Prognosen sind schwierig…

… besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Ich denke, jeder hat es mitbekommen: GoPro hat an eine “Mission” ein mFT-Bajonett geschraubt. Ohne Kontakte. Man kann also nur die ganzen Chinalinsen mit manuellem Fokus und manueller Blende dranschrauben. Und über einen Adapter so ziemlich alles, jemals produziertes Altglas. Da hinten dran kein mFT-Sensor sitzt, sondern ein 1-Zoll-Sensor mit 50MP, kann man damit analoge OM-Teleobjektive in ungeahnte Reichweiten pushen. Gibt sogar einen Handgriff für die Kamera, damit man das Zeug auch halten kann.

Nein, ich mache hier keine Werbung für die amerikanische Firma. Die haben nämlich gerade beschlossen, dass Leute umbringen fett lukrativ ist und haben extra eine Unternehmensberatung engagiert, die dafür sorgen soll, dass sie möglichst viel Kohle damit machen. Die Aktie ist prompt nach oben.

Es geht darum, dass eine amerikanische Firma – und zwar die einzige amerikanische Kamerafirma von Relevanz – das mFT_Bajonett entdeckt hat. OK, sie haben eigentlich nur ein bisschen Blech gefräst und machen auf Trittbrettfahrer – sie sind nämlich kein Mitglied im FT-Konsortium. Das haben sie sich erst mal gespart. Aber immerhin.

Sie haben keine Objektive auf den Markt gebracht und jetzt könnten die ganzen Chinaschmieden endlich ihre C-Mount-Objektive ohne schlechtes Gewissen mit mFT-Mount für einen Appel und ein Ei verticken. Bei GoPro hat anscheinend jemand mitgedacht. Die haben die Filmemacher im Auge – und auch die Studios, die natürlich so eine Winzkamera überall im Set unterbringen können. GoPro 8K – coooool.

Und natürlich gibt es sie noch nicht. Das ist alles eine Vorankündigung um den Chinesen die Show zu stehlen. VaporWare.

Also viel Rauch um nichts?

Nein, denn hinter den Kulissen ist längst das Rennen um die Nachfolge von OMDS und Panasonic in Sachen mFT entbrannt. Eine riesige installierte Basis ist seit Jahren mit veralteter Technik zu überhöhten Preisen versorgt worden. Die ganzen, wirklich leidensfähigen, Fans werden mit immer neuen Zumutungen und albernem Marketing versorgt. Das Potenzial des Bajonetts liegt seit Jahren brach, die Kameras und Objektive werden immer größer und teurer. Die Stückzahlen brechen ein. Die letzte Kamera vom Platzhirsch, die OM-5II, hat eine kastrierte Technik von vor zehn Jahren drin. Im Plastikgehäuse hätte man im Jahr 2017 über den aufgerufenen Preis schon reden müssen, im Jahr 2026 ist der UVP ein Scherz. Ein vernachlässigter, riesiger Acker, der nur deshalb brach liegt, weil Sony keinen brauchbaren, aktuellen mFT-Sensor liefert. Die Entwicklungen gibt es längst, aber es gibt die Sensoren nicht in den benötigten Stückzahlen. Auch deshalb hat GoPro zu einem 50MP-1″-Sensor gegriffen. Den gibt’s.

Sobald die mFT-Sensoren für Kameras verfügbar sind, wird es eine Explosion am Markt geben. Es gibt den 100 MP-Sensor der Mavic, aber das ist ein reiner Drohnensensor. (Ob technisch oder vertraglich bedingt, ist eine Frage, über die gestritten wird.) Werden entsprechende Sensoren in Stückzahlen geliefert, werden die mFT-Kameras aus China mit Rumms auf dem Markt aufschlagen. Die Entwicklungen sind längst marktreif – nur fehlen eben die Sensorstückzahlen.

Das weiß GoPro – und anstatt dass sie wie andere Hersteller den Kopf unten halten und auf die Lieferung warten – oder den Kopf ganz in den Sand stecken – gehen sie mit Vaporware nach draußen. Besser als nichts.

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