E-M5III vs RX100VII

Jetzt isser komplett durchgeknallt? Vergleicht eine Systemkamera mit einer Kompakten? Nope. Ich habe mir von Sony zwei RX100 schicken lassen, Die allererste und die Neueste. Letztere ist mit einem UVP von 1300 Euro in den Markt gegangen. 100 Euro mehr als die E-M5III. Da darf man schon mal kucken….

In den Testberichten wird immer der schnelle und zuverlässige Autofokus hervorgehoben – das hat mich eher nicht interessiert. Bei einem 1-Zoll-Sensor mit f/2,8-f/5,6-Objektiv wäre alles andere eine Überraschung.

Was mich aber völlig überrascht hat, war das Sony-Menü. Im Vergleich dazu ist das Olympus – Menü wunderbar klar und schnell zu bedienen. So etwas wie ein „Super-Control-Menü“, mit dem man schnell Parameter ändern kann, gibt’s bei der Kamera nicht. Für jeden Pups muss man ins Menü und sich einen Wolf drücken. „Schnell“ ist das nicht.

Das zweite Aha-Erlebnis kam nach dem Druck auf den Auslöser. Ich bin gewohnt, dass ich nach einem Einzelbild sofort weitermachen kann – nicht bei der Sony. Da macht die Kamera erstmal ein, zwei Gedenksekunden – und das hat nichts mit einer zu langsamen Karte zu tun. Nach dem Bild kommt immer erst mal ein Bildschirm „Verarbeite“ und dann dauert es erst noch mal….

Nun zur Bildqualität. Ich habe dazu mein Stativ bemüht:

Da wackelt erst mal nix. Und dann ging’s auf Elke los:

Das ist aus der Sony. Und hier kommt die E-M5III:

Weißabgleich Auto, Gesichtserkennung und so weiter. Beide Kameras identisch eingestellt. Auf den ersten Blick wirkt das Sony-Bild gefälliger, kontraststärker – nur stimmen halt die Farben so überhaupt nicht. Das Tuch ist tatsächlich ausgeblichen und nicht so bunt, wie Sony behauptet. Und das Gesicht ist auch nicht so grau. Also mit den Farben hat’s Sony schon mal nicht so….

Details:

Oben Sony, unten E-M5III, jeweils mit ISO 200, Sony mit f/4,5 Olympus mit f/4. Wenn man sich den Bereich um die Haare ansieht, fällt auf, wie brutal von Sony schon bei ISO 200 gebügelt und geschärft wird. Da kommt das Bild aus dem Computer, nicht aus dem Objektiv – vermutlich der Grund, warum sich die Kamera nach dem Klick so Zeit lässt.

Und, weil’s so lustig ist, noch ein bisschen Weitwinkel:

Das hier ist das JPG. Und hier das RAW:

Gut, das Lila der ausgefressenen Stellen – muss man übersehen, liegt am RAW-Konverter von Picasa. Was echt haarig ist, sind die Ecken. Der Bildkreis reicht hier für den Sensor nicht aus. Sowas habe ich noch bei keinem Objektiv gesehen. Die gebogenen Balken, OK, das habe ich erwartet, wenn bei dem hochgelobten Objektiv auch nicht so schlimm, aber die Ecken sind eine Lachnummer.

Fazit: eine EPL10 ist billiger, schneller, besser und auch kaum größer. Gegen eine E-M5III , die mit einem niedrigeren UVP gestartet ist……. echt nich….

Man kann das Marketing von Sony nur bewundern.

13 Replies to “E-M5III vs RX100VII”

  1. Vielen Dank für diese Einsichten.
    Ich hatte doch tatsächlich erwogen, mir für eine lange Wanderung (Via Francigena) ein solches Teil von Sony zuzulegen, vor allem um Gewicht zu sparen.
    So werde ich meine gute alte E-M1 mal wieder schleppen und dazu vielleicht nur das 14-42 EZ und das 60er Makro.
    Nur noch mal eine Frage: Warum wurde ein RAW-Konverter von Picasa bemüht? Die Sony macht doch auch in *.jpg, oder?
    „Da kommt das Bild aus dem Computer, nicht aus dem Objektiv“ – diesen Eindruck habe ich bei vielen kleinen Knipsen auch.
    Gruß und weiter so,
    auch ich bin immer wieder neugierig,
    Wilhelm

    1. Ich verwende zur Kontrolle immer den Picasa-Rawkonverter, weil der sich nichts um Objektivkorrekturen kümmert, sondern zeigt, was wirklich rauskommt. In dem Fall wird klar, warum zum Beispiel Heise im Weitwinkel einen Auflösungsverlust von 30% feststellt – klar, wenn das alles nur aufgeblasen ist – wo sollen da die Details herkommen.

  2. Mmh ich hätte da gerne mal was bei ISO800 gesehen, falls Du was hast. Ich spiele nämlich tatsächlich mit den Gedanken an eine RX100 (älteres Modell) als Ersatz für meine XZ-1.

    Zum langen Verarbeiten: die RX hat doch eine irre schnelle Serienbildfunktion? Bist Du sicher, dass die Wartezeit „normal“ ist?

    1. Schnelles Serienbild: Im Datenblatt stehen 90Bilder pro Sekunde. Ich habe hier nur 20 gezählt. RAW+JPG in Vollauflösung. Und hinterher wartet man halt. Weil da während der Auslösungen ein Klickern ertönt, denkt man, da ginge echt was….. In den Puffer passen etwa 60 Bilder – und dann ist es vorbei mit der „hohen“ Geschwindigkeit. Kann sein, wenn man das RAW weglässt oder kleinere JPGs macht…..
      Vergleich zum Taschendrachen: Das Zuiko-Objektiv ist besser. Aber der Sony-Sensor mit der Schärfung und Glättung sieht schon fetziger aus. Bei ISO 800 sieht man erste Auflösungsverluste und Strukturen und Verläufe gehen verloren. ISO 1600 geht noch so, danach wird’s dann schon unschön. Also gegenüber dem Taschendrachen etwa eineinhalb Blenden weniger Rauschen. Dafür ist das Oly-Objektiv eineinhalb Blenden lichtstärker. Also Nullsummenspiel.

  3. Was hast du da an der Oly, ’ne FT Festbrennweite?!
    Zum Vergleich hättest du das 12-100/4 gebraucht, meinetwegen auch das 14-140 oder das 12-200.

    Bzgl. Gewicht und Packmass gewinnt die Sony den Vergleich aber haushoch. Und auch beim Strassenpreis liegt die Oly abgeschlagen hinten.

    Wollte Sony dir denn keine halbwegs aktuelle A7ii oder z.b. ein Modell der A6x00 Reihe überlassen? Die sind immer noch billiger als die em5iii zu haben…

    1. Was ich zum Vergleich „Brauche“ oder nicht, ist meine Sache. Und wenn Du das 50er Makro nicht kennst….. Es geht hier zudem überhaupt nicht um Endauflösung sondern um das, was die Sony an Artefakten produziert. Und das ist unabhängig vom Objektiv.

      Und Bzgl Gewicht und Packmaß gewinnt eine Minox locker. Lauf ich deswegen damit rum? Nein. Eben.

      Und warum soll ich mit ner A7 rummachen? Die interessiert mich nicht. Wenn sie Dich interessiert, hol Dir eine, stell nen Vergleich ins Netz. Viel Spaß.

      1. Ne a7 hab ich schon, einen Vergleich mit der em5iii werde ich trotzdem nicht ins Netz stellen.
        Weil mich die em5iii in keinster Weise interessiert. Bringt mir nix neueres als 1ii und 1X. Leider.

  4. Seit 3 Jahren habe ich die RX100 III, die erste mit dem Einklappsucher, der zwar ein Witz ist, aber als „Not“-Sucher doch funktioniert. Gekauft hab ich sie als kleine „richtige“ Kamera, die in die Jackentasche passt, wenn ich keine Kamera mitnehmen will, für den Notfall. Ja sie hat mir schon ein paar gute Bilder beschert, die ich sonst nicht bekommen hätte. Aber der Kauf war keine Liebesheirat, wie meine beiden E-M1 und II, eher eine Vernunft-Ehe. Ich teile Reinhards Kritikpunkte voll: Auch wenn die Oly-Menues wirklich für einen Neu-Oly-Fotograf kein Vergnügen sind, das Menue der RX-100 ist noch unübersichtlicher und auf keinen Fall selbsterklärend. Erstaunlich ist, was das kleine Ding an technischen Features bietet. Um die Knipse zu bedienen und meinen (einfachen) Bedürfnissen anzupassen, habe ich mir ein Buch gekauft und in mehreren Tagen durchgearbeitet. Nach jeder Auslösung gibt es eine Pause, richtig! Und sie liegt nicht gut in der Hand. Design ist nun mal nicht alles an einer Kamera. Der Auslösseknopf ist so glatt, dass der Zeigefinger ihn nicht intuitiv findet. Manchmal drücke ich auch aufs Gehäuse.
    Fazit: Ich bereue nicht, sie für 550 EUR gekauft zu haben, habe sie oft in der Tasche, habe einige ordentliche Bilder gemacht, freue mich z.B. im Museum über die Lichtstärke von 1.8. Der Lust- und Spaßfaktor, den bei mir ein Kameragehäuse auslösen kann, ist deutlich geinger als z.B. bei der Stylus 1, obwohl die Sony sicherlich die besseren Fotos liefert.

  5. Hallo Reinhard,
    die Begegnung mit der Stylus 1 war Liebe auf den ersten Blick, leider hat sich Olympus ja aus diesem Segment verabschiedet. Bei der Sony RX100 dauert es einige Zeit, bis man sich mit ihr anfreundet. Die erste Voraussetzung dafür ist das Aufkleben einer Griffleiste, wie seinerzeit bei der PL3. Olympus liefert sie ja inzwischen bei den PENs mit, Sony lässt sie sich extra bezahlen und nimmt dafür Kritik an der Haptik in Kauf.
    Das von dir vermisste „Super-Control-Menü“ heißt bei Sony „Funktionsmenü“ und wird über die Fn-Taste aufgerufen. Die 12 Positionen des Funktionsmenüs sind im Menü Kameraeinstellungen 2, Seite 9 von 10, auswählbar. Ja, das Menü der M1X ist da sogar übersichtlicher. Hier gibt es Hilfe: https://www.wimarys.com/category/camera-reviews/tips-and-tricks/sony-cameras/
    Was ich bei der RX100 VI immer noch suche ist eine Möglichkeit, das Histogramm so anzuzeigen, dass es bei der Belichtungskorrektur nicht ausgeblendet wird.

    Genial ist der Modus „Handgehalten bei Dämmerung“, der mir auch bei Museumsbesuchen tolle Aufnahmen ohne Blitz bei niedrigen ISO-Werten ermöglicht. Das entschädigt etwas für den seit der M3 fehlenden Blitzschuh. Und Olympus hat uns ja bei den neueren M1-Versionen diesen Modus vorenthalten.

    Bis zur RX100 M5 ist es wohl eine Sache der persönlichen Präferenzen, ob nicht eine PEN mit dem 14-42 EZ die bessere Alternative ist, etwas größer, aber mehr Potential. Wenn es in den Telebereich geht, ist die RX100 ab der M6 als immerdabei aber konkurrenzlos. Ohne wissenschaftlich korrekte Vergleichtests, aber aufgrund der praktischen Ergebnisse: Mein 14-150 ist arbeitslos, seit ich die RX100 M6 habe. Mit dem 12-100 könnte das schon wieder anders aussehen, aber mit Body passt das nicht mehr in die Jackentasche.

    In der Praxis benutze ich die RX100 auch gerne als WW-Kamera, wenn ich mit dem M1-Body und Tele unterwegs bin.

    Gruß
    Mehmet

    1. Bingo: Herzlichen Dank für die Hilfe. Fn-Taste gefunden. Und nach Deiner Hilfe sogar die Konfiguration dafür. Ich habe von Sony als „Handbuch“ einen Zettel in Englisch gekriegt, Da steht drauf, wie man den Akku wechselt, wie man die Kamera einschaltet und wie man die Bilder auf das Smartphone überträgt. Ein PDF-Handbuch? Gibt’s nicht. Es gibt einen „Help Guide“. Kann man halt nicht drin suchen. Bisschen unpraktisch. Mal sehen, ob ich der Kleinen nochmal ne Chance gebe.

  6. Danke für den Test, obwohl er natürlich etwas schräg ist.
    Ich habe beide Dinger, das legendäre FT-Makro geht mit mir ins Grab. Für potentielle Wechselwähler immer interessant ist der effektive Unterschied zwischen 1 Zoll und mft, die Differenz ist klar da. Mft ist m.E. (nach Jahren der analogen Mittelformat-Schlepperei) das dzt. beste kompromissbehaftete System und Oly jenes mit den besten Gläsern (arbeite im Zweitberuf mit Endoskopen, da kommt ein Gutteil des Olympus-Know how her). Was im Test gut herausgekommen ist, ist die Qualität der Farbdarstellung. Seit der seligen E1 (ich ich dummerweise abgegeben habe) muß sich Oly heute diesbez. nur mit Fuji matchen.
    Die Sony R100 7 habe ich mir geholt, weil ich als Bergführer auf den langen Touren jedes Gramm zählen muß, auch deckt das Objektiv nun leidlich alles ab zwischen Enzian und Gämse. Zudem erlaubt mir die neue Trackingfunktion, auf Skitouren auch die Abfahrt der Teilnehmer gut festzuhalten. Das Menü ist brauchbar, über die Fn-Taste sind die wichtigsten Einstellungen relativ zügig aufrufbar; ich kann mir schwer vorstellen, wie bei einem derartigen Winzling das Menü noch griffiger verpackt werden kann.
    Somit ist der Taschendrache: extrem überteuert, fummelig, für die Größe recht schwer und in der Summe ein Nischenprodukt. Oly ist (speziell auch mit den alten FT-Gläsern; von denen ich noch 4 Stück habe), für mich die ideale Symbiose von Romantik, idealer Haptik und modernem Arbeitsgerät.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.