Sorry, Mr. Woodford

Ich bin mir sicher, dass sie mich nicht kennen und nie von mir gehört haben. Ich hoffe es zumindest. Als Sie seinerzeit Olympus in die deutsche Tagessschau brachten, habe ich als so ziemlich einziger Journalist die „andere Seite“ vertreten. Und zwar ohne von Olympus eine Anweisung dazu gehabt zu haben. Ganz Olympus Europa ist nämlich seinerzeit in Deckung gegangen und hat auf alles nur noch mit Links auf die offiziellen Verlautbarungen aus Tokio reagiert. Ich war seinerzeit gezwungen, die japanischen und amerikanischen Quellen auszugraben um mir ein Bild zu machen. So richtig pseudo-investigativer Journalismus.

Ich habe „meine“ Marke verteidigt bis aufs Blut und kam mir dabei wie John Rambo persönlich vor. Und ich habe dabei an Ihnen kein allzu gutes Haar gelassen.

Ich möchte um Entschuldigung bitten.

Ich halte ihre seinerzeitige Entscheidung, an die Presse zu gehen, nach wie vor für falsch. Aber ich habe mittlerweile eingesehen, dass es für Sie seinerzeit keine richtige Entscheidung gab. There was no path to success.

Es war ein heldenhafter Versuch, mit einem Paukenschlag einen Filz aufzubrechen und eine Firma zu reformieren. Die Alternative wäre gewesen, jeden Morgen ins Board zu gehen und sich zu sagen „Leute, ich bin hier nur der Hampelmann, der die Leute rauswerfen soll, damit ihr das nicht selber machen müsst.“ Es war ein klarer Fall von „Du hast keine Chance, also nutze sie“. Es ging schief.

Mr. Woodford, ich möchte mich entschuldigen, für das harte Urteil, das ich über Sie gefällt habe. Sie sind in Hamburg einen Haufen Leute auf die Zehen getreten und ihr Führungsstil war ziemlich umstritten. Als ich zu ihrer Zeit in der Wendenstraße war, wehte ein Taifun durch die Gänge und die Leute beschwerten sich, dass sie vor lauter Meetings nicht mehr zum Arbeiten kämen. Aber darum geht es mir nicht.

Es ist schwer, wenn man Dinge herausfindet, die einen empören und man nicht weiß, was man damit anfangen soll. Wenn man sie veröffentlicht, applaudieren die falschen Leute und oft genug erreicht man das Gegenteil von dem, was man beabsichtigt hat. Die ganzen Whistleblower der letzten Jahre haben rein gar nichts erreicht. Sie nicht, Snowden nicht, Manning nicht. Die Strukturen haben sich nicht geändert.

Aber Sie, Mr. Woodford, haben es versucht. Und das ist bewundernswert. Und Sie haben dabei Fehler gemacht. Aus denen kann man lernen.

Sie, Mr. Woodford, haben mir gezeigt, dass man sich noch so schlau vorkommen kann, irgendeiner ist schlauer. Thanks, Mr. Woodford.

3 Replies to “Sorry, Mr. Woodford”

    1. Respekt.

      P.S.: Die Lektüre von Woodfords Büchlein „Exposed“ ist heute noch interessant und unglaublich spannend, auch wenn man den Ausgang kennt („die Strukturen haben sich nicht geändert“) und die Perspektive der Schilderung natürlich sehr subjektiv ist.

  1. Richard, meinen Respekt für diesen offenen Brief!

    Wir waren damals unterschiedlicher Meinung, aber darum geht es mir nicht.

    Ja, das Buch von Woodford ist zu empfehlen. Falls es jemand (im englischen Original) haben möchte, dann soll er mich bitte kontaktieren.

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