
Hin und wieder will ich Dinge ganz genau wissen. Und da ich ja vor zwei Wochen ein PATLive zum Thema Monochrom gemacht habe und gerade am OM-3-Buch bin, habe ich mich mit der Kamera mal auf ein Colortarget gestürzt und versucht, herauszubekommen, was die da nun genau macht.
Man kennt ja einen Farbkreis aus der Schule. Meistens bekommt man den Goethe-Farbkreises vorgesetzt, bei dem den Primärfarben – Rot, Gelb, Blau – die entsprechenden Mischfarben gegenübergesetzt werden. Also Rot ist gegenüber Grün, Gelb ist gegenüber Lila und Blau ist gegenüber Orange. Irgendwann erfährt man dann, dass es gefühlt mehrere Dutzend verschiedene Farbkreise gibt und die ewige Wahrheit des sechsteiligen Farbkreises “ein bisschen” relativiert wird.
Die OM-3 hat als Farbkreis für den Mono-Modus einen achtteiligen Farbkreis. Gelb- Orange – Rot – Magenta – Blau – Cyan – Grün – Gelbgrün.
Ich habe nun bei meinem Mono-Vortrag so nebenbei behauptet, dass man als Alternative für den Monomodus beim Bayer-Sensor beim Mono-Sensor eine ganze Tüte verschiedener Filter mitnehmen müsste.
Das war – sagen wir mal vorsichtig – nicht ganz richtig.
Die Vorsatzfilter arbeiten anders. Ein Blaufilter lässt nur blaues Licht bestimmter Wellenlänge durch. Gelb, Grün und Rot fällt flach. Wenn wir nun ein Blaufilter nehmen, das bis in den UV-Bereich durchlässig ist, dann bekommen wir auch Violett-Wellenlängen auf den Sensor, aber kein Rot. Never Ever.
Wählen wir aber beim Farbrad die Stellung “Magenta”, so werden sowohl blaue als auch rote Töne durchgelassen. Wir bräuchten also ein Farbfilter mit einem doppelten Bandpass. Überraschung: Gibts. Nennt sich “Dual Bandpass Filter“. Kleines Problem: Das sind Spezialfilter für Industrieanwendungen. Schneider-Kreuznach hat das zum Beispiel nicht.
Ansonsten sind die Filter der digitalen Farbkreise aber durchaus ähnlich einem tatsächlichen Farbfilter. Es wird genau der ausgewählte Bereich und die unmittelbar anschließenden beiden Bereiche verstärkt, der Rest je nach Einstellung reduziert. Das funktioniert auch im “COLOR”-Modus.
Gelegentlich wird behauptet, man könne mit den entsprechenden Einstellungen vor allem die im Rad gegenüberliegende Farbe, also die “Komplimentärfarbe” reduzieren, das trifft nicht zu. Es wird jede Farbe reduziert, die nicht im Bereich der ausgewählten Farbe und der beiden Nachbarfarben ist. Die digitalen Farbfilter können also sehr schmalbandig eingestellt werden.

Beim Colormodus können sogar mehrere Wellenlängenbänder hervorgehoben und reduziert werden, wenn man will, auch drei oder vier, das ist mit Vorsatzfiltern überhaupt nicht zu machen.
Die Aussage “man kann das gleiche auch mit einer Tüte Vorsatzfilter machen” – war ein bisschen mutig…