Die “Wiesner One”

Stephan Wiesner ist ein Foto-Influencer, der gelegentlich auch vom Marktführer der Herzen engagiert wird um eine Kamera vorzustellen. Er ist gut vernetzt und kommt verbindlich rüber. Ich persönlich habe ihn nicht abonniert, ich kriege ihn nur ab und zu in meinen Feed gespült.

Und da kam er heute auch an, mit einem Projekt. Eine “puristische Kamera” mit den wesentlichen Dingen – Sensor, guter elektronischer Sucher, so grob fest verbaute Normalbrennweite, wenige Knöpfe, kein Display, natürlich zum Niederknien schön und am besten Made in Germany.

https://youtu.be/QCIgo9-RRDA?si=mdO2Ua6gI2T2YoRu

Crowdfunding. Open-Source-Software. Mit Filmsimulationen. Und lauter netten Gags, die das Fotografieren einfacher machen. Also endlich, endlich, die eierlegende Wollmilchsau. Nein, natürlich nicht. Eine puristische Kamera. Wie Leica, nur noch puristischer. Und natürlich mit Schnittstelle zum Handy. Zeitrahmen: In nem halben Jahr. Oder einem Jahr.

Ach ja, jeder soll sie aufschrauben können und nen anderen Proz reinstopfen. Mehr Speicher, kein Problem. Reparaturfreundlich sowieso.

Ich muss sagen: Fetter Respekt von meiner Seite, dass er sich damit nach außen wagt. Jeder hat natürlich den Traum, so ein Stück Technik zu haben, auf dem der eigene Name prangt. Nicht umsonst habe ich meine PEN-F mit Goldbronze aufgepeppt. “Customizing”. Halt ins Extreme weitergedacht.

Ich wünsche ihm da viel Glück – man muss sich trauen, am eigenen Traum zu basteln. Warum auch nicht. Andere bringen eigene Fotojacken, eigene Kameragurte oder eigene Taschen auf den Markt – warum nicht mal ne Kamera?

Naja – weil das eigentlich albern ist. Niemand kauft eine Kamera mit einem uralten Sensor. Wozu? Die gibt’s im Dutzend billiger gebraucht. Also muss ein aktueller Sensor rein. Und der dazu passende Proz. Dann eine Benutzeroberfläche programmieren, eine Schnittstelle für Erweiterungen. RAW-Konverter gibt’s schon, ist nur die Frage, ob der schnell genug ist und auf dem Proz läuft. Und ob die OpenSource-Lizenz den Verkauf der Kamera erlaubt. Und wie das mit dem Wärmemanagement ist. Und der Abdichtung. Und der FCC-Zulassung des Funkmoduls. Und dem Laden des Akkus. Gibt’s nen Blitzschuh? Wenn ja, welches Protokoll? Gibt’s da auch OpenSource-Lösungen dazu? GPS? HDMI-Buchse? Eingebauter Speicher? Welche Laufwerke? Video? VNC kann zwar alles, aber die geben die Lizenzen nur an nicht kommerzielle Projekte.

Man sieht, ich habe tausend Abers und halte das Projekt für völlig durchgeknallt. Aber ich stehe auf durchgeknallte Sachen, Also wenn jemand der Meinung ist, Wiesner hat das Brain um mal locker ganze Hundertschaften von Kameraentwicklern an die Wand zu denken, dann Video ankucken und vielleicht mitspielen. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass wenn er scheitern wird, er es grandios tun wird.

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