
Ab und zu ist der Eskapismus notwendig. Dinge tun, die mit der durchgeknallten Welt so überhaupt nichts zu tun haben. Kopf frei machen und nicht dauernd an den kommenden Untergang denken. Das dauernde Leben am Rand des Abgrunds macht auf Dauer keinen Spaß und schadet der Gesundheit.
In den letzten Wochen habe ich deshalb Farmer gelesen. Flußweltzyklus. Eskapismus pur – tausende Seiten voller Dummfug, der mit jeder Seite schlimmer wird. Beim dritten Band habe ich jetzt aufgegeben. Das Zeug ist nicht mal als Klolektüre zu gebrauchen. Will jemand einen ganzen Stapel Farmer haben? Ansonsten wandert der in die Telefonzelle.
Nun habe ich mal wieder Hauke gelesen. Zwei Minuten Lesezeit. Gefühlt in fünf Wörtern sieben Adjektive. Im Normalfall für mich ein rotes Tuch. Aber die zwei Minuten haben mich „abgeholt“. Von meinem hochtourigen Trip, wieder runterkommen. Basics zu schätzen lernen. Ein bisschen Zeit nehmen und beim Rausgehen nicht jammern „Scheißkälte“ sondern „Boah, welch klare Luft“. Haut spüren. Dann als Kontrast wieder den warmen Steinfußboden unter den nackten Sohlen.
Der Nebel steigt aus den flachen Tälern der Oberpfalz, strahlt im Gegenlicht. Einfach kucken. Goil. Schon oft geknipst, jetzt kann man es einfach mal genießen. Ganz ohne Hektik und fluchen, weil die Hügel zu wenig Kontrast geben. Schauen. Fühlen.
Wesentliche Dinge, die man vor lauter Arbeit und Termin und „ich-muss-das-buch-fertigkriegen“ oft genug verpasst. Oder nicht würdigt. Und dann ist es wieder vorbei und alles was man hat, ist die Erinnerung an einen auf dem Bürostuhl platt gesessenen Hintern. Achtlos eingeschütteten Tee, einfach für die Flüssigkeitszufuhr. No Life.
Heute gab es Osterbrot. Mit Rosinen.
Ich mag Rosinen. (Obelix in „Asterix und Kleopatra“)
FROHE OSTERN!
Heute ein Frühstücksei!
Ich mag keine Rosinen.
Weder einzeln, in Gebäck, Studentenfutter, Müsli, Kaiserschmarrn, auch nicht in Panettone. Werde ich einer ansichtig, wird sie ohne Umschweife und Gnade an meine Gartenamsel verfüttert. Diese ist verrückt danach, hat vermutlich oberpfälzische Gene.
Ich mag aber solche Texte. Absichts- und belehrungsfrei, unangestrengt, erdend und bald endend. Dazu ein Glas Amarone della Valpolicella.
Wird aus Rosinen gemacht.
Kleine Fluchten sind wichtig. Die kleinen Fluchten sind für mich z.B. das Fotografieren. Mal mehr, mal weniger.
Den Kopf ins Wasser tauchen, alles Abschalten, nur die eigene Atmung hören. Die Sonne macht Netzmuster auf dem Grund. Schweben, den Gedanken freien Lauf lassen, bis sie sich woanders vergnügen.
Nach einer Stunde Auszeit ist sogar die Schwerkraft wieder erträglich 😉
Auja!
Ist leider viel zu lange her!