Gastbeitrag: Drei Wochen Kanada

er folgende Bericht wurde von Martin Groth, Hamburg verfasst:
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Drei Wochen Kanada!

Wir hatten uns für unser „erstes Mal“ Kanada gleich etwas besonders ausgesucht. Eine Woche lang wollten wir Bären und Adler, vielleicht sogar Wölfe, Otter und andere Tiere beobachten und fotografieren. Und das nicht in der geschützten Umgebung eines Zoos oder anderer „sicherer“ Umgebungen, sondern mitten in der Wildnis, und ohne Zäune zwischen uns und den Tieren.

Die Vorbereitungen zogen sich in die Länge, Visa musste beantragt, Flüge und Unterkünfte gebucht werden. Die fotografische Ausrüstung wurde zusammengestellt. Zwei Kameras für jeden von uns, dazu die Objektive, die wir meinten, dass wir sie gebrauchen könnten. Tele, klar, das 300/4.0 musste mit, dann das 40-150/2.8, dazu noch etwas Weitwinkliges für die Stadt, vielleicht noch ein Makro? Da wir mit einem Helikopter in die Wildnis geflogen werden sollten, war das Gepäck stärker limitiert, als bei normalen Linienflügen. 25kg pro Person, aber komplett, incl. Handgepäck.  Akkus, Ladegeräte (Stromversorgung im Camp nur stundenweise aus einem Generator) – auch das war dann irgendwann in trocknen Tüchern.

Am letzten Juli-Sonntag ging es dann mit Condor direkt von Frankfurt nach Whitehorse / Yukon. Whitehorse begrüßte uns mit strahlendem Wetter, die Einreise war unspektakulär („was machen Sie in Kanada?“ – „Ferien“ – „Have fun!“), Shuttleservice zum B&B, dann ausspannen. Whitehorse ist nicht das, was man eine „Metropole“ nennen könnte, der Ort lebt von seiner Goldgräbervergangenheit, ist aber sonst eher „überschaubar“. Hier starten viele Aktivitäten auf dem Yukon oder in die Wildnis.
Die Unterkunft erwies sich als Volltreffer. Gemütliche Zimmer, und das Frühstück wurde gemeinsam an einem großen Tisch eingenommen.

Dann kam der Tag, an dem wir für die Reise in die Wildnis abgeholt wurden. Mit einem Kleinbus fuhr uns Gina, eine quirlige Kanadierin, Richtung British Columbia. Die Straße wurde enger, ging von Asphalt in Schotter über, wir fuhren durch die wunderschöne Kanadische Landschaft mit Wäldern, Seen und Bergen. Nach knapp 180km erreichten wir Atlin. Dieser kleine Ort, mit nur 500 Einwohnern, liegt spektakulär an einem See, im Hintergrund hohe Berge der Rockies, am Strand dümpelten ein paar Wasserflugzeuge – Postkarten-Kitsch! Und eben wegen dieser Aussicht hatte der Veranstalter hier noch eine Nacht eingeplant. Rustikale kleine Restaurants, einheimisches Bier, eine sehr gemütliche Unterkunft – so konnte es losgehen.

Der nächste Tag – Abflug ins Camp! Wir wurden an unserer Unterkunft abgeholt und drei Minuten zum winzigen Helikopter-Flugplatz gefahren. Dort wartete bereits „unser“ Heli, mit „Norm“, unserem  Piloten. Unsere kleine Vierergruppe passte genau rein, vorne einer, hinten drei. Gepäck wurde verladen (mein Fotorucksack passte natürlich nicht mehr mit rein und sollte im nächsten Flug folgen), dann ging es in die Luft.
Wir flogen über ausgedehnte Wälder, Seen, Schluchten, bis wir nach gut einer halben Stunde Flug in einem Flusstal runter gingen, wo wir dann schon die Hütten am Ufer sehen konnten. Norm setzte auf einer Kiesbank auf, das Gepäck wurde ausgeladen, dann flog der Heli wieder zurück.
Wir wurden Phil, dem Chef und Bären“Guru“, der diese Events seit gut 40 Jahren anbietet, begrüßt, außerdem von Ross, seinem Sohn, und die beiden Schwestern Anna und Aymee, alles ausgebildete Guides, die in dieser Woche für unsere Sicherheit und Wohlbefinden sorgen sollten. Komplettiert wurde das Team durch Fran (Kurzform von „Francis“), einer 83 Jahre alten weißhaarigen Dame, die als Köchin für unser leibliches Wohl zuständig war.
Es folge eine Sicherheitseinweisung. Die Philosophie, mit der Phil sein Camp betreibt, beruht auf einer friedlichen Co-Existenz von Bären und Menschen. Der Mensch ist nur Gast in der Wildnis, der Bär ist hier zuhause. Daher wird der Bär nicht verjagt oder anderweitig daran gehindert, in die Nähe des Camps zu kommen. So lange die Bären ausreichend Freiraum und  Rückzugsmöglichkeiten haben, und nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeengt werden, gibt es keinen Ärger. Das führt natürlich dazu, dass Bären auch mal durchs Camp laufen. Für uns bedeutete das, dass wir immer dann, wenn wir die Haupthütte oder unsere Wohnhütten verlassen wollten, uns umsehen und erstmal die Lage peilen mussten. Und das auch nachts, wenn man mal zum Toilettenhaus wollte.

Wir bezogen unsere kleinen Hütten, die mit Doppelbett, zwei Borden, zwei Kleiderstangen (aus Ästen!) und einem kleinen Bollerofen, zwar spartanisch, aber ausreichend ausgestattet waren. Jede Partei hatte weiterhin eine abgetrennte Dusche mit WC und Waschbecken im Waschhaus. Das war’s. Im Haupthaus gab es einen großen Tisch, wo gemeinsam gegessen wurde. Die Küche schloss sich direkt an. Dazu gab es einen kleinen Tisch mit einem Haufen Steckdosen. Und vor dem Haupthaus, zum Fluss hin, gab es eine große Plattform, auf der wir Stühle und einen Tisch fanden. Hier konnte man in Ruhe die Bären beobachten. Für die Bärenbeobachtung gab es einfache Regeln: Hinsetzen, Schnauze halten, keine hektischen Bewegungen! Und – wir waren kaum 20 Minuten im Camp, schon kam der erste Bär den Fluss herauf. Mein Fotorucksack war ja noch nicht da, aber ich hatte schon eine E-M1 mit 40-150 dabei, wir konnten also diese erste Begegnung in vollen Zügen genießen.

Und damit begann eine Woche in der Kanadischen Wildnis, die wir wohl nicht so schnell vergessen werden. Der Fluss war voller Lachse, die Bären hatten also ausreichend Gelegenheit sich die Bäuche voll zu schlagen. Wir erlebten Bärinnen, die mit ihren zwei oder drei Jahre alten Jungen den Fluss herauf kamen, Youngster, die ihre ersten Erfahrungen mit dem Fangen von Fischen sammelten, eine Bärin, die mit ihrem Jungen ins Camp kam, und sich nur wenige Meter von uns entfernt ausgiebig an einem Baum schubberte. Weißkopfseeadler konnten wir täglich beobachten. Wir sahen Otter, anderes Geflügel, sogar einen Kolibri! Nur Wölfe bekamen wir nicht zu Gesicht.

Natürlich konnten wir das Camp auch verlassen, um an anderen Stellen direkt am Ufer Bären und Adler zu beobachten. Diese Ausflüge fanden allerdings immer in Begleitung eines Guides, welche(r) immer ein großkalibriges Gewehr dabei hatte, statt. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, und auch nach 40 Jahren kann immer noch was passieren.

Wir fühlten uns aber immer sehr sicher.
Von Fran wurden wir in der Woche wunderbar verköstigt. Es war erstaunlich, was trotz der eingeschränkten Bedingungen aufgetischt wurde. Immerhin konnte man nicht mal schnell einkaufen gehen, wenn was fehlte. Üppiges kanadisches Frühstück mit Eiern, Toast, Speck und Ahornsirup, ständig selbst gebackene Muffins und Kuchen, frisches Brot, abends Bier und Wein, jeden Abend ein Drei-Gänge-Menü. Es war einfach großes Kino!
Fotografisch war die Woche eine echte Herausforderung! Das Camp war umgeben von hohen Bäumen, gelegen im Flusstal an dessen Seiten die Hänge teilweise steil anstiegen. Das Licht war meist mäßig, und wenn die Sonne mal hinein schien, schnell hart und grell.

Bären bewegen sich erstaunlich schnell, sind eigentlich ständig in Bewegung. Um diese Bewegungen einigermaßen „einfrieren“ zu können, waren Belichtungszeiten von 1/800 oder schneller notwendig. Das wiederum führte dazu, dass ich die ISO-Werte recht üppig wählen musste. Wenn man dann die Belichtung richtig einstellt, ist das auch alles kein Problem. Leider habe ich das oft nicht beherzigt, habe zu schwach belichtet, weshalb die Qualität der Bilder doch teilweise arg gelitten hat. „Expose to the right“ ist in solchen Situationen eine Bank, wie ich feststellen konnte!

Da wir wussten, dass wir nur wenige Stunden täglich zum Laden der Akkus zur Verfügung haben würden, habe ich auch den Hähnel-Cube dabei gehabt. Und das war gut so! Akkus waren eines der Hauptprobleme in der Woche. Dadurch, dass man eigentlich ständig die Kamera am Auge hatte, ständig korrigiert oder fokussiert, immer wieder Bilderserien geschossen, Bilder am Monitor kontrolliert hat, zeigte der Akku teilweise schon nach 30 Minuten nur noch halbe Kraft an. Das Laden mit dem Cube ist zwar nicht unbedingt akku-schonend, aber eben recht schnell. Und das war sehr wichtig.

Viel zu schnell ging die Woche rum. Der Rückflug war ähnlich großartig wie der Hinflug. In Atlin wurden wir dann wieder von Gina in den Bus gesetzt und fuhren nach Whitehorse. Dort hatten wir noch eine Übernachtung. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Vancouver.
Eine kleine und gemütliche Wohnung in Kitsilano, die wir über AirBnB gebucht hatten, sommerliches Wetter, freundliche Menschen und eine wunderschöne Stadt mit spektakulärer Skyline. Die Stadt bietet genug für mindestens eine Woche. Für uns war es eine wunderbare Ergänzung unserer Reise in den Norden Kanadas. Und wir haben uns fest vorgenommen, dass wir nicht zum letzten Mal dort gewesen sind. Ob wir nochmal einen solchen Camp-Aufenthalt machen können, steht noch in den Sternen. Man muss ca. 1,5 Jahre vorher buchen, und das ist schon ein logistisches Problem. Mal ganz abgesehen von den finanziellen Herausforderungen.

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