
Immer, wenn man denkt, alberner wird’s nicht mehr, kommt der nächste Influencer daher. In dem Fall: Chris Baitson, Er zeigt, wie man Landschaftsaufnahmen macht. Mit Blende 5,6. Weil Kleinbildfotografen immer Blende 8 oder Blende 11 verwenden und damit alles ausreichend scharf wäre. Die Schärfentiefe wäre dann gleich.
Ja, Äquivalenzdiskussion. Er hat Jehova gesagt. Und er macht alles mit Blende 5,6.
Beim Knipsen in der Landschaft scheißt er sich nichts um die Hyperfokaldistanz sondern stellt auf irgendwas scharf, was gerade so im Weg rumsteht. Und es ist nur wesentlich, dass das Weitwinkel ist und dann wäre das schon so richtig. Er nimmt das 12-40.
Dann sehen wir mal wie die Schärfentiefen im Weitwinkel bei f/5,6 tatsächlich aussehen:
| Brennweite | HyFo | Fokusentfernung | Nahpunkt | Fernpunkt |
| 12 mm | 3,838 m | 20 m | 3,22 m | Unendlich |
| 14 mm | 5,224 m | 20 m | 4,14 m | Unendlich |
| 17 mm | 7,70 m | 20 m | 5,56 m | Unendlich |
| 21 mm | 11,7 m | 20 m | 7,41 m | Unendlich |
| 25 mm | 16,6 m | 20 m | 9,09 m | Unendlich |
Die Grenze, bei der man bei einer Fokusentfernung von 20 Metern mit f/5,6 nicht mehr alles bis zum Horizont scharf bekommt, sind etwa 28 mm Brennweite. Darüber schrumpft die Schärfentiefe dramatisch schnell.
Bei seinem Bildchen mit den Buhnen und dem Fokus auf den weit entfernten Pfosten dürften die ersten Buhnenpfosten also nicht scharf sein. Das fällt in YouTube nicht auf, aber wenn er halt auf die HyFo fokussiert hätte, dann hätten halt seine Nahpunkte so ausgesehen:
| Brennweite | HyFo | Nahpunkt | Fokusentfernung | Nahpunkt |
| 12 mm | 3,838 m | 1,9 m | 20 m | 3,22 m |
| 14 mm | 5,224 m | 2,6 m | 20 m | 4,14 m |
| 17 mm | 7,70 m | 3,8 m | 20 m | 5,56 m |
| 21 mm | 11,7 m | 5,8 m | 20 m | 7,41 m |
| 25 mm | 16,6 m | 8,3 m | 20 m | 9,09 m |
Da Weitwinkel den Vordergrund betont, ist die Verwendung der HyFo gerade bei Landschaftsaufnahmen mit Weitwinkel essentiell.
Und weit, weit wichtiger als das sklavische Festhalten an einer vermeintlich “optimalen” Blende 5,6. Ja, viele mFT-Optiken haben ihre beste Abbildung bei Blende 5,6. Aber das gilt unter optimalen Testbedingungen. Stativ. Studioumgebung. Kurze Entfernungen, wenig Luft dazwischen.
Bei den vorhandenen Bedingungen: Stativ steht im unterspülten Sand, ND3-Graufilter, davor noch ein Polfilter, Wind und 60 Sekunden Belichtungszeit ist die Beugungsunschärfe bei Blende 8 oder 11 das kleinste Problem, das man haben könnte.
Also: Wenn man für die notwendige Schärfentiefe Blende 16 braucht, dann nimmt man halt Blende 16. Wenn man sehr deutlich mehr braucht, dann macht man halt nen Stack. Aber die Idee, eine vermeintlich “optimale” Blende zu verwenden und dann schon bei der Wahl des Fokuspunktes zu verlieren – Tscho.
Ach ja: Das Titelbild stammt aus einer Kleinbildknipse. Einer Pentax K1. 70mm Brennweite, f/2,8. Buhnen. Morgens. In Zingst. Ja, ich knipse hin und wieder auch mit Kleinbild.
Im Zeitalter der Desinformation suchen doch irgendwie fast alle tagtäglich nach etwas, worüber sie etwas erzählen oder schreiben könnten. Wegen dem Algorithmus und so. Egal ob sie auf YT, IG, X oder sonst wo unterwegs sind.
Mache ich auch. Nicht wegen des Algorithmus, den gibt es hier nicht, sondern weil ich merke, dass die Zugriffe zurückgehen, wenn ich keinen Daily Content liefere. Und meistens läuft mir sowieso irgendwas über den Weg, zu dem ich was schreiben MUSS.