
Ein Teil des Berges in der Mitte des Bildes heißt Stonganeset. Da gibt’s mehr davon in Norwegen, Zu diesem hier gibt’s eine Geschichte. Im Spätsommer 1024 ist Olaf der Heilige (der damals noch “Olaf der Dicke” hieß) mit einem Schiff voller Krieger den Fjord hochgesegelt, weil er gehört hatte, dass da noch ein paar Leute den “alten Göttern” huldigten. Olaf war ein paar Jahre vorher in Paris getauft worden und war als Konvertit nun einer von den 1000-Prozentigen. In den letzten 20 Jahren war er im Wesentlichen damit beschäftigt gewesen, England zu überfallen und Leute niederzumetzeln. In England war gerade keine Konjunktur, da die Dänen gerade mal wieder verloren hatten. (1066, als die Normannen England eroberten, war noch nicht.)
Also landete Olaf mit seinen Leuten im Morgengrauen an dieser Landzunge, wo ein alter Tempel aus Steinen und Schwemmholz war. Der Priester, Harek von Stonga, ein weißhaariger Mann mit Bärenfell über der Schulter, kam ihm entgegen und sagte “Wir haben euch nicht hergebeten. Lasst uns unsere Götter verehren, und wir lassen euch auch in Ruhe. ” Das war für Olaf aber jetzt nicht so der erstrebte Ausgang der Aktion, also wurden der Alte und seine ganzen Bauern niedergemetzelt, der Tempel angezündet und Olaf der Heilige hatte wieder ein Stück Land für Christus erobert.

Das ist die Aussicht, von dem Punkt, an dem der Tempel stand und an dem Olaf ein Steinkreuz errichtete. Das Kreuz steht längst nicht mehr und in stürmischen Nächten hört man hier ein Seufzen und Klagen. Und gelegentlich soll hier auch ein dunkler Schatten in Kreuzform sichtbar sein.
Die Angewohnheit, wehrlose Bauern zu metzeln, ist Olaf sechs Jahre später dann auf die Füße gefallen. (Bauernschlachten war damals in Norwegen auch für Könige ein Verbrechen) In der Schlacht von Stiklestad haben seine Kämpfer gegen ein Bauernheer den Kürzeren gezogen und Olaf der Dicke war Geschichte.
Innerhalb von fünf Jahren betrieb die Kirche seine Heiligsprechung. Dass der fanatischste Glaubenskrieger eigentlich ein schlimmer Finger war, durfte nicht sein – es gab noch genug “Heiden” in Norwegen, für die war das natürlich ein gefundenes Fressen. Also wurden ihm in kürzester Zeit – fünf Jahren – ein Dutzend Wunder angedichtet, er heiliggesprochen und 400 (!) Kirchen nach ihm benannt. Kirchen waren damals recht simpel zu kriegen. Man stellte eine Bretterbude ohne Fenster in die Landschaft – Zack. Kirche.
Übrigens gibt es gar keine päpstliche Heiligsprechung, zumindest habe ich keine gefunden. Das scheint eine eher lokale Nummer gewesen zu sein. Aber weil der Olaf so dekorativ war, gibt es in ganz Europa Kirchen “St. Olaf”. Die damalige Journalisten-Elite aka “Skaldensänger” wusste auch, mit wem sie sich besser nicht anlegte und vor allem der schon erwähnte Snorri sang das Hohelied des heiligen Olaf…
