E-M1X und ND-Filter

Die E-M1X hat ja einen eingebauten ND-Filter. Naja, eigentlich nicht. Der „ND-Filter“ ist nichts anderes als eine Art LiveComposite. Die Kamera macht mehrere Aufnahmen und verrechnet sie. Der Effekt ist, dass die Belichtungszeiten nach unten heftig beschränkt sind.

  • ND0,3 verlangt mindestens 1/30s
  • ND0,6 verlangt 1/15s
  • ND1,0 verlangt 1/8s
  • ND1,3 verlangt 1/4s
  • ND1,6 verlangt 1/2s.

Leider verwendet Olympus nicht die Definition der Neutraldichte, sondern die „Faktorschreibweise“ – nur „vergessen“ sie das „x“ hinter der Zahl. Es müsste, wenn schon, dann ND 32x heißen. Also die 32-fache Belichtungszeit. Wenigstens schreiben sie den Lichtwertverlust dahinter. Bei „ND32“ sind es 5 Lichtwerte oder Blendenstufen.

Diese seltsamen hellen Flecken in regelmäßigen Abständen sind keine Artefakte der Kamera, sondern Reflexionen.

Das ist ganz flott. Leider hilft das nur was, wenn es nicht allzu hell ist. Zur Mittagszeit mal schnell einen Brunnen weichmachen? Nope. Man kann gar nicht so weit abblenden, dass man 0,5 Sekunden Belichtungszeit bekommt. Einen sonnendurchflutenden Platz leerräumen? Geht nicht. Zu hell. Genau dann, wenn der Graufilter echt nötig wäre, hilft er gar nichts.

Das ist die kurze Belichtung.
Gleiches Motiv, nur mit ND-Filter. Geht nicht dunkler. Blende 22, 1/2s.

Ich verwende meinen ND3,0-Graufilter gerne, um Sonnenflecken zu fotografieren und habe dabei Belichtungszeiten von 1/8000s oder noch kürzer. Geht natürlich mit der kamerainternen Lösung nicht.

Der Merkurdurchgang im Mai 2016. Der kleine schwarze Punkt im unteren Viertel der Sonne ist der Merkur. Objektiv: Sigma 50-500 mit EC-14 UND EC-20, also 1,4Meter Brennweite. Das Bild ist KEIN Crop. ND 3,0-Graufilter 1/2000s Belichtungszeit. (Und ja, das Bigma mit zwei Konvertern ist alles andere als scharf. Weiß ich.)

Was kann man dann damit machen? Außer Wasser weicher machen – was schon längst keiner mehr sehen will? Zoomspielereien wie beim Titelbild. Ist nett, aber wenn man es dreimal gemacht hat, langt’s auch schon wieder. Und der Ausschuss ist lächerlich hoch, vor allem, wenn man das Freihand versucht.

Wirklich spannend ist der Effekt im nächtlichen urbanen Umfeld – vor allem in Verbindung mit dem prima Stabi der E-M1X. So ganz ohne Stativ unterwegs sein und mal schnell das Lichtergewimmel auf einer Kreuzung fotografieren – das hat schon was. Da wär ein ND3,0-Graufilter auch zu heftig.

Wieder mal: ein Feature, das ein paar zusätzliche Möglichkeiten eröffnet – aber klassische Techniken nicht ersetzen kann. Das ND3,0-Filter gehört nach wie vor in die Fototasche für die coolen Effekte, aber für unterwegs ist die Simulation eine feine Sache – bitte auch in die anderen Kameras per Firmware nachrüsten.

3 Replies to “E-M1X und ND-Filter”

  1. Nett, dafür aber eine EM1X kaufen? Mit Firmware-Updates hält sich Olympus ja sehr zurück in letzter Zeit. Wenn ich dran denke was für die EM1.1 alles kam…

    1. Es gibt Fotografen für die bietet die E-M1X echten Mehrwert. Wenn ich wochenlang ohne Netzanschluss unterwegs bin und als einzige Stromquelle ein USB-Solarpanel habe. Oder wenn ich jeden Tag im Zodiac sitze und alle fünf Minuten meine Kamera einen Brecher abkriegt. Oder wenn ich meine Brötchen damit verdiene, Gelbwestendemos an vorderster Front zu filmen.

      1. Dann werden diese Leute jetzt von Olympus auch bedient, hoffentlich spricht sich das bei denen auch rum. Da ist dann das zielgruppenorientierte Marketing wieder Thema.

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