LS-P5 vs LS-P4 vs LS-100

Ich habe ja von OMDS einen LS-P5 zur Verfügung gestellt bekommen. Die wesentlichen technischen Facts habe ich ja schon beim FolyFos vorgelesen. Ich habe ihn jetzt mal gegen den Vorgänger LS-P4 und gegen die Luxus-Klasse, den LS-100 antreten lassen.

Ich war ja mit LS-P2 und LS-P4 eher so suboptimal zufrieden. Der Klang war zwar leidlich sauber, musste aber jedesmal umfangreich getunet werden, damit das anhörbar war. Bevor ich den LS-P5 also produktiv einsetze, habe ich ihn jetzt mal auf Sinus losgelassen. Einmal von 1HZ bis 20kHz durchlaufen lassen. Als Boxen wurden zwei Karlsons und dann Mitten-Hochtöner drauf verwendet. Die fangen so bei 25 Hz an und gehen bis kurz vor 20kHz. Natürlich nicht linear darum geht es aber nicht, weil ich ja rausfinden wollte, wie sich die drei PCM-Recorder unterscheiden.

Fangen wir mit dem Spektrum des LS-100 an:

Die Spektren sind aus Audacity, falls es wen interessiert. Nochmal, es geht nicht darum, ob das hier linear ist oder nicht und ob meine Lautsprecher ein seltsames Spektrum haben. Es geht darum, dass ich ein Schallereignis habe, das alle Frequenzen abdeckt und für alle PCM-Recorder gleich ist.

Das hier ist der LS-P4:

Man sieht, die Bässe unterhalb von 150Hz sind 12dB über dem LS-100. Das bedeutet, der LS-P4 ist brutal basslastig. Ja, da war das zentrale Mikrofon eingeschaltet. Das hat auch der LS-P5 und bei dem kann man es nicht mal abschalten. Ach ja, und die Peaks zwischen 700 und 900Hz hat der LS-P4 nicht wirklich so gut abgebildet. Das zeigt sich dann auch, wenn man damit Musik aufnimmt. Die Aufnahmen wirken flach. Eine E-Gitarre hat keinen “Punch”. Hier kommt der LS-P5:

Upsi – das Spektrum sieht fast aus wie beim LS-100? Jepp. Unterschied: Beim LS-P5 habe ich die Zoomfunktion eingeschaltet und auf den gleichen Wert wie beim LS-P4 gesetzt. Der LS-100 hat keine Zoomfunktion. Auch die Lautstärkeverteilung sieht sehr ähnlich aus:

Ja, die Kurve des LS-P5, unten, ist etwas nach rechts verschubst, das gehört exakt untereinander. Ich habe bei allen Recordern die manuelle Aussteuerung so geregelt, dass die höchsten Ausschläge nur bis -6dB gegangen sind . Keine Limiter, keine Aufnahmemodi.

Und hier die Verteilung beim LS-P4:

Krasser Unterschied das.

So wie es aussieht, haben sie beim LS-P5 die Mikros und die Elektronik des LS-100 eingebaut. Das ist also nicht einfach ein aufgepimpter LS-P4 mit nem neuen Namen und höheren Preis. Das ist ein amtliches Gerät, mit dem man was anfangen kann. Der Klang ist einwandfrei, die Zoomfunktion gut. Das Teil ist seinen Preis wert.

Ach ja, ich hab noch die “DeadCat” von Olympus mal an den LS-100 drangesetzt. Hier das Ergebnis:

Ab tausend Hertz verliert der Recorder durch die DeadCat über 6dB. Das ist ziemlich viel. Das kann man zwar hinterher wieder rausregeln und es ist auf jeden Fall besser als Windgeräusche, aber direkt aus dem Recorder ist das unbrauchbar. Es ist auf jeden Fall mal schön, wenn man schon vor dem Abmischen sieht, was der DeadCat anrichtet. Dann muss man da nicht lange rumprobieren. Es gibt im Recorder die Möglichkeit, eine Höhenanhebung einzustellen. Nennt sich “Klarer Ton”. Ob die den Verlust ausgleicht oder überkompensiert habe ich nicht getestet.

In den nächsten Tagen geht es dann mit dem Recorder zum Field -Test.

17 Replies to “LS-P5 vs LS-P4 vs LS-100”

  1. Vielen Dank für den sehr aufschlussreichen Test. Am bemerkenswertesten fand ich die Tatsache, dass doch mehrere Jahre alte Technik (Mikros und Elektronik) auch heute noch qualitatv so hochwertig ist, um heutige Technik mühelos zu übertreffen.

    1. Analoge Tontechnik wird seit Jahrzehnten auf extrem hohem Niveau betrieben. Da gibt es audiophil, abseits von geschmacklichen Dingen, kaum noch hörbare Verbesserungen zu erreichen…
      Mehr oder weniger gelungene Weiterentwicklungen finden eigentlich nur noch auf dem digitalen Zweig der Tontechnik statt. Und auch dbzgl. war, bei entsprechendem Budget, schon lange sehr gutes möglich.

      Ist wie bei Kameras: Analog ist fast alles lange ausgereizt. Vermeintlicher Fortschritt ist eigentlich nur noch digitaler Natur. Überwiegend in Form immer höherer Rechenleistung, so dass immer umfangreiche Software laufen kann…

      Und wie beim Bild entscheiden auch beim Ton de facto die Akteure vor und hinter dem Gerät über die Qualität der Aufnahme. Das Werkzeug macht es ihnen nur mal leichter, mal schwerer.

      jm2c, Martin

  2. Dein Test kommt für mich zur rechten Zeit. Ich bin kurz davor, mir den Zoom H4n pro zu kaufen. Den hast du nicht auch zufällig zum Vergleich? Der hatte halt noch den Vorteil, daß ich ihn mit XLR Micros nutzen könnte.
    Lg
    Thilo

    1. Der Zoom hat noch ein paar andere Vorteile. Den 4-Spur-Betrieb zum Beispiel. Und derzeit kostet er kaum mehr als der LS-P5. Der Mangel an XLR-Eingängen ist natürlich echt doof, wenn man mal an ein Mischpult ran will. Der Vorteil des LS-P5 ist halt, dass er winzig ist. Den wenn man irgendwo hinstellt, fällt er nicht unangenehm auf und liefert trotzdem ab. Muss man halt wissen, was man will.
      Ich habe jetzt ein bisschen recherchiert – der Zoom hat ein paar eklige Dinger, die ihn für mich unbrauchbar machen. Er braucht mehr als eine halbe Minute zum Start. Und er scheint griffempfindlich zu sein, sprich, die Mikros sind nicht vom Gehäuse entkoppelt, so dasss man es hört, wenn man irgendwelche Tasten drückt. Und eine Stromversorgung mit Powerbank geht nicht, weil das Ding keinen USB-Power-Eingang hat.
      Also falls Du partout XLR brauchst, schau mal, dass Du einen LS-100 kriegst. Bei ebay Kleinanzeigen liegen ein paar rum für ab 200 Euronen.

  3. Kannst du in dem Zusammenhang erklären, was folgender Satz aus deinem OM-1 Buch bedeutet:
    Die OM-1 kann keinen Line-Pegel sauber verarbeiten. Sie können also keinen Kopfhörerausgang eines PCM-Recorders an den Mikrofoneingang anschließen und dessen Mikrofone nutzen.

    1. Genau dies. Man kann das zwar machen, aber man muss den Ausgang des PCM-Recorders stark runterdrehen, sonst zerrt der Ton. Die OM-1 hat wie alle OM-Systemkameras eine nicht abschaltbare automatische Aussteuerung drin. Und zusätzlich schlechte Mikros und eben eine schlechte Eingangsschaltung. Der Ton der OM-1 taugt ausschließlich zum Syncen und als letzte Rettung, wenn der externe PCM-Recorder ausgefallen ist. Der Rauschabstand von LS-100 und LS-P5 ist um Welten besser als der der Kamera. Also: Externer Ton, wie man das halt professionell macht.

      1. Also auch wenn der Recorder in Kameranähe zum Einsatz kommt, z.B. in Interview-Situationen (sei es der bloße Recorder oder mit einem angeschlossenen Lavalier-Mikrofon), sollte man aus den genannten Gründen den Ton besser nicht direkt in die Kamera übertragen, sondern anschließend synchronisieren. Es würde mir hier auch nur darum gehen, einen Arbeitsschritt zu sparen.

        1. Du kannst den Ton schon in die Kamera übertragen. Das ist zum Syncen ganz gut, weil Du dann nicht unterschiedliche Mikrofoncharakteristika hast. Aber den Ton in der Kamera kannst Du halt vergessen. Und – und das ist der Grund, warum ich das nie mache: Wenn mit dem PCM-Recorder irgendwas schief ist, weil ich zu doof war oder der Recorder falsch eingestellt war oder was auch immer. Dann hast Du gar keinen Ton. Wenn Du PCM-Recorder und Kamera trennst hast Du im Notfall immer noch den Kameraton. Das hat mir schon ein paarmal die Haut gerettet. Besser mieser Ton als gar keiner.

      2. Genau das hatte ich mit dem LS-11 an der E-M1 Mark II zunächst auch erlebt: Unangenehm verzerrte Töne bei einer Kirchenkonzertaufnahme via LS-11 direkt in den Kamera-LineIn. Immerhin konnte ich das mit dem Monitor-Kopfhörer der E-M1 Mark II zeitnah bemerken und nachdem ich die Aussteuerrungsautomatik am LS-11 deaktiviert und den Aufnahmepegel deutlich runtergedreht hatte, war der Ton in Ordnung. Sicher keine Profiqualität, zumal ich kein Profi bin, aber eine sehr brauchbare Aufnahme. Gehe davon aus, dass bei neueren oder hochwertigeren Geräten wie dem LS-100 oder dem LS-P5 bzw LS-P4 das noch besser auszusteuern geht. Oder irre ich da vielleicht? Soweit nur meine ganz bescheidene Einmal-Erfahrungen als Video- und Audio-Newbie

        1. Wobei es hier, vermute ich, primär nicht um die Aussteuerung dessen geht, was der Recorder aufnimmt. Die muss ohnehin passen. Wenn du direkt in die Kamera überträgst, wird die Kopfhörerlautstärke relevant, denn du überträgst ja über den Kopfhörereingang (bzw. -ausgang) an die Kamera und kannst über den Laustärkeregler einstellen, wie laut das Signal in der Kamera ankommen soll. Zu guter Letzt kannst du dann noch in der Kamera den Pegel justieren. Also schon relativ komplex das Ganze.

          In der LS-P4-Anleitung steht, glaube ich, dass man die Laustärke auf Maximum drehen soll, und über die Kamera regeln soll. Wenn ich Reinhard richtig verstanden habe, sollte man eher die Lautstärke des Recorders runterregeln.

          1. Das Problem ist, dass a) der Line-In der OM-1 keinen echte Line-Pegel verkraftet und b) in allen Olys eine nicht abschaltbare automatische Aussteuerung werkelt und c) dass der Kopfhörerverstärker rauscht und die Eingangsstufe der Kamera rauscht. Guten Ton hat man im PCM-Recorder.

      3. Hallo Reinhard,

        nochmal ich 😉
        Bedeuted das, wenn ich ein gutes Rode oder Audio Technica Microfon an den Mikrofoneingand der EM1 MK3 hänge, durch den schlechten Eingang auch nur “Mist” aufgenommen wird? Das wäre echt schade. Ach ja, ich schau mal nach dem LS100. Ich habe Gesangs und Gitarren Mikrofone mit XLR Steckern. Daher wollte ich einen Rekorder, der auch XLR Eingänge hat. Kann der LS100 auch als Audiointerface am Rechner fungieren? Das kann der Zoom halt.

        Lg

        Thilo

        1. Ja, häng kein Mikro an die Kamera. Das kann funktionieren, es kann aber auch sagenhaft schief gehen. Ich hatte ein Rode an ner Oly und die ersten Versuche bei einem klassischen Konzert waren phantastisch. Dann habe ich das Rode bei einem Rockkonzert verwendet und das Ergebnis war katastrophal. Nimm einfach einen LS-100 und sei glücklich. Und ja, Du kannst ihn auch direkt über Klinke an einen PC anschließen.

          1. Hallo Reinhard,

            den LS100 finde ich nur in Japan zu bestellen. Das hab ich zwar oft mit meinen analogen Equippment gemacht und nur gute Erfahrungen gehabt. Hab mich jetzt aber für die aufwändigste Variante entschieden.
            Ich habe mir einen LS-P5 und einen Zoom H4Npro bestellt. Werde das jetzt für mich durchtesten. Hab mir noch einen 3-fach Blitzschuhadapter geholt. Schraube auf die Kamera beide Rekorder drauf und mein Audio-Technika Micro, das ich in die Kamera stöpseln werde. Dann werde ich mal verschiedene Sachen aufnehmen und vergleichen. Ich Winter hat man je eh bisserl Zeit. Evtl. teste ich noch das Audio-Technika am Zoom und LS-P5 Microfoneingang. Dann solle ich alle Varianten haben.

            lg

            Thilo

  4. Hallo Reinhard,

    die WJ2 “Plüschmütze” scheint ja wirklich alles andere als dem Sound zuträglich zu sein. Im FolyFos hattest Du ja auch erwähnt, das Ding wäre nichts und da gäbe es besseres. Was ist den Deiner Meinung nach eine gute passende Alternative gegen Windgeräusche?

    Danke!

    1. Ein Schaumstoff-Windschutz lässt deutlich mehr hohe Frequenzen durch, ist aber nicht so wirksam gegen Wind. Also am besten beide mitnehmen und je nach Wind einsetzen. Kein Wind, kein Windschutz. Wenig Wind: Schaumstoffwindschutz. Viel Wind: Dead Cat.

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