Sie säen nicht…

Sie ernten nicht.
Aber sie wissen alles besser.

Das ist nur einer der Sprüche, den die Bauern auf ihren Schildern haben, mit denen sie derzeit durch die Gegend fahren. Viel Unmut hat sich da aufgestaut. Ich habe Regine Lehmeier von Land Schafft Verbindung am Rande einer Demo in Freystadt interviewt:

Insgesamt habe ich fast eine Stunde Videomaterial von der Demo mitgebracht und es ist wirklich schade, dass die Proteste der Bauern in den Medien immer auf die „Düngemittelverordnung“ reduziert werden. Denn was sie vor allem wollen, ist Fairness. Sie bekommen immer teurere Vorschriften vor den Latz geknallt – und die Konkurrenz im Ausland, die sich einen feuchten Kehricht ums Tierwohl schert, verkauft ihre Produkte zu Dumpingpreisen. Die Niederlande exportieren ihre Gülle nach Deutschland, um Strafzahlungen zu vermeiden. So kann man das auch machen.

Ich war geflasht – 450 Bauern haben sich zusammengefunden, weil das Büro eines MdB sich geweigert hatte, den Bauern einen kurzen Termin mit dem Abgeordneten zu geben, um ihr Positionspapier zu übergeben. 300 Schlepper in einer Sternfahrt. Es gibt in Deutschland etwa 260.000 landwirtschaftliche Betriebe. Über die Hälfte ist mittlerweile bei Land Schafft Verbindung dabei. Eine Graswurzelbewegung wie es sie in Deutschland noch nicht gab.

Natürlich ist das hier immer noch eine Foto-Blog. Deswegen hier dieses Foto eines Herrn, der mit der großen LED-Leuchte hoffte, coole Videos zu machen. Das ging etwas daneben, weil sich natürlich alle weggedreht haben. Da ist die E-M1X mit dem alten 14-35 f/2 ein kleines bisschen überlegen. 😉 (Ich bin absolut kein Fan von Videoleuchten. Hier sieht man, warum.)

Ein winziger Bruchteil der Schlepper – selten hatte eine Graswurzelbewegung solch schweres Gerät zur Verfügung. Glücklicherweise kommen die Bauern prima mit der Polizei klar – einen Mähdrescher kann man nicht wegtragen. Von 300 reden wir erst gar nicht.

Und hier hat mir der Kollege freundlicherweise ins Bild geblitzt. Mit den Olys und Stabi ist das kein Problem. Irgendwann blitzen sie einem ins Bild. Man muss nur die Belichtung lange genug machen…. 😉 Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er die meisten Fotos ohne Blitz gemacht hat, Ehre wem Ehre gebührt.

Und noch ein bisschen Treckerdemo in Neumarkt.

Die Drohnenvideos hat übrigens Christian gemacht, den ich auf dem Leisure League Dogs-Konzert kennengelernt hatte. Aber selbst der hat nicht alle Trecker draufgebracht. Die beiden Schlepperschlangen, die nach Freystadt gefahren sind, waren mehrere Kilometer lang.

27 Replies to “Sie säen nicht…”

  1. unsere Landwirte sollten sich mal mit ihren französischen Kollegen unterhalten. Von denen können sie lernen, wie man demonstriert und auf sich aufmerksam macht.
    Einfach mal eine Woche nicht produzieren und liefern, das sollte schon mal ein Anfang sein.

    1. So etwas ist vor einem Jahrzehnt schon versucht worden, da haben die Bauern die Milch in den Gulli gekippt. Das war den Großhändlern wurst. Haben sie halt im Ausland eingekauft. Das Problem ist, dass viele Bauern nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehen, sondern schon einen Schritt weiter sind. Wenn da eine Woche kein Geld reinkommt, müssen sie den Betrieb zusperren.

      1. stimmt, das Geld das momentan kommt, deckt aber die Kosten nicht. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Hof zugemacht werden muß. Das liegt zum Teil an der „Geiz ist geil“ Mentalität der Verbraucher, zum anderen Teil am Versagen der Politik. Dieses Versagen gibt es aber schon seit Jahrzehnten. Dass sich jetzt immer mehr Bauern von ihrem großen Verband abwenden und in kleineren Gruppen versuchen noch etwas zu retten, ist ein letzter und wohl auch verzweifelter Versuch, zu überleben.
        Bei den Verbrauchern kommt das aber auch nicht an, Hauptsache billig einkaufen und nachher über Lebensmittel-Skandale jammern und den Bauern die Schuld dafür geben.

  2. Es ist keine Graswurzelbewegung sondern wird vom Bauernverband gelenkt. Der versucht auch gar nicht das richtig zu verheimlichen.

    Anders gesagt: hier lassen sich Bauern für die Agrarindustrie (Großbauern, Chemische Industrie, etc.) vor den Trecker spannen. Die Bauern, mit denen ich in Kontakt bin (bio und konventionell) waren nicht dabei.

    In den Niederlanden gab es übrigens den letzten großen „Bauern“protest am 12. November in Den Haag, da war ich zufällig. Was die wollen? Ihre Gülle (die aus Kraftfutter aus Südamerika gemacht wird) weiterhin in das Grundwasser entsorgen, so wie in Niedersachsen etc. auch.

    Sehr schöne Bilder!

    1. Das ist ein kleiner Irrtum. Diese Bewegung ist entstanden und dann hat sich der Bauernverband drangehängt. Er versucht im Augenblick so zu tun, als wäre er der Chef – das ist er aber nicht. ich habe die Nummer so ziemlich von Anfang an mitbekommen – inklusive der Versuche des Bauernverbandes, das am Anfang zu unterdrücken.

      Ich weiß, dass die Story, diese Bewegung würde vom Bauernverband gesteuert, verbreitet wird. Sie ist aber schlicht Fake. Die Infrastruktur der verschiedenen Verbände wird genutzt – schlicht weil natürlich viele der beteiligten Bauern im Bauernverband sind – das bedeutet aber nicht, dass da irgendwer steuert. Das ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass die Infrastruktur der Verbände mit deren Lobbyisten verwechselt wird. Ich musste mich da auch belehren lassen.

      Dieser Irrtum kommt daher, dass die Medien natürlich bevorzugt Personen „featuren“ die sie bereits kennen, mithin die bekannten Lobbyisten. Die erzählen natürlich, dass sie das alles im Griff haben – die werden sich hüten und das Gegenteil einräumen.

      1. Ich habe bisher noch keine Distanzierung vom Bauernverband gesehen. Selbst die Schüler bei FFF haben es geschafft, sich von Trittbrettfahrern zu distanzieren. Erwachsene Unternehmer nicht? Unglaubwürdig.

        Wenn sie sich aber nicht distanzieren (wollen), dann sind sie logischerweise Handlanger vom Bauernverband.

        Ihre Forderungen klingen auch genauso: Agrarindustriefreundlich, Familien-Bauernfeindlich. Haben mir heute auch erst wieder Bauern so bestätigt.

        1. Ich habe mir das Positionspapier des LsV hier in der Gegend geben lassen. Wo das „Agrarindustriefreundlich, Familien-Bauernfeindlich“ ist, möchte ich gerne wissen. Ich bitte um Aufklärung.

          Wegen der Distanzierung: Bauern im LsV sind im Bauernverband, andere im Milchbauernverband, andere in einem Bioverband oder in gar keinem Verband usw. Das ist eine Graswurzelbewegung, kein zentralistisch organisierter Verein. Eine Graswurzelbewegung ist anarchisch organisiert – warum sollten die sich von irgendwas oder irgendwem distanzieren? Dass FFF sich distanzieren kann, liegt daran, dass FFF Deutschland mittlerweile straff zentralistisch organisiert ist. Die Forderung, dass sich der LsV vom Bauernverband distanzieren soll, entspricht der Forderung, dass sich FFF von den allen Schulen distanzieren soll, deren zuständige Kultusminister der CDU angehören.

  3. Wir müssen alle weniger essen und vernünftiger!
    Und weniger wegschmeißen – von der Erzeugung bis zum Endverbrauch (Verbrauchen statt Vernichten!).
    Dann würden wir bei gleichen Kosten gesünder leben, die Landwirte könnten vernünftig arbeiten, Tieren und Umwelt würde es deutlich besser gehen.
    Niemand müsste auf irgendetwas verzichten.
    Schlimmstenfalls ein paar Gewohnheiten ändern…
    Aber das setzt voraus, dass wir alle um- und neu denken lernen. Alle. Nicht nur ein paar „Ökos“.

    jm2c, Martin

  4. Ich denke, wenn wir auf einen intelligenten Masterplan aus der Politik oder gar Wirtschaft warten, warten wir vergeblich. Die Frage ist für mich also, wie kann ich ohne Handeln der Politik etwas tun? Was kann ich wie beitragen? Ich kaufe wo immer es geht Bio und/oder deutsche Produkte, aus China grundsätzlich gar nichts, aus dem europäischen Ausland oder gar Südamerika möglichst wenig. Aber was kann man als Verbraucher noch tun? Wenn ich bereit bin, mehr zu zahlen, nutzt das ja nix. Da freut sich nur der Händler.

  5. Tolle Bilder – und ja, unsere „Geiz ist geil“-Mentalität hat da einen erheblichen Anteil dran.
    Und ja, die Landwirte stehen mit dem Rücken an der Wand. Was Du völlig vergessen hast, ist die Entwicklung der Pacht- und Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen. Insbesondere in den neuen Bundesländern sind die auf ein Niveau gestiegen, das selbst gut wirtschaftende Betriebe bei Kauf oder auch Neupacht nicht mehr mithalten können. Das Problem ist aber: die Preise werden gezahlt. Im Zweifel von Investoren, die die Anlage von Geld in Form von Fläche als sicherer empfinden, als weitere Spekulationen an der Börse. Berufsbedingt könnte ich dazu Romane erzählen…
    Andererseits darf man aber die Auswirkungen unserer Intensivlandwirtschaft nicht vergessen. Nur zwei Stichworte: Nitrat und Glyphosat. Das eine bereitet uns zunehmend Sorgen hinsichtlich unserer Wasserqualität (es gibt nordfriesische Inseln, wo die Nitratwolke schon im Trinkwasser angekommen ist) das andere steht in dem Verdacht nicht nur gesundheitsschädlich zu sein sondern auch die Fauna (vor allem Insekten) massiv zu beeinträchtigen.
    Und die heutigen Riesenschläge sind zwar wirtschaftlicher aber ökologisch nahezu tot.
    Letztendlich werden wir um eine gewaltige Umkehr in unserem Essverhalten nicht drum herum kommen – sind wir dazu bereit?
    Viele Grüße
    Hans-Joachim

  6. Ich sehe das anders. Die „Geiz ist geil“-Mentalität geht weniger vom Verbraucher, als von den großen Supermarktketten aus, die damit ihre Rendite erhöhen können. Einfach nicht mehr bei Lidl, Aldi, Rewe, Edeka einkaufen! Nur wo soll man dann einkaufen gehen? Der Verbraucher steht mit dem Rücken doch fast genauso an der Wand.

    Hat sich der Verbraucher eine durchökonomisierte, industrialisierte Landwirtschaft gewünscht? Mit all ihren perversen Nebenwirkungen wie z.B. Regenwaldrodung um Futtermittel zu produzieren, tonnenweiser Einsatz von Spritzmitteln, verpflichtender Anbau von gentechnisch verändertem Dreck (Monsanto-Act von Obama, 2013) ungehemmter Antibiotikaeinsatz in der Viehzucht, den Jimmy Carter in den 70er Jahren schon unterbinden wollte, es aber nicht schaffte weil es „schlecht fürs Geschäft“ gewesen wäre. In den Niederlanden und in Niedersachsen finden sich multiresistente Keime überall, auf den Güllefeldern und dem dort wachsenden Gemüse genauso wie in den Viehzüchtern selbst.

    Cui bono – wer profitiert von dem derzeitigen System wirklich? Die Landwirte, Viehzüchter genauso wenig wie der Verbraucher. Multinationale Großkonzerne hingegen schon, sie haben sogar Milliarden-Budgets für Lobbyisten in Berlin und Brüssel übrig.

    Meiner Meinung nach wird sich innerhalb des bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystems gar nichts ändern weil sich zielführende Lösungen gar nicht etablieren können.

    jm2c,

    Rafael

      1. Das Thema ist extrem komplex. Jetzt gerade vor Weihnachten gibt’s polnische Mastgänse – die kannst Du wiederum in einem normalen Betrieb in Deutschland nicht zu solchen Preisen liefern. Beim Nitrat – es gibt Städte in Deutschland, unter denen ist die Nitratbelastung höher als im Umland. (undichte Kanalisationen. Ein Thema um das sich die Städte drum rum drücken, weil da ein irrer Investitionsstau lauert.) Es gibt Bauern, die ihr Geld damit machen, Gülle auf ihren Feldern zu entsorgen. Bis vor kurzem wurde Gülle aus Biogasanlagen gar nicht als Gülle klassifiziert, weil da keine Kuh vorne dran war. Entsprechend konnte sie in irren Mengen aufs Feld gefahren werden. In Weinbaugebieten ist die Nitratbelastung weit höher als beim klassischen Ackerbau, obwohl weniger Gülle eingesetzt wird. Der Boden ist da durchlässiger. Andererseits sind in vielen Wasserwerken die Nitratentfernungsanlagen abgeschaltet, weil unnötig. Das ist alles noch nicht wirklich erforscht und eine Methode die in Dorf A funktioniert bewirkt in Dorf B das Gegenteil. Derzeit sind Bauern am Entwickeln einer Strategie, wie man „Carbon Negative Farming“ umsetzen kann. In den USA und UK gibt es bereits Betriebe, die so arbeiten, in Deutschland ist das aufgrund der teils absurden Vorschriften so noch nicht möglich.
        Landwirtschaft ist HighTech – und die Forschung dazu grotesk unterfinanziert. Es gibt noch nicht mal abschließend Sicherheit, was nun mit dem Glyphosat los ist.

  7. Ich vertreibe Fotos über einige Bildagenturen, die erzielbaren Erlöse sind in den letzten Jahren extrem gefallen. Leider sind Fotografen nicht wie die Bauern organisiert, aber ich fände für Fotografen auch folgendes angemessen:
    Basisprämie: da ich meine Bilder im Vergleich zu Asien etc. bei höherem Sozialstandard und Umweltschutzauflagen produziere
    Umverteilungsprämie: für kleine Betriebe mit < fünf DSLR-Kameras
    Greening-Prämie, da ich meine Motive bevorzugt per Rad und zu Fuss erkunde
    Erstattung nicht genutzter Mittel der Krisenreserve: zahlbar, da seit 2008 keine globale Finanzkrise.
    Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen: meine Gletscherbilder erhöhen sicher die Sensibilität für das Thema.
    Ausgleichszulage benachteiligte Gebiete: ich wohne in ländlicher Region in Niedersachsen, hier gibts wenig tolle Motive, ich habe erhöhte Reisekosten.
    Kein Witz – alle oben genannten Prämien gibt es wirklich für Landwirte, die Info ist für jeden Betrieb öffentlich lesbar unter: https://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche. Einfach mal einzelne Betriebe suchen.
    Durchschnittliche Förderung gut 20.000 je Hof/Jahr (halbes Durchschnittseinkommen in D) – was man als Steuerzahler dafür erwarten kann (wie Umweltauflagen) ist natürlich eine Diskussion wert. Aber dieses wiederkehrende 'Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand' nervt mich schon ein wenig, da gibts Berufsgruppen mit weniger Lobby und mehr Problemen.

    1. Na, da hast du aber einen überzeugenden Kommentar rausgehauen.
      Die Seite mit den Zahlungen kenne ich seit Jahren und weiß auch genau, welche Ausgleichszahlungen beispielsweise „mein“ Landwirt erhält. Er produziert auf ca. 120 ha Fläche in einem der fruchtbarsten Gebiete Deutschlands und kann von der Produktion von z.B. Raps und Weizen nicht mehr leben, weil die Preise im Keller sind. Ca. 20% der Fläche sind im Vertragsnaturschutz trotz der hohen Bodenbonität, er könnte sie sicher auch anders verpachten., z.B. an Biobauern, bei deren mechanischer Unkrautvernichtung kein Lerchennest übersteht. Andere Teilflächen werden rotierend an Saatzuchtbetriebe verpachtet, deren Auflagen z.B. bezüglich Viren- und Nematodenfreiheit der Böden extrem hoch sind. Bodenproben werden auch deswegen regelmäßig gezogen, um eine Über- und Unterversorgung der Böden mit Nährsalzen zu vermeiden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, z.B. gegen Pilzbefall oder unerwünschte Begleitvegetation (vulgo „Unkraut“) wird auf ein Mindestmaß beschränkt, weil das Zeug als Substanz und bei der Ausbringung viel Geld kostet. Wird aber z.B. gegen Ackerfuchsschwanz nicht vorgegangen, ist beispielsweise der Weizen bei der Ernte verunreinigt und es gibt Abzüge beim Erlös. „Mein Bauer“ (und von der „Sorte“ kenne ich einige aus der Generation meiner Kinder) ist Landwirt in der xx.ten Generation, hat nach dem Abitur eine landwirtschaftliche Lehre, teils im Ausland, absolviert, danach studiert und einen Universitätsabschluss, Master of…) und eine Reihe von verpflichtenden (z.B. für den Umgang mit Schadnagern etc., regelmäßig zu erneuern) und freiwilligen Zusatzqualifikationen erworben. Er ist Landwirt mit Leib und Seele, könnte fern vom Hof wesentlich mehr verdienen und überlebt nur (ohne WKA) dank einer sehr speziellen Ausrichtung eines Betriebszweiges, der Ackerbaubetrieb schreibt seit etlichen Jahren incl. Verpachtungen nur eine schwarzrote Null. Am Aktienmarkt kapitalisiert wäre der Hof weitaus ertragreicher als in der Bewirtschaftung. „Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand“ nervt nicht, sondern ist für die Mehrzahl eine Tatsache und ohne die das Überleben vieler sichernden Transferzahlungen wäre die Zahl der Betriebe in den letzten Jahrzehnten noch schneller zurückgegangen und die Großbetriebe, die es nicht erst in MV etc., sondern auch schon inm östlichen SH und NDS gibt, wären noch schneller gewachsen, da die Ausgleichszahlungen immer noch überwiegend flächenbezogen (und grundsätzlich falsche Ansätze verfolgend) erfolgen. Die Auswirkungen sieht man; bestimmte Wildarten z.B. profitieren von den riesigen Schlägen und dem seit Jahren zunehmenden Energieangebot in Form diverser Feldfrüchte in Fast-Monokultur (Schwarz-, Rot-, Dam-, Reh-Wild), aber wenn im östlichen SH oder in MV mal ein Hase oder gar Rebhuhn (gibt es u.a. beides auf den Flächen „meines“ Landwirts noch) gesehen wird, feiern die Jäger drei Tage lang. Viele der Landwirte im Norden sind als Gewerbetreibende tätig: Ihre Windkraftanlagen (samt Phantomstrom, den wir in SH teuer bezahlen; Leitungen in Richtung Süden sind eben unterdimensioniert) werfen Gewinne ab, der Beriebszweig Landwirtschaft spielt oft keine entscheidende Rolle mehr. Das Durchschnittseitkommen in bestimmten „Windgemeinden“ liegt bei 300-400%, ursächlich dafür sind die Landwirte mit dem amerikanischen Elektroauto vor der Tür. Ich sehe meinen Beitrag als Ergänzung zu den differenzierenden von Reinhard und Hans-Joachim Engell.

    2. Dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Auch ich lebe auf dem Land und habe beruflich hin und wieder mit Landwirten zu tun. Was soll ich sagen – ein extrem spezielles Klientel. Sicher ist etwas dran an den zur Zeit überall dargestellten Problemen, aber es ist auch Tatsache, das die Spezies Landwirte so lange ich denken kann, viel und gerne klagt und jammert – und das lange auf hohem Niveau. Wenn ich so über Land fahre sehe ich auf 95 % der landwirtschaftlichen Gebäude riesige Photovoltaikanlagen. Und es müssen immer die größten, modernsten und neuesten Traktoren und Maschinen sein. So ganz schlecht, wie es derzeit oft und gerne dargestellt wird, kann es den Bauern nicht gehen……. Was macht ein kleiner Handwerksbetrieb wenn die Aufträge ausbleiben ??? Nach Unterstützung vom Staat oder der EU rufen – wohl kaum.

      1. Sowas nennt man, glaube ich, anekdotische Argumentation. Oder auch „gefühlte Fakten“.

        Wenn ein Landwirt jemand gegenüber steht, von dem er bereits nach drei Worten merkt, der Typ hat keinen Plan, von was er redet, dann machen die dicht, weil es Landwirte längst langweilt, immer wieder den gleichen Sumpf zu erzählen und sich beschimpfen zu lassen.

        „Die Spezies Landwirte …. viel und gerne klagt…. und auf hohem Niveau.“

        Allein diese Aussage zeugt davon, dass Du nicht mal grob weißt, wovon Du redest. Schon mal was vom Bauernsterben gehört? Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist von 900.000 in 1975 (weit vor der Wende!!!!) auf 270.000 2018 gesunken. Die haben sicher alle wegen akutem Reichtums geschlossen.

  8. Wenn ich von „extrem speziellem Klientel“ spreche, dann beruht das auf meinen beruflichen Erfahrungen mit der Sparte über etliche Jahre. Probleme haben die Landwirte sicherlich, das steht außer Frage, aber die haben andere Berufsgruppen auch, mal mehr mal weniger. Und das ich nicht weiß, wovon ich spreche, muss ich mir hier nicht anhören. In diesem Sinne schönen 2. Advent….

    1. Hmm. Die Bauern müssen sich aber von Dir anhören, dass sie „jammern“?

      Und: Bauern unterscheiden sich in einer Hinsicht fundamental von allen anderen Berufsgruppen. Wir können auf Fernseher, Friseur, Fotos und Autos verzichten. Aber nicht auf Essen. Dieses „spezielle Klientel“ sorgt mit 365/24-Stunden Einsatz dafür, dass wir alle nicht innerhalb weniger Wochen tot sind.

      Vielleicht sollte das hin und wieder mal klar gemacht werden? Es ist für Bauern gar kein Problem, autark zu werden. Bauern kommen ganz prima alleine zurecht, wenn es drauf ankommt. Nur die restlichen 80 Millionen Deutschen haben dann ein Problem.

      1. Das gilt auch für Lokführer, Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Müllmänner, und und und. Niemand kommt alleine zurecht, Arbeitsteilung betrifft jeden.

        Landwirte haben sich Jahrzehnte vom Bauernverband verarschen lassen, der nur die Interessen der Agrarindustrie vertritt (Rukwied und Co. bekommen Geld von Bayer, Arla, Case, etc. etc.).

        Nur wenige Bauern haben verstanden, dass immer mehr Billigstscheiß nichts bringt. Die produzieren Qualität, und die wird bezahlt. Ich zahle 1,5 Euro pro Liter Demetermilch ab Hof, 45 Cent pro Ei, etc. Ich bin nicht allein, denn „mein“ Bauer lebt bestens (und sein Sohn als auch), nicht nur finanziell sondern auch „seelisch“, denn seine Weiden sind besser als die meisten Naturschutzgebiete. Auch mein (konventioneller) Gemüsebauer kann gut leben, ich rede mit ihm auf dem Wochenmarkt. Er setzt sehr wenig Pestizide ein (merkt man) und ist auch sonst gut drauf. Das gilt auch für „meine“ Biowinzer, etc. etc.

        Schon als ich Kind war, wurde von https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Geiersberger in „Unser Land“ in BR3, immer gewarnt, dass das vom Bauernverband geforderte „Wachse!“ nichts bringt, außer Verschuldung. Dass man Nischen suchen muss: Direktvermarktung, Naturschutz (wird gut bezahlt, kenne einige Bauern, die davon leben), Ökoanbau, Ferienwohnungen, Catering, etc.etc.

        Dazu kommt heute, besonders nördlich von Bayern, die Klimakrise. Die meisten Landwirte reagieren aber nicht mit Agroforstsystemen, oder Mischkulturen, sondern schauen zu, wie der Wind ihre nackten Äcker wegweht, etc. Vernünftig, nachhaltig wirtschaften ohne Chemie können sie nicht, haben es nie gelernt, weil das seit 30 Jahren nicht mehr gelehrt wird.

        Wer mehr wissen will, sollte bei den Biovereinigungen reinschauen, oder auch bei der AbL – Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft.

        1. Ach noch was zum 365/24 Einsatz:

          Bauern (mit Tieren) arbeiten auch am Sonntag etc. ja, sie haben keinen 8 Stunden Tag, etc. ja!
          Aber sie sind ihr eigener Herr, sie machen mal 2 Stunden Pause mitten am Tag und ratschen mit mir (ich erfahre da ganz viele Dinge, die hochinteressant sind, agrarpolitisch, tierärztlich, Anbautechniken, etc.). Wir treiben gemeinsam die Kühe auf die Weide und danach schauen wir uns Blumenwiesen an. Wir schauen uns die zwei Schweine an die übermorgen geschlachtet werden und dann muss er sich umziehen, weil gerade hinter uns ein Kalb geboren wurde und er das mal eben versorgen muss.

          Die Arbeit ist sinnvoll (das fehlt bei den meisten Jobs heutzutage), viel Eu-Stress, keine blöden Vorgesetzten, extrem flexible Arbeitszeiten (positiv und negativ), oft ist es kalt/heiß und schmutzig.
          Nicht zu vergleichen mit 50 Stunden Bürojobs, ganz anders.

          1. Da sind wir seeehr beieinander. (Übrigens sind auch Mitglieder der AbL bei LsV) . Die Direktvermarktung ist der Weg, der vielen Bauern derzeit den Hintern rettet. Ist auch eine Position der LsV, die Direktvermarktung zu stärken. Und ja, manche haben nicht rechtzeitig umgesteuert und haben noch langfristige Verträge, die ihnen die Luft nehmen. Und viele haben einfach das Geld nicht frei, um das Loch zwischen Abnahmevertrag und Direktvermarktung zu überbrücken. Und andere bauen Weizen an – der eignet sich nicht für die Direktvermarktung. Die Biolandwirtschaft ist für den einzelnen Bauern natürlich ein Weg – aber geht halt für viele nicht, weil die Fläche nicht da ist. Ich kenne einige, die würden lieber heute als morgen umstellen, können sie aber nicht, weil sie die Flächen nicht gepachtet kriegen. (Unabhängig davon, dass bei flächendeckender Bio-Landwirtschaft dann die Erträge in Deutschland so weit nach unten gehen würden, dass es mit dem Essen knapp wird. )

            Man sieht: es ist einfach extrem schwierig. Es gibt Leute, die kommen mit dem System prima klar – aber die meisten haben einfach ein Problem.

            Wenn Du dir das verlinkte Video ansiehst: den Bauern ist durchaus klar, dass die Verbände über Jahrzehnte eben nichts für die Bauern gemacht haben. Genau das ist ja der Grund für die aktuellen Demos.

  9. Nehmt Euch die Zeit und schaut mal die Doku „Das System Milch“. Das ist schon ein recht ausgeklügeltes System, die EU Agrarwirtschaft.

    Meine (Erkenntnis-) Highlights:
    Selbst Ställe mit einer vierstelligen Anzahl von Tieren machen nur Gewinn, weil sie EU Forderung erhalten. Diese Förderung erhalten sie wiederum nur, wenn sie dauerhaft Überkapazitäten schaffen. Das Überangebot stellt sicher, dass der Liter Preis gering bleibt – notfalls liefert ein anderer Bauer. Damit muss der einzelne Bauer mitspielen – sonst er aus dem Spiel raus.

    Die EU sendet riesige Mengen Milchpulver nach China und Afrika. Das Produkt Milch ist nur profitabel, weil wir es exportieren. Das bezahlt die Förderungen an die lokalen Bauern. Die EU diktiert und kontrolliert alle Agrar Spielregeln. Und macht eine afrikanisch lokale Milchproduktion unrentabel.

    Heisst für mich: Der Preis für das Produkt Milch ist kaputt. Inklusive aller negativen Auswirkungen für Mensch, Tier und Gesundheit. Im Film gezeigter möglicher Ausstieg: Biohof mit Direktverkauf. Abhängigkeit von Brüssel kappen.

    Würde mich wundern, wenn „Das System Korn“ anders funktioniert.

    Quelle:
    EU Agrarministerium: https://europa.eu/european-union/topics/agriculture_de
    ARD Mediathek: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8yMDMwOTM0Ng/

  10. Hallo,
    bin erst jetzt darüber „gestolpert“.
    Ein guter Bericht und Interview von der LSV Trecker Demonstration am 3.12.2019,
    dazu mit klasse Bildmaterial hinterlegt.
    Endlich mal jemand der sich informiert, verstanden und hinterfragt hat warum die Landwirte
    auf die Strasse gehen.
    Wenn man die ganzen Kommentare liest, dann zeigen doch etliche, warum demonstriert wird:
    Neiddiskussionen über Ausgleichszahlungen, fremdgesteuerter Bauernverband oder der Begriff
    “ mein Bauer“ grenzt schon an Ökofeudalismus.
    Über das eigentliche Regulativ, den Markt, scheinen sich die Wenigsten Gedanken zu machen
    und ihr eigenes Konsumverhalten zu überdenken.
    Ich verhalte mich gesellschaftskonform, denn ich produziere genau das, was der Markt verlangt
    und ich verkaufen kann.
    Danke Reinhard für diesen aufschlussreichen Blog.
    Gruß Ernst Döhne

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