Gastbeitrag: Mittelalter II

von Andy.

Die Klosterbaustelle

Hier nun der zweite Teil unserer Zeitreise ins Mittelalter. Diesmal finden wir uns im 9. Jahrhundert wieder, mitten auf einer mittelalterlichen Klosterbaustelle. Und diese wird – anders als wir es auf der vorherigen Zeitreise erlebt haben – nicht als reines Hobby betrieben, sondern professionel als eine Art „lebendiges Museum“ und ist deshalb auch nur in der Woche zu besichtigen.

Wir befinden uns zeitgeschichtlich im Karolingerreich, im Campus Galli wo nach dem St. Galler Klosterplan und mit den damals vorhandenen Mitteln und Technologien ein ganzer Klosterkomplex aufgebaut werden soll.

Es soll das Leben auf/an einem Kloster im Mittelalter möglichst umfassend gezeigt werden – und dazu gehört auch die Landwirtschaft, die nicht nur die zeitgemäßen Methoden darstellen soll, sondern auch die Tiere und Nutzpflanzen so nah wie möglich am mittelalterlichen Original zeigen soll. Das ist natürlich auch im Sinne der Baustelle, hier werden ja auch Hanf und Flachs für Seile und Textilien, sowie langes Stroh für die Dächer benötigt – das alles wird aber in der benötigten Art und Qualität kaum noch angebaut, da diese Pflanzen in der modernen Welt in dieser Form gar nicht mehr gebraucht werden bzw. weil die industrielle Landwirtschaft andere Sorten benötigt.

Wir konnten die Knoblauchernte beobachten – wobei die guten Knollen alle wieder zur Aussaat gesammelt werden.

Zum Leben im Kloster gehört auch das Herstellen von Kleidung – von der Faser bis zum fertigen Stück. Im 9. Jahrhundert war das Spinnrad noch Zukunftsmusik – und so wurde die Wolle noch mit einer Handspindel gesponnen, wie man hier sehen kann. Über die weiteren Stationen Weben (mit dem Webstuhl im Hintergrund) und Nähen entstehen dann die fertigen Kleidungsstücke. Wie auf jeder Station bekommt man auch hier alles erklärt was damit zusammenhängt.

Alle die hier auf der Baustelle arbeiten sind auch in die passende Gewänder gekleidet. Im Übrigen ist den hier Angestellten auch die Nutzung „utopischer“ Gerätschaften wie Heliographen (ob da nun Olympus drauf steht oder nicht) verboten, solange sie mittelalterlich gewandet sind.

Hier bietet sich der Filter Partielle Farbe an, die Wolle hat (noch) keine Farbe und das Grün des Hintergrundes lenkt so nicht mehr vom Hauptmotiv ab. Und die 1/40s Belichtungszeit reicht aus um die Drehung der Spindel sichtbar zu machen.

Wie man ein in dieser Zeit „einfache“ Häuser baut, kennen wir ja schon aus Adventon. Hier können wir nun mal beim Bau einer wirklich großen Scheune zusehen. Diese Scheune ist das erste „feste“ Bauwerk auf der Baustelle – ansonsten sind vor allem die „Bauhütten“ zu sehen, abgesehen von der Holzkirche, die auf dem Titelbild zu sehen ist – das Seelenheil war schon wichtig zu dieser Zeit, da konnte man nicht warten bis die steinerne Kirche fertig ist.

Die Technologie beim Bau der Scheune ist prinzipiell die gleiche wie bei den Häusern, die wir schon kennen, wenn auch die Abmessungen deutlich größer sind als im Adventon gesehen. Der für den Putz nötige Lehm muss natürlich eingeweicht und durchgemischt und vor allem durchgeknetet werden. Solche Tätigkeiten erübrigten im Mittelalter die Nutzung eines Steppers….

So mancher der hier arbeitet, macht das – wie im Adventon – als Hobby. Gerade viele der „Hilfsarbeiten“ werden von diesen Hobby-Klosterbauern bewältigt, die aber offenbar viel Spaß daran haben hier mitzuwirken.

Das Stroh zum Dachdecken ist schwer zu beschaffen – in der industriellen Landwirtschaft werden Getreidesorten angepflanzt, die einen viel zu kurzen Halm haben. So kommt hier teilweise Stroh aus der eigenen Landwirtschaft zum Einsatz, das würde aber noch nicht reichen und es muss noch nach weiteren Anbietern von entsprechenden Stroh gesucht werden.

Der Lochkamera-Filter hat sich hier in vielen Fällen als geeignet herausgestellt, einerseits bietet er die Möglichkeit die Bilder etwas „älter“ aussehen zu lassen, andererseits bringt er, in Variante 3, eine wärmere Farbstimmung ins Bild.

Die Drechselbank braucht in ihrer Gesamtheit die ganze Hütte des Drechslers, der obere Balken, der die „Transmission“ auf Spannung hällt kommt unter dem Dach heraus. Eine wirklich interessante Konstruktion einer mittelalterlichen Maschine. Die Grundfunktion einer Drechselbank ist gut erkennbar und auch heutzutage nicht anders.

Die Bauhütten sind sichtbar „schnell“ erbaut worden – was man an der nicht sehr glatten Oberfläche erkennen kann. Einzig der Töpfer hat sich in seiner Berufsehre gepackt gesehen und für einen glatten Außenputz gesorgt.

Auch hier hat sich wieder die Partielle Farbe angeboten, das Hauptmotiv hat keine weiteren Farben zu bieten. Der Fußantrieb ist trotz 1/125s zumindest noch zu erahnen.

Holz ist wohl der wichtigste Werkstof in diesem Zeitalter, was man schon daran erkennt, dass sich damit gleich mehrere Gewerke damit befassen: neben dem Drechsker auch noch Schindelmacher, Nagelmacher, Zimmermann, Schreiner und hier der Bötcher. Trotz, oder eher auch wegen dem hellem Sonnenschein, finden viele Arbeiten im Schatten statt – was schon mal etwas dunkler werden kann. Hier ist es gar nicht schlecht, sieht man doch durch die längere Belichtungszeit ein wenig, dass wirklich gearbeitet wird.

Gleich daneben haben wir den Schreiner. Es ist kaum vorzustellen, dass aus dem was hier behauen wird einmal eine Truhe entstehen soll. Aber natürlich sehen wir hier nur wieder die ersten Schritte dazu und wie so vieles, dauern auch hier die Arbeiten länger als man sich als Besucher hier aufhalten kann.

Die harten Kontraste, die dadurch entstehen, dass die Sonne spotartig durch das Blätterdach kommt, sorgen manchmal schon für Anmutungen, die schon fast für ein Horrorszenario gut sind. Hier kann man sich mit „mittelalterlicher“ Technologie etwas aus der Affäre ziehen – indem man den ArtFilter Gemälde einsetzt, dann hat man auch gleich eine „zeitgenössische“ Darstellungsform.

Auch wenn das Hauptmaterial das Holz ist – die eigentlichen Hauptgebäude sollen doch aus „dauerbeständigem“ Stein aufgebaut werden. Noch steht davon kein einziges, aber man bereitet den Bau des ersten Steinbaus bereits vor. Hier ist dann der Steinmetz gefragt. Wir sehen ihn beim herausarbeiten eines Steinbalkens, der am Ende schön gleichmäßige Kanten und glatte Flächen aufweisen soll.

Der Steinmetz hier ist einer der „Profis“ auf der Baustelle, und das wirkt sich auch in der „Fotografierbarkeit“ aus. Die Schläge kommen ausgesprochen gleichmäßig – einmal richtig angesetzt, erwischt man nahezu jeden Schlag mit der Kamera auf den Punkt. Das Ergebnis der Schläge ist allerdings nicht immer so gleichmäßig. Hier sieht man aber schön, wie die „Splitter“ davon fliegen (durch die kurze Belichtungszeit eingefroren). Auch für diese Darstellung hat sich der Lochkamera-Filter als der geeignetste erwiesen.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen. Schmiede, Korbmacher, Schindel- und Nägelherstellung, das Herstellen von Seilen, Imkerei und Tierhaltung  – das alles kann man hier erleben. Und natürlich gibt es auch noch einen Marktplatz wo man als Besucher „mittelalterlich“ einkaufen und speisen kann (nur die Währung ist eher neuzeitlich). Das Ganze ist ein tolles Erlebnis mit vielen verschiedenen Fotomotiven – und man sollte sich wirklich mindestens einen ganzen Tag Zeit dafür nehmen.

2 Replies to “Gastbeitrag: Mittelalter II”

  1. Sehr interessante Einblicke. Der Artikel liest sich auch flott und flüssig, nur einen Hinweis möchte ich loswerden: Der Lesefluß wird durch die Zeilenumbrüche mitten in den Absätzen stark gestört. Man sollte grundsätzlich keine Zeilenwechsel mitten im Absatz machen. Der Inhalt erfordert das nie. Ich habe in weit über zehn Jahren noch nie eine Ausnahme für diese Regel gesehen. Man sollte auch nicht versuchen die Zeilenlänge durch Umbrüche festzulegen. Das klappt fast nie, weil sich die tatsächliche Zeilenlänge danach fast immer noch einmal ändert. Mit Zeilenumbrüchen innerhalb von Absätzen passiert dann das, was man hier sieht.

    1. Jaaa – ich hab die Zeilenumbrüche geändert. Das lag an einem Copy-and-Paste, bei dem die Zeilenumbrüche versteckt waren und im WP-Editor nicht angezeigt wurden.

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