Wieder mal so ein Post. In dem es darum geht, was ich hier mache und warum ich es mache.

Mir wird gerne vorgeworfen, ich würde wechselweise mit rosaroter Brille kucken oder ich sei beleidigt, weil mich Olympus ausgebootet habe. Und natürlich sei ich bei allem, über das ich berichte, persönlich betroffen.

Basics: Ich komme aus dem Journalismus. Da ist die Grundregel, dass Journalisten niemals über etwas berichten dürfen, das sie persönlich betrifft. Weil sie dann nicht mehr objektiv berichten können. Interessenskonflikte halt.

Diese Regel habe ich hier schon prinzipiell verletzt, weil ich über Fotografie berichte, selber fotografiere und gelegentlich über den Hersteller meines Equipments berichte. Das ist aber nun mal so, dass man sich, sobald man sich mit einem Thema wirklich auskennen will, sehr viel damit beschäftigt und dann gar nicht mehr so weit zurücktreten kann, wie es notwendig wäre. Da die Alternative ist, dass nur Leute über Dinge schreiben, von denen sie keinen blassen Dunst haben, gibt es Redaktionsteams, die dann über Artikel von Fachredakteuren noch mal drüberschauen.

Das habe ich hier nicht. Gelegentlich kucken Freunde drüber und sagen “Das stimmt nicht” oder “Das kann man auch anders ausdrücken.” Aber das ist eben nicht die Regel.

Ich habe eine Zielgruppe: Das sind Leute, die mit Olympus-Kameras fotografieren oder fotografieren wollen. Und als Journalist habe ich meine Zielgruppe im Auge und berichte über Dinge, von denen ich der Meinung bin, dass sie für die Zielgruppe von Interesse sind. Selbst bei Artikeln, die auf den ersten Blick völlig abseitig sind, gibt es eigentlich immer einen Spin, der den Bezug zur Fotografie herstellt.

Mein Stil ist derb und ehrlich. Kurz und knackig. Gelabere gibt’s woanders. Gefällt nicht jedem. Aber mir. Und da ich hier keine Kunden habe – niemand zahlt mir einen Cent – muss ich keine Rücksicht nehmen. Auf niemanden und auf niemandes Befindlichkeiten. Wem ich nicht passe – so what. Niemand muss mich in Rocksdorf besuchen. Anderer Kontinent ist völlig OK.

Ich bin einer der ganz wenigen deutschen Blogs mit internationaler Reichweite, der ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat, noch nie monetarisiert wurde und trotzdem noch existiert und wächst. Eigentlich kenne ich nur fefe noch. Aber sicher gibt’s da noch andere.

Ich recherchiere. Und ich berichte über diese Rechercheergebnisse. Mal sind sie erfreulich, mal sind sie das nicht. Ich muss das nicht tun. Ich kann die Infos auch für mich behalten. (Und das würde sicher vielen prima passen.) Aber ich bin Journalist, und deshalb ist es meine Aufgabe, zu berichten.

Ich weiß, dass das Konzept eines Journalisten, der recherchiert und dann berichtet, eine ganze Zeit etwas “out” war. Man hat nur Agenturmeldungen übernommen und dann nen Meinungsartikel dazu geschrieben. Aber nachdem viele Medien festgestellt haben, dass man nur mit guten Exklusivinfos Leser gewinnt, haben sie mittlerweile auch wieder auf Recherche umgeschwenkt.

Also für alle zum Mitschreiben: Ich berichte über Dinge. Manche Dinge finde ich gut, andere nicht. Ich berichte über beide. Weil es das braucht. Reine Jubelperser und Miesmacher gibt’s genug. Nur dann, wenn wir beide Seiten kennen, können wir die schlechten Dinge besser machen. Und uns an den guten Dingen freuen.

Es wird Frühling.

8 Replies to “Journalismus”

  1. Ich schließe mich den Worten von Lutz an.
    Auch deshalb ist “Pen-and-Tell” meine fast tägliche Lektüre.
    Gruß Hans-Michael

  2. Bitte weiter Deinen Journalismus fortsetzen! Ich bin überzeugt dass eine deutliche Mehrheit aller die hier mitlesen und sich hier informieren, hinter Dir stehen! Ohne Dich wäre ein ganzer “Haufen” nicht mit Olympus unterwegs, mich eingeschlossen. Und ich habe gerade eine erschütternde Erfahrung mit Portugal hinter mir….dazu später…. einen schönen Sonntag nach Rocksdorf!
    Jan

  3. Purer handgemachter Journalismus ist Goldstaub. Sag ich als Journalist und Olympus-Fotograf. Was hat mir dieser Blog nicht schon geholfen, Dinge klarer zu sehen, mich über Marketing-Peinlichkeiten zu ärgern, aber immer auch Spaß mit den Oly-Cams und auch Panaleica-Objektiven zu haben. Dass Fotos mit Oly immer besser als gedacht geraten, ist Verdienst von Reinhard Wagner. Punkt. Journalismus-Goldstaub und Equipment-Juwelen. Nur Olympus weiß es nicht. Weiter so, ich freu mich auf den informierten Foto-Frühling

  4. Recht so Reinhard … ! … Auch wenn ich nicht dein Journalismus-KnowHow habe musste ich mir in meiner Testerlaufbahn (alles rund um den E-Modellflug) ‘zig mal anhören, “wer mich bezahlt” für “derartige Testaussagen. So watt … ich habe mich NIE beugen lassen und werde es auch in Zukunft nicht tun! Das schätzten nun viele und sagen; auf dein Urteil ist wenigstens verlass … gerade deshalb, schätze ich deine offene und unverblümte Art um so mehr!

  5. Ja Reinhard, knackiger und ehrlicher Journalismus…. das ist es, was Du uns lieferst – und dazu gratis! Ich glaube, ein “weiter so” von uns bräuchte es dafür aber gar nicht. Ich vermute eher, dass man das macht, weil man es irgendwie machen muß – auch Du. Ich habe als Schüler in der Schülerzeitung DIE SPINNE als Redakteur und Fotoredakteur mitgearbeitet, habe einen Lehrer aus der Nachbarschule in eine entfernte Kreisstadt verfolgt, weil es sich dort wegen tätlichen Übergriffen auf Schüler vor dem Landgericht verantworten mußte – er wurde verurteilt. Alles sollte irgendwie nicht so ausgebreitet, eher unter der Decke gehalten werden. Ich habe ihn vor dem Landgericht geknippst. Ich habe geschrieben. Wir haben gedruckt. Der verantwortlich Lehrer hat das gedeckt (“Person der Zeitgeschichte” ???). Ich konnte damals gar nicht anders, mußte das einfach an die “Oberfläche” bringen. Heute bin ich kein Journalist geworden, aber immer noch dafür bekannt, dass ich oft den Finger in die Wunde lege – nicht immer zur Freude aller Beteiligten (und leider auch nicht immer so wirksam, wie erhofft). Ich denke, das steckt entweder in einem – oder eben auch nicht. Ist ja auch nicht immer nur bequem….
    Ich habe nicht nur viel aus Deinen Beiträgen und Büchern gelernt, sondern immer mit großer Anteilnahme Deine Meinungen, Standpunkte und Kontroversen verfolgt. War nicht immer Deiner Meinung, aber immer voll Respekt für Deine Aufrichtigung und Dein Rückrat…. Deshalb: Bitte mach weiter so…. (auch wenn Du meinen Wunsch dafür wahrscheinlich gar nicht bräuchtest ;-)…
    Lg, Saint-Ex
    – der sich trotz aller Hiobsbotschaften zu OMDS darauf freut, nächste Woche noch eine neue E-M1 II samt 12-100er in Besitz nehmen zu können 😉

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