Nachhaltigkeit

Warum ich gerade jetzt dieses Thema wieder ausgrabe? Weil ich in den letzten Tagen auf eine Firma fast reingefallen wäre, die sich Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf alle Fahnen geschrieben hat. Wer den Blog liest, weiß, dass ich da voll drauf abfahre. CO2-Reduktion und so, bin ich voll Fan von.

Ich habe mich also bei einer Werbeagentur beworben. Als Social Media Redakteur. Nicht lachen. Ich bin Journalist, also recherchiere ich. Auch bei sowas. Die Agentur ist auf jeden Fall klimafreundlich und nachhaltig und so. Voll fett. Also ein Teams-Vorstellungsgespräch ergattert und mir was über die Firma erzählen lassen. Sie haben 2010 ein neues Gebäude gebaut, und seitdem ne Ölheizung drin. Leider. Lohnt sich nicht, die auszutauschen. Und die Lagerhalle – ja, da wollten sie schon Solarpanels draufbauen. Aber leider, leider, die Statik…… Aber sie bauen Ladesäulen auf die Parkplätze. Und stehen total auf Nachhaltigkeit. Und so. Und haben sogar ein veganes Gericht in der Kantine. Greenwashing? Nein, sowas machen sie nicht. Sie meinen das voll ernst. Sie haben sogar ne Geschäftsführerin.

Was ich denn so erwarten würde, denn normalerweise würden sich auf so nen Job eher die 25-jährigen bewerben, die sich für qualifiziert halten, weil sie seit zwei Jahren nen Insta-Account haben. Also habe ich gesagt, würde mich interessieren. Aber ich würde nicht für Rheinmetall Werbung machen. Da hat er mich beruhigt – wenn sie von Rheinmetall nen Auftrag über drei Millionen kriegen, muss ich bei dem Projekt nicht mitmachen, das machen sie dann mit anderen Leuten. Ich habe pflichtschuldigst gegrinst, weil ich das für nen Witz hielt.

Aus Gründen der Vergleichbarkeit hat er mir dann drei Aufgaben gestellt, ich solle nen Tweet machen, einen Insta-Post und einen Facebook-Post. Tweeten kann ich, also gleich mal gecheckt, ah, da geht’s um Förderung von sogenannten „MINT„-Studiengängen. Da hat so ein Institut einen Fragebogen entwickelt, ob man sich dafür eignet. 40 Fragen. Also ran, wenn ich das Ding schon promoten soll, mal kucken, was das macht. Ist so ein alberner Intelligenztest mit vier Zahlen, rate welche wir denken, dass die fünfte ist, dazu ein bisschen Dreisatz „Drei Liter Sonnenblumenöl kosten 6 Euro, was kosten 20 Liter? Kriegt man nicht, weil nur in Haushaltsmengen? Kann man nicht als Antwort ankreuzen.“ Ich hab natürlich ein paar Fragen versemmelt, auch weil der Server zwischendrin keine Lust mehr hatte. Ergebnis gibt’s aber nur, wenn man sich registriert.

Und da bin ich misstrauisch geworden. Wer steckt hinter dieser Datensammel-Verarsche? Ahhhhh – Gesamtmetall. Das sind die, die seit 20 Jahren über ihre Tochter „Initiative Neue soziale Marktwirtschaft“ Klimawandelleugner sponsoren und alles tun, um diesen Planeten für kurzfristigen Profit gegen die Wand zu fahren.

Soweit zur nachhaltigen, zukunftsorientierten, klimafreundlichen Werbeagentur.

Ich bin nur froh, dass deren bisherige Social Media Redakteure richtig, richtig schlecht sind. Zumindest die, die bisher die Tweets auf diesem Account abgesetzt haben.

Ich habe der Agentur geschrieben, dass sie wohl auf mich verzichten müssen.

Denn was auch geschieht, nie sollst Du so tief sinken,

von dem Kakao, durch den man Dich zieht, auch noch zu trinken.

Erich Kästner

Das mit Rheinmetall war wohl doch kein Witz.

Was das mit Fotografie zu tun hat? Ich wollte das Bild von dem Panzer unterbringen, das ich letzthin an der Maginot-Linie geknipst habe.

Was der M41 aus den 50ern mit der Maginot-Linie aus den 30ern zu tun hat? Nichts. Aber ist doch jetzt Trend, sowas…..

4 Replies to “Nachhaltigkeit”

  1. Ich mag deine Einstellung zu dem Thema. Nicht nur nachhaltigkeit, sondern einfach Prinzipien zu haben.

    Wenn ich jemals so weit komme wie du. Mein Ziel wäre genauso aufzuklären. Nein, mein Ziel ist es.

    grüße

    Wolle

  2. Es gibt ja mehrere sogenannte Nachhaltigkeiten.
    Die bekannteste ist die Ökologische Nachhaltigkeit:
    Raubbau vermeiden und Ressourcen nur soweit verbrauchen, das sie sich erholen bzw. Erneuern können.
    Dann die Ökonomische Nachhaltigkeit:
    Sich wirtschaftlich so verhalten, das den nächsten Generationen kein Schaden entsteht.
    Die letzte Nachhaltigkeit ist die Soziale Nachhaltigkeit:
    Dabei steht die Würde jedes einzelnen Menschen und Tieres im Mittelpunkt. Spannungen und Konflikte untereinander sollen minimiert und friedlich ausgetragen werden. Dazu gehört auch faire Bezahlung und freie berufliche Entfaltung. Eigentlich alles was jedem einzelnen ein angenehmes Dasein ermöglicht.
    Leider sind die meisten Menschen nicht fähig ausserhalb ihrer eigenen Definition zu Nachhaltigkeit anderen etwas zu gönnen…

    LG Andreas

  3. „Nachhaltig“ bedeutet in erster Linie eine „länger anhaltende Wirkung“. Und dann gibt es den Begriff noch im ökologischen und fortwirtschaftlichen Sinn. Alle anderen Anwendungen fallen bei mir unter „länger anhaltende Wirkung“ und da wird der Begriff für allen möglichen Mist werbewirksam eingesetzt.
    Für mich ist das Wort verbrannt, daher vermeide ich seine Nutzung und nehme es auch nicht mehr ernst.

    Viele Grüße,
    Rafael

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