Das Panasonic 12mm f/1,4

Das Summilux schmückt sich vorne drauf mit dem Namen Leica – aber es ist natürlich ein offenes Geheimnis, dass die Optiken nicht von Leica gefertigt werden. Das Objektiv ist „Made In Japan“.

Ich habe das Objektiv von Panasonic zur Verfügung gestellt bekommen und in diesem Artikel soll es um den praktischen Nutzen der Optik gehen. Linienauflösungsmessungen sind nicht mein Ding, mir geht es drum, wie sich das Objektiv beim täglichen Gebrauch anstellt.

Gute Weitwinkelobjektive sind ziemlich aufwendig zu bauen, vor allem die „Tonnenverzerrung“ der Objektive, die ja eigentlich einfach eine Folge der Perspektive ist, verlangt bei der optischen „Korrektur“ erheblich Glas – und Glas kostet und wiegt. Nun ist man bei mFT schon länger darauf gekommen, dass man die Korrektur auch in den Bildprozessor verlegen kann und entsprechend sind die mFT-Weitwinkel von Olympus und Panasonic dann auch gebaut – sie bilden einen deutlich größeren Winkel ab, der dann digital zusammengeschnitten und „entzerrt“ wird.

So sieht das aus. Links ein Bild, wie es aus dem 12mm 1,4 kommt, rechts das, was die Kamera draus macht:

Das ist jetzt nichts Besonderes und fällt im Normalbetrieb nicht auf. Wenn man pixelpeept und ein Gefühl dafür hat, fällt die „digitale“ Anmutung auf, weil natürlich der Bildprozessor die ganzen „gezogenen“ Pixel nachschärfen muss, sonst wird das alles matschig. Vor allem, weil das Original alles andere als Topqualität ist. Hier mal zwei Crops:

Links wieder RAW, rechts JPG. Die flauen Farben kann man problemlos auf Picasa als RAW-Konverter schieben, die deutlichen grün/lila CAs liegen aber am Objektiv. Und wir reden hier nicht über Blende 1,4 sondern über Blende 4.

Die CAs des 12er fallen vor allem dann auf, wenn man damit im Winter im Wald unterwegs ist. Peilt man ins Geäst, ist dort alles Lila – bereits im Sucher. Klar, scharf gestellt wird mit Offenblende.

Glücklicherweise korrigiert die Kamera dieses Desaster weitgehend, aber lila Ränder hat’s trotzdem. Etwas lästig wird das, wenn man HDRs in der Kamera macht, dann kann die Kamera das nicht mehr verarbeiten und dann sieht das so aus:

Da kriegt der Himmel dann einen etwas ungesunden lila Stich…. Übrigens, hier Blende 4.

Wenn man ein 1,4er Objektiv kauft, will man natürlich Bokeh. Wie kuckt das aus?

Hier wieder mal mit Elke im Vordergrund. Die beschwert sich nicht, wenn man ihr ein 12mm vor die Nase hält. Das Bokeh sieht dann im Crop so aus:

Links das JPG, rechts das RAW, mit Luminar entwickelt. Luminar verwendet die Objektivkorrekturen ja nicht – und reißt standardmässig den Kontrast auf – macht „knackigere“ Bilder, was dem eigentlich recht differenziert abbildendem 12er Unrecht tut. Was man aber sehr schön sieht, ist das Catseye-Bokeh, das durch die digitale Korrektur zum annähernden Kreis aufgeblasen wird. Catseye-Bokeh ist immer kreisförmig angeordnet und kann, wenn man das Hauptmotiv zentral hat, ziemlich coole Effekte geben. Wenn man das Hauptmotiv auf Drittel oder goldener Schnitt setzt, sollte man versuchen, ohne Bokeh zu arbeiten.

12mm fordert natürlich zu Blendensternspielereien heraus – und eng verwandt natürlich LensFlares. Weitwinkel versprechen da allerhand Spaß und das 12er enttäuscht da wirklich nicht. Der Blendenstern samt Flare ist so ziemlich das Spektakulärste, was mir für mFT bisher untergekommen ist:

Also wer sich in dem Bereich mal so richtig austoben will: Strong buy.

Beim AF im Dunkeln kommt das Objektiv auch problemlos klar. Gerade Weitwinkel zicken da oft etwas, das habe ich beim 12er nicht festgestellt. Der AF ist schnell und exakt.

Die Naheinstellgrenze liegt offziell bei 20cm, bei meinen Versuchen bin ich aber auf 16cm rangekommen, 6cm vor der Streulichtblende – da kriegt man schon ein Problem, das noch zu beleuchten. Der Abbildungsmaßstab ist da 0,14X. Warum Panasonic da mit 0,1x tiefstapelt, wissen nur die.

Fazit: Das Objektiv liefert panasonic-typisch digitale Schärfe an Rändern, hat abenteuerliche CAs, auch abgeblendet, liefert den heftigsten Blendenstern, den ich bei einer mFT-Optik bisher gesehen habe, LensFlares, an denen alles dran ist und ist ein ziemlicher Klopper.

Dass man bei diesem Winkel auch halbwegs sauber korrigierte, lichtstarke Objektive bauen kann, hat Voigtländer beim 10,5er 0,95 und Laowa beim 7,5er 2,0 bewiesen. Das Voigtländer ist deutlich besser und sehr deutlich lichtstärker – zum gleichen Preis. Allerdings hat das Voigtländer keinen AF, auf den man aber bei einem solchen Winkel auch mal verzichten kann.

Das 12er ist kein „No-Brainer“. Da muss man sehr genau wissen, was man will und was man sich damit einhandelt. Ich sehe das Objektiv vor allem im Nahbereich und wenn man einen RAW-Konverter hat, bei dem man die Entzerrung abschalten kann, auch bei der Personenfotografie. Und bei allem, was Blendensterne machen soll. Ein Every-Day-Weitwinkel ist das nicht.

PS: Ich weiß, dass Herr Kirchheim auf digitalkamera.de dem Objektiv so gut wie keine Verzerrung, keine CAs und nicht vorhandene Gegenlichtempfindlichkeit attestierte. Vielleicht hatte er ein anderes Exemplar.

12 Replies to “Das Panasonic 12mm f/1,4”

  1. „dass Herr Kirchheim auf digitalkamera.de dem Objektiv so gut wie keine Verzerrung, keine CAs und nicht vorhandene Gegenlichtempfindlichkeit attestierte. Vielleicht hatte er ein anderes Exemplar. “

    ????

    Na, sowas?!

    wundert sich
    Martin

  2. Schade, dass die Pana-Leicas für µFT so abfallen…
    Aber µFT baut nun mal auf digitale Entzerrung. Ich finde, das tut den Bildern nicht gut und bleibe dort, wo ich es kann, bei meinen adaptierten FTs…
    jm2c, Martin

  3. … „er“ hat auch das Objektiv ja auch an einer Lumix DMC-GX8 getestet – und Du – ich kann leider keinen Hinweis dazu finden. Gerade was eben die kamerainternen Korrekturen angeht, die Systemkonform, eben deutlich ausgeprägter greifen als bei nicht Systemkomform. … was ich an der E-M1mII und dem Leica 100-400 hinnehmen muss.

    1. Das ist im Prinzip egal, an was das Objektiv getestet wurde. Ich teste ja das Objektiv und nicht die Kamera. Und das Objektiv liefert halt das, was ich zeige – und eigentlich noch weniger, weil ja auch bereits im RAW erheblich geschönt wird. Dass eine Pana da eventuell noch mehr vorneweg bügelt, kann schon sein, aber Pana hat mir halt keine Kamera mitgeschickt….

  4. Ich glaub da kann ich mit meinem SLR cine magic t1,6/12 im Vergleich dazu ganz zufrieden sein. Naheinstellgrenze 15cm allerdings nur mf – Vollmetall solide und stabil und preislich nur die Hälfte. Stell es für Vergleichsaufnahmen gerne zur Verfügung lg AndyT

  5. Ich finde die Wertung zu negativ.
    Die Farbsäume demonstrieren IMHO nur ein Problem des µFT Systems.
    Ich habe mich auch schon manchmal über lila Farbsäume am Panasonic 15mm/f1.7 Objektiv an meiner Olympus E-M10 geärgert. Vielleicht schaue ich doch mal nach nem UV-Filter oder ob ich ne GX9 günstig bekomme.
    Hier wird der Grund für das unterschiedliche Verhalten der Objektive an Panasonic oder Olympus Kameras beschrieben.
    http://alanwatsonforster.org/writing/mft-purple.html

    Gruß,
    Michael

    1. Diese Zusammenfassung ist prima – und man sieht sehr genau, dass das Problem mitnichten an mFT liegt, sondern daran, dass Panasonic eben seine Objektivkorrektur nicht per Glas macht, sondern per Software. Und sobald nun eben eine Kamera ein bisschen mehr aufnimmt, als den Bereich, den sich Panasonic so gedacht hat, dann geht’s schief. Einige Pana-Optiken sind sozusagen „auf Kante genäht“. Kann man machen. Spart Herstellungskosten. Kann man für den gleichen Endpreis aber auch richtig machen.
      Ich bin halt mehr so Fan von Objektiven, bei denen das richtig gemacht wird. Denn die „Korrektur“ der CAs geht ja nicht verlustlos, sondern hinterlässt helle Streifen. Und wenn ich etwas fotografiere, will ich nicht an jeder Kontrastkante einen zwei Pixel breiten, weißen Streifen haben.

      1. Ich glaube, da haben wir unterschiedliche Artikel gelesen.

        In dem verlinkten Artikel steht, dass Olympus Kameras im kurzwelligen (UV) Bereich empfindlicher sind als Panasonic Kameras.
        Andererseits lassen die Beschichtungen von Olympus Objektiven wahrscheinlich weniger UV-Licht durch – > kein Problem. Bei Panasonic Objektiven wird mehr UV-Licht durchgelassen, was bei Olympus Kameras lila Säume produziert.
        Vielleicht haben Panasonic Kameras vor dem Sensor einen (anderen) UV-Filter, weshalb die lila Säume nicht auftreten.

        Dabei geht es nicht um eine Korrektur durch den Kamera Prozessor, sondern darum, dass Olympus und Panasonic sich anscheinend nicht einigen konnten, wo die untere Kante für erlaubte Wellenlängen liegen soll – schade 🙁

        1. Nein, das stimmt schon. Dass die Oly-Objektive das UV so trennscharf sperren, glaube ich nicht, solange es mir wer beweist. Ich mache regelmäßig Tests für nahes UV, weil das bei manchen Blumen und speziellen Stoffen ein Problem ist – und da unterscheiden sich die Objektive gar nicht, sondern die Sensoren und deren Signalaufbereitung. Und erst die neuesten Kameras können ultraviolett sauber. Und dazu muss man halt ins nahe UV gehen. Wenn Pana das in der Kamera sperrt, dann haben die bei einigen Motiven ein Problem.
          Wegen der unteren Grenze: Olympus kann weiter runter. Also machen sie das. So ein Nerver wie ich sieht das, wenn’s nicht geht und lästert seit Jahren in seinen Büchern drüber, dass es halt Motive gibt, bei denen das lila zu knackblau wird. (Mittlerweile kann Olympus violett.) Panasonic könnte auch, die Physik ist die Gleiche. Tut aber nicht. Warum? Ein Hinweis liegt darin, dass Olympus in der Medizintechnik Bildverarbeitung machen muss. Und wenn in der Histologie ein violetter Schimmer nicht violett angezeigt wird, sondern blau, dann gibt’s Druck vom Kunden. Die Ansprüche an Farbverarbeitung sind in der Medizin auf einem ganz anderen Level als bei uns Knipsern.

  6. Vielen Dank für Ihren ehrlichen und informativen Test.
    Im Vergleich zu vielen Magazin-Besprechungen reden/schreiben Sie hier Klartext. Sie schildern Stärken und Schwächen des Objektivs aus eigener Anwendungs-Praxis. War auch schon bei den Akku-Stories so.

    Dies ist ein echter Mehrwert für den Fotofreund!

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