Das ist dieses Ding, dass man immer Bestätigung zu seiner vorgefassten Meinung sucht und zum Schluss Fakten, die nicht ins Weltbild passen, nicht nur nicht zur Kenntnis nehmen will, sondern gar nicht mehr auf die Idee kommt, dass es solche Fakten geben könnte.

Gestern habe ich selbst so einen Fall erlebt. An mir.

Vor lauter “OMDS liefert keine Ersatzteile mehr” bin ich, nachdem ein Fotografenkumpel den Batteriefachdeckel seiner OM-1 geschrottet hat, nicht einmal auf die Idee gekommen, beim Hersteller nachzuforschen. Ich habe bei ViaDaVinci gesucht. Bei Alpafoto, bei ebay.

Und dann hat mich google auf OMDS gstoßen.

Zack 19,90. Auf Lager. Lieferbar.

Gerade zu dieser Firma gibt es allerhand Hintergrund-Infos, die man nicht für möglich gehalten hat. Speziell ich. Weil ich eben aufgrund des “CB” in manchen Quellen nicht mehr recherchiert habe.

Gut, manche Dinge werden auch mit viel Fleiß geheim gehalten. Aus Gründen. Und dann tut man sich leicht, in die Falle des Confirmation Bias zu tappen.

Aber ich habe wieder gelernt: Unterschätze nie eine Firma, nur weil sie gerade schlechte Presse hat. Und da geht es nicht nur um einen Batteriefachdeckel. Manchmal werden Dinge entwickelt, die bewusst nicht nach draußen gegeben werden. Und manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis Ideen, die man mal eingeschickt hat, in Produkte eingebaut werden.

Die Idee, dass man Dinge auch unter der Firma, für die man arbeitet, patentieren lässt, vielleicht auch noch in Englisch, ist ziemlich letztes Jahrhundert. Heutzutage werden Patente bei Mutter- oder Tochterfirmen in einer möglichst exotischen Sprache angemeldet – teilweise wird der ganze Kram auch einfach komplett geheim gehalten. Schlicht, damit die Konkurrenz nicht auf blöde Ideen kommt. Denn mittlerweile ist es üblich geworden, das Patent zu klauen, in einem anderen Land das Patent anzumelden und dann das Produkt auf den Markt zu bringen. Bis der Patentstreit entschieden ist, ist das Produkt längst verkauft und kein Hahn kräht mehr danach.

Der Journalist, der nach Forschungsergebnissen sucht, muss dann wirklich seeeehr tief graben. Und ist ein leichtes Opfer des Confirmation Bias. Denn wenn er denkt, dass da nichts ist, gräbt er auch nicht danach.

Es bleibt schwierig.

Titelbild: Tiiief graben und dabei aufpassen, dass man nicht selbst in die Grube fällt.

One Reply to “Confirmation Bias”

  1. Löblich, eigene Schwächen zu erkennen.
    Confirmation Bias ist ein evolutionäres Programm, das trotz bekannter Unvollkommenheit davor schützt, den ganzen Tag über Standpunkt gegen Antipode auszuleuchten. Täten wir dies, würden wir wahrscheinlich wahnsinnig oder zumindest kaum handlungsfähig.
    Aber C. Bias hat eine böse Schwester und die heißt False Balance. Ertappt oder gefährdet dabei, einer Bestätigungsverzerrung oder selektiven Wahrnehmung zu unterliegen, kippt man gelegentlich in das Gegenteil und tappt in die Falle der falschen Gleichgewichtung. Genau dieses Bewusstsein ist der Lackmustest für guten, unabhängigen Journalismus.

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