LED-Lichtleistung

Ich habe ja in meinen Büchern anfangs erzählt, dass LED nichts taugt. Dann, dass die LEDs riesige LED-Flächen brauchen und es keine vernünftige Lichtformer dafür gibt. Und jetzt war ich auf der Imaging World und habe LED-Scheinwerfer mit bis zu 2,4 kW gesehen. Mit einem ganz normalen Bowens-Bajonett für Lichtformer vorne dran. Mit Farbsteuerung und diesen ganzen Farbspielereien – Feuersimulation, Gewittersimulation, Blaulichtsimulation.

Selbst die “kleinen” 600 Watt- LEDs sorgen für warme Hände, wenn man die davorhält. Der 600-Watt Grill von Godox kostet um die 2200 Euro auf der Straße.

Patona hat solche Dinger jetzt auch, in Grün. 100 Watt 179,- 200 Watt 199,- 300 Watt 249,- und 600 Watt 899,-

Und auch 1200 Watt, da habe ich nicht nach dem Preis gefragt.

Was ist davon zu halten?

Die Leuchtdichte ist brutal. Kuckt man versehentlich in so einen 600 Watt- Brenner, tanzen minutenlang die farbigen Kreise vor den Augen. Wenn es darum geht, schnelle Bewegungen mit kurzen Belichtungszeiten mit hohen Serienbildfrequenzen zu fotografieren, dann sind diese Geräte absolut cool. Oder für Workshops, wo alle gleichzeitig knipsen wollen. (Dass ich davon nichts halte, weil immer nur einer die gute Perspektive hat und alle anderen in die Röhre schauen, steht auf einem anderen Blatt.)

Für die Fotografie im kleinen Studio würden drei oder vier 200-Watt Scheinwerfer für alles ausreichen, wenn man Snoots verwendet, dann vielleicht noch zwei 300er dabei. Das bedeutet, man kann mit 900 Euro ein komplettes Dauerlichtstudio aufbauen. Das ist schon heftig.

Wer will dann noch Blitze verwenden? Da braucht man Funkauslöser. Muss Blitzladezeiten berücksichtigen. Synchronzeiten. Hat Probleme mit Belichtungsmessung und unter Umständen sogar mit dem Weißabgleich. Man braucht bei elektronischem Sucher eine Sucheraufhellung und ein HighRes-Shot wird zum Problem.

Also die Blitzer entsorgen und LED anschaffen?

Die Blitzer haben immer noch ein paar Vorteile: Sie sind weit sparsamer. Die brauchen halt nicht dauernd 400 Watt, sondern halt nur dann, wenn sie blitzen. Sie machen lange nicht so warm im Studio. Denn auch wenn die LEDs sparsamer als Glühbirnen sind – die 600 Watt werden komplett in Wärme umgesetzt. Und mit 1,2 Kilowatt Licht im Studio habe ich das Äquivalent eines Heizlüfters.

Und, wohl das größte Problem: Niemand will länger in dieses Licht kucken. Für Porträtfotografie ist das LED-Zeug ungeeignet.

5 Replies to “LED-Lichtleistung”

  1. Hast du Infos, wie das Spektrum der Strahler aussieht? Gut genug, dass man es mit einem Weißabgleich in den Griff bekommt?

    1. Patona: CRI >95.
      Die Zeiten, in denen die Foto-LEDs mit Müh und Not einen CRI von 80 erreicht haben, sind glücklicherweise vorbei.
      Die Godox (Knowled) Palette Lab sind natürlich eine Liga drüber. CRI>98, und TM-30Rf 97 und TM-30Rg 103. TLCI 99. Kosten halt auch das dreifache. (Patona hat natürlich, darauf angesprochen, nicht auf die andere Farbwiedergabe verwiesen, sondern darauf, dass man bei Godox den Markennamen bezahlen würde.)
      Für den Hobbyisten sind die Patona ausreichend. Für den Profi müssen es die PaletteLab sein.
      Ach ja: die Godoxe sind IP 65.

  2. In der Veranstaltungsbranche verwenden wir mittlerweile fast ausschliesslich LED Scheinwerfer. Halogen und Entladungslampen sterben langsam aber sicher aus. Sogar Stroboskoplicht wird heutzutage fast ausschliesslich mit LED produziert.
    Die letzte Bastion war klassisches „Weisslicht“ im Fernsehstudio/Theater usw und auch da gibt es ein „Halogensterben“. Die grossen Hersteller wie z.B. Arri haben längst LED Lampen mit hohem CRI und schönen Dimmerkurven. Mittlerweile kann man sogar echt gut auf Knopfdruck die Farbänderungen einer Halogenlampe beim Dimmen reproduzieren.
    Ich denke viele Fotodauerlichtlampen sind entwicklungstechnische „Abfallprodukte“ aus der Eventindustrie, also kann man durchaus hohe Qualität erwarten.
    Aber für bestimmte Dinge würde ich immer Blitze verwenden. Portrait ist so eine Sache und z.B. unter Wasser fotografieren. Da bin ich nach wie vor absoluter Fan von starken Ringblitzen, auch starke Videolampen können da nicht mithalten und dann noch der Stromverbrauch: mit einer Akkuladung macht mein Unterwasserblitz locker 1200 Blitze. Das reicht locker für 3-4 Tauchgänge à >60Min, je nach Anzahl Bilder/Motive. Der gleiche Akku macht knapp 40-60 Min an einer starken Videolampe.

    1. Auch die Monochromen PAR-LED-Lampen von vor zehn Jahren sehe ich kaum noch. Was mittlerweile auf den Bühnen steht, ist absolut brauchbar.

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