Ich bin ja kein Fan davon, in Museen zu knipsen. Fotografisch kommt da selten was bei raus. Das Licht ist lausig, Glasscheiben sind im Weg und wirklich verwerten kann man die Bilder auch nicht, weil man, selbst wenn man ne Fotogenehmigung hat, da oft irgendwelche Bedingungen dran geknüpft sind.

Und ist ja auch OK, dass das je nach Museum restriktiv gehandhabt wird, einfach um die Flut der Knipser irgendwie im Zaum zu halten. Selfie mit Kunstwerk. Hatten wir ja schon mal das Thema.

Bei Heimatmuseen bin ich mittlerweile anderer Meinung. Viele Heimatmuseen werden von ehrenamtlichen Idealisten betrieben, die Museen schrammen dauernd an der Schließung vorbei. Das oben ist das Heimatmuseum Heddal – in Norwegen sind die Eintrittspreise für die “großen” Museen mittlerweile so absurd, dass man sich da keine Gedanken drum machen muss. In Schweden habe ich kleine Museen gesehen, die sich mit dem Verkauf von Kaffee und Kuchen über Wasser halten.

Das da ist Paula Pröbster 2008 im “Fleischmichlhaus” in Pavelsbach. Frau Pröbster hat das ganze Haus mehr oder weniger aus ihrer privaten Sammlung ausgestattet und hat jahrelang Besucher und Gruppen geführt und den Leuten die bäuerliche Realität von vor hundert Jahren begreiflich gemacht. Frau Pröbster, das wandelnde Lexikon, hat 2022 die Töpfe endgültig in den Schrank gestellt. Nun ist es vorbei.

Das da ist das “Michael Kirschner Kulturmuseum”. Ebenfalls ein Bauernhaus, dessen ehemalige Besitzer das ganze Haus samt Inventar einem Trägerverein vermacht haben, unter der Voraussetzung, dass alles so bleiben muss, wie sie es hinterlassen haben. Hier ist also nichts totrenoviert und modernisiert. Das wird alles nur regelmäßig gefeudelt. Mehr nicht. Zeitkapsel. Trotzdem müssen natürlich Fenster stabilisiert werden, Dach gepflegt. Garten gepflegt und so weiter. Noch macht das ein Verein. Ein Verein mit Nachwuchssorgen. Öffnungszeiten: In den Sommermonaten jeweils am ersten Sonntag im Monat. Auch hier gibt’s Kaffee und Kuchen und Infos. Und wenn man den fränkischen Dialekt versteht, der hier gesprochen wird, dann kriegt man tiefe Einblicke in das Landleben. Was ist in zehn Jahren? Weiß keiner.

Das ist ein Teil des Fischereimuseums in Å. Der Ort mit seinen zwei Dutzend Gebäuden gehört im Wesentlichen einer Familie, die zum Zeitpunkt, als dieses Foto aufgenommen wurde, sich richtig Mühe gegeben hat, Å zu so etwas wie einem lebendigen Freilichtmuseum zu machen. Man erwarb einen Aufkleber, den man sich auf die Jacke pappte und konnte dann überall rein, einem Schmied über die Schulter kucken, alle Leute knipsen und man bekam noch ein paar nette Gespräche. Kunst und Kultur gab’s extrich.

Zehn Jahre später sind die Fassaden vergammelt, der Parkplatz gestopft voll mit Allradlandjachten, bei den Zimtschnecken wird am Zimt gespart und es gibt weder Aufkleber zu erwerben noch Handwerker zu fotografieren. Am Parkplatz gibt es einen Andenkenladen.

Mittlerweile habe ich beschlossen: Kleine Museen werden von mir gnadenlos dokumentiert. Innen, außen, die Leute, die das Museum betreiben. Alles. In bestmöglicher Qualität.

Anno 2012 war ich im Dannewerk-Museum. Das sah damals so aus:

Und ich habe damals auch Frau Malzen fotografiert, die dort für die Wissensvermittlung und den Verkauf der Eintrittskarten zuständig war. Letztes Jahr wollte ich wieder hin – es war weg. Auf einem Parkplatz standen ein paar Container und ein Schild, das sei jetzt das Dannewerk-Museum. Gerade bauen sie ein neues Museum. Derzeitige, geplante Eröffnung: 2027. Und das ist jetzt nicht ein Heimatmuseum hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen – das ist das Visitor Center für ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Fotogenehmigungen. Manchmal kosten sie ein paar Euro. Meistens nichts, wenn man nett fragt und Interesse zeigt. Denn die Leute, die das machen, sind meistens Idealisten.

Soll’s heute noch geben.

10 Replies to “Heimatmuseen”

  1. Guten Tag,
    In Riedenburg gibt’s ein Hifi Museum. Da hat ein Hifi Händler ein Museum aufgebaut, das absolut einzigartig ist. Der Gründer, Herr Krieger ist mit Herzblut dabei und der Besuch lohnt sich auch wenn man nicht fotografiert

    1. Tscho: Das “Klingende Museum” gibt es in Riedenburg nicht mehr. Die Räumlichkeiten werden jetzt anderweitig genutzt, die Exponate ziehen nach Hamm um.
      “Liebe Audio-, Antik- und Museumsfreunde:
      15 Jahre lang durften wir unsere Museums-Exponate im Nachbarhaus der Familie Bühler (Modehaus in der Ortsmitte) präsentieren, dafür danken wir uns sehr. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns nach einem neuen Zuhause umsehen müssen. Nun erreichte uns eine sehr erfreuliche Nachricht von Herrn Jürgen Tempelmann vom CreativRevier Heinrich Robert mit dem Angebot, dieses Klingende Museum in der Zeche “Heinrich Robert, Zum Bergwerk 1, in 59077 Hamm, (NRW) aufzunehmen.
      Dieses Angebot, das Museum in den großräumigen Flächen dort komplett neu zu integrieren, konnten wir nicht ausschlagen und freuen uns, diese Zeitreise “Von der Spielwalze zur Digitaltechnik” in neuer Heimat noch im Jahr 2026 unterzubringen.
      An der bisherigen Adresse ist das Klingende Museum Riedenburg geschlossen!”

      Weitere Details und Fotos des alten Museums gibt’s (noch) hier:
      https://www.audio-creativ.de/?page_id=282
      Fotografieren. Dokumentieren. Und weitererzählen, dass es da was geiles gibt, dass Leute hingehen. Wo ist der “Heimatmuseums-Influencer”?

      1. Viele Privatsammlungen/-Museen haben irgendwann das Problem, dass sie zu verwaisen drohen. Gut, wenn sie dann in einen größeren Zusammenhang überführt werden können. Ein anderes schönes Beispiel ist die sehr umfangreiche Rennrad-Sammlung von Jockel Faulhaber: Die wurde sehr schön in das Technik-Museum in Sinsheim integriert.

      2. Schade, Ich wusste dass es Probleme gab, habe aber eine Internetseite mit Öffnungszeiten und Eintrittspreisen gefunden, die aber scheinbar älter war. Hatte gehofft dass er eine Lösung gefunden hätte. Vielleicht gibt es ja noch das Kristallmuseum dort.

  2. Wieviel Vergangenheit brauchen wir für die Zukunft. Ich denke viel.
    Manches (schlechte) kann weg. Der Rest darf bleiben.
    Persönliches, Verbundenheit mit kultureller Erbmasse, es interessiert immer weniger Menschen.
    Weiter so. Immer den Daumen in die Wunde legen.

    1. Wunde(n/r)bar auf den Punkt gebracht, danke für die schönen Zeilen.
      Wenn nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers uns weiterbringen könn(t)en, dann gilt das für die entscheidenden Spuren unserer Ahnen.
      Leider ist es vermutlich evolutionär festgelegt, dass jeder von uns, jede Gemeinschaft, jede Kultur jeder Zeitgeschichte die Fehler wiederholt, die schon alle vor uns gemacht haben. Und wenn Lernen aus Archiven
      derzeit nicht stattfindet, könnte das vielleicht einer nächsten Generation in einem kognitiven Evolutionssprung gelingen. Ich fürchte nur, dieser Sprung geht in eine noch deletärere Richtung.
      Daumen in die Wunde legen ist wichtig, das führt zu Schmerzen und Aufmerksamkeit, die Wunde wird kontaminiert und weil der Endpunkt immer Narben sind, sind diese die einzige Hoffnung auf Lernfähigkeit.

  3. Eine gute Möglichkeit besondere Orte zu sehen ist der Tag des offenen Denkmals, das sind meine Frau und ich immer unterwegs.
    letztes Jahr das Alte Waschhaus in Neckargrönningen (https://www.stadt-remseck.de/adresse/Altes-Waschhaus-address1022). Da war dann noch eine Frau vor Ort, die das als letzte Wäscherin betrieben hat.
    Oder das Lehrstellwerk (https://www.lehrstellwerk-kornwestheim.de/html/stellwerk.html) der Deutschen Bahn in Kornwestheim. Da gibts dann Erläuterungen zur Betriebsführung bei der Bahn, im Prinzip hat sich nichts geändert, lediglich die Stellwerkstechnik ist halt moderner. Das war am vergammeln, dann hat es einer von der Bahn gepachtet und Instand gehalten. Mitlerweile betreibt das ein Verein, man kann eine Fahrdienstleiterschulung machen und die Bahn hat in deutschland noch mehrere 100 alte Seilzugstellwerke und sie mieten sich dort wieder ein um Mitarbeiter zu schulen.

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