Wenn die E-M1II Kummer macht…

Die E-M1II war die letzte, tatsächlich innovative Kamera von Olympus. Ich habe damals den Leuten gesagt „Kauft sie erst mal nicht, wenn ihr mit der E-M1 noch zufrieden seid“. Aber wie immer, das Gear Acquisition Syndrom ist stärker und die E-M1II wurde gekauft. Und gekauft. Obwohl sie ab Werk künstlich kastriert war (das ProCapture für die FTs war abgeschaltet, der schnellere AF war abgeschaltet und man kam in Firmware 1.0 nur dran, wenn man auf IEnhance oder Artfilter schaltete. Mit Firmware 1.1 wurde dieser Workaround beseitigt, so dass man bis 2018 auf Firmware 2.0 warten musste, damit man wieder den beschleunigten AF bekam.)

Die E-M1II war bereits von Haus auf „Zuwachs“ gebaut worden, einige FW-Updates waren bereits so gut wie fertig, man hatte die Features nur nicht eingebaut / freigeschaltet, damit man den erfolgreichen Weg der E-M1 wiederholen konnte, die ja mit den ganzen FW-Upgrades eine lange, profitable Zeit am Markt hatte.

Eines der größten Probleme der E-M1II ist der große interne Speicher – der übrigens größer ist, als in der E-M1III. Der Speicher war neu und sollte später in der Medizintechnik eingesetzt werden. Also hat man ihn in die „Profi“-Kamera eingebaut um ihn zu testen. Der Test verlief auch erfolgreich – bei späteren Chargen der E-M1II hat man ihn gegen zuverlässigeren Speicher ausgetauscht.

Der frühe Speicher verursachte völlig lächerliche Abstürze, teilweise mit knallbunten Sucherbildern wie im LSD-Rausch, Doppelbildern, die Kamera startete nicht oder ließ sich nicht abschalten, anscheinend abhängig von Akkus, Luftfeuchtigkeit, Mondphasen, Meereshöhe oder Stimmung des/r Lebensabschnittsgefährt*in. Bei manchen Kameras passierte das einmal die Woche, oder sie weigerte sich alle halbe Jahr für drei Tage – was auch immer, je nach dem, was gerade die defekte Speicherzelle angesprochen hatte. Und dann war alles wieder Bestens.

Kein PopArtfilter – hohldrehende E-M1II mit grün/Magenta Doppelbildern. Sah aus wie ein In-Camera -3D-Bild für rot/grün-Brille. Leider hat das Handy nicht scharf gestellt.

Wenn die Kameras dann eingeschickt wurden, wurde am Anfang schuldbewusst das Mainboard getauscht. Mittlerweile heißt es kalt lächelnd „Kein Fehler feststellbar, innerhalb der Spezifikationen von Olympus“. Wenn Kunden Olympus/OMDS auf den – bekannten – Fehler ansprechen und fordern, dass ihre Knipse repariert wird „Nö – kann nicht sein, von diesem Fehler wissen wir nichts.“

Ich hatte den Dusel, eine Leihkamera der ersten Serie von Olympus zu haben, die absolut alle Unarten zeigte, deren diese Kamera fähig war. Ich diskutierte mit Olympus über fehlerhafte Akku-Schnittstellen, Luftfeuchte und verdreckte Akku-Kontakte. Bis ich über meine Kanäle erfuhr, was wirklich das Problem war. Und dann ging die Kamera zu Olympus mit dem Hinweis „hier habt ihr eine Kamera, die diesen Fehler safe hat, da könnt ihr mal testen.“ Natürlich habe ich nie wieder was davon gehört.

Lästig wurden die Speicherfehler beim Update auf 3.4, weil da anscheinend einige Kameras die Daten nicht zurückspielen konnten und dann auch die Fähigkeit verloren, Clean-HDMI zu liefern – das HDMI-Signal änderte sich mit der Stellung des Displays – oder nach wenigen Sekunden oder wenn die Lebensabschnittsgefährt*in….. Auch die Fähigkeit, den AF eines FT-Objektivs zu justieren geht dann zuweilen verloren.

Leider weiß ich – noch – nicht, bis zu welcher Seriennummer der fehlerhafte Speicher eingebaut wurde. Alle Kameras, die ich bisher kenne und die anfangen zu spinnen, sind vor Anfang 2018 verkauft worden, also aus dem ersten Produktionsjahr.

Solltet ihr also eine solche Kamera angeboten bekommen – selbst mit Garantie/Garantieverlängerung – Finger davon lassen, weil OMDS es offensichtlich ablehnt, die Kisten zu reparieren. Pro-Service hin oder her.

Die E-M1III und die E-M1X haben übrigens meines Wissens diese Probleme alle nicht.

25 Replies to “Wenn die E-M1II Kummer macht…”

  1. Ich hatte eine der ersten E-M1II von 12/2016.
    Die lief bis zum Verkauf 10/2020 vollkommen problemlos.
    Da hatte ich wohl wie beim Verkaufspreis ziemliches Glück.
    Hoffentlich hält das auch beim bisher zufriedenen Käufer.

  2. Durch die E-M1 ll, am Tag ihrer Vorstellung in Berlin vorbestellt, durfte ich Olympus in der hier dargestellten Art und Weise kennenlernen. Inklusive der Zusagen, dass das alles nicht nachvollziehbar sei und ich mal bis zum nächsten stabilitätsverbessernden Update warten sollte. Derer gab es viele, natürlich ohne Lösung des Problems. Zu lange gewartet, vertrösten lassen und dabei das Vertrauen in Olympus verloren. Abhilfe schaffte letztendlich der TauschRausch und die E-M1X.

  3. Äh, meine E-M1-II war mit eines der ersten, die käuflich (12/2016) zu erwerbenden und lief Jahre völlig fehlerfrei mit sämtlichen Updates … und ich habe mit der viel experimentiert … bis sie vor gut 1,5 Jahren durch eine E-M1X abgelöst wurde!
    @Reinhard, falls es für dich wichtig die SN zu erfahren, gib kurz Bescheid.

    1. Der Anteil der Kameras, bei denen sich der Speicherfehler nicht nur durch sehr seltene Abstürze, die man durch das Ziehen des Akkus beheben konnte, bemerkbar gemacht hat, liegt bei 5 bis 10 %. (Selten bedeutet hier: zweimal im Jahr). Aber nach Murphy ist die Wahrscheinlichkeit, dass man gebraucht genau so eine Knipse erwischt, ziemlich groß. Und da man sie nicht mehr repariert kriegt – eben besser nicht kaufen. Dass es viele gibt, die nie Probleme festgestellt haben – völlig klar. Aber nachdem ich dafür zwei von der Sorte habe und bei mir immer wieder Anrufe einlaufen „Meine E-M1II schmiert ab“ – und alle vor 2018 neu gekauft wurden – handelt es sich nicht um Einzelfälle.
      Was ich bräuchte, wären also nicht Seriennummern von funktionierenden Kameras, sondern Seriennummern von Ausfällen. Und zwar Seriennummern, die höher sind als 06585.

      1. Interessanter Beitrag. Ich konnte bei meiner E-M1 Mark II zwar unerklärliche Phänomene feststellen, aber nicht die hier geschilderten.
        Seriennummer BHUA245XX (X=Zahl).
        Meine Kamera wurde vom Erstkäufer Anfang 2017 gekauft.
        Scheinbar lässt sich aus der Höhe der Zahl alleine kein Hinweis aufs Alter der Kamera schliessen, denn hier gibt es Meldungen, wonach neuere Kameras eine Seriennummer haben, die niedriger ist als bei meiner Kamera. Vielleicht sind auch die vorgesetzten Buchstaben nicht bei allen Kameras gleich?

        1. BHUA ist bei meiner Kamera identisch. Man könnte prinzipiell noch aus den Seriennummern, die im Servicemenü abgespeichert sind, weitere Rückschlüsse ziehen. Aber Anfang 2017 mit 245xx ist schon mal ne Hausnummer. Dass Kameras mit niedriger Seriennummer später gekauft wurden, hat ja nichts mit dem Produktionsdatum zu tun. Die Kameras liegen ja teilweise länger bei den Händlern. Deshalb ist das mit „Ab Anfang 2018“ eine Daumenregel – deshalb sind die Infos mit den Seriennummern wichtig. Und nochmal: beileibe nicht alle E-M1II mit niedrigerer Seriennummer haben ein Problem. Aber die Kameras mit Problem haben eine niedrigere Seriennummer.

          1. Das wird wohl noch komplizierter – meine M1 II hat die Seriennummer $HUA021$$ ($=Ziffer). Gekauft neu bei einem Fachgeschäft im Sommer 2018.

            Immerhin: die beschriebene Speicher-Spinnerei habe ich bei der Kamera noch nicht erlebt. Doch ansonsten bin ich froh, die „Garantieverlängerung“ für die M1 II erworben zu haben. So oft wie diesen hatte ich noch nie einen Fotoapparat zum Service einschicken müssen – und ich hatte schon so einige Kameras besessen.

            Die M1 II ist eine Wunschlos-glücklich-Kamera – wenn sie denn einwandfrei funktioniert. Leider hat sie immer wieder Wehwehchen.

            Mal schaltete sie sich aus unbekannten Gründen einfach mittendrin aus: Garantiereparatur, Problem offensichtlich behoben, Ursache nicht benannt. Dann: Die „Belederung“, die sich immer wieder ablöst, scheint das Markenzeichen dieses Modells zu sein – ich dachte immer, seit Nikon Anfang 2000er Jahre das Problem in allen Modellen hatte, wäre ein gescheiter Kleber erfunden worden – offenbar nicht bei Olympus. Deshalb schon zweimal extra Service nötig gewesen, das dritte Mal wurde es bei einer anderen Angelegenheit wieder drangeklebt. Bislang letztes Spielchen: die Kamera schaltete sich, diesmal zur Abwechslung mit angeschraubtem HLD-Griff, immer ab – ohne Griff alles normal: erst HLD kostenpflichtig repariert, hat nichts gebracht, dann Reparatur der Kamera auf verlängerte Garantie; alles erst mal wieder in Ordnung.

            Mal schauen, was noch kommt, doch so ein Kamera-Sorgenkind hatte ich, wie gesagt, noch nie. Deshalb kann ich niemandem zum Gebrauchtkauf dieses Modells raten – meine M1 II würde ich ruhigen Gewissens schließlich auch niemandem anbieten.

          2. P.S. Hoppla, ich muss kurz nachschieben: die Seriennummer, die ich in meinem Posting von eben genannt habe, wurde „aufgrund der Reparatur“ neu zugewiesen. Warum auch immer. Steht jedenfalls so im „Service Report“. Die alte SN war eine %%%A717$$ (%==Buchstabe, $==Zahl).

            Interessant ist das schon. Warum wird plötzlich die SN geändert? Ob ich eine Austauschkamera erhalten habe? Darüber ist im Service Report nichts zu lesen… Etwas mysteriös.

    2. Bei mir ebenso. Meine Kamera gehörte zu den ersten, die in Köln verkauft wurden. Die Serien-Nr. ist extrem (!) knapp über der nun genannten 06585. Die Kamera war/ist zuverlässig und robust, an Abstürze kann ich mich nicht wirklich erinnern; einen Absturz, bei dem ich den Akku hätte entnehmen müssen, gab es nicht. Einzige Problematik ist die Verwendung von FT-Objektiven, den beiden richtig großen Tüten – da reagierte gelegentlich schon mal der AF überhaupt nicht. Die Kamera/Objektiv-Kombi schaltete dann auf stur und ich musste sie aus und wieder an stellen. Das gab aber es auch schon mal bei der E-M1…
      Übrigens AF bei FT-Objektiven: Die E-M1X ist da richtig gut geworden. Selbst meine „AF-Gurke“ 90-250 findet – selbst mit EC – nach etwas längerem Suchen nun regelmäßig doch noch ein Ziel… 😉
      Viele Grüße
      Wolfgang

  4. Hallo,

    was heißt dies nun für den einzelnen? Für den, der schon reichlich Olympus-Linsen hat, bedeutet dies die Chance, vergleichsweise günstig an eine im Grunde hervorragende Kamera zu kommen:
    Der Autofokus der MkII ist gerade mit den alten FT-TopPros hervorragend. Vom Handling ist dieses Modell ist nur etwas größer als mein Favorit, die MK I. Und die RAW-Dateien werden noch von der letzten normalen Lightroom-Version 6.14 verarbeitet. Allein das GPS der 1X wäre noch klasse dazu.

    Alle jetzt im Handel befindlichen neuen (!) Modelle dürften jenseits der kritischen Seriennummer liegen: Meine beiden im letzten Jahr gekauften Exemplare haben die SN 15xxx (Februar 2020) und 21xxx (Oktober 2020).
    Jetzt der kleine Wermutstropfen: Auch solche Kameras können abschmieren. Ich schaffe dies allerdings nur, wenn ich in der Monitor-Ansicht volle große 128 GB-Speicherkarten im Schnelldurchgang von der Datumsübersicht bis ins Detail eine Zeit lang hin und her durchsuche. Ist das ein Problem? Nein. Erstens, weiß ich das. Zweitens ist das eigentlich eine Lightroom-Parade-Disziplin und macht dort mehr Spaß und Sinn. Und drittens wenn: Akkus raus, rein und fertig.

    Am Ende noch zwei Punkte:

    Erstens: Ich aktualisiere nie die Firmware beim Erscheinen. Insbesondere nicht, wenn der Nutzen nicht relevant ist. Und das Ersatz-Modell läuft darüber hinaus immer einige FWs hinterher.

    Zweitens: Ich haben zu allen Kameras aus dem letzten Jahr noch die 3-Jahre-Plus-Garantie gekauft und diese im Januar 2021 bei OMDS eingelöst. Wenn es zu einem Problem in den nächsten fünf Jahren kommen und die Firma auf stur schalten solle, muss ich entscheiden, wie wichtig es mir ist. Die erste Antwort muss nicht die letzte sein.

    Beste Grüße, Andreas

      1. Also jenseits der kritischen Grenze. Die Kameras mit Fehler schmieren einfach so ab. Ohne, dass man was Besonderes macht. Manchmal, wenn man eine Serienaufnahme gemacht hat, manchmal direkt nach dem Einschalten, manchmal sogar bei Inaktivität. Also „bestimmungsgemäßer Gebrauch“.

  5. Meine MarkII habe ich Anfang 2017 gekauft.
    2018 war sie beim Oly Service wegen der Belederung am Auslöser.
    Verwundert war ich ob der Reparaturbeschreibung,dass das Mainboard getauscht wurde.
    Die habe ich auch nur gelesen,weil der Auslösezähler auf Null stand!!
    Offenbar habe ich da Glück gehabt,nie einen Fehler vorher festgestellt.

    Gruss
    Otto

    1. …und danach?

      ps:
      – @Reinhard: Danke für diese Insights
      – Und: Bin noch immer happy mit meiner M1mk1 und vom Upgrade auf M1X ganz zu schweigen 🙂

  6. Nur zur Information:
    Meine 1Mll : Kaufdatum 14.12.2016
    SN: BHUA 06581
    Innerhalb der Gewährleistung (lief bis14.06.2019) Kamera im ausgeschalteten Zustand stark erhitzt.
    Daraufhin wurde die Hauptplatine vom Service in Tschechien getauscht.
    Alle Firmwareupdates bis 3.2 ausgeführt.
    Seither keinerlei Probleme

    1. Hallo,

      habe eine exakt einen Tag später gekauft und habe die Seriennummer BHUA03284.
      Ich hatte keine Probleme….
      Glück gehabt.

    2. @ MoPet: nimmt mich Wunder, was Du mit „Kamera im ausgeschalteten Zustand stark erhitzt“ gemeint hast?

      Wenn ich meine E-M1.2 in den Ruhemodus habe gehen lasse, ist es bereits mehrmals vorgekommen, dass die Kamera sich danach stark erhitzte. Zumindest war der Haltegriff inklusiv Akku sehr heiss. Bei Hauptschalter auf „aus“ kann ich mich an dieses Verhalten jedoch nicht erinnern. SN BHUA245XX ( Kaufdatum Februar 2017.

  7. Dann bin ich ja froh, dass ich meine E-M1 II letztes Frühjahr nach einem Saharaurlaub noch gegen Bezahlung habe reinigen lassen. Habe mich da nämlich gewundert, warum der Austausch des Motherboards im Bericht aufgeführt war. Ich hatte übrigens nie Probleme obwohl auch ich eines der ersten Modelle (vorbestellt) hatte.

    1. Es ist nicht so, dass alle E-M1II vor einer bestimmten Seriennummer ein Problem haben. Nicht mal die Mehrheit. Aber WENN, dann liegt’s halt am Speicher.

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