Pentax/Ricoh und CO2

Da hat doch noch ne Company gefehlt? Richtig. Pentax. Die gehört ja jetzt nun seit ein paar Jahren zu Ricoh und pentax.de wird mittlerweile direkt auf ricoh-imaging.de umgeleitet. Dort steht zu Nachhaltigkeit natürlich nichts. Aber auf der Ricoh-Seite selbst gibt’s eine wunderbare Seite, bei deren Lektüre man den Eindruck bekommt, Ricoh wäre hauptsächlich damit beschäftigt, die Welt zu retten.

Angepriesen wird der „Nachhaltigkeitsbericht“. Den gibt’s auf Englisch und Japanisch. Wenn man ihn durchackert und nach Climate sucht, wird man sogar fündig, da geht es um Investitionsklima und Betriebsklima. Zum Thema CO2 gibt’s eine winzige Grafik völlig ohne Aussage. Wer’s nicht glaubt: Hier ist der Direktlink. ab Seite 51 gibt ein paar Seiten zu CO2 – leider nur Absichtserklärungen. Nichts, was bisher erreicht wurde.

Immerhin hat sich Ricoh zum Ziel gesetzt, 2050 CO2-Neutral zu produzieren. Äh nein. Sie wollen bis 2050 den Energiebedarf aus regenerativen Quellen decken. (Beide Aussagen gibt es, welche stimmt nun?). Ihr Beitrag besteht darin, ihre Kunden mit energiesparenderen Geräten zu versorgen und sie bei der Einsparung von CO2 zu beraten.

Bis 2030 wollen Sie immerhin ihre „GreenhouseGas“-Emmissionen intern um 30% reduzieren – bei „Scope 3“, also Transport und Verwertung, um 15%. Da sind andere Companies schon viel weiter. Und machen nicht so ein Bohei drum.

Ricoh war der erste japanische Konzern, der der RE100 beigetreten ist. Die RE100 ist so eine Art professioneller Greenwashingclub, dem so illustre Unternehmen wie Adobe, BayWa und SAP angehören. Das Ziel: bis 2050 nur noch Strom aus erneuerbaren Energien zu verwenden. Ob die BayWa bis dahin ihr Öl- und Benzin-Geschäft und das Tankstellennetz aufgibt?

Warum ist Ricoh so extrem sparsam mit Informationen und so verschwenderisch mit Marketingluftblasen?

Die Zahlen sind verheerend. 2018 ist das erste Jahr, in dem wenigstens die Emissionen der Fabriken gesunken sind. Dafür dass Ricoh ja seit fast einem Jahrzehnt bei „RE100“ ist, ist das ein Armutszeugnis. Man lobt sich für die Unterstützung von Umweltprojekten. Das sind innerhalb der letzten 18 Jahre sechs Projekte. Zusätzlich zwei davon, aus denen sich Ricoh wieder zurückgezogen hat.

Ich hoffe, ich habe mich bei der Recherche grandios vertan und all die wichtigen Projekte und tollen Zahlen von Ricoh übersehen. Denn das, was ich gefunden habe, ist niederschmetternd. Das ist Nix. Gar nix. Auch nicht auf Deutsch. Seitenlang Bla – und man hilft den Kunden beim klimaneutralen Drucken. Hier sind die Ziele wieder anders: 88% bis 2050. Was gilt nun? Auch hier: CO2 soll der Kunde einsparen. Ricoh hat lediglich Ziele – die weit in der Zukunft liegen. Belastbare Zahlen? Fehlanzeige.

Und noch für die Relation: Umsatz 2017: 18 Mrd US-Dollar. Gewinn: 272 Millionen Dollar. Das ist ein Gewinneinbruch zum Vorjahr um 67%. Angesichts dessen dürfte klar sein, wo die verringerten CO2-Emissionen 2018 herkommen – weniger Produktion bedeutet auch weniger Energiebedarf.

8 Replies to “Pentax/Ricoh und CO2”

  1. Mit Klimaschutz fängt man ja immer am besten bei sich selber an. Es mag populär sein, den Finger rundrum zu strecken, hilfsreich ist es selten. Wir wäre es mit Deiner persönlichen CO2 Bilanz? Die Kamera darfst Du dann ruhig mit einbeziehen. Start Life to End Life. Wie oft wechselst Du die Kamera, wieviele Bilder, wieviel fährst Du, Web Präsenz, Drucken, Ausstellungen, Akku laden, entsorgen, …

    1. Im Gegensatz zu Dir habe ich einen Großteil meiner Bilanz zum Beispiel hier offengelegt. Ich persönlich arbeite im HomeOffice – also keine Fahrten zur Arbeit. Meine letzte Kamera, die ich gekauft habe, war die PEN-F, als sie rauskam. Das ist vier Jahre her. Ich mache keine Ausstellungen und drucke nicht – meine Bücher gibt’s als PDFs. Mein Strom ist seit Jahren Grün – und nicht Gelb.
      Und jetzt bist Du dran. Denn es ist ja nicht hilfreich, den Finger rundrum zu strecken.

      1. Ich wollte hier keinesfalls eine angestrengte moralische Debatte anregen. Entschuldigung, wenn das hier so herüberkam. Meinen Berufsweg kann ich mit dem Velo zurücklegen. Vermutlich stehe ich in der Summe aufgrund beruflicher Reisetätigkeit trotzdem schlechter da.

        Eine Solaranlage besitze ich auch. Allerdings haben komplexe Systemreparaturen den energetischen Bonus für die nächsten 100J vermutlich aufgefressen. Verteilte Energieerzeugung hat so seine Tücken. Das meinte ich eigentlich.

        Start-to-End-Analyse. Geliehene Kameras würden da auch gelten. Aber dann gibt es bei den Anderen Herstellern auch Fotografen in ähnlicher Tätigkeit. Die Variationen der CO2-Bilanz der Kamerahersteller spielen vermutlich kaum eine Rolle, im Vergleich zu dem was der einzelen Fotograf an Energie aufwendet für seine Bilder. Eine Safari …

        Ich finde CO2-Analysen wichtig, an Herstellern aber verfehlt. Nutzlos. Energieverbrauch muss deutlich höhere Kosten verursachen (Verkehr, Strom, Wärme, …) bis es eine notwendige schmerzliche Bilanz in den Bilanzen wird, sei es Haushalt oder Firmenbilanz.

        PS Ob das gedruckte Buch wirklich eine schlechtere Energiebilanz hat, als das Geschriebene? Einmal gedruckt ist es vorbeit, geeignet gedruckt verrottet es auch und bindet CO2 … Deine PDFs werden in 200J noch durch Internet surfen und Energie auf Servern verbrauchen.

        1. Du vermutest. Zu viel. Ich fahre nicht auf Safari. Ich fliege nicht. Und die Co2-Analyse ist gerade bei einem Hersteller wichtig. Ob eine einzelne Person am Tag drei Steaks frisst oder vegan lebt, ist global gesehen, irrelevant. Aber ob ein Hersteller 10 Millionen Tonnen CO2 im Jahr ausstösst – oder nicht – macht einen Unterschied. Das ist der CO2-Ausstoß von München. McDo Deutschland produziert im Jahr 43 Mio Tonnen CO2. Das ist die Menge eines kleinen europäischen Staates. Diese Zahlen zu kritisieren ist nicht verfehlt oder nutzlos. Es ist brutal wichtig. Denn an der Spitze solcher Unternehmen sitzt immer einer, dem die Welt so Scheißegal ist, dass er nicht mal 5% seines Gewinns dafür hernehmen will, um sie in unsere Zukunft zu stecken.
          Und – wenn ich einen Kamerahersteller habe, der Klimaneutral arbeitet, dann kann ich eine Kamera von dem kaufen, ohne mein CO2-Konto zu belasten. Das ist mir deutlich lieber, als von einem Kamerahersteller, dem das piepegal ist und ich 2 Tonnen CO2 auf dem Konto habe, nur weil ich ne neue Knipse im Schrank habe.

          1. Ich sprach nicht von Dir, mit der Safari. Der einzelne Fotograf muss in den Spiegel schauen.

            Die CO2-Analyse der Hersteller die Du durchführst ist nicht sinnvoll. Das kann ich Dir als Entwicklungsingenieur sagen. Jedes Unternehmen muss sich heute mit der ISO 14000 beschäftigen, unabhängig davon was im Internet an Marketing publiziert wird, sie ist Teil des Zulassungsprozesses eines Produktes. Es lassen sich prinzipielle Parameter eines Produktes kaum verändern. Und die Life-Cycle-Analyse fehlt komplett. Beispiel: die Frage ob Verbrauch (Leichtbau i.e. Aluminium) oder Energieaufwand während des Herstellprozesses (i.e. Stahl) der bessere Lifecycle bzgl. CO2 ist, ist immer noch nicht geklärt und verschleiert völlig das Verbrauchsverhalten einzelner Autofahrer. Auch Deine Fleischanalyse stimmt so nicht, das mag vielleicht eine Einsparung im %-Bereich ergeben, aber bei der Herstellung eines Produktes kann man auch nicht mit Absolutzahlen rechnen sondern muss mit Relativzahlen (Magnesiumbody versus ?) rechnen und dann verschwindet auch die Kameraeinsparung im Nichts, wenn Du eine Kamera als ganzes nicht abschaffen willst. Auch gibt es keine klimaneutrale Produktion, die Idee der CO2-Kompensation der Industrieländer ist ein Export des Problems. Bei der Life-Cycle-Analyse ist es halt dann häufig so, dass der Hersteller einen Anteil hat, aber letztlich ist der grösste Teil der Verantwortung beim Endkunden. Weshalb geht denn ein Endkunde zu McD, und wenn er nicht zu McD geht, wie ist denn die Deltabilanz. Eine Energiesteuer würde da Steuern. Der Mensch muss mehr in den Spiegel schauen, anstatt mit dem Finger auf die Bösen dieser Welt zu zeigen.

            Wenn Du drei Fotografen-Profile anlegen würdest (meinetwegen Familienorientierten-Amateur, Autofahrenden-Enthusiast, Fliegender-Pro) für jeden Kamerahersteller und für die einmal eine Life-Cycle-Analyse hinsichtich CO2 durchführst (inklusive WEB CO2 etc.), dann wird Dir recht schnell auffallen, dass es in der Unsicherheit verschwindet welche Kamera jemand gebraucht.

            Ich bin raus hier. Schon Deine Wortwahl ist äussest irritierend. Der Mensch frisst nicht, er isst.

            1. Man merkt, dass Du die entsprechenden Links, die ich gepostet habe, nicht gelesen hast. Natürlich ist in der Betrachtung der Life-Cycle berücksichtigt – soweit die Hersteller das veröffentlicht haben (einige Hersteller kümmern sich absichtlich nicht um den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte – weil niemand danach fragt. Originalaussage. Aus genau diesem Grund ist diese Aufstellung alles andere als Nutzlos. Nutzlos finden das nur Leute, die mit den Ergebnissen nicht glücklich sind.)
              Ansonsten habe ich mir bei Deinem ersten Post überlegt, ob ich auf Deinen ad hominem-Ansatz überhaupt eingehen soll. Das ist rhetorisch eigentlich zu billig. Dass Du nun aus der Diskussion „raus bist“ indem Du die Ebene wechselst – wir unterhalten uns nicht mehr über Klimawandel, sondern über sprachliche Feinheiten – ist argumentativ eher ein Armutszeugnis. Auch weil Du selbst argumentativ im Ungefähren bleibst und Deine Argumentationslinien wirr sind. Ich habe keine Fleischanalyse vorgenommen und ich habe auch nirgends über die Autoindustrie geschrieben. Dass Du hier Strohmannargumente einführst, zeigt, dass Du wohl doch nicht so im Thema drin bist. Lies Dir die CO2-Serie durch und auch die verlinkten Dokumente, auch der anderen Hersteller. Als Entwicklungsingenieur dürfte das für Dich ja kein Problem sein.

  2. Ich finde die CO2-Serie klasse und sehr informativ. In den Spiegel schauen setzt doch voraus, dass man sachlich informiert ist und Reinhards Texte tragen dazu bei.
    Wenn ich nicht informiert bin kann ich stundenlang in den Spiegel schauen und es wird nichts bei rumkommen – wie bei der ISO 14000. Würde die ernst genommen werden, könnten beispielsweise Unternehmen wie die LSG ihre frischen Mahlzeiten nicht in Tschechien produzieren um sie mit dem LKW nach Frankfurt zu karren; sie würden sie vor Ort produzieren, wie sie es jahrelang auch gemacht haben. Die Produktion vor Ort wäre wahrscheinlich auch günstiger wenn Umweltfolgekosten mit kalkuliert werden würden.
    Ich arbeite auch als Entwicklungsingenieur und wenn man die CO2-Reduktionsversprechen bei uns mit dem vergleicht, was tatsächlich gemacht wird, kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert