Zum Test: Hähnel ProCube2

Seit ein paar Wochen gibt es den neuen Hähnel ProCube2. Nach einer Diskussion im Oly-Forum habe ich beim deutschen Distributor angerufen und die gebeten, mir so ein Gerät mal zum Test zur Verfügung zu stellen. Innerhalb von ein paar Tagen kam das an und ich habe den Cube gleich mal auf drei BLH.-1 losgelassen. Einen Originalen, einen Patona-Clone und einen „Mondplast“ als Vertreter der Fraktion „Super-Billig“. Die beiden Clone habe ich hier schon vorgestellt.

Hier wird gerade ein Olympus-Original geladen. Man sieht eine Prozentzahl und eine Zahl mit „mAh“ dahinter, die anzeigt, wieviel der Cube schon in den Akku gepumpt hat. Dazu später mehr.

Die Vorteile des Cube, die auch in den Foren oft genannt werden, sind:
– Es wird ein 12-Volt-Adapter für den Zigarettenanzünder mitgeliefert.
– Es gibt unterschiedliche Ladeschalen für alle aktuellen Oly-Akkus: BLH-1, BLS, BLN. Werden alle mitgeliefert.
– Schnelladefähigkeit.
– Zwei Akkus gleichzeitig.

Nun bin ich ja ziemlich skeptisch, was „Clone-Akkus“ und „Clone-Lader“ angeht und habe den Cube daraufhin unter die Lupe genommen:

Das hier ist die Ladeschale für die AA-Akkus. Diese Ladeschale hat lediglich zwei Anschlüsse, das bedeutet, es werden 5,6 Volt angeschlossen und die ganzen Akkus in Serie geschaltet. Das funktioniert wunderbar, wenn alle Akkus den gleichen Innenwiderstand haben. Leider ist das eigentlich nie der Fall – auch nicht bei den teueren Eneloops – , der Cube ist also eher nicht dazu geeignet, über längere Zeit AA-Akkus zu laden. Für eine kurze Notfallladung vor Ort mag das aber angehen – wobei ich da lieber einen zweiten, geladenen Satz Akkus dabeihabe.

Das hier ist eine Ladeschale mit den fünf Kontakten. Jeweils zwei Akkus gehen in je eine Schale. Die Elektronik auf der Platine beschränkt sich auf einen SMD-Widerstand. Hier gibt’s keine Thermoüberwachung, kein Auslesen der NTCs in den Akkus und gleich gar kein Auslesen der digitalen Schnittstelle der Akkus.
Bis hierhin war ich nicht begeistert. Der Cube hat kein eingebautes Netzteil, sondern eines der unsäglichen Steckernetzteile:

Freundlicherweise werden gleich drei Steckeradapter mitgeliefert.
Das können die chinesischen Billiglader besser – die haben das Netzteil eingebaut und werden simpel über ein Rasiererkabel angeschlossen.
Bei Betrieb wird der Cube an der Unterseite deutlich warm – also wenn’s geht, nicht auf eine weiche Unterlage stellen.

Was kann der Cube nun, wenn man ihn auf Akkus loslässt?

Ich habe die drei BLH in den jeweiligen Originalladern geladen und dann die Akkus mit der E-M1II über Intervallaufnahmen leergeschossen. Die Ergebnisse:
Mondplast 1720mAh: 236 Bilder
Patona 2040mAh: 369 Bilder
Olympus 1720mAh: 459 Bilder.

Die beiden Clone waren über den beim Mondplast mitgelieferten Lader geladen worden. (Zwei Akkus und ein Lader für 33 Euro). Meine Erwartung war nun, dass der Cube die beiden Clone deutlich höher laden kann, aber dem Olympus-Lader nicht hinterherkommt.
Irrtum.
Bei 5 Ladevorgängen erreichte der Mondplast im Durchschnitt 231 Bilder. Ein Unterschied von 2% ist in diesem Umfeld irrelevant. So genau kann die Ladeelektronik nicht sein. Man kann höchstens sagen, dass der Cube eine Spur weniger lädt als der chinesische Billiglader -dafür braucht er nur die Hälfte der Zeit. Obwohl die Abweichung der Bilder vom Durchschnitt maximal 8 Bilder betrug (also 4%) variierte die Ladung, die der Cube angeblich abgeliefert hatte, zwischen 623 und 723mAh. Eine Relation zwischen Ladung und gemachten Bildern ist nicht erkennbar – wie die Werbung schon einräumt, diese Anzeige hat nichts mit dem Akku selbst zu tun.

Beim Patona ist das anders. Da schwankt die Ladung zwischen 1025mAh und 892mAh. Allerdings ist hier klar erkennbar – je mehr geladen wird, desto mehr Bilder kamen hinterher raus. Beim Patona erreichte der Cube aber in keinem Fall die Leistung des Billig-Laders.

Beim Olympus schwankte die Ladung zwischen 1276 und 1445 mAh und die Anzahl der abgelieferten Bilder zwischen 445 und 466.

Entgegen meiner Erwartung hat also der Cube die Kapazität des Olympus-Akku während der getesteten Zyklen nicht beeinträchtigt, die Schwankungen liegen im einstelligen Prozentbereich.

Allerdings fällt auf, dass der Cube bei der ersten Ladung eines Akkus, der früher mit einem anderen Lader geladen wurde, regelmäßig sein schlechtestes Ladeergebnis abgeliefert hat. Erst ab dem zweiten Laden stabilisiert sich das.

Ach ja, um die Ladeschale zu wechseln, gibt es nicht etwa einen kleinen Knopf, den man drücken, sondern ein kleines Loch, in dem man mit einer Büroklammer reinstochern muss.

Es wird zwar ein gebogener Draht mitgeliefert – mit Tesafilm auf der „Betriebsanleitung“ befestigt – aber wer sich das ausgedacht hat, der hat sicher eine säuberlich beschriftete Schublade für all die „Tools“, die er bei seinen Geräten mitgeliefert bekommt. Oder er hat eine seltsame Form von Humor.

„Brutzel“.
Als ich den Cube schon abbauen wollte, habe ich beim Anfassen einen kleinen Schlag bekommen. Grund: Persönliche statische Aufladung. Auf jeden Fall erlosch das Display des Cube. Abstöpseln des Netzteils und neu anstöpseln half nicht. (Ausschalter hat das Ding nicht.) Also Netzteil aus der Steckdosenleiste gezogen und wieder neu eingesteckt. Geht wieder. (Bei weiteren Versuchen konnte ich zwar den Schlag reproduzieren, nicht aber den Absturz.)
Offensichtlich ist die Elektronik des Cube ist nicht ausreichend gegen statische Aufladung geschützt – was ein NoGo ist. Da sollte Hähnel nochmal ran.

Fazit:
Wenn es wichtig ist, dass man schnell zwei Akkus lädt und das Ganze auch an 12 Volt funktionieren muss, ist der Cube definitiv eine Überlegung. Allerdings lädt er nicht besser (und schneller) als der Originallader (wenn’s um BLH-1 geht.) und eher schlechter als ein Billig-Lader. Die AA-Lademöglichkeit sollte man sich verkneifen. Für Dauerbetrieb mit Originalen würde ich ihn nicht benutzen – eben wegen der fehlenden Thermosicherung und der „Brutzel“-Problematik – unbeaufsichtigt sollte man das Gerät nicht betreiben. Aber für einen Einsatz im Urlaub, um im Hotelzimmer oder im Auto die Akkus wieder zu laden, kann man das goldige Teil verwenden.

Update:

Es gibt zum Thema Akkus und Fremdlader ein Oly-e-paper in dem alle Grundlagen genau erklärt werden. Im Gegensatz zu den Blogposts steckt da erheblich mehr Zeit und Genauigkeit drin.

2 Replies to “Zum Test: Hähnel ProCube2”

  1. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, mir so ein Ding zu kaufen- um im Auto oder z.B. mit einem 11,1V Modellbauakku laden zu können.
    Nach diesem Bericht kommt das eher nicht in Frage, das Gerät ist wohl überteuerter Schrott.
    Danke für den Testbericht.

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