GF9II an der Bühne

Am Samstag vor zwei Wochen war ich mal wieder an der Bühne. Die Bigband des GSG Röthenbach an der Pegnitz, die HotSkills und die Räinbooch Allstars. (Der Drummer der Allstars ist sowas wie eine Legende, denn er hat schon für Tony Sheridan getrommelt. Genau der, der mal mit einer völlig unbekannten Band aus Liverpool ne Platte aufgenommen hat: „The Beat Brothers“. Nachdem die Allstars auch mal mit Klaus Voormann auf der Bühne standen, haben sie einen gewissen Ruf…. 😉 )

Die „Allstars“. Dritter von Links: Klaus Voormann. 2008

Ich bin also mit GF9II, 12-60 und 40-150 losgezogen. Weil ich nur einen Akku für die GF9II habe, habe ich die OM-1 und ein bisschen FT-Altglas als Backup eingepackt. Worüber ich zum Schluss heilfroh war.

Flackerlicht – da drüber habe ich ja schon geschrieben.

In der Stadthalle in Röthenbach (wo übrigens seinerzeit auch das Foto mit Voormann aufgenommen wurde) sind mittlerweile gepulste LED-Scheinwerfer in der Lightshow verbaut. Das fiese bei der G9II: das sieht man erst, wenn man sich die Bilder ansieht, die Kamera hat nämlich eine nicht abschaltbare Flackerunterdrückung. Also unbedingt die Aufnahmeansicht aktivieren, sonst fotografiert man bis zum ersten Chimpen für die Tonne und hat Bilder voller Streifen.

Aufnahmeansicht.

Die Aufnahmeansicht sollte man auch aus einem anderen Grund aktivieren. Wenn man schnell hintereinander den Auslöser drückt, verschwindet das Sucherbild. Man sieht nur noch schwarz mit grauem Schleier. Das ist ein bisschen doof. Mit aktivierter Aufnahmeansicht sieht man wenigstens das zuletzt aufgenommene Bild kurz. (Das ist anders als bei der OM-1, die die Aufnahmeansicht mit halbgedrücktem Auslöser gar nicht aktiviert, dafür aber immer in den LiveView umschaltet.)

Einschaltverzögerung

Dass die Kamera nervig lang braucht, bis sie nach dem Einschalten ein Lebenszeichen zeigt, habe ich schon mal thematisiert. Die OM-1 kann man, wenn man sie gerade nicht braucht, ausschalten. Die G9II unbedingt eingeschaltet lassen, wenn man keine fünf Sekunden hat, um ein Foto zu machen. Fünf Sekunden können zu lange sein, wenn man das Sax-Solo nicht verpassen will. Ach ja: auch immer wieder die Kamera aus dem Schlaf aufwecken. Das geht nur mit dem Auslöser, nicht wie bei der Oly mit jeder Taste. Denn sobald sie mal in den Tiefschlaf gefallen ist, braucht die Kamera wieder 5 Sekunden um aufzuwachen. Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen Tiefschlafmodus abzuschalten oder auch nur rauszukriegen, wann die Kamera in diesen wechselt. Im 832-seitigen Handbuch habe ich nichts dazu gefunden.

Autofokus.

Wie sag‘ ich’s meinem Kinde…. Sagen wir mal so: Nö.

Der Autofokus schwankt. Man hat den AF-Punkt felsenfest auf einem Punkt, man selbst bewegt sich nicht, die Person bewegt sich nicht, der Bildausschnitt ist gleich und trotzdem pumpt der AF und liefert bei einer Serie von Bildern innerhalb einer Sekunde unterschiedliche Fokuslagen. Und zwar gleichgültig ob S-AF oder C-AF. Ob man halb auf dem Auslöser bleibt, oder zwischen den Auslösungen runtergeht. Das sieht man auch, dass das Objektiv zwischendrin defokussiert und neu fokussiert – völlig ohne Grund. Das funktioniert vielleicht bei sich bewegenden Vögeln bei gutem Licht. An der Bühne ist das verheerend. Anscheinend hat Panasonic versucht, dem langsamen Sensor einen schnellen AF abzutrotzen und sich dabei auf Wildlife und Video konzentriert. Eben die beiden Anwendungen, die gerade „Hip“ sind und die von den Bloggern getestet werden.

Bei meinen ersten Versuchen bei schlechtem Licht war ich beeindruckt, dass die Kamera immer auslöst, immer Fokus findet, wo die OM-1 verzweifelt pumpt. Tscho. Beim genaueren Hinsehen hat sich rausgestellt – ja, sie behauptet, einen Fokus gefunden zu haben. Manchmal irgendwo anders – weit entfernt vom Fokuspunkt – manchmal ist der Begriff „Fokus“ sehr großzügig ausgelegt, manchmal löst sie aus, obwohl weit und breit nichts scharf ist. Mit dem Lumix 12-60 ist es „besser“, mit dem m.Zuiko 40-150 schlechter. „Nearest is best“ – die „Kernkompetenz“ von Phasen-AF – funktioniert nach dem Blinker-Prinzip: geht, geht nicht, geht, geht nicht. Nach meinen Untersuchungen haben wir es mit einem Mix aus Phasen-AF und Kontrast-AF zu tun, bei dem die alte Pana-DFD-Methode verwendet wurde. Der Phasen-AF ist für die grobe Entfernung zuständig, im Bereich des Motivs wird dann auf den alten Kontrast-AF umgeschaltet. Und zwar nicht auf den „normalen“ wie bei den Olys, sondern auf den Pana-eigenen, bei dem zuerst defokussiert wird. Das Ergebnis ist verheerend. 40- 50% Ausschuss ist normal.

96 Bilder mit exakt gleicher Bildkomposition, gleicher AF-Position, gleichem Abstand. 47 unscharf.

Ich habe Panasonic sofort darüber informiert und auch Beispielbilder beigefügt. (Und Userberichte von anderer Seite beigefügt, die das gleiche Problem haben. Grob unzuverlässiger AF und nach wenigen Bildern schwarzer Sucher.) Nach zwei Wochen keine Antwort zu diesem Thema.

In den Internet-Reviews wird die besondere Zuverlässigkeit der Gesichtserkennung hervorgehoben. Das erste Gesicht, das die Pana bei mir erkannt hat, war mein geöffneter Leitzordner, in dem das ausgedruckte Handbuch zur Pana abgeheftet war. Bei Versuchen mit meiner Schaufensterpuppe erkannte die Kamera das Gesicht, wenn ich den AF-Punkt über das Gesicht gelegt hatte. (BTW: das Bewegen des AF-Punktes mit dem „Joystick“ ist kein „Joy“. Entweder das Ding war kaputt oder es ist einfach nur schlecht.)

Ich habe auch überprüft, ob ich aus Versehen Auslöseprioriät aktiviert habe – nein. Fokuspriorität.

Ich bin dann zur OM-1 mit dem 35-100 gewechselt, jeder Schuss ein Treffer. Und man sieht sofort im Sucher, welche Scheinwerfer für die Flackerei zuständig sind. Und man kann im SCP von elektrischen auf mechanischen Verschluss wechseln – bei der Pana muss man erst ins Menü gehen. (Ja, man kann den elektronischen Verschluss ins Q-Menü legen. )

Fazit: Bühnenfotografie mit der G9II erfordert eine vorherige Umstellung der Kamera und eine neue Arbeitsweise, die mehr so an die alten DSLRs erinnert. Viel Chimpen und genaue Fokuskontrolle, langsames Arbeiten, hoffen, dass man genau den Gesichtsausdruck erwischt und der AF zufälligerweise gerade passt. „One Shot“- Bilder sind heftiges Risiko. Immer mehrere Aufnahmen eines Motivs machen und hoffen, dass der wirklich spektakuläre Gesichtsausdruck bei „den Guten“ dabei ist.

Leider ist eine G9II mit jedem derzeit erhältlichen Objektiv einer OM-1 mit 14-35 und 35-100 hoffnungslos unterlegen. Das muss man akzeptieren. (Ja, es gibt das 10-25 und das 25-50. Leider hat Pana mir die beiden Objektive nicht zum Test zur Verfügung gestellt. Aber nach den Tests auch mit dem 12-60 habe ich da keine großen Hoffnungen.)

Das Titelbild? Aus der OM-1 mit dem 35-100. Die G9II hatte beim Drummer im Haze bei Gegenlicht eine beeindruckende Fehlerquote von 83%. Wer jemals Drummer fotografiert hat, weiß, dass die Kamera da liefern muss. Und zwar flott, sonst steht da wieder wer im Weg, der Drummer ist dann wieder an Snare und HiHat zugange und der Moment ist rum. Im Normalfall heißt es: drei Lieder. Wenn man da seine Fotos nicht im Kasten hat, gibt’s keine zweite Chance. Lange Chimpen im Graben kann man vergessen.

3 Replies to “GF9II an der Bühne”

  1. Hallo Reinhard,
    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Ich habe mir die G9II auch bestellt, allerdings für Landschaft und Macro und als weitere Option fürs Filmen.
    Was meinst du, wie hätte sich die OM-1 mit mft Objektiven im Vergleich geschlagen? Das FT Altglas habe ich leider nicht.

    1. Ich habe natürlich auch das 40-150 an der OM-1 geschnallt. Piece of cake. Alle scharf. Aber ich sollte ja auch abliefern und da ist natürlich das Bessere der Feind des Guten. Also TopPros drauf.
      Makro: Die G9II kann kein Stacking. Und sie legt bei Objektiven mit internem Stabi (90er Makro) den Stabi der Kamera lahm. (Auch wenn man den Stabi des Objektivs ausschaltet.) Die Sucherlupe der Oly ist besser, der AF sowieso. Man kann mit der Oly beim Bracketing blitzen (kann die Pana nicht, die weigert sich beim elektronischen Verschluss zu blitzen)
      Also: gerade für Makro wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die G9II zu kaufen…
      Für’s Filmen: Im professionellen Bereich, mit Nachbearbeitung, bietet die Pana mehr. Auch die hohen Bildraten. Ich filme nur FHD und verbringe so wenig Zeit wie möglich am Schneidetisch und mag keine ausufernde Slomo – da ist die E-M1II/III/X weit überlegen.

  2. Das der Joystick zum Verschieben des Fokuspunktes bei der G9II kein „joy“ ist kann ich seit gestern leider bestätigen.
    Und es hat mich gewundert, denn bei der S5 (I) funktioniert das einwandfrei, zielsicher und schnell.

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