Noch mehr Lila – und der Wert der Information

Ich habe mal kurz noch ein paar Hornveilchen geknipst – Lila. Und die kommen mit der OM-5II einwandfrei. So gut wie keine UV-Anteile.

Die Story mit der Lila Kuh – die hat natürlich mit UV nichts zu tun. Die erste echte Kuh, die mit Schablonen lila angemalt wurde, war 1972. Das hatte die NewYorker Agentur Young&Rubicon entwickelt. Falls die Fotos tatsächlich im Studio auf einem weißen Untergrund gemacht wurden, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie dafür extra eine teure UV-aktive Farbe gekauft haben, exakt Null. Blitzanlagen senden nämlich im Normalfall kein UV aus, die UV-Farbe würde also im Studio gar nicht sichtbar. (Es wird sogar ziemlicher Aufwand betrieben, um die UV-Strahlung von Studiolampen zu begrenzen. Safety First.) Zudem ist das Milka-Lila kein dunkles Lila, sondern ein helles Lila – mehr so im Bereich der oben abgebildeten Hornveilchen – also kein Problem.

Die Story von Nils mit der unfotografierbaren lila Kuh ist also ein Joke.

Nu wird’s aber spannend, auch weil ja Ruedi mit der Kamera losgezogen ist und festgestellt hat, mit der Hassi kommen Farben, die die Oly gar nicht kennt. Wie kommt das?

Da habe ich von einem Freund ein Paper bekommen. Da hat ein Schminkprofi mal Spektren untersucht, die eine Kamera (hier eine Canon) aufnimmt, die a) einen normalen Filterpack vor dem Sensor hat oder b) auf Multispektrum umgebaut ist. Und siehe da, was ich auch nicht wusste: lässt man UV auf den Sensor, dann sind die Rotfilter auf den Pixeln auf einmal für UV durchlässig. Ist zwar nicht viel, aber es reicht, dass eben genau solche UV-Farben korrekt abgebildet werden können. Und siehe da – man sieht auf einmal wenn jemand UV-Sunblocker aufgetragen hat.

Damit ist erklärt, warum manche Kameras eben solche Farben „können“ und andere nicht. Die haben einfach einen richtig justierten Filterpack vor den Sensoren und dazu gehörigen Hirnschmalz reingesteckt um aus den resultierenden Helligkeitswerten der Einzelpixel die korrekten Farben zu errechnen. Wenn man sich’s einfach macht – was fast alle Hersteller tun – und den Filterpack bei 400nm abregelt, dann kommt im roten Pixel unterhalb von 450 nm fast nichts mehr an. Die Multispektrum-Kamera liefert zwischen 320 nm und 420 nm nochmal einen ganzen Schwung Rot. Und damit kann man dann natürlich rechnerisch was anfangen. Violett eben.

Und nein, ich poste hier keine Screenshots aus dem Paper. Wer sich dafür interessiert, darf sich das Paper gerne kaufen. Kostet 56 Euro. Hat zehn Seiten.

Und jetzt zum zweiten Punkt des Titels. Ich habe ebenfalls 2019 ein oly-e-paper zu den „lichtstarken Objektiven“ rausgebracht. 15 Seiten, drei Monate Arbeit. Gratis zum runterladen. Nach dem Wert der Information, wären wir da etwa bei 69 Euro. Hätte das irgendwer gezahlt? Nein. Ein Schulungsvideo von einer Stunde wird mit 5 Euro bewertet. Aufwand etwa eine Woche. (Was übrigens auch YouTuber mit hochwertigem Content bestätigen.) 40 Stunden, eher 60. Nehmen wir einen Hilfsarbeiterstundenlohn von 40 Euro. (Weil ich ja die ganzen Kosten eines Selbständigen oben drauf habe), muss ich also 2400 Euro einnehmen – nur um die Kosten zu decken. Wären also grob 500 Abnehmer. Durchschnittlich für jedes Video. Ist das realistisch? Nein. Hundert wäre schon toll. (Ich sehe es ja an den Zugriffen bei YouTube.) Die Argumentation: ja, aber das ist doch langfristig. In 15 Jahren kucken da noch Leute. Nein. Tun sie nicht. Videos, die älter als ein halbes Jahr sind, sind tot wie Gustav Adolf. Das ist meine Erfahrung und die Erfahrung aller YouTuber. Und die 3,90 Mindestumsatz bedeuten nicht, dass ich da einen Cent verdienen würde. Das sind die Kosten der Abwicklung dieses Vorganges. Da ist der verkaufte Artikel noch gar nicht damit bezahlt.

Was verlangen andere? FotoTV. 19,95 pro Monat bei Quartalszahlung. Das ist die Flatrate, ein Bla-Kurs mit zweieinhalb Stunden „das ist ein Blitzkopf“ kostet 29,90. Man kann ja mal kucken, ob da was Vergleichbares dabei ist.

Wenn die Auflagen sinken, was sie im Bereich mFT definitiv tun, gibt es nur die Möglichkeit, die Preise anzuheben oder über Werbung eine Querfinanzierung zu machen. Die Idee, zusätzlichen Content zu produzieren und diesen weit unter Wert zu verkaufen – in der Hoffnung, dass in zehn Jahren die Leserzahlen wieder hoch gehen – ist interessant. Noch interessanter ist dann natürlich, wenn ich die Autoren solcher Ideen in meiner Kundendatenbank nicht finde.

Also wieder die Frage, Brötchen verkaufen oder weiterschreiben? Langsam wird die Diskussion ermüdend. Wir werden das intern im Team diskutieren und dann die Methode „friss oder lass es bleiben“ wählen. Sprich: wir werden unseren Beschluss durchziehen. Wenn der Content ausreichend Leuten ausreichend Geld wert ist, machen wir weiter, wenn nicht, dann nicht.

Und jetzt geht nach draußen. Frisches Grün. Blüten. Frühling.

One Reply to “Noch mehr Lila – und der Wert der Information”

  1. Das ist die Krux: die Mainstream Youtuber machen Mainstream Conten, das pusht die Nutzerzahlen und dadurch gibts höhere Werbeeinnahmen und mehr Ertrag aus dem Streaming.
    Nur: dann muss man halt auch Marktschreier und Dauerplauderer werden und Mainstream Content produzieren.

    Will man das?
    („Ich“ möchte es nicht, deshalb habe ich mich auch vor langer Zeit entschieden, hinter den Kulissen zu arbeiten.)

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