stunden bearbeitet worden und siehe da – so gut wie neu.

Das Ladegerät kann nicht nur NiMH, sondern auch LiIonen-Akkus – und die mit bis zu 3A. Die Schächte sind einzeln temperaturüberwacht. Und rechts ist auch noch eine USB-Buchse, die maximal 1A ausgibt. Für Power-Delivery reicht’s nicht, aber zum Laden von Handys oder den neuen Olys taugt das.

Da das Gerät Einzelschachtsteuerung hat, kann man in jedem Schacht einen anderen Akkutyp laden. Was allerdings nicht geht, den Lademodus pro Schacht wechseln. Also während gerade ein Akku langwierig “repariert” wird, in den anderen drei Schächten derweil die restlichen Akkus laden.

Wenn das Gerät mit Laden fertig ist, piept es. Und zwar bei jedem Akku.

Bei tiefentladenen Akkus – unter 0,4V – meldet der Lader Err und verweigert jede Aktion. Der IVT Akkutrainer fängt in so einem Fall gleich mit dem Formieren an. Einen fertig formierten Akku aus dem IVT nimmt der S4 dann problemlos an und kann ihn über “Repair” reaktivieren. Die Dauer der “Repair”-Routine ändert sich mit dem Zustand des Akkus. Je kaputter, desto länger.

Im Gegensatz zum IVT kann man hier auch Baby-Zellen aufladen. Der Lader ist Made in China, hat einen manuellen Modus, und ein deutlich amtlicheres Netzteil, das 12 Volt und 5 Ampere ausgibt.

Der Lader lädt LiCoO2, LiMn, NiMH und NiCD, aber nicht LiFePo4. Folgende Batteriegrößen passen rein: 26650, 21700, 18650, 16650, 18500, 16500, 14500, 18350, 16340, 10440, AAA, AA, C

Ich habe ihn für unter 50 Euro bei akkuteile.de erworben. Das gleiche Gerät gibt es auch unter anderen Bezeichnungen, wie das eben eben bei China-Ware so üblich ist.

8 Replies to “Akkuladegerät Vapcell S4 plus”

  1. Danke für die ausführlichen Informationen zu diesem Ladegerät und die dafür notwendige Fleißarbeit. Dass sich Akkus damit auch repariern lassen ist eine feine Sache.
    Gruß Lutz

  2. Daumen hoch.
    Man produziert durch schlechte Ladegeräte und Kontrollmöglichkeiten zu viel Abfall oder steht unter Belastung der Akku schnell ohne Funktion da.
    Bestellung geht raus.

    HG
    Wolfgang

  3. Hallo Reinhard,

    ich sehe das Ladegerät und es sieht aus, als wäre es das SkyRC MC3000 Ladegerät, was bei mir seit ein paar Jahren steht. Aufbau ist jedenfalls identisch, lediglich die Anzeigen im Display erscheinen etwas anders.
    In die beiden äußeren Schächte können Li-Ionen-Akkus mit maximaler Größe von 32700 oder D eingelegt werden. Alle anderen kleineren Größen AAAA, AAA, AA, Sub-C, C oder Zellen ab 10340 bis 26700 mit Zellchemie NiMH, NiCd, NiZn, Eneloop, RAM, Lithium-Ion, LiIo4.35, LiFePO4, LTO können damit geladen werden.
    Kostet etwa 100,- € hat allein eine 41-seitige Bedienungsanleitung, die nicht wirklich gut zu lesen ist. Für die wichtigsten Funktionen hat sich mal jemand einen Spickzettel (Cheat Sheet) gemacht und der ist nun auch auf der Herstellerseite herunterzuladen. Damit wird das “Monster” auch bedienbar.

  4. Hallo Reinhard, sehr interessant und danke für den Hinweis auf den Innenwiderstand.
    Ich habe so zickende Kandidaten im DECT-Telefon (wobei die DECT-Ladeschalen sicher eh nicht gut zu den Akkus sind weswegen ich das Telefon auch nur draufstelle wenn die Akkus halbwegs leer sind).
    Den Innenwiderstand hatte ich bei der Bestimmung des Akkuzustandes tatsächlich aus den Augen verloren (bzw. mein Ladegerät misst ihn leider nicht).
    Was tun die besseren Ladegeräte denn eigentlich “Geheimnisvolles”, um den Innenwiderstand der Akkus wieder zu senken? Nur schonend Laden/Entladen oder steckt da mehr dahinter? (so eine Refresh-Funktion hat mein Ladegerät, mehr aber auch nicht).
    Danke, dass Du Dich immer wieder mit dem Thema Akku befasst (und zwar nicht nut LiIon, sondern auch NiMh)!

  5. Zur letzten Frage, es gibt bei NiMH den “lazy” Effekt wo bei ständiger Teilentladung die Akkuspannung um etwa 50 mV sinkt und damit die auch die nutzbare Kapaziät. Im Gegensatz zum Memory Effekt bei NiCd ist der mit 2-3 Zyklen aus vollständiger Entladung und Ladung vollständig reversibel. Möglich, daß dabei auch der Innenwiderstand durch Umschichtungen im elektrochemisch aktiven Material sinkt. Der Innenwiderstand ist ja nicht nur von der Temperatur abhängig, sondern auch von der der Umschichtung nach vorheriger Ladung oder Entladung, vom Ladezustand, der Last (Stromstärke und konstant oder gepulst). Und außerdem von der Alterung, was aber bei dieser Frage keine Rolle spielt..

    Für DECT Telefone gibt es spezielle NiMH Akkus für Betrieb mit Dauerladung, etwa Panasonic HHR-4MVE in Größe AAA und HHR-3LVE als AA mit 1000 mAh. Gibt es auch von anderen Herstellern meist mit Bezeichungen wie “Phone”, “Telefone” “Solar” oder “DECT”; außerdem ist die Kapazität geringer als bei normalen Typen.

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