Sony und CO2

Sony ist unter allen, die ich hier vorgestellt habe, wohl die wichtigste Imaging-Company – sie stellt die Sensoren für nahezu alle Kameras her. Und so schräg das klingt – wenn Sony den CO2-Ausstoß reduziert, profitieren die CO2-Bilanzen von Canon, Nikon und Olympus davon – denn als Zulieferer liefert Sony die Produkte mit „CO2-Rucksack“ aus – die sich dann der andere Hersteller auf seine Liste schreiben muss.

Sony ist ebenfalls Mitglied der RE100 (erst seit 2018) – aber bei Sony hört sich das anders an: Sony will bis 2040 nur noch Erneuerbare Energien verwenden. Ok. Auch wieder Absichtserklärungen. Was haben sie wirklich auf die Beine gestellt? Zum Beispiel kühlen sie ihren Reinraum zur Sensorherstellung mit der Abwärme der darin stehenden Maschinen. Cooler Trick, spart allein im Jahr 4900 Tonnen CO2.

Auf einer Fab in Thailand haben Sie ein Solarkraftwerk mit 1,8Mw installiert, das immerhin im Jahr 2420MWh liefert – und damit im Jahr 1230 Tonnen CO2 spart. Das ist nicht das Einzige von der Sorte, aber das Größte.

Wer noch ein paar Absichtserklärungen verkraften kann, hier das Target-Sheet für 2020.

Kennt den noch jemand?

Hier gibt’s die verschiedenen Reports, durch die man sich durchwursteln kann. Aber der Knaller ist ein Excel-File, das es hier gibt. Das ist nicht ohne – und enthält vor allem richtig viele Zahlen. Noch ein Knaller: In Europa nutzt Sony zu 100% erneuerbare Energien. Seit 2008. Entweder durch Eigenproduktion per Solar oder eben durch Zukauf auf dem EE-Strommarkt. In Japan haben sie ein Problem – sie können nicht so viel Solarzellen auf ihre Fabs bauen, wie sie bräuchten – und es gibt in Japan nicht genug erneuerbare Energien. Bei den 15%, die derzeit aufgebaut sind, muss man hart verhandeln, wenn man als Großabnehmer was davon haben will – Sony tut das und versucht gerade, Wasserkraft zu kriegen.

Was hat nun Sony bisher erreicht? Sie haben den CO2 Ausstoß ihrer Fabriken von 2015 bis 2018 von 1.563.164 Tonnen CO2 auf 1339006 Tonnen gesenkt. Fast die gesamte Reduktion wurde durch die Umstellung auf erneuerbare Energien erzielt. Wenn man noch ein bisschen staunen will, geht man im Excel-File auf die historischen Daten von 2000 bis 2014. Jawohl. Sind alle aufgeführt.

Der Sony Discman

Ja. Sony ist noch nicht klimaneutral. Die Sony-Produkte verursachen im Gebrauch rund zehn Millionen Tonnen CO2 im Jahr. (Scope 3) Aber Sony hat schon richtig was erreicht. Sie haben damit angefangen, als andere noch nicht mal wussten, was Klimawandel überhaupt ist. Ihre Zahlen könnten noch ein bisschen netter aufbereitet werden, aber sie sind wenigstens da! Und zwar in toller Ausführlichkeit.

Hut ab Sony, das hätte ich von euch nicht gedacht. Da kann sich der Rest der Branche echt was von abkucken!

Und jetzt gebt richtig Gas!

Der Schliersee – Hochwasser.

6 Replies to “Sony und CO2”

  1. Der letzte Satz passt nicht so recht. Gas geben wollen wir ja vermeiden
    In Japan werden Kernkraftwerke wieder hochgefahren, ist zwar klimafreundlich aber halt nicht wirklich sicher.

    1. Ich denke, so klimafreundlich ist ein Kernkraftwerk auch nicht:
      Kopie:
      Atomstrom ist keineswegs CO2-neutral. Atomkraftwerke verursachen im Betrieb zwar keine CO2-Emissionen. Aber: Die Treibhausgasemissionen sind größtenteils der Stromproduktion vor- und nachgelagert. Betrachtet man den gesamten Lebensweg – von Uranabbau, Brennelementherstellung, Kraftwerksbau und -rückbau bis zur Endlagerung – so ist in den einzelnen Stufen des Zyklus zum Teil ein hoher Energieaufwand nötig, wobei Treibhausgase emittiert werden.
      Atomkraft verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen als Kohlekraftwerke, aber mehr als die erneuerbaren Energien.

      Gruß Rainer
      Quelle:
      https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-atomstrom-wirklich-co2-frei

  2. Ich kenne Walkman und Discman (hab beides mal vor langer, langer, laaaaaan ….. Zeit selbst genutzt) 🙂

    … und bin ebenfalls sehr positiv überrascht, dass Sony auf dem richtigen Weg ist. Aber am Ende dieser umfangreichen Recherche – dank dir Reinhard – ist es dann doch mehr die Freude endlich mal etwas positives zu Lesen. Wer etwas will der findet Lösungsansätze. Wer etwas nicht will, findet Ausreden! Oder – sucht nach ZEIT, wie unsere Regierung, die gerade in ihrem überarbeiteten Entwurf des Klimaschutzprogrammes die konkreten (veralteten) Zahlen „gestrichen“ hat.

    Auch wenn es noch ein weiter, weiter Weg (der täglich offensichtlich gerade etwas länger zu werden scheint) sein wird hier eine Klimaverbesserung endlich zu erreichen, könnte der letzte Satz gerne in die Richtung gehen: „Auf geht’s: Macht mit, macht’s nach, macht’s besser und zwar nachhaltig“.

  3. Danke für Deine Recherche Reinhard!

    Gestern in München waren wir „nur“ 3500 Menschen, die gegen die Unverschämtheit „unserer“ Regierung protestiert haben. Aber in Deutschland waren es in der Woche insgesamt über 1,5 und gestern in Italien ca.1 Million. In Neuseeland, Australien, Kanada, ….Die Welt wacht auf, vielleicht ist es noch nicht zu spät.

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