
Ich renne seit Jahren mit großen Kameras rum, manchmal sogar mit Batteriegriff. Mit riesigen Objektiven. Mit Fototaschen in Kinderwagengröße. Mir sind kleine mFT-Kamera wumpe. Wenn ich klein haben will, nehme ich das Handy. Oder die PEN-F.
Nun hat Emily von microfournerds die Physik ausgepackt und erklärt, dass es keine kleinen mFT-Kameras mehr geben wird. (Und ich kriege die Krise, wenn mir jemand wie sie erklärt, sie müsse eine Hochzeit mit Kleinbild fotografieren, weil sie es ihren Kunden nicht zumuten kann, die Hochzeit mit einem zehn Jahre alten Sensor zu fotografieren. Dazu habe ich zu viel Mist von “Hochzeitsfotografen mit Kleinbild” gesehen. Und dann erklärt sie doch tatsächlich weiter hinten, dass mFT doch für 99% der Fotos ausreicht, und wer es mit mFT nicht kann, der kann es eben nicht. Warum dann Kleinbild bei den Hochzeiten???)
Und jetzt reden wir mal Tacheles. Was ist tatsächlich das Problem? Die OM-5II hat den Sensor der E-M1II drin, kommt aber mit einem Akku aus, der nur halb so groß ist. Physikalisches Wunder? Nein, sie haben den Sensor und den Prozessor gnadenlos runtergetaktet, so dass der kleine Akku halbwegs hält. Die Abwärme einer elektronischen Schaltung ist eine Funktion des Energiebedarfs, weil im Endeffekt alle Energie, die die Kamera frisst, in Wärme umgewandelt wird. (Das bisschen Licht des Displays vernachlässigen wir mal.)
Wo haben wir also unsere Flaschenhälse?
Akku.
Es gibt mittlerweile Akkutechnologien, die bis zu 50% mehr Energie im gleichen Gehäöuse speichern können. Wir kriegen also in einem BLS-50 1600mAh unter. In einem kaum größeren BLN-1 1800 mAh und in einem BLX-1 über 3000 mAh. Muss man halt machen. Und bezahlen.
Strombedarf der Sensoren.
Der Strombedarf der Sensoren ist extrem abhängig von der Taktfrequenz, mit dem er betrieben wird. Ein 4K 120fps braucht weit mehr Strom als ein FHD 30fps. Wenn ich also einen modernen Sensor mit hoher Bildqualität mit niedriger Ausleserate betreibe, habe ich weder Akku- noch Wärmeprobleme.
Strombedarf der Prozessoren
Gleiches gilt für die Prozessoren. Ich kann heutzutage einen Prozessor runtertakten, so dass er mit dem runtergetakteten Sensor klarkommt und entsprechend wenig Energie verbraucht und Wärme entwickelt.
Gehäuse
Olympus hat mit der E-M1X das damals weltweit beste Wärmemanagement entwickelt. Nicht ganz billig und erfordert natürlich ein Metallgehäuse, aber es ist technisch problemlos möglich, die anfallende Wärme abzutransportieren, es gibt auch schon seit Jahren Entwicklungen, das Objektiv zur Kühlung einzusetzen. Ist Entwicklungsaufwand aber alles längst keine Raketentechnologie mehr. Es gibt auch bereits stark wärmeableitende Kunststoffgehäuse mit vergrößerter Oberfläche – DJI setzt solche Gehäuse bei einigen Drohnen ein.
Geld
Das ist das Problem. Es geht hier drum, dass ein Werkzeug für ein Vollmagnesiumgehäuse richtig Geld kostet. Ein wirklich gutes Wärmemanagement kostet Zeit und Geld und man muss die richtigen Leute haben. Nicht umsonst war Olympus seinerzeit Weltspitze. Die hatten die richtigen Leute. Und man muss das Geld in die Hand nehmen wollen und können. Auch der Speicher, den heutzutage Kameras haben müssen, kostet Geld. Richtig Geld. Die schnellen Speicherbausteine haben im letzten Jahr bei den Einkaufspreisen angeblich um über 2000% zugelegt. Wer da nicht das Geld hatte, rechtzeitig zu bevorraten, der macht jetzt ein langes Gesicht. Ohne Puffer keine schnelle Bildfolge.
Es ist also nicht die Physik, die verhindert, dass wir kleine mFT-Kameras kriegen. Die Mavic 4 Pro hat einen 100MP-mFT-Sensor drin, drei Objektive und zwei zusätzliche Sensoren . und fliegt. Und kostet weniger als eine OM-3. Wer mir also erzählen will, kleine mFT-Kameras wären ein physikalisches Ding der Unmöglichkeit und alle Kameras müssten in Zukunft Klopper wie die L10 sein, sollte sich einfach mal eine Mavic 4 Pro ankucken.
Das Problem sind die Skalen. Stückzahlen. Wenn ich nur 30.000 Kameras losbringe, kostet der Sensor ein Schweinegeld und die Entwicklungs- und Werkzeugkosten schlagen pro Stück irrsinnig auf. Wenn ich 300.000 Kameras absetze, dann spielen die Entwicklungs- und Werkzeugkosten nur noch 10% der Rolle. Bei einer Million ist das vernachlässigbar und der Sensor kostet nur noch ein Drittel – und ich kann mit den Sensor nach Gusto fertigen lassen. Bei 30.000 Stück muss ich mich an dem bedienen, was im Regal liegt.
Das Problem der kleinen mFT-Kameras ist also nicht physikalisch, sondern betriebswirtschaftlich. Ich brauche hohe Liquidität, die ich auf mehrere Jahre nicht brauche, so dass ich mir Sensoren auf Lager legen kann. Dann muss ich mir den Luxus eines hochwertigen Entwicklungsteams leisten, die oft genug Quark entwickeln, schlicht, weil sie halt ne dumme Idee hatten und man vorher nicht weiß, ob das, was rauskommt, verkaufbar ist. Das muss in der Kalkulation “drin” sein. (Die PEN-F war ein Geniestreich, der aufgrund von Katastrophenmarketing nicht verkauft wurde.) Kleine mFT-Kameras können also nur Firmen entwickeln, die genug Geld haben, um es im Zweifel aus dem Fenster zu werfen, wenn es nicht klappt. Und die aber richtig Geld in die Hand nehmen um sich Zeug auf Lager zu legen, von dem sie nicht wissen, ob sie es jemals wieder loswerden.
Unternehmerisches Risiko. Für kleine Firmen kann so etwas existenzbedrohend sein. Und auch Panasonic, die ja sehr groß sind, sehen da sehr genau hin, was da in dieser Abteilung rumgemacht wird .Wie jetzt? Ihr wollt mal 100 Millionen Dollar für Sensoren und Prozessoren ausgeben? Für ne Million Kameras? Kriegt ihr die los? Wie, keine Ahnung. Was soll das heißen? Und am besten noch 100 Millionen für Speicher, weil der gerade billig ist? Habt ihr sie noch alle? Glaubt ihr, Kühlschränke, Akkus und Fernseher wachsen auf Bäumen? Außerdem will unser CEO bis 2035 ein Drittel des Umsatzes mit KI machen. Da braucht kein Mensch mehr Kameras.
Also bauen wir L10. Da haben wir fast alles noch da.
Right. Ich mag die Frau Lowrey ja, die ist so erfrischend anders als all die Tech-Bros da draußen im Influencerverse (ist das überhaupt ein Wort?), aber das Video hab ich mir erst gar nicht angesehen…
Ein Hauptgrund ist, es wurden immer weniger kleine Kameras verkauft und daher auch keine neuen kleinen Kameras mehr entwickelt. Dafür gibt es zwei Gründe:
1. Mit einer kleinen Kamera ist man mit der Objektivwahl mehr eingeschränkt, da es mit der zunehmenden Objektivgröße im Telebreich einfach schwerer ist, die Kamera ordentlich zu halten und damit zu fotografieren.
2. Man muss sich als Fotograf immer spitze Bemerkungen anhören oder sich rechtfertigen gegenüber anderen Fotografen.
Die Panasonic L10 ist größer geworden als ihre Vorgänger, da sich Panasonic nur aus dem Regal bedient hat. Wahrscheinlich will Leica demnächst eine D-Lux 9 verkaufen und daher musste Panasonic jetzt die Kamera auf dem Markt bringen.
keine kleinen Kameras mehr verkauft…
Soso, ein Plus von 30 % Marktanteil beim Verkauf von kleinen Kameras ist in der großen Masse der Markenhersteller nicht’s.
Bei Future Zone. DOCMA, wirtschaftliche Fachzeitschriften usw.lassen sich die Verkaufszahlen und Marktanteile nachlesen.
Seit Jahren bewegen sich die Verkaufszahlen Sinusförmig auf und ab.
Eine DJI Osmo Pocket 4 wird über kurz oder lang das 3er Modell ablösen und hier nochmals für einen Umsatzschub beim Hersteller sorgen.
Für meine Art zu Reisen, habe ich alles schon Tod fotografiert.
Letztes Jahr hatte ich nur noch meine Ricoh GR III dabei, mit sehr guten Ergebnissen. Eine neue Herausforderung und Herangehensweise beim Fotografieren.
Für dieses Jahr kommt eine DJI Osmo Pocket 4 Pro mit, meine Olympus XZ-2, das Mobiltelefon hat man immer dabei. Fertig.
“Die Panasonic L10 ist größer geworden als ihre Vorgänger, da sich Panasonic nur aus dem Regal bedient hat” – genau. “[E]s wurden immer weniger kleine Kameras verkauft” allerdings hat, soweit es denn stimmt, Gründe, und die betreffen eher einfachere Kompakte – da ist das Smartphone der Grund. Anspruchsvollere wurden immer gut gekauft – siehe Fuji X100, siehe Leica Q. Nur dafür muss, wie Reinhard ganz richtig feststellt, ein Hersteller halt investieren, und eben nicht glauben, dass es reicht, wenn er sich dafür nur aus dem Regal bedient.
Hinzu kommt eine in Japan in der Branche auch heute noch zweifelhafte bis nichtexistente Fehlerkultur (dazu hatte auch Michael Woodford damals einiges geschrieben). Wenn die L10 nicht so gehen sollte, wie Panasonic es gerne hätte, dann werden sie da auch wieder sagen, “es wollen leider nicht mehr genug Leute solche Kameras, die Nachfrage ist nicht mehr da”. Niemals sowas wie: “die L10 war zu groß und zu schwer und zu teuer und brachte zuwenig Neues, um als Kompaktkamera attraktiv genug zu sein; bei der nächsten müssen wir uns mehr anstrengen”.
Das mit dem Anstrengen machen dafür gerade die Chinesen. Und wenn die mit Kameras so kommen wie in den letzten ein, zwei Jahren mit Objektiven, dann werden die Japaner dafür womöglich nicht mehr gebraucht.
Komisch, da scheint sich nach 60 Jahren Geschichte zu wiederholen. Damals waren japanische Hersteller innovativ während sich die ehemals führende deutsche Kameraindustrie auf ihren Lorbeeren ausruhte oder mit Spiegelreflexkameras mit Zentralverschluss verzettelte.
Vielleicht ist mehr SW verbaut. Die LUT’s als Presets sind weiterentwickelt als dass ART-Filter-Konzept, das keine Innovation die Jahre über erfahren hat. Auch ein neuerer Sensor ist verbaut. In der Art wünschte ich ihn mir gerne in einer kleinen und größeren OM. Selbst Nik*.. hat ein paar ähnliche Artfilter wie die OM-5/OM-3, deren Deckkraft sich prozentual einstellen läßt. Wird scheinbar nicht sonderlich beworben.
Daher sehe ich die Übernahme des Konzepts von früher mit der Implementierung neuerer Möglichkeiten eher positiv und innovativer als die Modellpflege des bekannten Herstellers aktuell.
Ich bin sehr gespannt auf Kameras aus China. Nach dem, was die Chinesen bei E-Autos, Drohnen und Objektiven in wenigen Jahren auf die Beine gestellt haben, könnten da richtig spannende und innovative Produkte zu attraktiven Preisen kommen. Ich hoffe ja wirklich auf kompakte Kameras, mag nicht bei jedem Spaziergang 1kg um den Hals tragen und trotzdem was Besseres als ein iPhone.