STF-8 – eine völlig neue Blitzsteuerung

Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Bildern? Ich meine, außer der Größe?

Wenn man sich die EXIFs ankuckt – gar keiner. Beide sind mit LiveComposit gemacht, an der Kamera wurde zwischen den Bildern absolut nichts verändert. Trotzdem ist das obere Bild etwa zwei Blenden heller als das untere Bild. Warum? Klar. Die Beleuchtung wurde verändert. In diesem Fall stammte die Beleuchtung zu 100% von einem STF-8, der an einer anderen Kamera montiert war, und folgendes Bild gemacht hat:

Das habe ich mit verschiedenen Blenden gemacht – von 1,8 bis 22, das Bild hier ist 5,6. Bei 1,8 war das Bild überbelichtet, aber das war jetzt nicht die Überraschung. Die Überraschung war, dass beim parallel “mitlaufenden” LiveComposite  in der zweiten Kamera grob immer die gleiche Leistung ankam. Das obere Bild ist die Blitzleistung bei Blende 22, das Bild darunter bei Blende 1,8. Dazwischen sind eigentlich sieben Blenden Blitzleistung. Das obere Bild müsste weiß sein, das darunter schwarz.
Nun habe ich mal ein Voigtländer angeschlossen und von 0,95 bis 16 durchlaufen lassen:

Das obere ist f/095 das darunter f/5,6. Ein wesentlicher Unterschied: Die Blitze waren nicht, wie beim ersten Bild,  wenige Zentimeter von der Mechanik entfernt, sondern ein ganzes Eck weiter:

 

Hier sieht man dann auch, dass die Blitze wunderbar per Stativ vom Objektiv zu entkoppeln sind. Hier wurde das 150er Sigma FT verwendet, das sieht dann so aus:

Die Blitzsteuerung des STF-8 läuft also nach einem interessanten System ab: Wenn das Motiv weiter weg ist oder die Blitze weiter vom Motiv entfernt sind – unter Ausnutzung der Spiralkabel – wird ganz klassisch die Blitzdauer reguliert. Ab Etwa Blende 2,0 funktioniert das ganz prima, darunter sind die Spiralkabel zu kurz. Kommen nun die Blitze näher ans Motiv oder wird die Blende größer als 2,0, wird der Blitz immer mit der gleichen – nämlich der Mindest – Leistung gezündet. Damit nun nicht die Bilder alle gnadenlos überbelichtet sind, wird der Blitz VOR Öffnung des Verschlusses gezündet, so dass der größte Teil der Blitzleistung auf der Rückseite des Verschlusses verbraten wird. Ein cooler Trick, der nur einen kleinen Haken hat: Das funktioniert nicht ganz genau und so kommt es zu den im letzten Post gezeigten Belichtungsunregelmäßigkeiten, die auch im Bild unterschiedlich sind  denn, Überraschung, der 1. Vorhang braucht ja auch ein bisschen um durchzulaufen und deshalb wird die Belichtung auch noch ungleichmäßig.

Wo liegt der Fehler? Olympus hat einfach die FL-LM3 genommen und zu Makroblitzen umfunktioniert. Spart Entwicklungskosten und so kann man den Blitz billiger machen. Der FT-Makroblitz war deutlich teuerer, hatte die Blitzfrequenz nicht und war nicht spritzwassergeschützt. Nachteil: die eigentlich für einen Makroblitz wesentliche Funktion, sehr, sehr wenig Licht zu liefern, ist weggefallen. Wie wirkt sich das nun aus? Alle manuellen Makros (alte OM-Makros u.ä.) sind darauf angewiesen, dass die Blitze weiter weg stehen – oder dass man richtig deutlich abblendet. Denn diese Geschichte mit der Verschlussabdeckung funktioniert natürlich nur, wenn die Kamera die Blende des Objektivs kennt. Und bei FT und mFT-Objektiven kann es beim offenblendigen Makro zu leicht unterschiedlichen Belichtungen kommen.
Beim Fokus-Bracketing oder Stacking mit Offenblende sollte man also je nach Motiv erstmal ein paar Probebilder machen, ob die Belichtung durch den Blitz gleichmäßig ist.
Was etwas lästig ist, ist die Tatsache, dass die Steuerung des Verhältnisses der beiden Blitze – von 1:8 bis 8:1 – natürlich ebenfalls erst funktioniert, wenn ausreichend abgeblendet ist – denn wenn beide Blitze bereits auf Mindestleistung blitzen, dann kann so etwas natürlich nicht klappen. Der Trick mit dem Verschluss betrifft ja beide Blitze.

Zum Schluss noch: Sorry, dass ich mich bei meinen Testfotos auf Blech beschränkt habe. Wahrscheinlich kann Frank da bessere Bilder liefern. Aber für die Testreihe war das deutlich praktischer.

Update:
Ein User hat mich zu Recht darauf hingewiesen, dass meine Theorie mit dem mechanischen Verschluss nicht stimmen kann – der Blitz blitzt auf 1/128 so kurz, dass eine Teilabschattung nicht funktioniert. Es ist also nicht der mechanische Verschluss – der Trick funktioniert mit Hilfe des elektronischen Verschlusses. Genauer: Nach Öffnen des mechanischen Verschlusses wird der Sensor nach dem Auslösen des Blitzes gelöscht. Das geht ausreichend schnell – und ist halt trotzdem nicht so ultragenau hinzubekommen, damit das 100% gleich bei jeder Auslösung klappt.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *