Ehre der Feuerwehr und den Bauern!

Jeder, der in der letzten Woche in Deutschland nicht im Keller unter einem Stein gewohnt hat, hat es mitbekommen: Es brennt. Zum Beispiel in der Eifel. Und einen Haufen Leute riskieren ihre Haut dabei, diese Brände zu bekämpfen. Und sie werden dafür nicht bezahlt. Das sind freiwillige Feuerwehren und Bauern, die Wasser herankarren. Wenn man einen Leopard weniger kaufen würde und stattdessen 200 Feuerlöschdrohnen, wäre das Problem deutlich geringer – aber da verdienen ja am Ende ein paar Chinesen das Geld statt ein paar Rheinmetallaktionäre.

Unser aller Lieblingskanzler hat nun die tapferen Feuerbekämpfer gewürdigt: “Wo immer möglich, leisten Bundespolizei und Bundeswehr Hilfe. Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz.” Polizei und Bundeswehr dürfen sich gebauchpinselt fühlen, Feuerwehr, THW und Bauern dürfen sich ihre Erwähnung dazudenken.

Hiermit mache ich mal wieder ein Fass auf: Ihr Leute von der “Freiwilligen” und ihr Bauern seid die Helden. Am Land sind die Bauern auch noch in der Feuerwehr. geht gar nicht anders, weil man da Leute braucht, die einen Traktor fahren können:

Hier beim Räumen der Straßen in der Nacht von Kyrill. Wenn da vier Mann mit Kettensägen rumstehen, außen rum fliegen die Bäume tief und die stehen da und machen Kleinholz – wer das erlebt hat, vergisst das nie mehr.

Hier beim ankarren von Wasser, hier glücklicherweise nur für eine Übung.

Das hier ist keine Übung, hier brennt der Wald tatsächlich – das Titelbild ist vom gleichen Termin. Das Feuerlöschfahrzeug ist ein uralter Magirus-Tanker. Eigentlich ein Oldtimer, aber das einzige Fahrzeug in der ganzen Gegend, das auf die schnelle eine amtliche Menge Wasser vor Ort bringen kann. Ersatz? Gibt’s nicht. “Kein Geld”. Also halten die “Freiwilligen” den Oldtimer am Leben, damit sie eben, wie hier, einen Waldbrand bekämpfen können, bevor er sich ausbreitet.

Brand einer Schulturnhalle. Ja, eigentlich sollte da Atemschutz angelegt werden. Manchmal reicht die Zeit dafür nicht.

Vorgestern hat hier ein Acker angefangen zu Brennen, verursacht durch einen Defekt bei einem Auto.

Problem erkannt, Problem gebannt.

Ehre den Leuten der Feuerwehr. Wer jemals bei diesem Haufen dabei war, weiß, was da dahintersteckt.

Ach ja: alle Fotos sind mit Genehmigung der Feuerwehr entstanden. Es ist nicht so, dass ich da während der Einsätze irgendwo im Weg rumstand.

21 Replies to “Ehre der Feuerwehr und den Bauern!”

  1. Wir wohnen ja im Hunsrück, genauer gesagt in Kirchberg (älteste Stadt im Hunsrück) und haben ca. 90 km bis zur belgischen Grenze. Selbst hier sehen wir die Rauchschwaden und haben zeitweise Geruchsbelästigung.

    Ist schon traurig, was hier in D alles schief läuft.
    Respekt für alle Einsatzkräfte und freiwillige Helfer!

    Wobei es gar nicht für die freiwilligen Helfer so ohne ist: Wenn die nicht offiziell beauftragt werden und auf eigene Initiative mit einem Wasserfass dahin fahren haben die evtl. größere Probleme mit den Versicherungen.

    Zur Zeit – seit gestern – regnet es länger. Aber sobald die Wälder gelöscht sind und der Rhein wieder genug Waser hat wird das Thema wieder tot geschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Bis zum nächsten Niedrig-/Hochwasser oder Waldbränden. Wir sind nicht vorbereitet. Ausser das die Warn-Apps NINA + KATWARN Alarm geben. Sogar hier.

    Die Lösungen zum Niedrigwasser sieht man nun in neuen Schiffen, die einen niedrigeren Tiefgang haben und breiter sind.

  2. 2022 vor dem Hintergrund des Angriffs auf die Ukraine und den Umweltkatastrophen in Rheinlad Pfalz einigten sich die Länder parteiübergreifend mit der damaligen Innenministerin Frau Fäser, dem Katastrophenschutz mit einem Maßnahmepaket über 10 Mrd. Euro zu unterstützen. Im Rahmen der sogenannten ‘Zeitenwende’.

    Das Paket wurde von der Ampel-Regierung jedoch gekürzt.
    Eine Pressemitteilung: https://im.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung/pid/staerkung-des-zivil-und-katastrophenschutzes

    Wenn ich es richtig verstehe, ist der Brand- und Katastrophenschutz Ländersache.
    Tja…
    Der großartige Einsatz der Freiwilligen vor Ort ist wirklich bewundernswert.

  3. Die freiwillige Feuerwehr hat bei uns auch im Keller geholfen, nach Starkregen den Keller leerzumpen. 2x hintereinander in 2 Wochen. Die Jungs und Mädels sind spitze und unverzichtbar!

    Was die Flüsse in Europa angeht, wundere ich mich ja über die revitalisierte Atomkraft-Euphorie. Womit wollen die Befürworter die Dinger denn kühlen, wenn sie modernisiert oder fertiggestellt sind?

      1. Nein, die werden von oben mit Flugtaxis gekühlt. Am Steuer der Heissluftmarkus höchstpersönlich.
        🙂
        Wolfgang

  4. Ohne die vielen ehrenamtlichen aber auch hauptberuflichen Helfer würde in unserem Land gar nichts mehr funktionieren. Insofern kann ich den Worten von Reinhard nur zu 100 Prozent zustimmen.
    Gleichzeitig muß man aber auch darauf hinweisen, dass die Politik und die Verwaltungen auf die Veränderungen einfach zu zögerlich (bzw. gar nicht) reagieren.
    Wenn mir vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, dass wir im Harz irgendwann einmal eine Waldbrandwarnstufe IV ausrufen würden, dann hätte ich den ausgelacht. Etliche, teilweise schwere Waldbrände und langanhaltende Dürreperioden später kann ich nur sagen, es ist Realität. Und ja, hier hat man daraus gelernt: es gibt sogar für den Nationalpark die Erkenntnis, dass man an potentielle Brandherde mit Feuerwehrfahrzeugen herankommen muß und es gibt ein seit Mai 2023 in Ballenstedt stationiertes Löschflugzeug (das einzige in Deutschland) mit dem etwas über 2.000 Liter Wasser oder aber auch Chemie über Brandherden abgeworfen werden kann. Da das Flugzeug ständig zur Verfügung steht, können die Brände heute häufig im Entstehungsstadium bekämpft werden. Aufgrund der Wassermenge und der Betankung am Boden sind Flugzeuge des Typs PZL 18 Dromader auch nur in diesem Beriech sinnvoll – bei Bränden wie in Westfrankreich oder auch jetzt im Hohen Venn ist ein Einsatz solcher Maschinen sinnfrei.
    Das größte Problem ist aber, dass die meisten Brände “menschengmacht” sind – es wird bewußt (Brandstiftung) oder unbewußt (Rauchen und offenes Feuer im Wald, Fahrzeuge etc.) gezündelt. Totholz wird nicht aus dem Wald entnommen bzw. verbleibt entlang der Bahnstrecken, Straßen und Wanderwege im Walde (dies ist vor allem ein Nationalparkproblem!!!). Wobei sich ein Leiter dieser Einrichtung mal dahingehend geäußert hat, dass Totholz ein Wasserspeicher sei, der nicht brennt – diesen Unfug muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen!
    Natürliche Ursachen durch zum Beispiel Blitzeinschläge sind eher die Ausnahme als die Regel.
    Viele Grüße
    Hans-Joachim

    1. Heißt das, man sollte Totholz aus Wäldern entfernen? Sonst wird ja immer gesagt, Totholz sei wichtig für die Artenvielfalt usw.

      1. Nein, dass heißt man soll keine Sangria-Flaschen (genauer: überhaupt keinen Müll) im Wald entsorgen!
        Nicht das Totholz ist das eigentliche Problem!
        Aberja, auch Totholz kann ganz sicher austrocknen, wenn es nur lange genug trocken und warm ist. eine Selbstentzündung halte ich trotzdem für wenig wahrscheinlich.

        Andy
        immüllvermeidungsmodus

        1. Probier das mal aus. Ich sammel regelmäßig hier in Rocksdorf in meinem eigenen “Wald” das Totholz auf, säge es klein und schüre damit. Ich verwende das zum anzünden, weil das hervorragend und sehr schnell anbrennt. Der Heizwert ist mehr so mäßig, aber es brennt wie die Sau – besonders Birkentotholz. Und es trocknet irrsinnig schnell. Zwei Tage Sonne und das Zeug ist trocken.

      2. In Bayern gibt es “Holzsammelscheine”. Damit darf man das Totholz aus den Gemeindewäldern sammeln. (Leseholzverordnung.)

        1. Sowohl die Waldbrandkatastrophe 1975 in der Heide als auch die großen Brände am Brocken im Nationalpark Harz wurden ganz wesentlich von dem hohen Totholzanteil in den Wäldern begünstigt. In beiden Fällen waren Dürreperioden und Sturmereignisse (1972 bzw. 2018) vorausgegangen. Im Nstionalpark kommt der ideologisch begründete Verzicht auf die Aufarbeitung des Sturmholzes und auch des Holzes aus Verkehrssicherungsmaßnahmen hinzu.
          Das Feuer in der Heide 1975 kostete 7 Menschen das Leben, überwiegend Kameraden der Feuerwehr. Seitdem hat sich in der Brandbekämpfung und Früherkennung von Bränden viel getan – wobei in den Kieferngebieten in Ostdeutschland schon immer eine intensive Überwachung betrieben wurde (Besetzung von Feuerwachtürmen).
          Viele Grüße
          Hans-Joachim

      3. Liegendes Totholz mit Bodenkontakt ist nicht das Problem – durch den Bodenkontakt hat das Holz immer einen gewissen Feuchteghalt (siehst Du, wenn Du Dein Brennholz ohne Unterlagen auf den Boden legst). Das Problem ist, dass – insbesondere im Nationalpark – viel Totholz steht bzw. natürlich umgebrochen ist und lediglich einige Äste Bodenkontakt haben während der Rest des Stammes “luft- und sonnengetrocknet” wird.
        Und natürlich reden wir hier über Waldbestände mit einem hohen Kiefern- oder Fichtenanteil. Insbesondere die Kiefer (aber auch zum Beispiel die heute vielgelobte Douglasie oder die Lärche) haben einen hohen Harzanteil – und das brennt richtig gut. Im Extrem explodieren diese Harzblasen regelrecht und fliegen Dir brennend um die Ohren (im heimischen Kamin ist das dies schöne Knacken…). Und bevor jetzt auf die genannten Nadelbaumarten geschimpft wird: viele dieser Bestände sind aus Zwangssituationen (Nachkriegsaufforstungen nach Reparationsleistungen, Aufforstung von devastierten armen Sandböden, verfügbares Saatgut und Pflanzen) oder auch natürlich (z. Bsp. Brocken) entstanden.

    2. Todholz als zurückgeführtes organisches Material ist in Ökosystemen schon wichtig. Ohne genug organischen Anteil im Boden keine relevante Wasserspeicherfähigkeit, die für Wälder ausserhalb der Tropen erforderlich ist.
      In der Natur sieht man das überall. Allerdings gibt es dort wo noch funktionierende Öko-Systeme wie in den Savannen gibt überall auch Herden, die rückgeführtes organisches Material zerkleinern, niedertrampeln und draufscheissen, damit nachfolgend das Bodenleben es darunter geschützt zu diesem Speicher weiterverarbeiten kann.
      Dummerweise wurde zwischen 40 000- 10 000 Jahren die Megafauna der Wälder in den hiesigen Breiten verschwunden.
      https://www.scinexx.de/news/biowissen/waldelefant-koennte-noch-heute-in-europa-existieren/

  5. Als Wiedergutmachung für die Nichterwähnung der Feuerwehr, THW und Bauern
    könnte unser aller Lieblingskanzler ja einen Leopard-Panzer bestellen, aus
    dessen Kanone keine Geschosse, sondern ein Wasserstrahl herauskommt.

    1. …das muss man nichtmal neu erfinden – sowas gibt es schon – z.B. Basis des Marders.
      Aber es gibt auch schon “Raupendrohnen”, kleiner, billiger und ohne Menschen direkt in Gefahr zu bringen – und die müssen wir nicht mal in China kaufen, die können wir selber herstellen…..

      Andy
      imlöschpanzermodus

  6. Weils irgendwie hierher passt und auch ein Fotothema sein könnte.

    Am Samstag den 29.8. feiert die Berliner Feuerwehr ihr 175 jähriges Jubiläum mit einem Fahrzeugkorso – 80 teils historische Fahrzeuge – quer durch die Stadt von Tegel bis zum Technik Museum in Kreuzberg. Diese Fahrzeugkorsos von Feuerwehr und auch BVG sind legendär und es war eigentlich nicht mehr damit zu rechnen, dass das nochmals stattfinden könnte.

    Streckenverlauf und Zeiten hier:

    https://www.berliner-feuerwehr.de/aktuelles/veranstaltungen/fahrzeugkorso-berliner-feuerwehr/

  7. In dem Zusammenhang möchte ich an die Rolle der Bundeswehr beim Grossbrand bei Meppen im September 2018 erinnern. Speziell daran daß zwar hinterher die Einsätze von THW und freiwilligen Feuerwehren vom Bund bezahlt wurden, dass neue Löschgerät für Millionen € aber an die Bundeswehr ging, nicht an diejenigen, die den Brand dann tatsächlich gelöscht haben. Die arbeiten vermutlich heute noch mit dem gleichen alten Zeug wie vor 8 Jahren.

    1. https://de.wikipedia.org/wiki/Moorbrand_im_Emsland_2018

      Im besten Fall schafft es dann die Feuerwehr der Bundeswehr beim nächsten Mal allein bzw. rechtzeitig den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Ich möchte auch ungern Kameraden einer freiwilligen Feuerwehr auf das Betriebsgelände einer Chemiefabrik schicken. Da ist es schon von Vorteil die Werksfeuerwehren so auszurüsten, dass sie die meisten Schadensereignisse selbst in den Griff bekommen.

      Bei der Ausstattung der Feuerwehren in Deutschland wird leider am falschen Ende gespart. Wenn Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren mal hier in Berlin eine Feuerwache besichtigen, dann ist das meistens ein schockierendes Erlebnis. Die Einrichtung stammt nicht selten vom Sperrmüll oder ist zusammengewürfelt aus Spenden von ausrangierten Büromöbeln angrenzender Unternehmen. Da erscheint dann meistens das Feuerwehrhaus im eigenen Dorf im ganz anderen Licht.

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