Das 40-150 f/4 – Pro

Das 40-150 f/4 ist noch auf dem Mist des letzten Marketingchefs von Olympus Imaging gewachsen. Der war der Meinung, f/4 wäre doch für alles völlig ausreichend und außerdem würden die Objektive kleiner und leichter, könnten billiger produziert und mit ein bisschen Blech außenrum mit “Pro” gelabelt werden.

Das 40-150 f/4 hat keinen Snapshot-Ring, es hat keine FN-Taste und dafür einen albernen Ausklappmechanismus. Ist das Rohr “ausgefahren”, bleibt der Zoom intern, was durchaus irritierend ist, weil man es von Ausfahrzooms gewohnt ist, an der Stellung des Rohres grob die Brennweite abzuschätzen.

Das 40-150 f/4 ausgefahren.

Gut, kann man sich dran gewöhnen. Was kann das Glas?

Ich habe mein Exemplar direkt von OM-System Portugal bekommen. Ich bin dann sofort los und habe tatsächlich noch ein paar Stunden Sonnenschein erwischt. Im Normalfall wird das Wetter sofort schlecht, sobald ich ein Teleobjektiv zum Testen bekomme.

Die ersten Versuche mit der PEN-F auf CAs – in der Fokusebene ist alles im guten Bereich, in der Unschärfe wird es lila/grün. Das kann oft nicht mal die kamerainterne Korrektur in den Griff kriegen.

Das hier ist ein 100% Crop bei 150mm. Nicht am Rand.

Dann hätten wir noch das Bokeh:

Wieder bei 150mm, Catseye. Und zwar ziemlich ausgeprägt. Bei sehr kleinen Scheibchen liefert das Objektiv sehr harte Ränder um die Zerstreuungsscheiben, wenn die Scheiben größer werden, wird das besser, aber wirklich hübsch ist das nicht:

Das ist aber natürlich Geschmackssache. Was keine Geschmackssache ist, ist die AF-Geschwindigkeit. Ich habe das Objektiv mit der E-M1II und der PEN-F ausprobiert, weil ich davon ausgehen, dass das Objektiv eher seltener an eine OM-1 geschraubt wird. Bei simplen Motiven ist der AF treffsicher und schnell, bei Gegenlicht oder konturlosen Hintergründen – Vögel vor Himmel – wird es schwieriger. Fahrradfahrer und dergleichen kann das Objektiv aber wunderbar, der C-AF liefert ohne Ausfall.

Das Objektiv hat, wie alle neueren Objektive, die Eigenheit, dass es beim Ausschalten der Kamera die Blende schließt. Wenn man so ein Foto machen will:

muss man das Objektiv im eingeschalteten Zustand der Kamera herunternehmen. Die Streulichtblende ist übrigens ziemlich gut gebaut, sie hat einen Entriegelungsknopf, der versenkt ist, so dass sie nicht aus Versehen entriegelt wird und abfällt. (Wer hat schon mal eine 12-40-Blende gesucht? Eben…)

Was macht die Schärfe? Bei 40mm keine Probleme. Scharf bis in die Ecken.

Das ist das rechte obere Eck, die anderen sehen genauso aus. Absolut kein Problem damit. Bei 40mm hat das Objektiv ne leichte Tonne, aber auch das ist nichts, was einen beunruhigt, die wird digital korrigiert und fertig. Das Kissen bei 150mm ist heftiger, aber auch das wird korrigiert und damit könnte man leben. Was aber gar nicht geht, ist das hier:

Das ist das rechte obere Eck, die anderen Ecken sehen nicht besser aus. Und das Problem ist, dass man das in den Bildern sieht. In der Mitte ist das Objektiv knackescharf, die Ecken sind gruselig.

In der Mitte ist die Struktur des Drahtseils gut definiert, links und rechts der Vögel vermatscht es. Der Verlust betrifft also nicht nur die Ecken, sondern die gesamten Ränder.

Das ist für ein Objektiv, das behauptet “Pro” zu sein und für das 899 Euro aufgerufen werden, zu schlecht. Wie gesagt, das Objektiv kam direkt aus Portugal, ich nehme jetzt mal nicht an, dass sie mir eine Möhre geschickt haben. Klar, wenn man abblendet, wird es besser, aber – sorry – f/4 will ich nicht mehr abblenden müssen.

Letzter Test: Nachdem die ganzen Influencer betont haben, dass man das Objektiv sicher auf ein Gimbal schrauben kann, weil es beim Zoomen kaum das Gewicht verlagert, habe ich mal gecheckt, wie es mit “Parfokal” aussieht. Verblüffend: Das Objektiv ist in der Disziplin bei Olympus führend. Ja, es hat eine Fokusverlagerung zwischen 40 und 150mm, der Fokus wandert beim Zoomen bei drei Meter Abstand um etwa 5cm. Also einen stillsitzenden Sprecher sollte man nicht einzoomen, das kann ein bisschen komisch aussehen. Aber bei einem Sänger oder einem Gitarristen reinzoomen und rauszoomen? Top. Und dann noch eine fixe Blende 4 – wenn das Licht reicht, ist das das Objektiv der Wahl. Eventuell halt kucken, dass man ein Exemplar erwischt, das in den Ecken scharf ist, es scheint ja welche zu geben. Auch für anspruchsvolle LiveComposite -Spielereien ist das was.

Fazit: wie bei den anderen f/4er – wenn man die Brennweite haben will und mit f/4 auskommt, kaufen und checken, ob das Objektiv bis in die Ecken scharf ist. Einige sind das nicht. Aber es gibt eben gute Exemplare und wenn man eines erwischt, kann man damit glücklich werden.

11 Replies to “Das 40-150 f/4 – Pro”

  1. Interessant, es würde mich mal interessieren wie Du auf die Aussage kommst, dass es auch Objektive gibt die besser sind. Hast Du denn mehrere getestet? Hier ist die Rede von einem Objektiv, Du das wenn man Glück hat ein gutes bekommen kann. Klar gibt es immer Produktionsschwankungen, die je nachdem wie weit die Toleranzen akzeptiert werden großer oder kleiner ausfallen.

    1. Ich habe die Fotos von anderen Bloggern gesehen. Entweder die sind alle gekauft und erzählen euch das Blaue vom Himmel runter, oder die bekamen sogenannte “Champions”. Das sind Objektive, die vom Hersteller extra optimiert werden, damit Journalisten nett berichten. Ich nehme mal an, dass die anderen Blogger keine komplette Grütze erzählen. Und auch in einigen Foren waren die Leute ganz angetan. Es gibt teils erhebliche Serienstreuungen, dadurch, dass ich von Om-System nicht mehr als “zu pampernder Influencer” wahrgenommen werde, bekomme ich irgendwelche Exemplare, die gerade irgendwo rumfliegen und die im Zweifelsfall von drei Dutzend Journalisten schon durch die Gegend gezogen wurden. In diesem Fall hatte das Objektiv nicht mal ne Verpackung. Hat den Vorteil, dass ich die “volle Wahrheit” abkriege, die dann auch beim Endkunden ankommt.

      1. Aber im Prinzip ist die Quintessenz doch gruselig! Ein Freund hat sein erstes 8-25 sofort zurückgegeben, sein zweites 8-25 scheint sehr gut zu sein. Bei den Preisen und „Pro“ erwarte ich aber mehr! Hoffentlich bessert sich das wieder…

        1. Ja, das ist das Kreuz mit der 4er-Linie. Die Serienstreuung ist enorm. Leider ist das nicht nur bei OM-System so, sondern auch bei anderen Herstellern. Irgendwie kriegen sie gerade in dem Preisbereich die stabile Qualität nicht gebacken.

      2. Hallo Reinhard,
        dann ist die hohe Streuung der Qualität wohl eher eine Vermutung als ein Fakt. Heist du hast nich x Objektive getestet und unter objektiven Gesichtspunkten verglichen. Verstehe.

        Die Tatsache, dass Du ein zufällig ausgewähltes Objektiv bekommen hast, heist nicht dass du die volle Wahrheit abbekommst. Es ist Deine ganz persönlich Erfahrung mit einem einzigen Objektiv.

        1. Hmmm. Ich weiß jetzt nicht so genau, wie Du “hohe Streuung” definierst. Ich nehme zugunsten von OMDS an, dass es auch einwandfreie Exemplare gibt. Was ich nicht weiß, ist, wie hoch der Prozentsatz der fehlerhaften und der einwandfreien Exemplare ist. (Habe ich auch nie behauptet, es ist nicht mal klar, was als “einwandfrei” zu gelten hat.) Die Bandbreite der Streuung wird davon aber nicht beeinflusst. Wenn ich von meinem Exemplar ausgehe und eine Streuung von Null annehme, dann sind alle diese Objektive Grütze. Je besser die anderen Exemplare sind, desto höher ist die Serienstreuung. Simple Mathematik.

    2. Seit 2006, meinem Olympus Einstieg, habe ich mittels einer selbst entwickelten Testtafel (100cm x 70cm) jedes Objektiv VOR dem Kauf eingehend getestet. Im Ergebnis waren alle Objektive sauber zentriert und bis in die Eckbereiche praktisch ohne Schärfeabfall. Dabei wurden auch tangentiale und sagittale Strukturen betrachtet.
      (FT 7-14mm, FT14-35mm, FT35-100mm, FT12-60mm und FT50 Macro). Diese Objektive sind mittels MMF1 und MMF3 noch an E-M5II, E-M1II sowie E-M1X im Einsatz.
      Ab der Einführung der mFT-Linie wurden wegen Zentrierfehlern getauscht: 45/1,8 (2x), 25/1,2 (2x zuzüglich Justierung beim Service), Panasonic / Leica Summilux 25/1,4 wegen stuckerndem AF getauscht gegen OLY 25/1,8.
      Ohne Fehl und Tadel waren (sind): 12/2,0, 17/1,2, 60/2,8 Macro, 75/1,8, 40-150/2,8 sowie 75-300 II

  2. Setsuya Kataoka, Chief Technology Officer von OM Digital, hat erklärt, dass man in Zukunft auch mit anderen Firmen aus der Branche zusammenarbeiten würde. Das ist an sich nicht Revolutionäres, aber es interessiert mich halt, wer die kommenden Objektive der neuen Roadmap bauen wird; vielleicht habe ich diesbezüglich auch nur was verpasst.
    Hat nun OM Digital ein neues Werk, oder werden die Gläser bei Sigma gefertigt wie das 100-400mm? Bei Sigma kann ich mir die große Serienstreuung nicht erklären, die Dinger sind ja nicht billig.
    Einfach nur schade, wie die ehemals großartige Linsenmanufaktur von Olympus so zu Ende gegangen ist, ein China-Label (?) wird diesen Charm nie schaffen.

    1. Derzeit werden die Objektive bei Sigma, in der OMDS-Fab in Vietnam und in der Olympus-Fab in Nagano gebaut. Teilweise wird da auch gemischt und Objektivteile zwischen den verschiedenen Standorten rumgeschickt.
      Zukünftige Kooperationen betreffen vor allem Sony, da geht es um die Elektronik in den Objektiven.
      Das 150-400 wird nach wie vor in Nagano produziert, weil nur dort die erfahrenen Linsenmeister sitzen. Derzeit werden Leute ausgebildet, die den entsprechenden Qualitätsstandard auch in Vietnam liefern können.
      Im Prinzip kann auch Vietnam gute Qualität liefern. Die haben dort gute Maschinen und gute Leute. Warum das im Augenblick nicht klappt? Ich vermute, dass das Objektiv schnell entwickelt werden sollte und man dafür ein paar Details unter den Tisch hat fallen lassen. Wenn in der Konstruktion gespart wurde, dann kann es passieren, dass man ein Objektiv nicht unter allen Umständen korrekt justieren kann. Das kann dann auch nicht im Nachhinein eingestellt werden. “innerhalb der Specs”.
      Aber es kommen wieder bessere Zeiten. Die Nachwirkungen des Marketingchefs sollten jetzt langsam rum sein.

  3. Ich kann Objektive nicht einfach so zur Probe bestellen, wenn ich im Handel kaufe. Direkt im Oly-Shop mag das gehen, obwohl ich solche Verkaufskanäle nicht schätze. Deshalb habe ich Mühe mit Objektiven, die nur nach einer mehrfachen Privatselektion taugen. (Was passiert eigentlich mit den Rücksendungen?) Die schwankende Qualität hat mich schon von Käufen abgehalten oder mich zu Lumix Leica geführt. Die Zooms mit f1.7 scheinen aber auch grosse Schwankungen aufzuweisen, wenn diverse Forumsberichte stimmen.

    Vor kurzem sollte ich für jemanden Fotos bearbeiten und drucken, die mit einer M5 mk iii und einem m.zuiko 14-150 II aufgenommen wurden. Ich hatte noch nie in 15 Jahren so viel Mühe, anständige Resultate zu erreichen, weil die Fotos nur bei den Grobstrukturen scharf waren. Feine Strukturen wie z.B. entfernte Büsche waren nur Matsch. Kein Verwackeln oder Blendenbeugung bei 1/800s und f7.1. Nicht mal mit einer E-3 und FT40-150 war es so schwierig. Die Streuung bei den Objektiven scheint sehr gross. An der Kamera kanns nicht liegen. Sonst bekomme ich perfekte A2-Drucke von der E-5 und der Pen F.

    Ich selber habe ein 17/1.8 aus einem Kit, mit dem ich gar nicht zufrieden bin: Bei Gegenlicht starke Reflexe und Farbsäume, tauglich nur für Innenaufnahmen. Kein Vergleich zu einem 12-100 f4, das extrem gut ist. (Oder ich habe diesmal Glück gehabt.)

    Ich meine, mal in einem Bericht von Reinhard gelesen zu haben, dass nach dem 150-400 noch andere Objektive in dieser Qualitätsklasse kommen würden. Wenn ich Kommentare oder Reinhards aktuelle Berichte lese, habe ich bis dann keine Lust auf Zusatzanschaffungen, egal wie attraktiv die Brennweiten sind. Zum Glück habe ich noch grosse Bestände an FT-Linsen.

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