
Was habe ich an Mails und Kommentaren bekommen und was haben mich Leute auf der Imaging World angesprochen. „Umzug nach Köln? Was isn das für Mist? Geilste Messe ever und jetzt fährt sie an die Wand?“ Die Fragezeichen sind wichtig, denn alle waren und sind eher skeptisch. Niemand war bereit Vorschusslorbeeren zu verteilen.
Heute Mittag dann Pressekonferenz in Nürnberg von Ringfoto und Photokina. Wie das halt so bei solchen Terminen ist, erklären einem die Verantwortlichen, dass alles superprima ist, alle hochmotiviert und man bisher nur tolles Feedback bekommen habe.
Dann kamen die Fragen der Journalisten. Und ich muss allen anwesenden Journalisten hoch anrechnen, dass kritische und konstruktive Fragen gestellt wurden. Ich fasse die Ergebnisse der Fragerunde zusammen, wie ich sie verstanden habe und auch nach dem, was ich dann hinterher noch gefragt habe und in Erfahrung bringen konnte.
Die Imaging World ist von Ringfoto organisiert worden. Sie haben die Frankenhalle gemietet. Und sich buchstäblich um alles selber kümmern müssen. Das geht vom Catering für die Aussteller über jeden einzelnen Stuhl, der gemietet werden muss bis hin zu Pressemitteilungen und zum Beispiel auch, dass der Hallenplan und die Ausstellerliste parat stehen. Buchstäblich jeder Furz muss von Ringfoto organisiert werden. Das haben drei Leute gestemmt. Und einer von den Dreien war der Cheffe, Herr Röhrig, der auch noch was anderes zu tun hat. Die beiden Damen, die die Hauptarbeit gemacht haben, haben jeden Respekt verdient, den irgendwer irgendwo noch aufbringen kann.

Vor zwei Monaten ist die Kölnmesse – also die Firma, die das Messegelände in Köln betreibt – auf die Imaging World aufmerksam geworden und hat gesagt „Geile Nummer.“ Und sie haben Kontakt aufgenommen.
Was kann nun die Kölnmesse Ringfoto anbieten? Ein Messezentrum. Ein Team, das so ne Messe problemlos stemmt. Weltweite Kontakte noch aus Photokinazeiten. Skalierbarkeit. (Heute Nachmittag war die Messe brechend voll.)
Für Ringfoto muss das wie der weiße Ritter erschienen sein. Denn die Geister die sie riefen …
Was soll sich nun in Köln ändern?
- Die nächste Messe soll größer werden. 15.000 qm. Das ist etwas größer. Nicht viel.
- Das Konzept soll gleich bleiben. Relativ kleine Stände, keine Endkundenhändler wie bei der Photopia, sondern Hersteller und Distributoren wie Brenner.
- Fotowalks in Köln, da wurden bereits Kontakte mit der Stadt aufgebaut, man will die Walks auch in Locations durchführen, die normalerweise nicht zugänglich sind.
- Man will die Standgebühren gerade für kleine Firmen erschwinglich halten. (Wer am Sonntag Zeit hat, eventuell mal hingehen und gerade die kleinen Stände ankucken. Da sind ein paar höchst spannende Leute dabei. Ich hatte mir heute vorgenommen, gerade die Stände anzusteuern, an denen kein Gedränge war – tolle Kontakte und Produkte.)
- Der Community-Gedanke soll weiterhin für die Messe wichtig bleiben. Dieses „hemdsärmelige“ der Imaging World. Dass man da auf einmal dem Cheffe der Firma gegenübersteht und nicht einem Promotor, der bei jeder blöden Frage erst mal den Techniker rufen muss, der auch keine Ahnung hat.
- Der „Branchentreff“, der den Charme der Imaging World ausmacht, soll erhalten bleiben. Besser langsam wachsen als eine Photokina 2.0. Der zuständige Bereichsleiter der Kölnmesse hat klar gesagt, das Konzept der Photokina stammte aus den 50ern und hatte sich überlebt. Der Versuch, die Messe im Frühjahr jährlich zu etablieren musste genauso scheitern wie das Beibehalten des zweijährigen Turnus angesichts der Änderung der Rahmenbedingungen. Der Community-Ansatz, den Ringfoto gewählt hat, scheint hier das weit modernere Konzept zu sein.
- Playgrounds
Die Messe soll in der Struktur professioneller werden. Durch das größere Team und die geringeren Reibungsverluste funktionieren dann Dinge nahezu automatisch, die derzeit mit viel Mühe und Herzblut von Hand angekurbelt werden müssen.
Wir haben als Journalisten das familiäre angemahnt. Eben diese Stimmung, dass man mit allen und jedem sprechen kann. Und was Journalisten begeistert, ist natürlich auch für den interessierten Kunden spannend.
Ja, natürlich, die Imaging World ist natürlich sofort von „Content Creatoren“ und „Influencern“ entdeckt worden. Am Samstag war Wiesner da, am Sonntag ist mir „Amazing Nature“ über den Weg gelaufen. Beide kennen mich natürlich nicht und da sie ja bezahlte Influencer sind, ist das auch nicht so spannend für mich, sie auszuquetschen. Da rede ich lieber mit dem, der sie bezahlt. (Auf der Pressekonferenz war übrigens keiner der „Influencer“. Da waren die „Profis“ unter sich.)
Ich werde in den nächsten Tagen sehr viele Artikel zu Gesprächen schreiben, die ich auf der Messe geführt habe. Aber der Umzug nach Köln ist wohl DAS Thema.
Meine Meinung: Eine Vergrößerung der Messe in Nürnberg ist in meinen Augen nicht leistbar. Ringfoto ist eine Einkaufsgemeinschaft der Fotohändler und ihr Job ist, sich um ihre Mitglieder – eben ihre Händler zu kümmern. Sie machen für ihre Händler unter dem Jahr die „Roadshow“, eine Mini-Händlermesse. Das ist schon ein ziemlicher Aufwand. Eine zwangsläufig internationaler aufgestellte „Imaging World“ zu stemmen – fast nicht zu machen.

Dass die Kölnmesse nun mitgackern will – sorgt für Stirnrunzeln, aber eben nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen. Es ist aber, wenn man den fränkischen Lokalpatriotismus mal weglässt, absolut sinnvoll. Solange sie das Konzept der Messe halten. Sie haben sich die Photokina angesehen, sie haben sich die Photopia angesehen und die Photo+Adventure und sehr genau analysiert, warum diese gescheitert sind. Und sie wollen diese Fehler nicht noch mal machen.
Und solange es Journalisten gibt, die ihnen rechtzeitig erklären, wo sie falschliegen könnten und solange sie mit diesen Journalisten auch reden, bin ich geneigt, der Imaging World eine Zukunft zu geben.
Wegen des „Inspired by“. Das Ding wird weiter „Imaging World“ heißen. Das „Inspired by“ steht klein drunter und der Grund dafür, dass der Name auftaucht, hat mit dem Ausland zu tun. Die Kölnmesse ist weltweit mit Büros vertreten und „Photokina“ ist dort eine bekannte Marke, die hinter die Imaging World „Druck“ packen kann. Die Messe hat auf einmal einen stärkeren Motor und Vierradantrieb eingebaut. Ich habe ja nach der Roadshow im Frühjahr berichtet, dass die japanischen Hersteller zugesagt hatten, ihre neuen Produkte zur Imaging World rauszubringen. Nur – es gab von den ganzen Japanern nicht eine Innovation auf den Ständen. Die PEN wurde schon vor Wochen vorgestellt und sie ist alles, nur keine Innovation.
Wenn da auf einmal das Etikett „Photokina“ mit draufpappt, dann sieht das anders aus.
Ich bin jetzt mal optimistisch. Weil sich da ein paar Leute ernsthaft Gedanken gemacht haben – und bereit sind, mit kritischen Geistern zu reden. Wenn ich eines nicht gesehen habe, dann war das Arroganz. Und das ist schon mal ein wirklich gutes Zeichen.
Warum ist das Titelbild so bunt? Der Beamer und der elektronische Verschluss machen bunt. Hätte ich auch umstellen können. Wollte ich aber bunt.

In Lünen gibt es noch eine kleine Messe im Rahmen des Jahrestreffens der GDT. Calumet und AC Foto als Händler, einige Fotoreisenanbieter, einiges an Zubehör und die großen Kamerahersteller außer Panasonic. Canon wird durch AC Foto vertreten.
https://www.gdtfoto.de/seiten/gdt-internationales-naturfotofestival-luenen.html
Die Photo Adventure soll wegen der Standpreise beendet worden sein. Die Workshops liefen recht gut. Aber schließlich konnte sich das Team mit dem Landschaftspark Duisburg nicht mehr einigen.