Kennt den noch irgendwer? Das ist der “Stylus TG Tracker”. Kam 2016 auf den Markt, als Konkurrenzmodell zur GoPro. Ich habe in Zingst ein bisschen damit gespielt und war eigentlich ganz angetan. Die Kamera blieb ein Einzelstück, die Restbestände sind dann später ziemlich billig unter die Leute gebracht worden. Aber nicht, weil sie schlecht war – im Gegenteil: ein feines Stück Technik – sondern weil sie extrem zurückhaltend vermarktet wurde und offensichtlich der Mut fehlte, ein Nachfolgemodell auf den Markt zu bringen. Dabei war der Ansatz, die Kamera nicht quer, sondern längs einzubauen ziemlich intelligent. Das Winzding hatte sogar ein Ausklappdisplay. Zehn Jahre später kostet ein funktionsfähiger Tracker immer noch rund 250 Euro.

Damals war GoPro DER Marktführer für diese Actioncams. Bei Digitec Galaxus hatte die GoPro 85% Anteil am Verkauf. Den Rest teilten sich DJI, Samsung, DJI, Sony, Polaroid und “Sonstige” – darunter Olympus.

Jetzt haben wir zehn Jahre später und die Marktanteile sehen geringfügig anders aus: Knapp 50% DJI, 23% Insta 360, GoPro 19% , den Rest teilen sich EasyPix, Akaso und der ganze Rest.

GoPro hat im letzten Jahr bei 651 Millionen Dollar Umsatz 93 Millionen Dollar Nettoverlust gemacht. GoPro reagiert mit den üblichen Maßnahmen: Ein Viertel der Belegschaft rauswerfen – und jemand suchen, der bereit ist, den Laden zu übernehmen.

Der Aktienkurs ist nach der Bekanntgabe des Finanzberichts um 14% eingebrochen. Mittlerweile hat er die Hälfte des Verlustes wieder gutgemacht. Das ist auch kein großes Problem, da die Aktie, die 2016 bei über 80 Dollar lag, derzeit zwischen 80 und 95 Cent schwankt. Die Marktkapitalisierung liegt etwa bei 160 Millionen.

In ihrem Finanzbericht schreibt die Wirtschaftsrpüferin PWC, dass man “erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens” habe, weil sie nicht mehr davon ausgehen können, dass man innerhalb der nächsten 12 Monate zahlungsfähig bleibe. Die flüssigen Mittel sind auf knapp 50 Millionen Dollar geschrumpft.

Das ist nicht das Problem, aber GoPro hat ein paar Kreditlinien laufen, die zusammen 100 Mio Dollar betragen. Und die Tatsache, dass es derzeit Zweifel am Fortbestand des Unternehmens gibt und die Kredite sogenannte “Kreuzklauseln” haben, das bedeutet, wenn einer der Kredite platzt, alle anderen mitplatzen, macht die Geschichte gerade extrem heikel. GoPro hat geschrieben, dass sie nicht ausreichend Vermögenswerte haben, um die Kredite bedienen zu können, wenn sie fällig gestellt werden.

Sie sind gerade im Gespräch mit den Banken – wenn die nicht klappen und sie keinen finden, der ihnen einen Kredit gibt, damit sie die Kredite zurückzahlen können, dann ist Schluss.

Das kann alles extrem schnell gehen.

Die mFT-Kamera mit 1-Zoll-Sensor und rein mechanischem Bajonett ist wohl tatsächlich mehr ein Symbol. Hinter der Fassade ist nichts mehr.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

Und ob überhaupt.

Offiziell ist natürlich die KI schuld. Weil die die Speicherpreise nach oben getrieben hat und jetzt der interne Speicher mehr als das Doppelte kostet und GoPro die gestiegenen Preise nicht auf die VKs umlegen kann. Weil? Weil DJI rechtzeitig Speicher gekauft hat und jetzt ihre ganzen Kameras großzügig ausstatten können, ohne die Preise anzuheben.

Und GoPro eben nicht. JustInTime ist halt gelegentlich eine blöde Idee.

PS; In der ersten Version dieses Artikels standen andere Dinge. Ich habe jetzt den original Finanzbericht gelesen und das ist echt starker Tobak. Übrigens sind die 93 Millionen Nettoverlust schon eine Verbesserung. 2024 standen 432 Millionen drin. Bei einem Umsatz von 802 Millionen. Das muss man erst mal schaffen.

2 Replies to “GoBroke?”

  1. “… JustInTime ist halt gelegentlich eine blöde Idee.”

    Vielleicht funktioniert ja die “JustInTime”-Methode in der
    neuen Branche, in der sich GoPro ausprobieren will:
    “defense sector”
    (https://gopro.com/en/us/news/gopro-to-explore-defense-and-aerospace-sector)

    Wobei manche Defense-Organisationen, wie z.B. die Bundeswehr,
    offenbar bereits schlechte Erfahrungen mit der JIT-Methode
    gemacht haben. Vielleicht sollte GoPro sich von der Bundeswehr
    beraten lassen. 😉
    (https://www.bundeswehr.de/de/meldungen/combat-service-spport-just-in-time-logistik-5451008)

  2. Ich fände es schade wenn gopro vom Markt verschwände. Die Kameras sind völlig ok und fast problemslos. Man kann die Teile unter Wasser als Quasistandard (für photographierende Taucher, nicht tauchende Photographen) betrachten. Ich sehe beim Tauchen selten Leute mit djis oder Instas. Vor einigen Jahren hatten noch viele eine Tough dabei. Sehe ich heute auch kaum noch.
    Die angekündigten Modelle mit 1” Sensoren und 20m ohne UW-Gehäuse wären für mich schon ganz interessant.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *