Ein Topf voll Gold…

…steht am Ende des Regenbogens. Heißt es.

Es ist anscheinend eine neue Mode: müde Landschaftsfotos mit falschen Regenbögen aufpeppen. Wenn man sich die „Kunstwerke“ ansieht, dann fühlt man sich verarscht, denn O Wunder – der Regenbogen ist immer der Gleiche. Offensichtlich gibt’s da ein neues Programm mit einem Filter „Regenbogen“, bei dem man nur noch anklicken muss, wo man ihn hinhaben will, und – Peng – Regenbogen.

Die Fotos erwecken Aufmerksamkeit, weil man instinktiv merkt, da ist was faul, nur kommt man erst mal nicht drauf.

Für alle Regenbogen-in-Bilder-Reinmaler: Hier mal ein kleiner Überblick über die Eigenschaften von Regenbögen.

Ein Regenbogen ist nicht „real“ sondern entsteht quasi im Auge des Betrachters. (Wer es ganz genau wissen will, konsultiere Wikipedia.) Das bedeutet, der Regenbogen wandert mit dem Betrachter mit. Sieht man einen Regenbogen, hat man grundsätzlich die Sonne hinter sich und das Zentrum des Regenbogens vor sich. Der eigene Schatten ist immer in der Mitte des Regenbogens.

Hier steht die Sonne sehr hoch am Himmel und scheint nach unten. Hier wird von der Klippe des Nordkaps nach unten in den Nebel fotografiert, man erhält eine kleine „Glorie“. Nichts anderes als ein Regenbogen, nur dass der Horizont den Bogen nicht begrenzt. Genau in der Mitte ist der Schatten der Kamera. Nur bei Mitternachtssonne ist es übrigens auf der Nordhalbkugel möglich, dass ein Regenbogen im Süden zu sehen ist.

Je höher die Sonne steht, desto flacher ist der Regenbogen, klar, weil der Mittelpunkt des Kreises, den der Regenbogen bildet, immer weiter unter den Horizont geht und man nur noch den oberen Kreisbogen sieht.

Ein Regenbogen auf dem Teide, Teneriffa. Sehr flach, weil die Sonne sehr hoch steht. Fotozeitpunkt 27. September, 10:04

Je näher der Regenbogen ist, desto kleiner ist er. Kann man im Sommer mit dem Gartenschlauch wunderbar nachvollziehen. Da kann man Regenbögen mit ein paar Meter Durchmesser machen.

Self-made-Regenbogen mit dem Gartenschlauch. Die Sonne steht noch niedrig. 9 Uhr morgens.

An ausgeprägten Regenbögen ändern sich auch die Helligkeiten im Himmel:

Das hier ist ein Regenbogen kurz vor Sonnenuntergang, der sehr weit weg ist. Sehr großer Bogen, der steil aus dem Horizont kommt. Deutlich sichtbar der Helligkeitssprung.

Auch bei diesem sieht man den Helligkeitsunterschied deutlich. Aufnahmezeitpunkt Mitte Juni, gegen 19 Uhr.

Das hier ist kein Newton-Ring auf einem Diarähmchen, sondern eine Glorie aus einem Flugzeug. Sehr weit weg, so dass man den Schatten des Flugzeugs, der sich in der Mitte der Glorie befindet, nicht mehr erkennen kann. Auch hier sieht man, dass die Sonne hinter dem Betrachter steht – rechts oben steht der Vollmond.

Also wenn ihr in Zukunft Regenbögen auf Bildern seht, bei denen die Sonne von der Seite kommt oder weder Regen noch Nebel zu sehen ist, dann wisst ihr: da hat jemand bei der EBV nicht aufgepasst.

Das mit dem Topf voll Gold – da man immer in der Mitte des Regenbogens steht, wird man niemals zu dessen Ende gelangen – abgesehen davon, dass ein Regenbogen gar kein Ende hat – er ist ein Kreis…

6 Replies to “Ein Topf voll Gold…”

  1. Ein wunderschöner Beitrag!
    Hast du für die Fotos der (echten) Regenbögen Polfilter verwendet? Da der Regenbogen ja eigentlich eine Reflektion ist müsste man in der richtigen Stellung den Regenbogen ja jeweils betonen bzw verschwinden lassen können, richtig? Sofern man denn so ein Ding dabei hat…

  2. Ich sah einmal in Malysia einen ganz besonderen „Regenbogen“. Damals gab es noch kein Internet und Google usw.
    Habe mich lange gefragt was es war, denn ein Regenbogen konnte es eigentlich gewesen nicht sein. Heute weiß ich, es war ein „Halo“. Ein Ring um die Sonne in den blassen Farben eines Regenbogens. Dieser entsteht anscheinen durch Eiskristalle in den obersten Wolkenschichten.

  3. Hallo Reinhard
    Mit diesem schönen Beitrag hast du uns – die wir alle schon viele Regenbögen gesehen haben – auf so manches aufmerksam gemacht, was zumindest ich bisher nicht beachtet habe. Danke!
    Was das Pofilter anbelangt, war ich bisher der Meinung, man könne damit die Wirkung des Regenbogens etwas verstärken, ich habe allerdings nie richtig „durchgespielt!
    Lutz

  4. Das Phänomen des kreisförmigen Regenbogens mit der eigenen Silhouette mittendrin draußen im Nebel ist faszinierend. Im alpinen Kontext ist es auch als „Brockengespenst“ bekannt, schon Goethe soll sich am Brocken davor gefürchtet haben. In der alpinen Mythologie taucht es gelegentlich auf und wer das jemals gesehen hat, vielleicht in situativer Notlage (Nebel am Berg ist manchmal nicht lustig) und vielleicht bar jeder physikalischen Kenntnis, der kann durchaus dadurch irritiert werden.
    Möglicherweise spielt diese atmosphärische Erscheinung auch eine Rolle bei der Erscheinung des sog. „Dritten Mannes“; das ist ein psychotischer Zustand bei Höhenbergsteigern, die – obwohl allein unterwegs – davon überzeugt waren, von einer anderen Person begleitet worden zu sein. Es wird vermutet, dass ein Teil von Bergunfällen in großen Höhen mit dieser Psychose in Zusammenhang zu bringen sind.
    Meine eigenen Erfahrungen mit dieser Erscheinung sind selten, aber allesamt enorm beeindruckend und einige wohltuend gruselig.

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