Es gibt so Dinge, von denen man eigentlich dachte, sie sind dermaßen Allgemeingut, dass jede Beschäftigung damit bedeutet, Wasser in die Pegnitz zu schütten. Und dann kriege ich eine Mail „Hilfe, Moiré“.

Wenn man danach googelt kriegt man von Mathematik bis zu haarsträubenden Dummfug alles geboten. Ich versuch hier mal einen Mittelweg.

Wie Moiré entsteht ist klar – ein analoges Signal (Linien) wird digital abgetastet (Pixel). Wenn nun die Linie sehr fein ist und die Linien der Pixel ungünstig schneidet, kommt es zu seltsamen Mustern. Kann jeder selbst ausprobieren: Einfach kariertes Papier nehmen, ein paar Linien drauf ziehen und dann alle Kästchen ausmalen, die durch die Linie geschnitten werden. Mehrere, parallele, schräge Linien nebeneinander und – Bingo – Moiré.

So weit ist das ne fotografische Binse.

Wie verhindert man das nun? Beim Beispielbild: gar nicht. Face it. Der Gag ist nämlich, dass ich das selbst mit einem Monstersensor und Monsterobjektiv nicht verhindern kann. Selbst wenn die Auflösung des Sensors groß genug ist, dass ich bei der Aufnahme kein Moiré kriege, bei der Wiedergabe habe ich es trotzdem. Gelegentlich sieht man auf dem Display krasses Moiré, aber wenn man dann in die Datei reinzoomt ist da gar keines. Weil das Moiré eben nicht nur bei der Aufnahme entsteht, sondern auch bei der Wiedergabe auf digitale Medien – und heute ist jeder Monitor eben digital. Im Fall des Beispielbildes bekommt man in fast jeder Ansichtsauflösung Moiré – jedesmal woanders.

Die Anzahl der Münchner Telekom-Zentralen ist glücklicherweise beschränkt, also ist das Standardproblem eine Stoffstruktur bei Studiofotografie. Abhilfe: Weiter weg. Näher ran. Blende auf. Es geht bei allen Ansätzen immer drum, die Struktur entweder so zu vergrößern, dass mehr Pixel für die Linien da sind, oder dafür zu sorgen, dass die Linien unscharf sind. Denn wie man am Beispielbild wunderbar sieht: Moiré gibt’s immer nur in einem bestimmten Abstand zur Kamera. Wenn man mit einem 20MP-Sensor ein Model fotografiert, dann sind die Stoffstrukturen unterhalb der Auflösungsgrenze. Kein Moiré. Ein kleinkariertes Hemd oder ein feines Streifenmuster dagegen können Ärger machen. Je höher man nun die Auflösung nimmt, desto heftiger wird das Moiré. Weil dann je nach Wiedergabeauflösung anderes Moiré auftritt.

Wenn man das Model direkt vor einem Stoffhintergrund platziert, kann es passieren, dass der Hintergrund Moiré bekommt. Abhilfe: Blende auf und Abstand des Models zum Hintergrund. Niemand braucht einen scharfen Hintergrund. Predige ich seit Jahren – Abstand. Abstand vom Model und Abstand vom Hintergrund. Gibt leider immer noch Helden, die mit Weitwinkel an die Models rangehen und dann natürlich das Model direkt an den Hintergrund klatschen müssen, weil sie sonst zu viel Studio auf dem Bild haben. Investiert lieber in Studiofläche als in die neueste Kleinbildknipse mit Ultraauflösung.

Unten hat der Leinenhintergrund krasses Moiré, oben nicht. Der Unterschied? Oben habe ich auf den Kopf fokussiert, unten auf den Hintergrund. Hier habe ich Elke bewusst nur einen halben Meter vor den Hintergrund platziert. Wenn man gemütlich eineinhalb oder zwei Meter Abstand zum Hintergrund einhält, gibt’s keine Probleme weil die Schärfentiefe dann selbst bei Blende 4,5 nicht mehr ausreicht – so man ausreichende Brennweiten verwendet. (Hier: 75mm).

2 Replies to “Moiré”

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