In den letzten zwei Wochen war ich mehrmals im Studio und habe bei der Gelegenheit mal die E-M1X in die Mangel genommen.

Fangen wir mit dem wunderbaren neuen Feature an, dass man jetzt direkt in den PC fotografieren kann. Per WiFi. Man schließt einmal die Kamera per USB an Capture an, dann teilt man dem PC mit, dass die Kamera in Zukunft per WiFi kommuniziert, gibt in der Kamera das WiFi-Passwort einmal an – und Bingo. Auch nach dem Ausschalten merkt sich die Kamera die Zugänge.

Nur schaltet dann Capture die Oberfläche um. Fernsteuerung der Kamera per WiFi? Ansicht der gerade geschossenen Bilder wie bei USB? LiveView am Monitor? Nö. Man kann in den PC oder ins Netzwerk schießen, mehr aber auch nicht. Ok. Das ist immerhin das, was man mit einer EyeFi schon vor zehn Jahren konnte und was man mit CameraControl von Andy mit allen anderen WiFi-Olys auch schon seit Jahren kann.

Die Geschwindigkeit hält sich in Grenzen. 4 Sekunden für ein RAW, 3 Sekunden für ein JPG. (Welches WiFi-Band man nimmt ist da egal. Beide sind gleich lahm) Nett – aber das war’s auch. Es hat sicher einen Grund, warum sie der Kamera kein schnelleres WiFi spendiert haben. „Profi“ geht auf jeden Fall anders. Für 27 Bilder (54 Files – RAW+JPG) wartet man knackige 4 Minuten. Das sind etwa 30Mbit/s.

Nun zum Handling

Erstmal – ich arbeite ja im Studio viel mit 40-150 und 35-100. Und das teilweise auch 8 oder zehn Stunden am Stück. Die Kamera fällt ja, wenn man sie das erste mal anfasst, förmlich in die Hand hinein. Alles fühlt sich sofort „richtig“ an.

Aber es fängt schon damit an, dass man, so man den Batteriegriff nicht abschaltet, dauernd mit dem Handballen auf die BG-Kontrollen kommt und man deshalb das Gefühl hat, die Kamera mache, was sie wolle. Abschalten geht natürlich, aber im Endeffekt habe ich festgestellt, dass ich die Kamera dann so verwende wie die E-M1II und von dem Hochformatgriff gar nichts habe – nur dass die Kamera halt ein ganzes Eck schwerer ist – und das merkt man nach acht Stunden. Eine Kollegin weigerte sich nach fünf Minuten, den Boliden auch nur anzufassen. „zu schwer“.

Beim Shoot habe ich vor allem einiges über den AF gelernt. Ich habe ja die Gesichtserkennung grundsätzlich abgeschaltet und arbeite im Studio mit einem einzelnen Fokuspunkt.

Dass der AF-Punkt eine andere Größe hat, als bei der E-M1II v2.x habe ich ja schon geschrieben. Und dass man sich sehr genau ansehen sollte, wo die Kamera den Fokus hinlegt. Denn ob die Kamera „nearest is best“ macht, oder nicht, ist nicht so ganz einfach zu beeinflussen. Im Zweifel sollte man jedes Bild genau prüfen. Es kann sein, dass ein einzelnes Haar vor dem Gesicht die Augen in die Unschärfe schießt – oder auch nicht. Und das sieht man weder bei Capture in Aufnahmeansicht, noch am Display. Man muss tatsächlich reinzoomen. Also Chimpen wie zu DSLR-Zeiten. Im Sucher sieht man’s nämlich auch nicht, da ist die Auflösung zu gering.

Bis auf das eine Haar vorne dran leider unscharf.

Was ich auch festgestellt habe: Die E-M1X belichtet bei ansonsten identischen Einstellungen bei ESP 0,5EV reichlicher als die E-M1II. Die Belichtungszeiten sind also deutlich länger. ca. 1/20s, statt 1/30s. Werden beide Kameras auf M identisch eingestellt, sind die Bilder aus der E-M1II deutlich heller.

E-M1X ISO 200, f/2, 1/20s
E-M1II 1/30s
E-M1II 1/20s

Die Bilder sind übrigens bewusst überbelichtet um den Dynamikumfang vergleichen zu können. An dieser Baustelle habe ich übrigens keinen signifikanten Unterschied feststellen können. Man könnte den Eindruck haben, die Lichter würden bei der E-M1X schneller ausfressen, aber das liegt daran, dass sie eben reichlicher belichtet. Um identische Bilder zu bekommen, muss man die E-M1X eine halbe Blende überbelichten.

Das bedeutet, die E-M1X hat eine Art eingebautes ETTR (Expose To The Right) und damit ist auch klar, wo die besseren Rauschwerte bei gleichem Sensor herkommen. Man zahlt dafür mit längeren Belichtungszeiten und kritischeren Highlights. (TANSTAAFL)

Bei beiden Kameras ist übrigens ab ISO 6400 eine Dynamikkompression aktiv, die dafür sorgt, dass die Schatten aufgehellt werden. Auch wenn man da eigentlich auch wirklich schwarz haben wollte. Wen man die vermeintlich schwarzen Flächen aufhellt, sieht man die Unterschiede. Die E-M1X produziert da eine Art Grau/dunkellila Fleckenmuster – die E-M1II macht das auch, nur ist das Muster deutlich gröber. Wohlgemerkt: die gleiche Stelle ist bei ISO 200 flächig schwarz – und bleibt das auch beim Aufhellen. Dieses Fleckenmuster kennt man noch aus E-3 Zeiten, wo es sich bei ISO 3200 gerne auf Gesichtern breit gemacht hat.

Zum Akkuverbrauch. Ich habe die E-M1X ja bei der Rallye eingesetzt und war verblüfft, wie lange der Akku hielt. Zwei Tage Rallye fotografieren mit zwei Akkus sehe ich als realistisch an. Im Studio, am Capture-Kabel ist das Gegenteil der Fall. Da kann man der Akkuanzeige zuschauen, wie sie runtergeht. Wenn man die Kamera ausschaltet, wird sie zwar über das Kabel wieder geladen, aber das daaaaauert. Während eines Studiotages ist das bisschen Ladung über das Kabel nicht relevant. Einen harten Studiotag am Capture halten die beiden Akkus nicht durch. Nach fünf, sechs Stunden ist Feierabend.

Wunder gibt es nicht. Gleicher Sensor, gleiches Display, gleicher Sucher, und zwei Prozessoren. Wenn das alles läuft – und am USB-Kabel gibt’s keinen Stromsparmodus – dann frisst die Kamera halt auch mehr Strom als die E-M1II. „Entfesselt“ kann die Kamera dagegen dadurch auftrumpfen, dass sie alles abschaltet, was im Augenblick nicht unbedingt gebraucht wird.

Auch hier sieht man wieder: Die E-M1X ist eine Expeditionskamera. Minimaler Strombedarf Outdoor – eine Kamera für professionelle Fotojournalisten, die bei Schlamm, Regen und Sonnenbrand Bilder abliefern müssen. Es ist – noch – keine professionelle Sportkamera für’s Stadion. Da fehlt’s noch am WiFi und FTP. Und auch für’s Studio bringt die Neue nicht wirklich Vorteile. Einziger Vorteil: die alten FTs reagieren schneller. Bei schlechtem Licht ist sie kaum wahrnehmbar besser in der AF-Leistung, aber die FTs laufen halt besser, wenn man damit klar kommt, dass man gelegentlich wie zu DSLR-Zeiten „nachfokussiert“ – also ein zweites Mal den AF startet, damit er das Ziel genauer trifft.

Aber wenn’s wirklich „ernst“ wird. Wenn harte Dinge tief fliegen, die nächste Steckdose drei Tagesmärsche entfernt ist oder sich das Rohr des canons à eau auf Dich richtet, dann ist die Stunde der E-M1X gekommen. Das ist die Kamera für die Leute, die dorthin gehen, wo es richtig weh tut.

Foto: Martin Wieprecht

5 Replies to “Studiowork”

  1. *Um identische Bilder zu bekommen, muss man die E-M1X eine halbe Blende überbelichten.*
    Muss das dann nicht unterbelichtet heißen?
    Oder:
    Um identische Bilder zu bekommen, muss man die E-M1 II eine halbe Blende überbelichten.

    1. Nein. Ist Korrekt. Beide Kameras auf gleiche Werte gestellt, dann ist die E-m1II heller. Man muss also die E-M1X etwa eine halbe Blende länger belichten, um das gleiche Bild zu erhalten.

  2. Es gibt da doch diese Buchse für externe Stromversorgung per Netzteil, scheint mir für Studiobetrieb mit Tethering die bessere Alternative zu Akkueinsatz zu sein.
    Die 1X ist übrigens die Cam bei der ich noch nie versehentlich einen Knopf betätigt habe (es sei denn ich halte die Cam irgendwie ohne Rücksicht auf Verluste), ganz im Gegensatz zur EM1i/ii mit BG wo mir das häufiger passiert. (Jeweils ohne BG Lock zu nutzen.)

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