Rabatt: der Tod des Fachhandels

Es ist ne uralte Nachricht: Gressung in Saarbrücken ist nach 120 Jahren zu. Pleite. Darüber wurde schon in diversen Foren kurz gesprochen, und natürlich gab es gleich Forenten, die den Laden dafür verantwortlich gemacht haben. Selber schuld.

Die Hersteller, die Gressung für die Pleite verantwortlich gemacht hat, können es nicht sein. Nönö.

Tatsächlich habe ich exakt die gleichen Beschwerden von vielen Fotohändlern gehört, die haben mich nur immer gebeten, nichts darüber zu schreiben, weil sie sonst Angst haben, von den Herstellern gar nicht mehr beliefert zu werden. Nicht nur Journalisten werden unter Druck gesetzt, wenn sie aufmucken.

Der Trick geht so: Man beliefert die Händler nur dann, wenn sie sich für die Abnahme von Mindestmengen verpflichten. Sie müssen einen relevanten Teil des Sortiments als Testgeräte vorrätig haben – die sie auch bezahlen müssen – und es gibt keine drei Monate Zahlungsziel mehr, sondern nur noch zwei Wochen. Die Margen sind von 25% auf 5% reduziert, so dass der Kunde die Ware oft im Onlineshop des Herstellers billiger bekommt, als der Händler sie einkauft.

Da hiflt es gar nichts, wenn man einen supertollen Online-Shop hat, man kriegt die Ware nicht billig genug geliefert. Das sind die “Stützpunkthändler”, die direkte Verträge mit den Herstellern haben. Die Händler mit weniger Umsatz mit der Marke werden über Ringfoto beliefert.

Und jetzt wird die Sache lustig. Alle Hersteller bieten bei Aktionen Rabatt bei den Fachhändlern an. (Es gibt auch Cashback, der vom Hersteller auf Antrag gezahlt wird, aber eben auch Direktrabatt beim Händler.) Der Rabatt wird direkt an der Kasse abgezogen und der Kunde geht glücklich mit dem Equipment nach Hause. Jetzt muss der Händler den Verkauf protokollieren und beim Hersteller – oder Ringfoto – die Rückerstattung des Rabatts beantragen – denn er hat ja das Zeug zum vollen Preis gekauft und bezahlt und hat das jetzt auf Anweisung des Herstellers weit unter EK verkauft. Anstatt dass er an einer Kamera nen Fuffi Gewinn macht, zahlt er erstmal 250 Euro drauf. Oder mehr.

Wenn jetzt nun der Händler ein toller Verkäufer ist, und am Tag zehn Mittelklasse-Kameras verkauft, dann hat er dadurch im Monat 100.000 Euro Verlust, die er zwischenfinanzieren muss. Je mehr er verkauft, desto schneller ist er pleite.

Gibt es einen Ausweg? Nein. Die Hersteller stellen sich auf stur – sie plündern dadurch ihre Händler aus und langfristig schaffen sie sich die Konkurrenz vom Hals. Denn die Zukunft liegt natürlich im eigenen Online-Shop. Da stimmen die Margen, die Logistik ist in eigener Hand und es ist kein lästiger Verkäufer vor Ort, der vielleicht auf eine andere Kameramarke berät. Und den man ja auch noch teuer auf die neue Kamera schulen muss.

Als die E-M1 rauskam, wurden alle Partnerhändler genauso wie die Journalisten nach Irland eingeladen, wo ihnen die Kamera gezeigt wurde und wo sie selber knipen konnten. Die Verkäufer haben noch Jahre danach von Olympus geschwärmt.

Das gibt’s seit Jahren nicht mehr Der Außendienst ist bei den Herstellern runtergefahren worden, nach uns die Sintflut.

Der richtige Trick ist dann auch noch, dass es ja nicht so ist, dass die Händler ihre Schulden bei den Herstellern hätten. Wenn man auf einmal mehrere Millionen Zahlungsausfälle bei den Kunden hat, dann überlegt man sich ziemlich flott eine Lösung für das Problem. Die Hersteller beliefern die meisten Händler nicht mehr direkt, sondern über Ringfoto. So dass Ringfoto auf den Forderungen sitzenbleibt. Die Hersteller sind fein raus und lachen sich ins Fäustchen.

Es ist kein Wunder, dass viele Fotohändler die Faxen dicke haben und keine Kamerahardware mehr verkaufen. Ringfoto hat jetzt eigene Produkte designt, die unter der Marke “Alfo” vertrieben werden und als Impulsware für Passfotokunden gedacht sind. Reisekopfkissen, USB-Kabel, SD-Karten, so Zeug.

Cashback vom Hersteller ist fragwürdig und oft genug macht das Probleme. Aber die Direktrabattaktionen sind ein Angriff auf die Geldbörsen der kleinen Händler. Bei den Herstellern heißt das dann “verbessertes Cashmanagement.”

19 Replies to “Rabatt: der Tod des Fachhandels”

  1. Im verlinkten SR-Artikel steht geschrieben:
    “… 2025 sogar das beste Ergebnis seit zehn Jahren eingefahren. …”

    Insolvenz trotz besten Gewinns oder Umsatzes innerhalb eines Jahrzehnts.
    Dieses System namens Marktwirtschaft ist irgendwie seltsam.

    1. Das ist genau das Thema der Marktwirtschaft: Es wird immer vom Umsatz und tollen Steigerungen geredet. Was hilft mir ein Millionenumsatz, wenn dann aber nichts hängenbleibt? Natürlich kann der Umsatz relativ leicht berechnet werden, aber mich würde immer als erstes der Gewinn interessieren und danach mit welchem Einsatz dieser erzeugt wurde. Welche Summen eingenommen wurden ist vollkommen irrelevant, wenn wie oben beschrieben das Produkt teurer eingekauft wurden…

  2. Normalerweise korrigiert die Marktwirtschaft früher oder später Fehlentwicklungen. Meine Hoffnung ist, dass irgendein Hersteller merkt, dass es für ein Wettbewerbsvorteil sein könnte, wenn er mit den Händlern fair umgeht und die im Gegenzug vorzugsweise seine Produkte anbieten. OMDS traue ich diese Einsicht nicht zu, aber vielleicht nutzt das demnächst irgendein Chinese aus.

  3. So wie es gerade in „D“ läuft ist der „Tod des Fachhandels“ das kleinste Problem.
    In „D“ gibt es bald keine Firmen mehr welche Gehälter bezahlen können. Es gibt nur noch Fehlentscheidungen in alle erdenklichen Richtungen..

  4. Ich kaufe grundsätzlich nicht im Internet ein, sondern in physischen Läden.
    Alle meine bisherigen Kameras habe ich in einem physischen Laden gekauft,
    wo ich die Kameras anfassen und aus der Nähe anschauen konnte.

    Wenn die Kamera-Hersteller wollen, dass ich die neuen Kameras seltener bzw.
    gar nicht kaufen soll, dann werde ich diesem Wunsch nachkommen:
    Dann werde ich (in physischen Läden) öfter bzw. ausschließlich gebrauchte
    Kameras kaufen, die ich bereits kenne.

  5. Irgendwann wird man in DE Non Food Produkte nur noch direkt beim Onlineshop des Herstellers oder bei Amazon kaufen können.
    Leider absehbar seit Jahren.

  6. Ich kaufe gerne in Geschäften, möchte aber vorher sehen können, ob das Produkt im Geschäft vorrätig ist.

  7. Mein Fotohändlern ums Eck ist mit 67 Jahren endlich verdient in Pension gegangen. Beim Abverkauf seines Lagers fanden sich noch ein paar originalverpackte E-500. Auch dieses Risiko muss der Händler tragen. Wenn dann noch Auflagen dazu kommen, dass es Mindestverkaufsmengen gibt und man ein bestimmtes Sortiment im Laden haben muss, ist das für kleine Händler nicht mehr tragbar.

  8. Der Fotofachhandel hat seit dem Siegeszug der Digitalkameras das Riesenproblem, dass die Kunden nicht mehr dort die Filme abgeben und die Bilder regelmäßig abholen. Wenn ich viel seltener in ein Geschäft gehe, dann ist der Wunsch eine neue Kamera oder Objektiv zu kaufen, einfach kleiner. Man kommt mit dem Handel nicht mehr ins Gespräch. Nur zum schauen kommen die wenigsten Kunden.

    1. Das hat noch einige weitere Probleme: Der Smalltalk mit dem Verkäufer wird von einigen Ketten nicht mehr gewünscht. ich kenne einen Top-Olympus-Verkäuifer, der gefeuert wurde, weil er zu lange Verkaufsgespräche geführt hat. Es muss Umsatz geblockert werden. Langfristige Kundenbindung ist out.
      Dann wird der Handel nicht mehr mit Infos beliefert. Man bekommt die Infos nicht mehr unter der Hand vom Verkäufer seines Vertrauens – weil der selber nichts mehr erfährt. Infos bekommt man nur noch von bezahlten Influencern. Und die haben dann gleich einen Affiliate-Link unter dem Video. Es gibt kaum noch einen Grund, in den Laden zu gehen. Mir haben Fotohändler gesagt, dass der FolyFos-Stammtisch lange Zeit die einzige Quelle für Informationen war. Das darf nicht sein. Händler müssen immer besser informiert sein, als ein Journalist von hinter den sieben Bergen. Die müssen ja ihr Business planen und eben gegenüber Kunden Informiertheit demonstrieren. Denn natürlich kommen die Kunden mit Gerüchten aus den Foren in den Laden und wollen wissen, was dran ist. Und wenn sie dort keine validen Aussagen kriegen, dann gehen sie und kommen nicht wieder. Wozu auch.

  9. Schön, wenn man ein Fachgeschäft mit kompetenten Verkäufern in der Nähe hat. Ich wollte neulich eine stoß- und wasserfeste Kamera bei unserem, einzigen, örtlichen Händler kaufen. Dort hat man mir eine Pentax von 2014 als neuestes Modell präsentiert. Andere Kameras waren noch originalverpackt, “da kann ich jetzt nicht die Orgnialverpackung aufmachen”. Da ich nicht deswegen in die Landeshauptstadt fahren wollte, wurde es eben, nach einer Internetrecherche, eine gebrauchte über Kleinanzeigen. Die haben mir dann für mein “nachhaltiges Verhalten” gratuliert.

  10. Die Frage ist doch wie leidensfähig der Kunde noch ist. Hier in Berlin gerade eine TG-7 gekauft. Kamera, Objektivabdeckungsring und 2 Akkus waren am Lager. Ladegerät laut OM System Webseite sofort lieferbar. Nach einem Monat habe ich dann beim Händler nochmal höflich nachgefragt, ob er mir das Ding innerhalb zwei Wochen liefern könne, was dann auch funktionierte. Für die TG-7 sind das unterm Strich 6 Einzelpositionen – wenn man für das Ladegerät noch das notwendige USB-A-Netzteil hinzurechnet. Kann man natürlich alles entspannt in den Warenkorb einer Webseite legen oder sich der Illusion hingeben, dass das alles beim Händler vorrätig ist.

    Kunden die keine wirkliche Beziehung zu ihrem Händler haben oder Leuten denen die Verödung der Innenstädte oder die damit verbundenen Arbeitsplätze schnurz sind, wird man so nicht mehr halten können. Denn machen wir uns nichts vor, ist ja im Bereich Modellbau längst bekannt, Kleinteile werden bestenfalls nur 1x im Monat vom Händler nachbestellt.

    Neukauf, Wartung/ Reparatur, Infomaterial alles online über den Hersteller. Prints längst auch bei den großen Anbietern im Web. Das Ladengeschäft geht dem Ende entgegen, mitterweile sind auch die Top-Adressen bedroht und man wundert sich, dass die überhaupt noch existieren. Denn die Vielfalt in den großen Geschäften ist auch nicht mehr gegeben. Stative, Studiobeleuchtung usw. auch im Laden nur aus dem Katalog bestellbar – wenn überhaupt. Man kann zum Händler gehen, um was liebgewonnenes zu erhalten. Letztendlich verzögert man dadurch aber auch nur das Dahinscheiden. Vielleicht reicht ja die Zeit noch, bevor man selbst das Hobby aus Altersgründen an den Nagel hängt bzw. nicht mehr die ganz großen Umsätze generiert. Bei meinem Händler sehe ich nur noch eine Wand voller Taschen und Regale mit Kartons – da gibt es also auch nicht mehr das Gefühl, was mal mit dem Besuch eines Ladens verbunden war. Die guten Verkäufer sind auch längst über alle Berge.

    1. Das ist das Problem. Du brauchst ein irres Lager und Du kriegst es nicht gedreht. Ich habe letzthin eine Kalkulation gemacht, ob ich hier in Rocksdorf einen Fotoladen aufmachen könnte. Der Platz wäre da, Parkplätze wären da, aber obwohl ich keine Ladenmiete zahlen muss, kriege ich den Umsatz im Laden nicht, den ich bei 5% Marge bräuchte. Ich kann gar nicht so viele Kunden durchschleusen, damit sich das rechnen würde. Denn dann brauche ich zusätzliches Personal, das dann den Rohertrag wieder auffrisst. Ein Laden ist heutzutage Luxus. Den muss man sich leisten können. Mit 25% Marge geht das. Mit 5% und 14 Tage Zahlungsziel ist das unmöglich

  11. Aus gegebenem Anlass:

    Ein aktuelles Beispiel scheint es auch bei Fujifilm zu geben. Beim heute schließenden Fuji Store Nürnberg sollen Lieferprobleme seitens des Herstellers eine Rolle gespielt haben. Dabei war der Fuji Store kein gewöhnlicher Fotoladen, sondern ein in Deutschland nahezu einzigartiges, konsequent auf Fujifilm spezialisiertes Konzept mit Beratung, Galerie, Workshops, Fotowalks und einer eigenen Community.

    Sollte die unzureichende Belieferung tatsächlich wesentlich zur Geschäftsaufgabe beigetragen haben, würde Fujifilm seinen eigenen Fachhandel durch die eigene Vertriebspolitik schwächen. Das Problem beschränkt sich offenbar nicht auf OM System/Olympus.

    Man fragt sich schon, welchen Stellenwert unabhängige Fachhändler für die Hersteller überhaupt noch haben.

    1. Genau so ein Konzept wollte ich damals, 2016, in Rocksdorf umsetzen. Nur noch ne Nummer draufgesetzt, weil ich ja sogar Platz für Übernachtungen gehabt hätte. Nils war sogar in Rocksdorf um sich die Bude anzusehen. Kein Interesse. Solche Hersteller-spezifischen Shops sind schwierig. Wenn das Konzept erfolgreich ist, wittert der Hersteller mächtige Konkurrenz. Da sind große Ketten wie Erhart, Koch oder Calumet besser aufgestellt. Wenn der Hersteller nicht liefert – so what, verkauft man halt andere Knipsen.
      In Österreich gab’s mal einen Laden, der nur mFT verkauft hat, und alles wusste und alles hatte. Tolles Ding. Leider Geschichte. Was mir der damalige Eigentümer erzählt hat, kann ich hier nicht wiedergeben. Leider ist der mittlerweile gestorben.

      1. Wobei in Nürnberg sowohl der Leica Store als auch der Fuji Store ursprünglich nicht von den Herstellern selbst etabliert wurden, sondern beide aus dem traditionsreichen Familienunternehmen Bilderfürst hervor gegangen sind.

        Leica übernahm 2025 den Nürnberger Store selbst. Der Fuji Store hat am 17. Oktober 2026 geschlossen und geht künftig im Mehrmarkenkonzept von Foto Erhardt auf.

        “Blende 8” in Konstanz verbindet Café, Galerie und einen Leica-Showroom. Bei meinem einmaligen Besuch im August 2025 war das Café gut besucht und es gab eine tolle Ausstellung zu sehen. Im Showroom war niemand, weder Verkaufspersonal noch Kundschaft.

        Zweifellos ein schönes Konzept, aber ist Leica damit tatsächlich die Ausnahme?

        Reinhards Erfahrungen bestätigen die grundsätzliche Entwicklung: Der unabhängige Fachhandel verliert an Boden, während Hersteller ihre Markeninszenierung und Kundenbindung zunehmend selbst organisieren – über eigene Stores, Influencer und Online-Marketing.

  12. Der Niedergang des Fotofachhandels ist definitiv bedauernswert. Doch als Ursache sehen ich hier das Aufkommen der Smartphones und eine weitverbreitete Änderung im Kaufverhalten. Der stationäre Handel wurde in vielen Branchen vom Onlinehandel verdrängt. Die Beratung vor Ort verschob sich ebenfalls ins Netz. Hin zu Youtube, Fotoforen, Fotocommunities und Informationsangeboten auf Unternehmenseiten und auf privaten Webangeboten.
    Der direkte Vertriebsweg von Kameras und Co durch den eigenen Online-Shop des Herstellers ist für mich ein Katalysator des Niederganges, aber nicht dessen Ursache.
    Ich Frage mich, wo stünde die Fotobranche ohne die Online-Shops der Hersteller? Würden Amazon und Co noch mehr Gewinne abschöpfen? Wo stünde die Fotobranche ohne die neuen Marketinginstrumente wie Influenzier, Webinare, Online-Workshops, Youtube-Werbevideos und den werbewirksamen Rabattaktionen auf ihren Online-Shops?
    Wäre die Fotografie mit Wechselobjektivkameras eine noch stärkere Nische für Enthusiasten? Wer hat den Herstellern in der Vergangenheit das Überleben gesichert? Profifotografen, die damit ihren Lebensunterhalt verdient haben oder die große Anzahl an Urlaubs-, Familienfeier-, Ausflug-Hobbyfotografen? Wo setze ich als Hersteller meinen Schwerpunkt?
    Professionelle und solche, die etwas nur als Hobby betreiben, haben häufig unterschiedliche Interessen. Mir als Hobbyknipser ist der Preisverfall meines gebrauchten Equipments nahezu gleichgültig.
    Das letzte Fotofachgeschäft in der Nähe hat vor Jahren geschlossen. Und ganz ehrlich, es war mir egal, da ich dort als junger Kerl mehrfach schlecht beraten worden bin! Die guten Fachgeschäfte sind alle zu weit weg. Zum Nur-mal-Schauen lohnt sich das nicht.
    Der Niedergang der Fotofachgeschäfte hat schon durch die Digitalisierung den ersten, sehr heftigen Einbruch erlitten. Der Verkauf und das Entwickeln der Rollenfilme war recht schnell weggefallen.Und somit ein bedeutsamer Umsatz- und Gewinnbringer.
    Es ist fast wie immer im Leben – komplex!
    Für jeden, der durch die Veränderungen seinen Job, seine Existenz verliert, tut es mir aufrichtig leid! Ich habe, wenn ich früher bei meiner Oma in den Ferien war, jeden Spätnachmittag die leere Milchkanne beim Bauern vor den Stall gestellt und nach dem Abendbrot die gefüllte Kanne wieder abgeholt. Und heute? Keine Oma mehr, kein Bauer mehr, noch nicht einmal ein Geschäft im Dorf, das Milch verkauft. Hätte man irgendetwas davon bewahren können? (Ich bin übrigens 55 und keine 85 ).
    Häufig bleibt nur ein nostalgischer Blick zurück.
    Aber bitte nicht zulange zurückschauen, sonst übersieht man vielleicht die nächste E-Ladestation.

    1. Warum haben es die einen Fotofachhändler geschafft, zu überleben, und die anderen nicht? Die meisten Hersteller haben über Jahre die Fachhändler wie den letzten Dreck behandelt. Weil sie eben dachten, ihre Margen über den Onlinehandel steigern zu können. Der Effekt: Sie sind aus den Regalen der Händler geflogen – und haben Marktanteile an die abgegeben, die vernünftige Margen und vernünftige Lieferbedingungen bieten konnten. Ich seh ja jedes Jahr die Zahlen von Ringfoto. Welche Produkte wachsen, welche Marken wachsen. Und kriege dann auch mit, dass derzeit die Margen wieder hochgehen – weil die Händler eben immer noch wichtig sind – und Ringfoto den Herstellern nicht die Pistolen, sondern das große Kaliber auf die Brust setzt. Durch die Rabattschlachten machen sich die Hersteller die Preise, den Ruf und die Margen kaputt. Sie sind jetzt langsam dahintergekommen, dass man die Rabatte wieder den Händlern überlässt. Das ist die schlauere Methode.
      Und sie haben festgestellt – Achtung, Hammereinsicht – dass Aamazon eine skrupellose Krake ist, wobei ich betone, dass ich damit nichts gegen tatsächliche Kraken sagen will. Amazon killt die Marge und langfristig alle Lieferanten, die sich auf Amazon verlassen. (Das ist auch ein Grund, warum ich nirgends auf meinen Seiten Amazon-Affiliate-Links unterbringe.) Nicht umsonst sind viele Cashback-Angebote nicht auf Amazon-Käufe anwendbar. Den Cash hat sich Bezos eingesteckt.
      Was hat nun die Fachhändler gekillt? Veränderte Margen und zusammengestrichene Zahlungsziele der Hersteller. Wenn Du einen Warenbestand von einer Viertelmillion vorfinanzieren musst, der täglich an Wert verliert und mit Margen leben sollst, die unterhalb des Bankkredits liegen, mit dem Du die Ware finanzierst, hast Du verloren. Aus die Maus. Wir reden hier noch nicht mal über Ladenmieten und Gehälter für qualifizierte Verkäufer.
      Das Ergebnis dieser Herstellerpolitik sind große Fotohändler, die ihr Hauptgeschäft im Internet machen, bei denen die Verkäufer 2 Minuten für das Beratungsgespräch haben und die, wenn kein Kunde da ist, den Onlineshop betreuen und das Zeug für den Versand verpacken. Fortbildung der Verkäufer? Gröööl. Diese Händler werden immer größer, weil sie ihre Kostenstruktur zusammengestrichen haben, höhere Margen durchsetzen können und damit dann über Rabatte auch wieder mehr Kunden erreichen. Online und Offline. Kapitalismus halt.
      Ich war zu Zeiten, als es noch kein Internet gab, im Laden an der Front gestanden. Da kamen Leute rein, haben sich beraten lassen (“Ich hätt’ amol a Frach – und zwar möchte ich mal uuuumfassend beraten lassen.”) und sind dann in den Laden gegangen, wo es etwas Ähnliches billiger gab. Diese Erscheinung gibt es, solange es Fachgeschäfte gibt. Der Laden hat nicht deshalb pleite gemacht, sondern weil der Gründer größenwahnsinng wurde, den Laden an die Börse brachte und mit der Kohle dann Global Player spielen wollte.

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