
Ich habe ja hier schon mal drüber geschrieben. Aber nachdem mein Lieblingsinfluencer „Erstaunliche Natur Alpha“ ein Video dazu gemacht hat, bei dem er behauptet hat, dass die Sonne beim Sonnenuntergang viel weiter weg ist und deshalb schwächer ist und man deshalb beim Sonnenuntergang keine Probleme mit dem Knipsen hat, habe ich mir gedacht, ich muss dann doch noch mal was dazu schreiben.
Nein, die Sonne ist beim Sonnenuntergang nicht weiter weg.
Nein, es ist dem Sensor egal, was für eine Brennweite da vorne dran ist. Wenn ich eine lange Brennweite habe, habe ich eine größere Fläche beleuchtet, als bei einer kurzen Brennweite. Der Schaden tritt nicht dadurch auf, dass der Sensor insgesamt überhitzt – da schaltet er nämlich simpel ab – sondern dass er punktuell überhitzt. Mit einem vergleichsweise schwachen Laser kann ich den Sensor sehr schnell grillen – mit der Sonne ist das fast unmöglich. Der letzte Schaden durch Sonne, von dem ich gehört habe, ist ein Vierteljahrhundert her und trat bei einer Kompakten auf.
Unterschied DSLR und Systemkamera:
Die DSLR hat einen optischen Sucher. Durch den durchzukucken kann schon bei simplem Sonnenuntergang für bunte Kreise vor den Augen sorgen .Allerdings sind die Sensoren der DSLRs durch den Spiegel gut gegen Sonnenlicht geschützt, da passiert nur was in der kurzen Zeit, in der der Sensor belichtet wird. Da das meistens bei solchen Gegenlichtaufnahmen die kürzeste mögliche Verschlusszeit ist, kann da nichts kaputt gehen.

Bei den Systermkameras hat man keinen optischen Sucher und dem elektronischen Sucher oder Display ist das egal. Man kann also gemütlich in die Sonne knipsen. Mit langer Brennweite frei Hand wackelt man so heftig, dass da auch nichts passiert und wenn man vom Stativ fotografiert, ist die Sonne so schnell, dass der Sensor auch kaum Zeit hat, durch die Sonne aufzuheizen.
Abgesehen davon, stellt man relativ schnell fest, dass schneeweiße Bilder unbefriedigend sind.
Also besorgt man sich einen Graufilter.
Bei Spiegelreflexkameras braucht man einen speziellen Sonnenfilter, der auch den UV-Bereich blockt, was viele normale ND-Filter nicht tun. Sonst verblitzt man sich die Augen mit UV. Was blöd ist.
Bei Systemkameras tut es ein beliebiger ND3,0-Filter. Das bisschen UV, was durch das Objektiv durchkommt, wird vom UV-Filter vor dem Sensor ausgefiltert.
That’s it. Den Fokus stellt man sinnvollerweise auf einen Sonnenflecken ein oder die Mondkante bei der Sonnenfinsternis. Und dann einfach je nach Geschmack belichten.
Die ND3,0-Filter haben entweder einen Braunstich oder einen Blaustich, also dem Weißabgleich etwas Aufmerksamkeit schenken.

In die Sonne kucken
Dafür gibt es Sonnenfinsternisbrillen. Warum das mit dem „nicht in die Sonne kucken“ vor allem bei Sonnenfinsternissen immer wieder aufkommt, liegt daran, dass man bei einer totalen Sonnenfinsternis tatsächlich hinschauenn kann. Normalerweise kuckt kein Mensch länger in die Sonne. Da gibt’s nichts zu sehen und es ist hell. Bei einer Sonnenfinsternis ist es dagegen dunkel und man kann da Corona sehen und so. Also schaut man länger hin. Und das kann böse ausgehen. Also Sonnenfinsternisbrillen. Für unsere Systemkameras spielt das aber alles keine Rolle.
Tatsächlich ist es so, dass es sogar deutlich besser ist, eine lange Brennweite mit ND3,0-Filter auf dem Stativ zu nehmen und dann mit Sucherlupe die Details zu bewundern, als tatsächlich mit einem Fernglas mit Sonnenfolie zu kucken.
Ach ja: es ist klar: man blendet auf 11 oder 16 ab. Und den elektronischen Verschluss. Wenn man mit 2-fach-Telekonverter arbeitet, darf es auch Blende 22 sein. Der elektronische Verschluss verhindert Unschärfen durch Beugung an der Verschlusskante.
Nochmal: Wenn man nicht mit einem lichtstarken Objektv (egal welche Brennweite!) längere Zeit auf die Sonne hält, weil man eine Nachführung verwendet, kann dem Sensor nichts passieren. Und sobald man tatsächlich die Sonne knipst und nicht eine Landschaft im Gegenlicht, wird man sowieso ein ND3,0-Filter verwenden, weil man sonst schlicht überbelichtete Bilder erhält.
Ach ja: die Antiflimmer-Funktion der Kameras nicht auf 50Hz oder 60Hz oder Auto stellen, sondern auf „Aus“. Aber da sollte die Funktion sowieso immer stehen.
Danke für die Infos! Den Hinweis auf den elektronischen Verschluss habe ich bei anderen Ratgebern noch nicht gelesen. Zusätzlicher wertvoller Tipp.
Mit einer Sonnenschutzfolie z.B. von Baader habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht. Die gibts lose als Meterware und auch fertig in kreisförmigen Fassungen zur Montage an der Streulichtblende des Teleobjektivs. Auch am Spektiv funktioniert die Folie in der Fassung prima. Die SoFi-Brillen haben oft auch so eine Folie drin. Bitte die Sonnenschutzfolie nicht mit dem Material für die dünnen Rettungsdecken verwechseln!