Hands-On: Sigma 56 f/1,4

Vor ein paar Tagen habe ich für ein paar Stunden das Sigma 56mm f/1,4 zur Verfügung gestellt bekommen. Das Objektiv ist für knapp unter 400 Euro zu haben und liegt damit zwischen dem 45 1,8 und dem 75 1,8. Es ist lichtstärker als die beiden und hat mit einer Naheinstellgrenze von einem halben Meter eine fetten Punkt auf dem Konto.

Klar die Optik ist ein Porträtobjektiv. Ein schwarzer Klotz, kein Snapshotring, keine L-Fn-Taste, aber ne Strulichtblende, die nicht auseinanderfällt, Front- und Rückdeckel.

Das Objektiv ist eben ein Objektiv. Design ist für mich was anderes, das Ding sieht, um es positiv auszudrücken, unspektakulär aus. Bei Objektiven unter 1,8 kucke ich dann auch immer, wie weit das Objektiv digital aufgehellt wird – in dem Fall etwas mehr als eine Sechstel Blende, Was für 1,4 gar nicht schlecht ist.

Leider hatte ich gerade kein lebendiges Model da, also mussten mal wieder meine beiden Plaste-Stammmodels herhalten:

Autofokus ist schnell und exakt und leise – heutzutage nicht mehr überraschend, gerade nicht bei Sigma, die ja einen Großteil der Optiken für Systemkameras fertigen, auch wenn da dann andere Namen draufstehen.

Das Bokeh ist cremig, in der Schärfeebene ist das Objektiv tadellos, die Farbwiedergabe ist sehr fein. Was kann man zu dem Objektiv sagen? Es ist ein optisch und mechanisch hervorragendes Objektiv mit dem SexAppeal einer Billardkugel. Wem’s nur auf schiere optische Leistung ankommt und wer keinen Wert auf Posingqualitäten legt, sei dieses Objektiv wärmstens ans Herz gelegt. 56mm ist eine wunderbare Porträtbrennweite und mit der Nahgrenze von einem halben Meter kann man faszinierende CloseUps machen. Das 45er hat zwar auch einen halben Meter, aber es hat halt auch nur 45mm Brennweite. Und f/1,8.

Und ja, natürlich kann man auch anderes damit knipsen:

Der Fokus liegt hier etwa auf dem dritten Drittel der vorderen Wand. Die vordere Kante ist schon unscharf und auch das Fensterbrett liegt nicht mehr in der Schärfe. Die Schärfe ist in der gesamten Bildhöhe gleichmäßig hervorragend.

Fazit: Wer noch kein 75 f/1,8 oder 45 f/1,2 hat, der sollte sich das Sigma ernsthaft ansehen. Für 400 Euro kriegt man eine Leistung, die sich hinter den lichtstarken 45ern von Pana und Zuiko nicht verstecken muss. Gerade das Pana liefert kaum mehr Licht auf den Sensor – kostet aber das Dreifache.

10 Replies to “Hands-On: Sigma 56 f/1,4”

  1. Hallo Reinhard,

    Gutes Design macht ein Produkt verständlich. Gutes Design ist unaufdringlich. Gutes Design ist ehrlich. Gutes Design ist langlebig. Es optimiert Gebrauchswert mit ökonomischer Fertigung.
    Soweit zu Deiner etwas zurückhaltenden Bewertung. Oft wird Design mit Styling gleichgestellt bzw. verwechselt.*
    Die optischen /mechanischen Eigenschaften sind ausgezeichnet (mein Objektiv) und ab Blende 2,2 ist kein Abfall in den Eckbereichen zu bemerken.
    Da stimme ich Deiner Beurteilung vorbehaltlos zu. Die LensTip Grafik sagt allerdings Gegenteiliges.
    P.M.
    * ich habe 10 Jahre auf dem Gebiet „DESIGN“ gearbeitet.

  2. Moin,

    ich hab das Tel seit 2 Jahren und benutze es sehr gern fuer Portraits, meist von meinen Katzenviechern.
    Deine Bewertung kann ich so unterschreiben. Sehr gute Linse fuer interessant wenig Geld. Beim AF ist es an meiner GX9 einen Hauch langamer als das Oly 45mm f1.8, es muss aber auch mehr Glas bewegt werden.
    Gegen das Design kann ich nichts sagen – unspektakulaer halt – es ist mir einen Hauch zu schwer/gross wenn ich es mal ganz klein moechte. Ich wuerde das Teil jederzeit wieder kaufen.
    Falls Du mal das 16er oder 30er Sigma aus der gleichen Serie in die Finger bekommst wuerde ich gern auch dazu etwas dazu lesen.

  3. Ich möchte ergänzen: Vorn draufgeschraubt passt ein TCON‑17X von Olympus. Ohne irgendwelche Zwischenringe oder Adapter. Das ergibt ein nettes 95/1.4.

    1. Hallo Frank,
      und wie ist es nach Deiner Meinung in Schärfequalität?
      Du hast ja viele diverse Vergleichsmöglichkeiten.
      Gruß
      Wolfgang
      Hoffe wieder mal auf ein Meeting in „Hangover“

      1. Es ist einfach scharf, Ich bin nicht der, der Tests an der Mauer oder Bücherwand macht, ob es in den Ecken perfekt abbildet, Du kennst meine Fotos, und damit sage ich, ich bin damit zufrieden, und Preis-Leistung stimmt, nebenbei hat es ein sehr angenehmes Bokeh.
        HG Frank

  4. Funktioniert ein Firmware Update auch über den Camera Updater von Olympus? Die Webseite von Sigma gibt da nichts her. Anscheinend gibt es für das Objektiv für MFT noch kein Update.
    Gerhard

  5. Eines meiner absoluten Lieblingsobjektive an MFT. Es löste bei mir irgendwann das für die Sensorgröße klobige, weil für KB gerechnete, aber auch schon sehr gute FT-Sigma 50mm f/1.4 ab, und machte nochmal einen gehörigen Sprung nach vorn, womit ich nicht gerechnet hatte. Zum Dank besorgte ich mir dann auch noch das Sigma 30/1.4, das jetzt mein „Normalobjektiv“ ist – auch wenn’s nicht ganz so perfekt ist wie das 56mm, und man im Unterschied zu diesem auch schon ob der Maße ahnt, dass es nicht nur FT, sondern auch APS-C ausleuchtet. Trotzdem sehr schön.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.