Pro/Contra-Liste zur OM-3

Bei der E-M10III habe ich ja damals das erste mal eine Liste gemacht, was die Kamera alles nicht kann, was bei früheren Kameras mal ging. Da habe ich mir allerhand Sympathien in Hamburg verscherzt, aber mittlerweile hat diese Liste – leider – Tradition.

Die Liste entsteht relativ simpel: Ich nehme mir eines meiner Bücher vor, in dem beschrieben wird, was die Vorgängerkamera kann und prüfe jede einzelne Funktion an der neuen Kamera. Und natürlich alles, was die neue Kamera darüber hinaus kann – denn, das gehört zur Wahrheit – alle neuen Kameras von Olympus/OMSystem haben immer irgendein Goodie, was keine andere Kamera hat. Man muss dann einfach überlegen – ist es mir das wert.

Fangen wir mit den Dingen an, die mir aufgefallen sind, bei denen ich nicht weiß, ob ich sie jetzt positiv oder negativ bewerten soll:

Die AutoISO wird nun nach dem Kehrwert der tatsächlichen Brennweite und nicht nach dem Kehrwert der doppelten Brennweite berechnet. Das ist bei der OM-3 nicht ganz neu, aber einer Erwähnung wert. Wenn der Stabi eingeschaltet ist, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, wenn er ausgeschaltet ist, eher nicht so.

Die Motiverkennung ist radikal geändert worden. Ein Auto wird nicht mehr aufgrund von Merkmalen erkannt, die ein Auto hat: Räder, Scheiben, Dach, Motorhaube, sondern die Kamera erkennt Typen von Fahrzeugen. Austin FX4 (London Cab) wird erkannt, den Vorgänger FX3 mag die Kamera nicht. Citroen DS kennt die Kamera aus allen Winkeln, Citroen SM nicht. Alfa 164 kein Problem, Alfa Montreal von hinten nicht. Vorteil: False Positive wird reduziert. Nachteil: False Negative. (Bei Flugzeugen ist das übrigens ähnlich. Eine Stearman PT17 wird als Flugzeug erkannt, solange man den Propeller sieht, ist der Propeller verwischt, nicht. Eine F-22 wird von unten und am Boden als Flugzeug erkannt, im Flug von der Seite nicht. Eine F18 schon. ) Es ist also keine „Objektanalyse“ mehr am Start, sondern eine stumpfe Mustererkennung. Solange man Dinge aus Blickwinkeln fotografiert, die in der Datenbank sind, funktioniert das weit besser als die Objektanalyse. Wenn nicht, dann halt nicht.

Bei der OM-3 gibt es keine zwei unterschiedlichen Rauschunterdrückungsalgorithmen mehr. Wenn man im Normalmodus „Low“ einstellt gilt das auch für HighRes. Und umgekehrt. Praktische Sache, aber vielleicht ist das für manche, die das unterschiedlich einstellen wollen, etwas lästig.

Was ich an der Kamera gut finde:

Der Fokuspiep der OM-3 ist extrem dezent. Thumbs up.

Die Gradation ist jetzt wieder direkt über das SCP zugänglich.

Vivid ist wieder vivid.

Bei der Mehrfachbelichtung kann man jetzt Überlagern einschalten bevor die Mehrfachbelichtung eingeschaltet ist und die Kamera behält das zu überlagernde Bild im Hintergrund, auch wenn die Mehrfachbelichtung abgeschaltet wird.

Die Mehrfachbelichtung kann auf eine Taste gelegt werden.

Man kann einstellen, dass er bei Video einem Objekt folgt, obwohl der AF es nicht erkannt hat. (Auch wenn das mehr so semi funktioniert, aber man kann es einstellen.)

Man kann jetzt einstellen, dass Kamera und Video-Einstellungen (ISO,WB usw) gleich oder auch unabhängig voneinander sind. Ein Weißabgleich in der Kamera kann ins Video übernommen werden, oder eben auch unabhängig gemacht werden. Kann man jetzt endlich einstellen.

Am Mikroeingang kann man jetzt auch wieder einen Line-Pegel anhängen. Der verkraftet das.

Die Anzeigeleuchte zur Anzeige, ob gefilmt wird. Da leuchtet das AF-Hilfslicht dezent. Sehr fein. Kann man aber auch abstellen.

Die Zwangs-ISO-Auto beim Filmen mit A,S und P ist Geschichte.

Das „alte“ 100-400 wird mit dem Stabi einwandfrei unterstützt, man muss keine Sucherstabis abschalten.

Bei Spotmessung funktioniert jetzt auch die Gesichtserkennung samt AF.

Ja, Webcam.

Und jetzt kommen die Dinge, die mich persönlich nerven.

Man kann zwar die Anwendermodi benennen, hat dafür aber nur 12 Zeichen. „Grundeinstellung“ geht schon mal nicht. Platz wäre.

Wenn man „RAW“ eingestellt hat, geht der Digitale Telekonverter nicht. Es wird zwar im Display angezeigt, aber nicht abgespeichert. Lediglich eine Markierung. Früher hat die Kamera dann automatisch ein JPG erzeugt.

Kein Capture. OK, konnte die PEN-F auch nicht. Aber die OM-1 kann. Sie haben die Funktion also bewusst rausgenommen. Kein Capture.

Nur L80. Kein L64. Die OM-1 kann das, warum ist das bei der OM-3 rausgenommen?

Der Stabi ist richtig, richtig laut. Die OM-3 rauscht „wie Hölle“. Wenn ich die einfach nur einschalte und auf meine Schreibtischplatte lege, brummt die ganze Geschichte. Das war mal zu E-M5-Zeiten OK. Mittlerweile ist das ein NoGo.

Mit dem mechanischen Verschluss kann die OM-3 nur 6fps. Warum? Der Verschluss ist schnell genug.

Ganz früher waren Wiedergabe-Buttons grün markiert. Das hat man mit Hinweis auf Farbenblinde irgendwann auf Blau geändert. Und jetzt sind die Icons schwarz. Damit konnte man sich einen Druckvorgang sparen. Zum Erbarmen. Auch der früher in Rot gedruckte Mülleimer – ist jetzt weiß auf Schwarz.

Beim Vergrößerungsrahmen gab es mal die Funktion, dass man in der Vergrößerung an Blende und Belichtungszeit gekommen ist. Die ist weg.

Die OM-1 hat bei S-AF und extrem dunklen Motiven das LiveBild während des AF aufgehellt um einen AF zu ermöglichen. Das ist bei der OM-3 weggefallen. Vorteil: die Helligkeitsschwankungen während des AF sind weg. Nachteil: Der AF trifft nicht mehr.

Die OM-1 konnte C-AF+TR mit Motiverkennung. Kann die OM-3 nicht. Und Gesichtserkennung extrich gibt’s ja nicht mehr.

Der Fn-Schalter. Nö. Echt nicht. Wer war der Meinung, dieser Schalter wäre gut zu bedienen? Schmeißt ihn raus.

Die E-P7 hatte parametrisierbare ArtFilter. Die OM-3 nicht. Warum nicht? Ich war eigentlich sicher, dass zumindest deses Feature seinen Weg in die OM-3 findet.

Und ja, kein Fernauslöseranschluss. Bescheuert. Und der RM-WR1 funktioniert nicht, man muss den neuen RM-WR2 kaufen.

Die Position des Kreativrades ist von oben nicht zu sehen. Man muss die Kamera weit nach hinten kippen um den kleinen weißen Punkt zu sehen. .Warum hat man nicht einfach am Rad noch eine Riffelung weiß lackiert?

Der mitgelieferte 25mm-Kameragurt passt eher zu einer E-PL statt zur OM-3. Er hat auch kein aufgesticktes „OM-3“ drauf, sondern nur zwei graue Aufschriften „OM-SYSTEM“. Gerade fällt mir nichts mehr ein, wie man es bei einer 2000 Euro-Kamera noch schäbiger machen kann. Und natürlich ist er lächerlich kurz.

Kein Ladegerät dabei. Bei der Ladeschale ist halt auch kein Ladegerät dabei. Und die Ladeschale braucht halt ein Netzteil mit 9 Volt und 3 Ampere. Das liefern normale Handyladegeräte nicht. Also Ladeschale BCX-1 129 Euro und Netzteil F-7AC-2 49,90. Macht 178,90. Ein BCH-1, der Lader für die BLH-Akkus, ist a) bei der Kamera dabei und b) für 61,90 zu kriegen.

Die Kamera macht Hochkant-Video. Und zwar genauso wie schon bei der OM-5. Ich habe nichts dagegen, aber ich hätte gerne eine Option, in der ich auswählen kann: Hochkant, Quer, Auto. Wenn ich nämlich die Kamera nach unten oder oben halte, sucht sich die Knipse selber raus, wie sie filmen will. Nervt.

Fazit:

Die Kamera kann vor allem im Videobereich coole Dinge – wenn der Videozoomrahmen noch da wäre, wäre sie die bisher beste Videokamera von OMSystem/Olympus. Die neue Motiverkennung – nicht so mein Ding aber Geschmackssache. Die Ansteuerung der FTs – besser als bei der PEN-F, aber man hätte es auch gut machen können. Im Endeffekt bleibe ich bei meiner groben Einschätzung von vor einem Jahr. Technisch keine schlechte Kamera, gruselige Ergonomie, der UVP ist ein Mondpreis. Mittlerweile kommt die Kamera mit Rabatt und Cashback in einen Bereich, in dem sie eigentlich am ersten Tag hätte sein sollen. Ein Schnäppchen ist die OM-3 immer noch nicht, aber sie ist mittlerweile eine Überlegung wert.

Ach ja: das ist meine Meinung und das, was mir persönlich beim Buch schreiben aufgefallen ist. Natürlich kann es immer sein, dass ich mich irre oder es coole Workarounds gibt, die ich nicht gefunden habe.

4 Replies to “Pro/Contra-Liste zur OM-3”

  1. Hallo Reinhard
    Da sieht man wie sehr du dich beim Buch schreiben mit der Technik auseinender setzen musst.

    Mir als Nutzer ist von allen dem genau nichts aufgefallen, bin einfach nur zufrieden und froh das es diesen Klotz gibt der für Old School Fotografie gut ist und für andere Gelegenheiten modernes Zeugs zusätzlich hat

    Was ich tatsächlich gerne hätte wäre eine Möglichkeit die Artfilter stufenlos zu den normalen Farben zu überblenden denn bei allen Kameras die ich bisher hatte sind die zwar beeindruckend aber eben so überzogen das sie selten wirklich zu gebrauchen sind.

    Freue mich auf weitere Infos und natürlich auf das Buch, vielleicht lerne ich dann noch das von der Kamera was mein derzeitiges Bi…. Buch nicht annähernd vermittelt.

    Gruß
    Hartmut

  2. Danke, das ist die erste Aufzählung von Änderungen in der OM-3, mit der ich was anfangen kann. (Anmerkung: Soweit ich mich erinnere, wurde die Möglichkeit, Motiv-AF mit C-AF+TR zu kombinieren, schon in der OM-1 II entfernt, nachdem der „Menschen“-Motiv-Modus dazukam – weil in der OM-1 der C-AF+TR die Motiverkennung störte, oder diese damit jedenfalls nicht besser wurde; das „TR“ ist ja im Motiv-AF ohnehin immer eingeschlossen. Was mit dem Motiv-AF tatsächlich nicht geht, ist Motiverkennung ohne „TR“.)

    Das mit dem Motiv-AF ist strange. Wie mag das bei Vögeln aussehen? Heckenbraunelle wird erkannt, Birkenzeisig nicht?

    Und die Auto-ISO-Nummer bleibt ein Trauerspiel. War die Original-E-M1 nicht schon mal soweit, dass sie den Stabi berücksichtigte, und danach wurde die längste Zeit dann unverständlicherweise wieder auf 1/(2f) verkürzt?

    Wenn die OM-3 beim Auto-ISO *endlich* die +/- 2 oder 3 EV Einstellmöglichkeit bekommen hätte, auf die ich seit der E-510 warte und wie sie etwa bei Nikon so ähnlich eben auch schon seit DSLR-Zeiten zu finden ist, dann hätte es sein können, dass ich, trotz der insbesondere ergonomischen Einschränkungen der OM-3, alle anderen MFT-Bodies abgestoßen, zwei OM-3 plus zwei Fremdzubehör-Handgriffe gekauft hätte, und noch ein bisschen länger versucht hätte, nicht über die auch abseits von Auto-ISO immer zahlreicher werdenden Vorteile der Konkurrenzsysteme nachzudenken…

  3. Bzgl. Laden und Ladeschale (BCX-1).
    Diese braucht nicht zwangsläufig 9V 3A, auch 5V 3A sind in den technischen Daten gelistet.
    Aus praktischer Erfahrung funktioniert das mit gängingen Handyladern aus der Apple Welt 20W USB-C, out: 5V 3A oder 9V 2.22A. Ich verwende das USB-C Kabel, das mit meinem eierPhone geliefert wurde. Auch laden direkt in der Kamera (OM-1.1) funktioniert mit dieser Kombi.
    Ebenso verwende ich für meine OM-1.1 und BCX-1 die USB Buchse oder einen 0815 Zigarettenanzünderadapter im Auto; leider kenne ich die Spezifikationen beider nicht.

    Ich bin auch der Meinung, dass ein vernünftiges externes Ladegerät eigentlich zum Lieferumfang gehören sollte, vollständig versteht sich.

  4. Hallo Reinhard,
    die Verriegelung der Suchermuschel wolltest Du sicher nicht vergessen.
    Was mich persönlich am meisten gestört hat, war die fehlende Abblendtaste, da ich die sehr häufig nutze. Die habe ich dann behelfsmäßig auf einen der beiden Knöpfe links oben gelegt. Aber die sind eh schon etwas rar und längst nicht so gut erreichbar. Dabei hätte es doch in der Mitte des Kreativrades Platz dafür gehabt.
    Der CP-Knopf dagegen gefällt mir richtig gut. Man lässt ihn gedrückt und scrollt dann mit dem vorderen Einstellrad auf die gewünschte Funktion. Das funktioniert echt gut und ist erstaunlich ergonomisch gelöst.

    Gruß, Matthias

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