YouTube-Livestream mit E-M1II

Ich habe es getan. Ich habe mich mit einem Freund zusammengesetzt und wir waren “Live”. Es ging dabei drum, einen Foto-Stammtisch, der nun seit einem halben Jahr nicht mehr stattfinden kann, Online durchzuführen.

Warum YouTube, wo ich doch google nicht mag? Weil Vimeo 70 Euro pro Monat für einen Tarif haben will, bei dem man streamen kann. Das ist mir die Nummer – noch – nicht wert, schließlich verdiene ich mit der Aktion ja – wie hier auch – kein Geld.

Für alle augebufften YouTuber ist das, was ich jetzt hier schreibe, ein uralter Hut. Aber es soll Leute geben, die, wie ich, neu im Streaming sind.

Also: Ihr braucht ein verifiziertes Google-Konto. Also mit Telefonnummer und SMS-Bestätigung und so. Und am besten noch ein YouTube-Konto, das schon länger besteht. Meines ist gut zehn Jahre alt, da war alles im grünen Bereich. Bei den Einstellungen, Kontoinformationen kann man nachsehen, was man alles darf – und wie man’s ändern kann.

Die erste Aktion – tunlichst zwei Tage vor dem geplanten Stream – man meldet sich für LiveStreaming an. Dazu klickt man rechts oben auf Hochladen und schaltet dann nicht auf Hochladen, sondern auf “LiveStream erstellen”. Dann kommt ein freundlicher Hinweis, dass man gefälligst 24 Stunden zu warten hat. Das können auch mal zwei Tage werden. (Wichtig: Das hier gilt alles nur für den Desktop, also den normalen Browser unter Windows! Für Apple gibt’s keinen Oly-Treiber.)

Unter den Kontoinformationen sieht man dann als Status LiveStream “Wartezeit”.

Sobald man darf, sollte man unbedingt erstmal einen Probelivestream starten. Und zwar auf “Privat”. Per Default sind alle LiveStreams öffentlich. Ändern. Und dann rumprobieren und sich alle Einstellungen ankucken. Man kann LiveStreams zu nem bestimmten Termin starten – und man kann diesen Termin auch jederzeit überschreiben, indem man auf “starten” klickt.

So. Und jetzt will man ja die Oly als Kamera nutzen. Also aus YouTube wieder rausgehen.

Den Olympus WebCam-Treiber installieren. Kamera einstöpseln. In der Kamera das Symbol wählen, das man normalerweise für Capture verwendet. Also das mit der Kamera und dem Anschluss. (Ohne RAW). Als Kameras kommen in Frage: Alle E-M1en, die E-M5II. Kamera einschalten.

Und jetzt erst YouTube starten, den Livestream einstellen, den OMD-Betatreiber wählen. Wenn die Kamera beim Starten von Youtube nicht eingeschaltet und verbunden war, kann es sein, dass man die Kamera zwar auswählen kann, aber sie nicht aktiviert wird. Sprich: Es bleibt dunkel.

Vorher noch zu erledigen: (Das hasse ich bei Kochrezepten. Wenn man mitten im Rühren dann liest, “Am Abend vorher haben wir die Linsen in heißem Wasser zum Quellen eingelegt.”) Fokus einstellen. Licht einstellen. Weißabgleich auf Graukarte. Umstellen auf MF, darauf achten, dass nichts flackert, also am besten auf 30fps und 1/50s. Objektiv zurücksetzen auf “Aus” dann kann man beim Warten auf den LiveStream die Kamera abschalten und der Fokus bleibt. Stabiles Stativ. USB 3.0-Port. FHD, nicht 4K, Und den PC über Netzkabel mit dem Router verbinden – nicht über WiFi.

Und der Ton. Da ist es ähnlich. Der Ton muss VOR dem Starten von YouTube laufen, sonst wird der Eingang nicht erkannt und YouTube nimmt irgendwelche internen Mikros. Die Mikros der Kamera werden NICHT durchgeschleift. Also: prima sind Kragenmikros. Die sind aber Mono. Wenn man zu zweit ist, ist es naheliegend, links und rechts zu trennen. Das hört sich aber doof an. Wie kurz nach Erfindung des Stereo in den 60ern. Da ist dann eine Mischmöglichkeit mit Panoramaregler für die einzelnen Mikros gut. Alternative ist ein PCM-Recorder z.b. der PL-4. (Den Kopfhörerausgangan den Line-Eingang des PCs.) Das funktioniert aber nur, wenn der Raum nicht hallt. Im Zweifel außerhalb des Kamerabereichs Kleiderständer aufstellen. Oder dicke Vorhänge aufhängen.

Einen LiveStream sollte man zu zweit machen – einer labert, der andere behält den Chat im Auge. Selber kann man das nicht machen – denn der LiveStream ist keinswegs “Live” sondern hat ein Delay von etwa 30 Sekunden. Das irritiert maßlos, wenn man eine Bewegung macht und die erst ne halbe Minute später dann am Kontrollmonitor auftaucht. Klar, das Videofenster kann man ausblenden, aber das ist nützlich weil man da halt sieht, wenn im Stream was schief läuft.

Dass man grob nen Plan haben sollte, was man streamen will, ist klar. Und nochmal: wenn der Streamer während des Streams an der Technik rumfummelt, dann kommt das nicht gut. Und man sollte immer in die Kamera sprechen.

Wenn man lustig ist, kann man auch mit ArtFiltern streamen – oder vom Rücksitz einer Ente….

Zur Brennweite: Wir haben unseren Stream mit dem 14-35 f/2 gemacht und auf 25mm gestellt. Das kam für zwei Personen gut, Abstand etwa 3 Meter. Das hat mehrere Vorteile: Man kann grob in die Richtung der Kamera kucken, das passt immer. Mit den verbreiteten UWWs auf kurze Entfernung muss man stur in die Linse starren. Und die Physiognomie wird nicht so verzerrt. Ausnahme: wenn man oft Details eines Gerätes zeigen will – dann kann man bei sehr naher Kamera einfach die Gerätschaft in die Kamera halten. Man muss halt wissen, was man braucht.

Beleuchtet habe wir das Ganze mit zweimal drei LED-PARs. Drei davon frontal von vorne, die drei anderen indirekt um die Schatten aufzuhellen. Die haben 6500 Kelvin und flackern – und haben lediglich einen CRI von knapp über 80. Also ist Graukarte Pflicht und 1/50s oder längere Belichtungszeit.

3 Replies to “YouTube-Livestream mit E-M1II”

  1. Also ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, den YouTube-Livestream nicht über den Browser anzusteuern, sondern über Open Broadcast Studio (OBS, https://obsproject.com/). Damit kann man dann auch mal einen PC-Bildschirm (oder ein Fenster von einem solchen) einblenden oder auf Tastendruck zwischen mehreren angeschlossenen Kameras hin- und herwechseln. Die zusätzliche Flexibilität ist den Extra-Aufwand allemal wert.

    Eine kostenlose Alternative zu YouTube-Livestreaming, wenn man nicht gerade vorhat, Hunderte von Zuschauern zu “bestreamen”, ist Jitsi Meet (https://jitsi.org/jitsi-meet/). Auf dem billigsten Cloud-Server von Hetzner installiert (€3/Monat, andere Cloud-Anbieter sind verfügbar) reicht das ohne Weiteres für Konferenzen mit zwei Dutzend Leuten oder so (das ist zumindest das Maximum, das ich bisher ausprobiert habe), und im Gegensatz zu YouTube-Livestreaming dürfen die ggf. auch was sagen, was für einen “Stammtisch” natürlich ganz interessant sein kann.

    YouTube hat die Nase vorn, wenn man das Ganze “live” aufnehmen möchte, denn das ist bei Jitsi Meet ein bisschen diffizil zu konfigurieren. Kommt es einem nur auf das an, was man selber streamt, dann kann man das natürlich mit OBS lokal mitschneiden und später – evtl. etwas aufgeräumt und mit Titeln usw. versehen – irgendwohin hochladen.

    1. Ich habe bewusst kein Jitsi verwendet – und auch kein Zoom oder sonstige Videoconferencing-Software. Ich habe das jetzt die letzten zwei Jahre ausreichend ausprobiert – muss ich echt nicht haben. Ich will nicht zwanzig Leuten in die Wohnzimmer kucken, sehen wenn jemand wegpennt, das Telefon beim Zuhörer aus Honululu klingeln hören. Solche Videochats müssen moderiert werden – da wäre ein dritter Mann notwendig, genau wie bei einer extra Software, die mehrere Kameras verwaltet. Wir haben aber bewusst auf ein Zwei-Mann-Setup gesetzt. Das können wir auch noch aufrechterhalten, wenn es wieder zum Lockdown kommt.

  2. 1+ für die Erklärung.
    Da bekommt man einmal einen Einblick wie es geht und was alles bedacht werden muss.
    Der Hinweis von Anselm ist auch interessant.
    Aus Termingründen konnte ich diese Veranstaltung leider nicht wahrnehmen.
    Vermutlich folgt irgendwann eine Fortsetzung mit weiteren Themen.
    Auch wenn es Arbeit ist, weiterhin viel Spaß bei der Planung und Ausführung .
    Grüße Wolfgang

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