Monochrome-Kamera

Vor ein paar Wochen hatten wir das Thema in PATLive. Monochrome. Und Zack, schlägt da ein Gerücht über eine neue Mono-Kamera auf. Ich habe aus meinen Quellen nichts davon gehört und ich bin der Meinung, dass da entweder der Wunsch der Vater des Gedankens war, oder das Gerücht gestreut wurde, um die Reaktion des Marktes zu testen.

Eine Astro-Kamera oder IR-Kamera ist ziemlich billig herzustellen. Man ersetze den Bandpass vor dem Sensor und baue ein paar digitale Filter ein und fertig ist die Laube. Bis auf die Verankerung der Filter in der Firmware kann man das in Heimarbeit auch selber machen.

Eine Mono-Kamera ist eine andere Nummer. Man braucht einen Mono-Sensor. Und nein, man kann nicht einfach die Farbfilter runterschmirgeln. Das Ding muss so gefertigt sein. Und man braucht einen anderen Bildprozessor. Klar, kann man alles machen, wenn man entweder a) Unmassen Kunden hat, die so ein Teil kaufen wollen oder b) zuviel Geld hat, das man zum Fenster rauswerfen will.

Jo, Ricoh hat da so ein Teil rausgebraucht. Eine Kompakte für 1,8 k Euro. Muss man verkaufen wollen. Aber Ricoh konnte sich da bei Pentax bedienen. Einfach die K-3 III Mono (2,6k Euro) nehmen, Sensor und Proz raus, in eine Kompakte stecken, fertig. Derzeit ist die K3-III M bei Pentax nicht auf Lager. Scheint also der Hammer-Erfolg zu sein.

Es ist ein Ding, so ein Trumm geil zu finden, aber es ist ein anderes Ding, dafür fünf oder sechs große Scheine auf den Tisch zu legen.

Denn die Vorteile einer reinen Mono-Kamera sind begrenzt:

Grob 1,5 EV mehr Lichtempfindlichkeit, weil jedes einzelne Pixel eben grob dreimal mehr Licht kriegt. Das ist viel – nur steigt die Dynamik nicht an, weil die Fotodioden nicht größer sind. Im Normalbetrieb werden die Belichtungszeiten kürzer und es kann sein, dass die 1/32000 s nicht mehr reichen und man abblenden muss. Mit mechanischem Verschluss ist viel früher Feierabend. Aber man kann halt im Dunkeln länger fotografieren und hat weniger Rauschen – was wie üblich das Problem aufwirft, was bitte in einem stockfinsteren Keller so spannend ist, dass man es knipsen muss. (Und die Nische von Outdoorfotografen, die mit einer mFT-Mono-Kamera in der Dämmerung fliegende Vögel fotografieren halte ich persönlich für ziiiiiemlich klein.)

Bessere Pixelschärfe, weil die Demosaicing-Verluste wegfallen. Das ist ein Supervorteil, bis zu dem Augenblick, in dem Moirée zuschlägt.

Die Nachteile sind: Wenn ich tatsächlich anspruchsvoll fotografieren will, habe ich auf einmal wieder eine Tasche voller Farbfilter dabei. Im Nachhinein über digitale Farbfilter an den Kontrasten drehen? Leider verloren. Manipulationen, die mit einem farbigen RAW problemlos möglich sind, funktionieren dann nicht mehr.

In meinen Augen ist das größte Problem: die höhere Lichtempfindlichkeit und die höhere Auflösung bekommt man auch simpel dadurch, dass man eine Kleinbildknipse kauft. Und die gibt’s für weniger als die Hälfte – mit mehr Dynamik. Und man kann sich immer entscheiden, ob Mono oder Farbe.

Das Titelbild ist aus diesem Bild mit dem Farbmixer gebaut:

Aus der Monokamera käme so ein Foto:

Um nun mit den Farben rumzuspielen, bräuchte man Vorsatzfilter. Und damit ist der ganze Empfindlichkeitsvorteil wieder beim Teufel, weil diese Vorsatzfilter Licht schlucken. Und wenn man mehr als eine Farbe beeinflussen will, wird das Ganze zur Materialschlacht.

2 Replies to “Monochrome-Kamera”

  1. Moin,

    die Wege von Ricoh/Pentax sind unergründlich. Die K3III mono gibt es beim nach eigener Aussage grössten dt. Pentaxdealer für 2.4 K€, vorrätig. Die nicht farbenblinde Variante scheint out of production zu sein. Es gibt eine uralte K1 II (KB) für etwas weniger Geld als die Aps-c Reste und den x. Aufguss der Einsteigerlinie unter dem Namen KF. Wahrscheinlich arbeitet man in Japan unter Hochdruck an der Entwicklung eines neuen Kameragurtes. Geld greift Ricoh wohl noch ganz ordentlich mit den GR Modellen, die es gefühlt in 42 sich minimal voneinander unterscheidenden Varianten gibt bei der Klientel ab. Die Wechselobjektivsparte würde ich als ziemlich streng nach Verwesung riechend bezeichnen. Monochrome Kamerasensoren scheinen das Markenleben nicht sonderlich zu verlängern.

    1. Der Laden ist wirklich, wirklich schwierig zu verstehen. Ich vermute (!) dass die Mono vor allem deshalb noch bei vielen Händlern lieferbar ist, weil sie halt noch niemand gekauft hat. Mir hat ein Pentax-Mann mal gesagt, was sie an Spiegelreflexen verkaufen. Die Stückzahlen sind mehr so im homöopathischen Bereich. Aber seit sie ihr komplettes Marketing gefeuert hätten, würden sie Gewinn machen. Pentax liefert an Fotohändler ohne irgendwie rumzuzicken und kümmert sich persönlich um den B2B-Bereich. Das scheint zu funktionieren.

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