Begriffsverwirrung II

Dies ist eine Batterie. Eine Gruppierung von Geschützen.

Ein Geschütz. Keine Batterie.

Eine Batterie. Ein sogenannter “Edison-Sammler”. Das ist ein Nickel-Eisen-Akkumulator. (Akkumulator = Sammler!) Hat ein paar coole Vorteile und wird gerade wiederentdeckt, weil er ohne irgendwelche seltenen Elemente auskommt. Braucht Eisen, Nickel und Kalilauge und kann ganz nebenbei auch zur Erzeugung von Wasserstoff verwendet werden.

Das sind zwei Zellen. Beides sind Edison Akkumulatoren. Aber das ist keine Batterie – weil eben nur einzelne Zellen.

Das ist – richtig – eine Batterie. Mit zwei Zellen.

Das da ist KEINE Batterie, da es nur eine Zelle hat.

Das sind sechs Zellen – aber keine Batterie.

Das ist eine Batterie. Eigentlich ist es ein Ladegerät, man kann es aber auch als “Powerbank” verwenden und dann ist es eine Batterie.

Hat eine Batterie was damit zu tun, ob es ein Akku ist oder eine “nicht wiederaufladbare Zelle”? Nope. Was ist überhaupt eine “Nicht wiederaufladbare Zelle”? Naja, da gibt’s durchaus valide Meinungen, dass es sowas eigentlich nicht gibt. Es hat nämlich lange Ladegeräte gegeben, die auch Alkaline-Zellen wieder aufladen konnten. Zwar nur etwa ein halbes Dutzend Mal, und nicht alle Zellen, aber immerhin.

Soweit zur korrekten Bezeichnung nach “DIN” aber selbst der Fachnormenausschuss gibt zu, dass man gegen Windmühlen kämpft weil alles und jedes als “Batterie” bezeichnet wird. Man kapituliert vor der Masse der Bevölkerung, die keine Ahnung hat.

Dies hier ist eine Kamera für das volle Format 9×12.

Und dies hier ein Sensor des Formats FT. Der volle Sensor.

Ich habe vor über zehn Jahren mal die Redakteure der damals größten deutschen Fotozeitschrift gefragt, warum sie diesen bescheuerten Namen “Vollformat” verwenden und nicht den korrekten Terminus “Kleinbildformat” oder von mir aus “35mm-Format”. Die Antwort war sinngemäß: “Unsere Leser sind so doof, die denken bei “Kleinbild” an “Klein”. Dabei ist der Sensor doch groß. ” Der Effekt: Hasselblad-Promotoren müssen auf Messen regelmäßig die Objektive ihrer Kameras runtermachen um den “Vollformat-Jüngern” zu zeigen, wer den Größten hat.

Also “Vollformat” ist eine verkürzte Übersetzung von “Full 35mm format” für geistig minderbemittelte Fotowerbeblattleser. (Ja, der Ausdruck hat sich mit der Zeit verselbstständigt. Aber für diesen Zweck ist er erfunden worden.)

Sprache hat den großen Vorteil, dass man durch deren Gebrauch dem Gegenüber Kontext vermittelt, der dem reinen Textinhalt eine weitere Ebene gibt. Wenn ich rede, weiß jeder sofort “Aha. Nürnberger”.

Ich schreibe also beharrlich “Kleinbild” und “Zelle” und “Schärfentiefe”. Andere können das anders halten. Ich verstehe natürlich auch die anderen Ausdrücke und kann bei missverständlichen Äußerungen aus dem Kontext schließen was gemeint sein könnte.

Also kann jeder, der mich reden hört, daraus schließen: “Mittelfränkischer Korinthenkacker”.

Jepp.

Ach ja, diese Fotozeitschrift gibt’s nicht mehr.

19 Replies to “Begriffsverwirrung II”

  1. Danke.
    Ein nicht unsympathischer “Mittelfränkischer Korinthenkacker” möchte ich gerne hinzufügen!
    LG Manfred

  2. Hallo Reinhard,
    Du schreibst auch seit einigen Jahren beharrlich Linse. Anfangs habe ich mich noch gefragt, welche des jeweiligen Objektivs Du meinst.

    Gruß, Matthias

    1. Siehste, SO stelle ich mir das vor. Dass mich Leute auf meinen eigenen Blödsinn aufmerksam machen.
      Und jetzt bitte ich die Community um Synonym-Hilfe: Was für andere Wörter gibt es zu Objektiv, die trotzdem korrekt sind? Das ist jetzt keine Fangfrage oder so, Wortwiederholungen sind für einen Autor ein ernstes Problem.

      1. Naja, im Sinne des Artikels wäre es ja eine (Linsen-) Batterie… 😉

        SCNR – habe leider keinen ernstzunehmenden Vorschlag. Finde aber Wortwiederholungen oft das kleinere Übel gegenüber deren zwanghafter Vermeidung…. wenn dann etwa in einem Artikel statt “der Mann” mehrmals “der 45-Jährige” steht – und das obwohl das Alter im Kontext keine relevante Information ist.

      2. Festbrennweite, Zoom, refraktives optisches System, Mehrlinser, Mehrlinsen-Abbild-Erzeugling, … (nicht ernst gemeint)

        Anderes unsinniges Wort, das ich auch hier schon gelesen habe: Nodalpunktadapter

        1. Das ist ein Problem. Es gibt solche Adapter, die tatsächlich unter diesem Namen verkauft werden. Eventuell in Ermangelung eines korrekten Namens. Such mal nach “Eintrittspupillenpanoramadapter” oder “Drehpunktabstandsverlängerung” oder sowas. Novoflex umgeht das, indem sie das Ding Panoramasystem nennen. Auf Englisch würde das “No Parallax Point Adapter” heißen oder “Zero Parallax Adapter”. Darunter findet man Nerds, die da drüber diskutieren aber kein Produkt. Ein paar ebay-Anzeigen für Roundshot-Systeme.

          1. Das Argument verstehe ich jetzt nicht ganz. Es werden doch auch Kameras unter dem Begriff Vollformat verkauft, oder?

            Auf Deutsch würde ich das Panoramakopf, Panorama-Stativkopf oder Panoramaadapter nennen. Da sehe ich keinen Mangel an korrekten Namen.

  3. “Vollformat” ist für mich ebenfalls ein Graus und generell mag ich so eine Begriffsverirrung nicht, nerve damit wohl auch gelegentlich mein Umfeld. Aber obwohl ich zumindest hier ein wenig Ahnung habe, sage und schreibe ich immer “Batterie”. Der Begriff hat sich einfach zu sehr eingebürgert, alles andere wäre im Alltag schlicht albern. Primärzelle schreibe ich nur in technischen Beiträgen, wenn ausdrücklich die Abgrenzung zu Sekundärzellen = Akkus nötig ist. Noch viel drastischer ist das im Englischen, da wird meistens battery verwendet und accu ist ziemlich ungebräuchlich.

    “Es hat nämlich lange Ladegeräte gegeben, die auch Alkaline-Zellen wieder aufladen konnten. Zwar nur etwa ein halbes Dutzend Mal, und nicht alle Zellen, aber immerhin.”
    Ich erinnere mich dunkel… RAM Zellen, Rechargeable Alkali Manganese. Und ja, es gab auch Ladegräte für normale Alkali-Mangan Zellen. Da würde ich aber eher von Auffrischen reden kurzgesagt. Beide Typen haben aber ihre Nachteile (keine hohen Ströme, Auslaufgefahr) und mit dem Aufkommen von NiMH Akkus war das dann Geschichte bzw gibt es nur noch als Nischenprodukt.

  4. Weil ich wohl (Mit-)Auslöser dieses Beitrags war mein Senf dazu…

    Wie Reinhard richtig schreibt kann auch ein Akku eine „Batterie“ sein, weil er mehrere Zellen enthalten kann.
    Nur: um das festzustellen muss man ihn ggf. aufsägen.
    Ein Akku(mulator) zeichnet sich dadurch aus, dass er Ladung einsammeln kann. Also wiederaufladbar ist, grundsätzlich dafür gebaut ist, eine größere Anzahl von Lade-Entlade-Zyklen zu durchlaufen.
    Diese Wiederaufladbarkeit stellt den kleinen aber wichtigen Unterschied dar (wenn wir überhaupt über Speicher elektrischer Energie reden), der sich in der Bezeichnung niederschlägt und zur Unterscheidung, meiner Meinung nach, auch genannt werden sollte.
    Witzigerweise ist das, was Batterie genannt wird, häufig gar keine Batterie mehr (egal ob wiederaufladbar oder nicht), weil im Innern oft nur noch eine Zelle steckt.
    .
    Wenn wir schon dabei sind:
    Immer häufiger erlebe ich es, dass Menschen mich nach einem Ladekabel fragen. Wenn ich ihnen dann ein Ladekabel in die Hand drücke schauen sie mich verblüfft an. Sie meinten das Ladegerät, an dem, für sie, üblicherweise ein Ladekabel immer dranhängt. Eigentlich umgekehrt: für sie ist das Ladegerät Teil des Ladekabels. :-/

    1. Also um jetzt elektrotechnisch ganz korrekt zu bleiben:
      Es gibt Primär- (nicht fürs Wiederaufladen gedacht) und Sekundärzellen (wiederaufladbar).
      Und mehrere davon sind dann eine Batterie (daher auch der englische Begriff).
      Die wiederaufladbare Sekundärbatterie wird auch Akkumulator genannt.
      So sieht das übrigens auch Wikipedia.

      1. Ehm, leider nicht. Batterie stand im Deutschen ursprünglich für eine Zusammenlegung von Geschützen in der Schlacht, französisch bataille. Deshalb auch das Aufmacher-Bild.

        1. PS: Außerdem mus ein Akkumulator keine Batterie sein. Hat Reinhard in allen möglichen Kombinationen mit Bildern gezeigt.

          Was vielleicht noch fe lt, wären Mischbatterien von der erhbaren Zunft GaWaSch.

  5. Da das Kleinbild-Format im Vergleich zum MFT-Format (bei gleicher Blendenzahl
    und gleichem Bildwinkel) eine geringere Schärfentiefe besitzt, sollte man das
    Kleinbild-Format als “Mini-Format” bezeichnen. 😉

    1. Noch besser: Die geringe Schärfentiefe für die Freistellung ist der entscheidende Vorteil des Vollformats. Dann sollte das auch Unschärfe-Format genannt werden, im Gegensatz zum Immerscharf-Format.

  6. Wenn wir etwas in die Vergangenheit von Olympus gehen, gab es die analogen PEN Kameras. Diese wurden als Halbformatkameras bezeichnet, weil sie das halbe Kleinbild verwenden.
    Dagegen sprach man bei Mittelformatkameras (analog) nicht von einem Format, sondern von der Verwendung von 120er (oder dem selteneren 220er) Rollfilm. Das verwendete Filmformat ging dabei von 645 (was aber typisch 5,6×4,2 war) bis zu 6×24!
    Noch heute hat „Mittelformat“ unterschiedliche Sensorgrößen und unter APS-C versteht Canon wiederum auch leicht etwas anderes als die anderen Hersteller…

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