
Sorry, wenn ich schon wieder damit anfange. Aber die ganze „reverse Engineering“ -Geschichte hat eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Selbst Michael Guthmann, seinerzeit Produktmanager bei Olympus Europa und dann bei OMDS (siehe „Olympus Link“) warnt auf seinem Blog davor, solche Hacks zu nutzen, zu installieren, whatsever.
Ich habe ja gesagt, dass ich in diese Hackerszene ein bisschen Einblick habe. Ich kriege da hin und wieder Outputs, was da so eine KI ausspuckt und wer weiß, wo er kucken muss, findet das ja auch bei Github.
Bevor die KI die Firmware verändert, laufen da Dutzende von Checks, ob da irgendwelche Sprungadressen verändert werden, die eine eventuelle Nachinstallation von Vorgängerversionen verhindern könnten. Dass die gehackte Firmware die Kamera „brickt“ ist also nicht wahrscheinlicher, als dass eine offizielle Firmware die Kamera brickt – was ja auch vorkommt. Und da ja wirklich bisher nur vorhandene Funktionen freigeschaltet werden, ist auch nicht wahrscheinlich, dass zur Laufzeit da was auftaucht – denn natürlich sind diese Funktionen alle beim Programmieren beim Hersteller schon getestet worden. Sie durften nur aus Marketinggründen nicht freigeschaltet werden.
Wenn man also nicht auf irgendeinen bösartigen Hacker reinfällt, ist die veränderte Firmware wahrscheinlich kein Problem.
Also jeden Hack draufspielen?
Nein.
Warum nicht?
Es kann immer was schief gehen. Auch mit der SD-Karte zum flashen. Jede Firmwareänderung ist ein Risiko. Das Flashen per SD-Karte funktioniert mit guter Karte und sauberem Vorgehen zu 99% zuverlässig. Aber wenn man es halt hundertmal macht, dann ist die Wahrscheinlichkeit halt dann doch gegeben, dass man die Knipse killt. Das mit „Das ist kein autorisierter Updatepfad“ – ja, stecken lassen. Das ist eine Ausrede. Die meisten Knipsen, die derzeit geflasht werden, haben eh keine Garantie mehr, also so what? Jaaaa – aber wenn OMDS dann doch noch mal Updates bringt, dann geht das mit der veränderten Firmware nicht mehr! Mimimi. Die Wahrscheinlichkeit für Updates für ältere Kameras ist exakt Null. Zero. Jaa,,, früher mal, da konnte man damit gutgläubige Kunden schrecken. Heute glaubt niemand mehr an den Weihnachtsmann.
Vom Hersteller wird geltend gemacht, man könne die Funktionen nicht freischalten, weil das die Hardware beschädigen würde. Das ist ein Argument, das einerseits an Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist, weil ja andere Kameras die Funktionen bieten. Oder weil eine Hue-Veränderung im Color-Modus der PEN-F garantiert keine Hardware beschädigt. Aber andererseits kann das tatsächlich Probleme machen. Ein Beispiel ist die E-M1. Der Sensor der E-M1 konnte in 4K filmen. Es gab sogar eine Firmware, in der das freigeschalten war. Nur war das Problem, dass das schon ging, aber nur ein paar Minuten. Dann überhitzte der Sensor. Man kann also drauf warten, dass irgendwer in der E-M1 diese Routine findet und freischaltet. und irgendwer das dann ausprobiert und seinen Sensor brät. Knüller.
Bei der E-PL5 gab es in der ersten Version ein Problem mit Überhitzung – die Kamera schaltete nach einer halben Stunde ab. In der ersten Auslieferungsversion wurde das per Firmware abgestellt. Wenn jetzt jemand da drin rumfuhrwerkt und die vermeintliche „Bremse“ abschaltet – dann hat er eine etwas schnellere Kamera – aber dafür einen veritablen Handwärmer.
Hasselblad hat gerade einen Hacker eingebremst, der die X2DII hacken wollte. Video freischalten und so. Das Projekt „HRAP“. Hasselblad hat dem Hacker erst ein Anwaltschreiben geschickt und dann haben sie über eine „Mediation“ ein Gespräch geführt und daraufhin sind alle Sourcen aus dem Netz verschwunden und mittlerweile wurde sogar ein Post, der darüber berichtet hat, auf Reddit gelöscht. Warum sind die Schweden da so empfindlich? Die X2DII wird aktuell noch verkauft. Wenn da jemand mit filmt und dabei den Sensor grillt, dann können die sich ausmalen, dass sie da stapelweise Kameras zur Reparatur kriegen. Die Kamera ist nicht billig – und der Sensor auch nicht.
Und das ist das Problem. Es gibt Funktionen, die die Hardware nicht beschädigen. Und es gibt Funktionen, die das tun können. Die KI, die die Sourcen analysiert, weiß nichts vom Wärmemanagement der Kamera. Sie weiß nichts von Blendenmechaniken in den Objektiven. Sie weiß nichts von Linear-, Ultraschall- oder Schrittmotoren in den AF-Antrieben. Und ja, ich habe solche KI-Analysen gesehen. Die sind toll – aber manchmal eben so bescheuert, wie eben nur KI-Analysen sein können. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man einfach die KI anweist „schau mal, was Du aus der Kiste rausholen kannst“. Man muss bereits grob wissen, was in der Kamera vor sich geht, und was da drinstecken könnte, bevor die KI das finden kann. Blechdepp halt. Und nein, die KI hat keine Ahnung von Fotografie.
Was nu? Installieren oder bleiben lassen?
Ich habe bisher noch kein Feature gesehen, was mich dazu animiert hätte, das Risiko und auch nur den Aufwand des Firmwareupgrades einzugehen. Wenn ich für die OM-1 einen Zoomrahmen für FHD kriege, könnte ich schwach werden, aber alles, was ich ansonsten bisher gesehen habe, lohnt sich für mich nicht. Selbst wenn es erwartungsgemäß möglich wird, den LiveGND auf der OM-1 laufen zu lassen – es wäre eine Blamage für den Hersteller, aber ich brauch die Funktion schlicht nicht.
Ein Beispiel für eine Funktion, die ich sehr gerne hätte, die aber in den KI-Hacks nicht drin ist, ist das Defishen des FT-Fisheyes. Workspace kann das, die Kamera nicht. Warum? Liest die Kamera die Objektivparameter aus dem mFT-Fisheye und das FT-Fisheye liefert diese Parameter eben noch nicht? Wahrscheinlich kann die KI zwar die Antwort geben – aber nichts dagegen tun.
Diese „Nichts-ist-unmöööööglich“-Nummer der KI-Hacks ist faszinierend, aber hat eben Grenzen. Wirklich spannend finde ich, ob in den Firmwareversionen eventuell tolle Funktionen drin sind, die noch niemand kennt. Aber genau hier wird es schwierig. Denn die KI kann feststellen – da gibt es eine Funktion, die noch nicht angesprungen wird. Diese Funktion macht irgendwas mit dem Bild. Nur – was sie macht, wie das aussieht, wo man das verwenden kann – das kann sie nicht feststellen. Was, wenn man eine Funktion findet, die ein unsichtbares digitales Wasserzeichen in alle Bilder reinpackt, das vom Hersteller über das Internet gefunden werden kann? Solche Funktionen gibt es, um in der Prototypenphase unsichere Kandidaten ausfindig zu machen, die Bilder von Vorserienexemplaren posten. Wenn die Funktion im Quellcode mit „Secure“ gekennzeichnet wird, vielleicht kommt jemand auf die Idee, die zu aktivieren.
Also: Ankucken wer hackt, anschauen, ob das, was da rauskommt für die persönliche Fotografie einen Mehrwert bietet, und dann auch nicht die erste Alpha installieren.
Firmwarehacks sind kein Spielzeug und sie taugen nicht dafür, damit anzugeben. „Ich hab die Alpha3, Alter! Voll cool ey!“
Fotos machen. Das ist der Punkt.
Titelbild: Ein alter StarTrek-Flipper von 1979. Die Dinger werden mittlerweile für knapp 5000 Euro gehandelt. Warum ein Flipper als Titelbild? Ich denke, das erklärt sich selbst.

Danke für den interessanten Artikel.
Dass man mit einem FW-Hack auch Schäden an einem Objektiv provozieren könnte, haben wohl die wenigsten auf dem Radar. Ich stelle mir aber die Frage: Könnte das sogar mit einer hausgemachten FW passieren? Im konkreten Fall: Besteht ein erhöhtes Risiko, dass native Zuiko FT-Optiken mit Schrittmotoren durch die „schnelleren“ AF-Algorithmen in den aktuellen Top-FT-Bodies (OM-1, OM-3) Schaden nehmen können? Garde wenn der AF-Motor in extrem kurzen Zeitintervallen wesentlich mehr (kleine) Schrittbewegung in beide Richtungen durchführen soll, als dies bei deren Konstruktion vorgesehen war? Oder gibt es in den Optiken einen Prozessor, der bereits mit den FT-Boliden (E-3, E-5) am Anschlag war und deren Langsamkeit dafür sorgen, dass ein Teil der Befehle erst gar nicht ausgeführt werden?
Nein. Gerade die aktuellen Bodys behandeln die FTs schonender. Warum? Die alten Kontast-AF.-Bodys (PEN und OM-D 5 und OM-D10) stressen die alten FTs durch die vielen Mikroschritte. Ab OM-1 sprechen die Kameras mit den FTs wieder „phasisch“. Das bedeutet, sie geben einen ziemlich genauen Befehl „Fahre auf 17,30 Meter“ und justieren nur ab da nach, falls notwendig. Das schont die Motoren. Die E-M1II/III/X hatten noch keinen Phasen-AF- drin, der so exakt war, dass das Objektiv mit einem Befehl ziemlich genau ans Ziel kam. (Deshalb werden schnellere Prozessoren und Sensoren – und Firmwarehacks – die FTs nicht mehr wesentlich beschleunigen. Die arbeiten bereits an der Grenze, was die Motoren hergeben.)