Ein paar Worte zu Rabatt

Black Week, Black Friday, Singles Day, Weihnachtsrabatt, Sommerrabatt, Halloweenrabatt und Rabatt zum Tag der Klospülung. Rabatt kann jeder. Kann sich noch irgendwer an die Stände in den Fußgängerzonen erinnern? „Diese formschöne Käsereibe kostet für Sie nur heute nicht 10, nicht 8, nicht 5, nicht 4 Euro. Nein! Heute und nur hier zahlen Sie nur 3 Euro neunundneunzig für diese wundervolle Käsereibe in modernem Orange!“ Da gab’s dann irgendwie ne Preisauszeichnungsverordnung und die billigen Jakobiten starben aus. (Ganz ohne Jakobitenaufstand.)

Ich halte von Rabatt nichts. Habe ich x-mal geschrieben. Man mache einen fairen Preis und halte den. Dann können sich alle drauf verlassen. Hersteller, Händler, Kunden. Wenn ich ein Produkt für 2000 Euro auf den Markt bringe, von dem jeder weiß, dass es nur die Hälfte wert ist und das dann ein dreiviertel Jahr später mit „Rabatt“ für etwa diesen Preis verkaufe, und jeden Hinweis auf „aha, ist wohl ein Ladenhüter“ dementiere, dann habe ich als Hersteller erfolgreich meine Fans abgezockt. Das ist Matratzen-Händler-Style.

Und genau zu diesem Thema hat der Held der Steine ein Video gemacht, das ich allen ans Herz lege, die die Rabattitis bei Herstellern verteidigen.

https://youtu.be/NeGKNhb6AP4?si=48f44jPH1ZyxH4HP

Da wird für jeden verständlich erklärt, warum Händler mit manchen Produkten und Herstellern ein Problem haben.

Übrigens: bevor hier wieder Verdächte aufkommen. Ich habe mittlerweile über den Händlervertrieb des FastFood-Händlers ein paar positive Dinge mitbekommen. Manche Händler haben das Zeug wieder im Schaufenster stehen, die mit Curry nichts mehr zu tun haben wollten. Das ist nicht das Thema.

3 Replies to “Ein paar Worte zu Rabatt”

  1. Wenn eine Firma die Rabatte vereinzelt anbietet, dann wäre es noch OK.
    Aber wenn man Rabatte immer wieder bzw. sehr oft anbietet, dann stellt
    sich die Frage: Wer finanziert eigentlich die Rabatte?

    Es gibt zwei Optionen:

    1. Der Basispreis bekommt einen Preisnachlass. In diesem Fall habe ich
    Zweifel, dass die wiederkehrenden Rabatte von den Geschäftsführern bezahlt
    werden, indem die Geschäftsführer auf einen Teil ihres Arbeitsentgelts
    verzichten. Stattdessen werden die Rabatte wohl eher von den Arbeitern
    bezahlt, indem man deren Monatslohn-Niveau niedrig hält.

    2. Der Basispreis wird vor dem Rabatt künstlich erhöht und bekommt erst
    danach einen Rabatt. Dieser Rabatt ist wegen der vorhergehenden Erhöhung
    des Preises kein echter Rabatt. Und zwischen den Rabatten bezahlt ein
    Teil der Kunden den künstlich erhöhten Preis.

    Beide Vorgehensweisen sind unsinnig.

    Rabatte (auch Bonuskarten) sollten grundsätzlich verboten werden.
    Ausnahmen:
    – beschädigte bzw. unvollständige Ware
    – Reste der Ware, die demnächst aus dem Sortiment herausgenommen wird

    1. Beispiel 2) habe ich selbst erlebt – bei Küchen zu einer Zeit, als der Euro noch jung war. Durch einen Umzug musste ich eine Küchenzeile kaufen. Der Preis war mehr als fair und ich kaufte gerne in dem Geschäft.
      5 Jahre später das gleiche Spiel, Umzug, eine neue Küche musste her. Also ging ich in den Laden, mit dem ich gute Erfahrungen hatte. Er kalkulierte und heraus kam ein absurder Preis, aber wir bekämen 50% Rabatt.
      Der 50%-Rabatt Preis war dann in der Nähe von realistisch.
      Zu Hause verglich ich das Angebot mit der Rechnung von damals und tatsächlich – das Gelump war um einen Faktor teurer, bei dem die mit 50% Rabatt immer noch gut im Rennen lagen und teurer waren als 5 Jahre vorher.
      Darauf hatte ich keine Lust; die Küche wurde bei Ikea gekauft weil dort die Teile das kosten was draufsteht und alles beliebig kombinierbar ist. Sie ist inzwischen einmal umgezogen und 18 Jahre alt.

      Bei „buy two get three“-Angeboten bekomme ich auch immer nen Kollaps…
      „ich hätte gerne zwei Bretzeln“
      „drei sind im Angebot“
      „ich brauche aber nur zwei“

      Aber anscheinend funktioniert der „unsinnige“ Marketing-Trick, denn sonst würde es ja nicht gemacht werden. Mit Rabatten, vermeintlichen Steuervorteilen oder staatlichen Zuschüssen kann man die Menschen anscheinend hinterm Ofen vorlocken – zumal in einer Zeit, in der meiner Erfahrung nach immer weniger Leute dazu in der Lage sind, mal eben 15% Abzug im Kopf zu rechnen.

      Faire Preise die dem Wert der Ware entsprechen, gute Qualität besonders im Sinne von Zuverlässigkeit und Robustheit und guter Service. Damit kann man mich locken. Die Suche nach solchen Produkten wird leider immer langwieriger.

  2. Es gibt (ja durchaus echte) Rabatte und „Fake–Rabatte“ (letztere, wie oben beschrieben, eine der modernen Seuchen). Wenn ein kleiner Händler z.B. seinen Warenbestand reduzieren muß (und dafür kann es vielerlei sehr nachvollziehbare Gründe geben) und dafür durch Rabatt nicht nur auf seine Marge verzichtet, sondern ggf. noch drauflegt (kommt öfters vor, als viele Verbraucher denken), kann der Durchschnitts-Kunde im heutigen Marktumfeld kaum noch nachvollziehen, ob dieser Rabatt nun „echt“ oder „fake“ ist. Man wird erschlagen von rabattierten „Angeboten“, und der wirlich korrekte Preis einer Ware kann von Normal-Verbrauchern kaum noch verifiziert werden – mißtrauisch wird alles beäugt – denn es könnte ja morgen bereits zum „halben“ Preis erhältlich sein. Das zerstört letzten Endes die vielen kleinen seriösen Händler und deren Geschäftsmodell, welches u.a. ja auf einer korrekten Preisdarstellung und nachhaltiger Kundenbindung auch durch Service nach dem Kauf fußt.

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