
In Norwegen gibt’s ja jede Menge Fjorde. Und Straßen. Und Autos. Und über ziemlich viel Wasser fahren auch heute noch Fähren. Schlicht, weil die Alternative ein Umweg von Hundert Kilometern wäre. Oder mehr. 2015 hat Norwegen die erste Fähre auf Elektro umgestellt, die MF Ampere von Lavik nach Oppedal. Die habe ich hier schon erwähnt. Allerdings war ich seinerzeit nicht auf der Ampere unterwegs, sondern auf der Stavanger. Ich habe in dem Artikel geschrieben, ich wäre auf der ersten Elektrofähre.

Nope. Die Stavanger fährt noch mit Diesel. Das rechts ist, glaube ich, der Auspuff. Dieses Jahr war es dann aber so weit. Die “Matre“, von der der Rettungsring oben stammt, ist tatsächlich ein Elektroschiff. Und zwar ein ziemlich fettes. Mit Aufzug zum Salon, der gestaltet ist wie ein Kino:

So, als gäbe es da vorne irgendwas richtig spannendes zu sehen. Der Andrang im Salon ist in der Nachsaison erheblich, auch weil es auf er Fähre lediglich eine Kaffeemaschine gibt, keine Würstchen. Allerdings ist das Fahrzeugdeck auch eher leer:

Die andere Elektrofähre, die Kinsarvik, die – Überraschung – von Kinsarvik aus nach Utne fährt, ist da etwas schnuckeliger:

Kein Aufzug, und der “Salon” auch ohne Würstchen. In dem Fall brechend voll, weil ein ganzer Reisebus seine Passagier auf die Fähre zum Tagesausflug abgeladen hat. Aber Elektro. Und da habe ich mir dann mal die Ladekontakte angesehen:

Das ist der Kontakt vom Landstrom, der da motorisch ans Schiff gedockt wird. Auf jeder Seite der Fähre ist so ein Anschluss, so dass die Fähre immer während der Wartezeit aufgeladen wird und dann rüberschippern kann. Der Anschluss ist etwa suppentellergroß.
Ist das mit den Elektroschiffen die Zukunft? Für Fähren auf kurzen Strecken sicher. Mittlerweile gibt es auch schon Luxusjachten mit quadratmeterweisen Solarzellen – 16 kWp – , betrieben mit 430 kW-Elektromotoren. Nur leider brauchen die ne gute Woche um ihre Akkus zu laden, die dann für einen halben Tag cruisen reichen. Zum Cocktail schlürfen und mit der Vilebrequin-Hose flexen reicht’s.

Ich sehe mehr und mehr Segelboote, die ihren stinkigen Diesel rausgeschmissen haben und nicht nur Gewicht, sondern über die Jahre auch Geld sparen. wenn mal doch mal sehr lange Strecken motoren muß, z.B. durch den NOK, dann kommt temporär ein Generator auf Deck und erhoeht die Reichweite entsprechend.
Ich denke, das ist auch die Zukunft. Reine Solarboote sind auf absehbare Zeit nicht realisierbar. Und so eine 3000-Liter-Dieseltank-Füllung kostet mittlerweile richtig Geld und man kommt damit mit einem 12-Meter-Verdränger gerade mal 2000 km weit. Das reicht von Nürnberg gerade mal nach Stavanger. Motten wir die Drachenboote wieder aus.